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Streit um Glyphosat

Umweltverbände und Bundesrat warnen vor dem Herbizid. Doch das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR sieht keine Gefahr und stützt sich dabei auf neue Studien der Industrie. // Stephan Börnecke

Mit der neuen Stellungnahme des BfR dürfte Glyphosat, bekannt auch als Roundup, weiter in großem Umfang auf europäischen Feldern landen. Denn Deutschland ist bei der Verlängerung der Zulassung des Wirkstoffs federführend in der EU. Eine positive Stellungnahme wurde bereits nach Brüssel geschickt. Man habe in der Bewertung des Herbizids keine Hinweise auf eine krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat bei den Versuchstieren gefunden. Das sehen Kritiker ganz anders.

Lebensmittel belastet

Viele Landwirte sparen sich den Pflug und spritzen, um den Acker unkrautfrei zu bekommen, im Herbst das Total-Herbizid. Das kann jeder Spaziergänger im September und Oktober an den vielen gelben Feldern erkennen. Als problematischer aber gilt, wenn Bauern kurz vor der Ernte mit dem Gift über die Äcker fahren, um ein promptes Abreifen des Getreides zu erzielen. In dieser Methode, die man Sikkation nennt und die in Österreich längst verboten ist, vermuten Experten eine der Quellen für Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln. Die Bundesländer haben deshalb den Bund aufgefordert, dieser Praxis einen Riegel vorzuschieben. Sie verlangen von der Bundesregierung, sich für ein grundsätzliches Verbot der Anwendung von Glyphosat zur Abreifebeschleunigung von Getreide einzusetzen und allenfalls klar abgegrenzte Ausnahmen zuzulassen. Auch Hobbygärtnern, die aus Bequemlichkeit zu dem Herbizid greifen, statt Unkraut zu jäten, will der Bundesrat das billige Mittel entziehen. Denn die Hinweise mehren sich, dass Glyphosat nicht so harmlos ist wie einst gedacht.

Studien aus Argentinien und Frankreich legen nahe, dass auch Menschen gesundheitliche Folgen von dem Wirkstoff davontragen. Menschliche Zellen würden zerstört, die Embryonal-Entwicklung gestört, heißt es. In den großen Soja-Anbaugebieten Argentiniens und Paraguays zeigte sich, dass Frauen, die in der Nähe von Sojaäckern leben, mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit ein fehlgebildetes Kind zur Welt bringen. Die Studien sind allerdings nicht unumstritten. So könne, laut der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA, die Interpretation der Ergebnisse, „nicht als wissenschaftlich fundiert“ betrachtet werden.

Fakt ist, dass auch hierzulande im Menschen Glyphosat-Reste nachweisbar sind: Nicht nur bei Landwirten, sondern auch im Urin „normaler“ Bürger finden sie sich, wie die Forscher der Uni Leipzig und der Bund für Umwelt und Naturschutz bei Tests überrascht feststellten.

Verbrauch steigt

Glyphosat ist das weltweit meistverkaufte Herbizid. Allein 2011 wurden in den USA 35 000 Tonnen mehr Glyphosat auf Äckern verteilt als im Vorjahr. Auch in Deutschland vervielfachte sich der Verbrauch binnen weniger Jahre auf 6000 Tonnen in 2012 – 40 Tonnen davon im Hausgarten.

Kommentare

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Amy Black
Gyphosat imitiert unter anderem auch Symptome der Glutenunvertraeglichkeit und Zoeliakie. Kürzlich habe ich darüber mit Hinweis auf die dazugehörige Studie etwas geschrieben: http://allergiekoffer.wordpress.com/2014/03/13/was-herbizide-mit-der-glutenunvertraeglichkeit-zu-tun-haben/