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Für die Bienen vor Gericht

Imker wehren sich gegen Pestizide und Gentechnik vor dem Europäischen Gerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht. Ihr Ziel: mehr Schutz für Bienen und Honig. // Stephan Börnecke

Singvogel Pirol, Foto: Shutterstock

Thomas Radetzki ist Imkermeister und Vorstand des Vereins Mellifera. Sein Credo: Um jeden Bienenstock muss es einen gentechfreien Schutzradius von fünf Kilometern geben.

Herr Radetzki, die Agrar-Industrie verlangt die Wiederzulassung der umstrittenen Pestizide Neonicotinoide. Droht hier eine neue Niederlage für die Imker, nachdem sie vor Gericht in Sachen Gentechnik gescheitert sind?

Bei den Neonicotinoiden droht ein neues Problem. Nicht richtig ist, dass wir im Fall der Gentechnik vor Gericht gescheitert sind. Das Bundesverwaltungsgericht hat nichts Inhaltliches entschieden. Es ist davon ausgegangen, dass es den Fall, bei dem es um den Anbau von Gentech-Mais Mon 810 ging, nicht mehr gibt, weil diese Sorte in Deutschland nicht mehr angebaut werden darf. Aber nun gibt es andere zugelassene oder vor der Zulassung stehende gentechnisch veränderte Pflanzen. Wir ziehen jetzt vors Bundesverfassungsgericht, um endlich einen Schutz der Bienen vor Gentechnik zu bekommen. Wir halten diesen Weg für sehr aussichtsreich.

Was wäre ein Erfolg für Sie?

Imker müssen einen Schutzanspruch vor Gentechnik erhalten. Kein Landwirt darf es sich künftig erlauben, um Bienenstöcke in einem Umkreis von fünf Kilometern gentechnisch veränderte Saaten auszubringen.

Damit wäre Deutschland angesichts der 90 000 Imker eine komplett gentechnikfreie Zone.

Ja, das sähe so aus.

Im anderen Fall vor dem Europäischen Gerichtshof geht es um Pestizide, und zwar um Neonicotinoide. Was macht diese so gefährlich?

Neonicotinoide sind Nervengifte, sie stören die Kommunikations- und Orientierungsfähigkeit der Bienen. Sogar die EFSA, die europäische Aufsichtsbehörde für Lebensmittelsicherheit, ist zu diesem Ergebnis gekommen.

Die Hersteller der Neonicotinoide sagen, die EFSA habe bei ihrer Empfehlung gegen diese Mittel falsche Daten zugrunde gelegt. Das Risiko für Bienen sei, so Syngenta, „extrem niedrig“.

Die Konzerne belegen ihre Behauptungen nicht. Wir hatten ein Symposium organisiert, an dem Vertreter von BASF, Syngenta und Bayer teilnahmen. Da kam nichts, keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Deshalb ist für mich klar: Diesen Behauptungen kann man nicht trauen.

Die Hersteller haben die EU-Kommission verklagt, um die für zwei Jahre gesperrten drei Neonicotinoide wieder zuzulassen. Wie reagieren die Imker darauf?

Das „Bündnis für den Schutz der Bienen“ mischt sich in das Verfahren ein. Wir haben uns als Prozessbeteiligte angemeldet. So können wir verhindern, dass Industrie und EU sich außergerichtlich auf einen Kompromiss einigen.

Haben Sie angesichts der juristischen Auseinandersetzungen überhaupt noch Zeit für Imkerei?

Aber ja, meine Bienen kommen nicht zu kurz. Und der Verein Mellifera macht seine ganz normale Arbeit. Wir ziehen nicht aus Spaß vor Gericht. Wir müssen uns gegen diese Bedrohungen, seien es die Pestizide oder die Gentechnik, vor Gericht wehren.

Was haben die Prozesse bisher gekostet?

In den letzten sechs Jahren haben wir 235 000 Euro für die Gentechnik-Verfahren ausgegeben. Der Kampf gegen Neonicotinoide ist ein neuer Fall, für den wir dringend Geld brauchen. Ohne die Unterstützung vieler Menschen können wir die Arbeit zum Schutz der Bienen nicht leisten.

Spenden für die Bienen

Dem von Mellifera organisierten „Bündnis zum Schutz der Bienen“ gehören sieben Imker- und Öko-Verbände an. Ein Spendenkonto besteht bei der GLS Bank, Treuhänder:
Rechtsanwalt Bernhard Ludwig, BIC: GENODEM1GLS,
IBAN: DE75 4306 0967 7031 5737 00
www.mellifera.de/bienenschutz

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