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Die Lust auf Fleisch

Milliarden geschlachtete Schweine, Enten und Hühner, Millionen zerlegte Rinder und Schafe –schon heute. Und die Zahl der Schlachtungen wird weiter zunehmen … // Stephan Börnecke

Meldung

1 383 000 000 Schweine, 58 110 000 000 Hühner … Jahr für Jahr werden weltweit Milliarden Tiere für den menschlichen Verzehr geschlachtet.

Der von BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebene Fleischatlas 2014 gibt eine fatale Prognose: Demnach wird die weltweite jährliche Fleischerzeugung bis Mitte dieses Jahrhunderts auf fast 470 Millionen Tonnen anwachsen. Das sind dann 150 Millionen Tonnen zusätzlich, also ein Drittel mehr als heute.

Dieser enorme Anstieg bleibt nicht ohne Folgen für die Landwirtschaft und für die Menschen: Es wird mehr Boden für den Futteranbau benötigt. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Bevölkerung sowie der knappen Ressourcen Ackerland und Wasser erscheint dies als eine bedrohliche Perspektive.

Allein der Bedarf an Sojafutter für Masttiere soll sich danach von derzeit 260 Millionen Tonnen auf mehr als 500 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln. Dabei wird schon heute mit vier Milliarden Hektar rund ein Drittel der Ackerfläche dieser Erde direkt für die Ernährung von Nutztieren verwendet, als Weide oder Futteranbaufläche. Rechnet man die Nutzung von Nebenprodukten wie Stroh oder Presskuchen aus der Öl-Herstellung hinzu, kommt die Food and Agriculture Organisation (FAO) sogar auf einen Anteil von 70 Prozent, die in irgendeiner Weise der Nutztierhaltung dienen.

Die Folgen für Mensch und Natur beschreibt Reinhild Benning, Agrarexpertin des BUND: Regenwälder gehen verloren, Böden und Gewässer werden mit Pestiziden belastet und die Preise für Grundnahrungsmittel steigen aufgrund der knapper werdenden Agrarflächen.

Doch auch die immer größeren Strukturen in der Schlachtindustrie stoßen auf Kritik: Während in Deutschland 735 Millionen Tiere pro Jahr zerlegt würden, schlachtet allein die US-Gesellschaft Tyson Foods mehr als 42 Millionen Tiere in einer Woche. Dahinter könne kein gesundes Agrarsystem stehen, kritisiert Heinrich-Böll-Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig.

Hormonfleisch im Gepäck

BUND und Böll-Stiftung warnen vor der möglichen Einfuhr hormonbehandelten Fleisches aus den USA. Dies könne geschehen, wenn sich US-amerikanische Lobbyisten bei den aktuellen Verhandlungen zum Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU durchsetzen. „Wir müssen verhindern, dass im Zuge des Freihandelsabkommens die hohen Standards, die wir bei Lebensmitteln in der EU haben, aufgeweicht werden“, sagt BUND-Chef Hubert Weiger.

Erschienen in Ausgabe 03/2014
Rubrik: News

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