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Allein auf Feld und Flur

Feldvögel sind in der Bredouille: Der Mais-Anbau für Biogasanlagen raubt ihnen die Lebensgrundlage. Nur dort, wo es viele Öko-Bauern gibt, ist die Vogelwelt noch intakt. // Stephan Börnecke

Singvogel, Foto: Fotolia

Die Wiesenschafstelze kommt in der monotonen Agrarlandschaft noch klar. Feldlerche, Kiebitz und Rebhuhn jedoch sind schon verschwunden. (Foto: Fotolia)

Während Bluthänfling, Kiebitz und Rebhuhn schon seit Langem Opfer moderner Agrartechnik sind, kamen später Goldammer, Feldlerche und Neuntöter als neue Verlierer hinzu. Mit der Energie-Agrarwende, die um 2007 begann und die durch den Mais-Anbau für Biogasanlagen gekennzeichnet ist, hat sich der Feldvogelschwund noch einmal ausgeweitet.

Nun sind auch Vögel wie Dorngrasmücke, Schwarzkehlchen, Grauammer und Ortolan betroffen, und die Wachtel befindet sich sogar im freien Fall.

Dabei hatten sich einige dieser Arten in Folge der EU-Flächenstilllegung gerade erst erholt. Doch die Stilllegung ist abgeschafft, und auf den Maisäckern können die meisten Feldvögel nicht exis-tieren: Denn Maisäcker, so der Ornithologe Martin Flade, werden im Frühling regelmäßig komplett mit dem Totalherbizid Roundup abgespritzt und umgebrochen, sie wachsen extrem schnell und hoch auf. Sie werden in der Initialphase gehackt und später mit Pestiziden behandelt. Da wächst nichts außer Mais, die Vögel finden nichts mehr zu fressen.

Auch das bundeseigene Julius-Kühn-Institut für Kulturpflanzen ist durch den zuletzt extrem beschleunigten Rückgang der Feldvogelarten alarmiert. Das Institut hat in einer Studie dringenden Handlungsbedarf zum Schutz der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft angemahnt.

Die Studie gibt aber auch einen Lichtblick: Ließe man zehn Prozent der Äcker brach fallen, wie das früher zur Bodenerholung üblich war, würde dies den Feldvögeln helfen, sagt Mitautor Jörg Hoffmann. Auch der Öko-Landbau könnte gegensteuern. Der Wissenschaftler plädiert für eine „drastische Ausweitung“ biologischer Anbauverfahren, um der Artenvielfalt bei Vögeln, Wildkräutern und Insekten zu helfen. Noch sei der Öko-Landbau zu lückig über Deutschland verteilt, um allein die Folgen der Intensiv-Landwirtschaft auszugleichen.

Öko-Landbau hilft den Vögeln

Untersuchungen aus dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg zeigen, dass ökologischer Landbau den Vögeln hilft: Von 1990 bis 2012 ist dort der Anteil der Öko-Äcker von null auf 33 Prozent gestiegen, hinzu kommen 15 Prozent extensiver Wiesen und Weiden. Die Ornithologen beobachten nun, dass seither dort „die Bestandsentwicklungen der Agrarland-Arten deutlich besser verlaufen sind“, als dies in der „Normallandschaft“ der Fall war.

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