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Gentech extrem?

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SynBio heißt eine Technologie, die mit künstlichem Erbgut arbeitet. Erste Produkte sind erhältlich. Kritiker warnen. // Leo Frühschütz


Das Einsatzgebiet der Synthetischen Biologie (SynBio) ist groß: Mit ihr lassen sich sowohl Treibstoffe als auch Öle für Kosmetik und Duftstoffe herstellen. Dabei wird künstliches Erbgut im Labor hergestellt und in lebende Organismen wie Algen oder Hefen eingebracht. Es entstehen Lebewesen, die es bisher nicht gab.

Risiken nicht erforscht

Christoph Then von der Organisation Testbiotech warnt davor, die künstlichen Gene könnten „in Wechselwirkung mit der Umwelt oder mit anderen Genen völlig neue, unvorhergesehene Eigenschaften aufweisen.“ Die US-Organisation ETC Group bezeichnet SynBio als „extreme Gentechnik“. Im Gegensatz zur  Synthetischen Biologie wird in der klassischen Gentechnik das Erbgut natürlich vorkommender Arten kombiniert. 2012 forderten über 100 Organisationen weltweit ein Moratorium für kommerzielle SynBio-Anwendungen. Erst sollten Risiken und sozio-ökonomische Auswirkungen untersucht werden.

SynBio-Befürworter verweisen darauf, dass es schon seit über 20 Jahren genmanipulierte Mikroorganismen gibt. Diese stellen in Fermentern Enzyme, Aromen und Zusatzstoffe für Lebensmittel her. Auch SynBio-Organismen arbeiten in geschlossenen Systemen. Die meisten von ihnen verwandeln Zucker in Öle oder Chemikalien. Diese Stoffwechselprodukte werden konzentriert, gereinigt und dann eingesetzt – wie normale Rohstoffe. Die neuen Mikroorganismen könnten die Rohstoffe umweltverträglich und effizient herstellen, argumentieren die Befürworter der Technologie. Nachwachsende Rohstoffe oder gar organische Abfälle könnten fossiles Erdöl oder „urwaldfressendes“ Palmöl ersetzen.

„Algenöle haben einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck als tropische Öle wie etwa Palmöl“, sagte Dirk Develter, Forschungsleiter beim Öko-Reinigungsmittelhersteller Ecover, im April dieses Jahres. Damals kündigte das Unternehmen an, Palmöl durch Algenöl zu ersetzen und damit zur Rettung des Regenwaldes beizutragen. Doch es sind SynBio-Algen, die Zuckerrohr in das gewünschte Öl verwandeln. Nach Protesten von Umweltschützern insbesondere in den USA legte Ecover seine Pläne vorerst auf Eis, um mit den Kritikern zu diskutieren.

Deren Vorwürfe wies das Unternehmen zurück. Die Behauptung, bei der Herstellung des Algenöls käme durch Menschenhand veränderte DNA oder synthetische Biologie zum Einsatz, sei „faktisch falsch“. Der Lieferant des Öls nutze „den natürlichen Mutationsprozess der Alge“ und „Jahrzehnte alte molekularbiologische Verfahren.“

SynBio – Blick in die Zukunft

Von Algen und Hefen produziertes Kerosin und Diesel treiben schon Motoren an. Zu Versuchszwecken. Denn für den kommerziellen Einsatz ist dieser Sprit noch zu teuer. Die Mikroorganismen können auch den Geschmack von Safran oder Vanille produzieren, den Süßstoff Steviol oder den Duft von Patchouli. Diese Produkte sollen in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. Und die Firma Muufri plant „tierfreie“ Milch herzustellen.

Erschienen in Ausgabe 10/2014
Rubrik: News

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Lothar Achenbach

Die Agitationen von Schrot & Korn gegen Gentechnik/SynBio u. ä. sind einfach nur noch peinlich. Immer wieder die gleichen Platitüden aus den gleichen trüben Quellen.
Was machen Sie nur, wenn Herr Then in Rente geht?