Anzeige

Anzeige

Hungerhilfe verkehrt

805 Millionen Menschen hungern weltweit. Experten sind sich einig: Konzepte zur Ernährungssicherung müssen die Kleinbauern stärken. Doch die Realität sieht anders aus. // Stephan Börnecke

Von Kleinbauern werden 70 Prozent der weltweiten Ernte erwirtschaftet“, schreibt Naturland. Der Öko-Anbauverband warnt deshalb davor, die Lösung des Hungerproblems im Export von Lebensmitteln und agrochemiebasierter Landwirtschaft in die armen Regionen der Welt zu suchen. Erfolgreiche Konzepte zur Sicherung der Ernährung müssten die Kleinbauern stärken. Ein wesentlicher Aspekt dabei sei der Öko-Landbau, weil er die Kleinbauern unabhängig macht von teurem Dünger und von Pestiziden.

Auch die Organisationen FIAN und Brot für die Welt sind überzeugt, dass zur Hungerbekämpfung eine Stärkung kleinbäuerlicher Betriebe nötig ist, zumal die meisten Hungernden Kleinbauern sind. „Deshalb müssen sich Investitionen zur Hungerbekämpfung an ihren Interessen orientieren.“

Die Realität sieht allerdings anders aus: So unterstützt die Bundesregierung Agrarkonzerne wie Bayer, BASF und Monsanto im Rahmen von Kooperationen wie der „German Food Partnership“ und der „Neuen Allianz für Ernährungssicherung“ in Afrika. Die Aktionen tragen das Etikett der Armutsbekämpfung. Sie „dienen aber vor allem den Profitinteressen der Konzerne“, heißt es in einem Appell der Entwicklungsorganisationen Oxfam, Inkota und FIAN.

Ein Beispiel für die Auswüchse der German Food Partnership sei der Export der Kartoffel nach Afrika. Dort gebe es eine Vielzahl lokal angepasster Nahrungspflanzen, erklärt Roman Herre von FIAN und kritisiert: „Die dominanten Konzerne bei Pflanzkartoffeln und Kartoffelpflanzenschutz wie Europlant und Bayer sollen, ..., Zugang zum afrikanischen Markt bekommen.“ Zudem solle die Kartoffel den wachsenden Hunger dortiger Fastfood-Ketten stillen. Mit Armuts- und Hungerbekämpfung zugunsten diskriminierter Gruppen habe dies wenig zu tun.

„Verborgener Hunger“ trifft viele

In 16 Ländern ist das Ausmaß des Hungers „sehr ernst” oder sogar „gravierend”, bilanziert die Welthungerhilfe. Konflikte wie in Syrien, dem Irak oder Südsudan gefährden die Ernährungssituation zusätzlich, sagt Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe. Zum eigentlichen Hunger kommt der „verborgene Hunger“, von dem zwei Milliarden Menschen betroffen sind. Ihnen fehlen Nährstoffe wie Folsäure, Eisen, Zink oder lebenswichtige Eiweißbausteine.

Erschienen in Ausgabe 12/2014
Rubrik: News

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'