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Pestizide töten Bienen

Imker ahnen es seit Jahren, nun sagt auch die EU-Behörde EFSA: Neo-Nicotinoide sind gefährlich für Bienen. // Stephan Börnecke

Bienen

Insektizide aus der Gruppe der Neo-Nicotinoide gefährden nicht nur Bienen, sondern auch Vögel und Hummeln. (Foto: Mellifera e.V.)

Mehr als 130 000 Unterschriften haben die deutschen Imker kürzlich im Kanzleramt in Berlin abgegeben. Die Bienenzüchter fordern damit ein Verbot von Pestiziden, die aus der Stoffgruppe der Neo-Nicotinoide hergestellt werden. Die Imker machen diese relativ neue Klasse von Pestiziden dafür verantwortlich, dass Jahr für Jahr bis zu einem Drittel der Bienenvölker sterben. Oft finden die Bienen nicht einmal mehr den Weg zurück in den Stock, sie sind verwirrt, verlieren den Orientierungssinn. Die Imker finden nicht einmal mehr tote Bienen: Sie sind einfach nicht mehr da.

Nun haben die Imker Rückendeckung von der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA bekommen. Die Aufseher sind in einem Gutachten zu der Erkenntnis gelangt, dass von diesen Mitteln beträchtliche Risiken für die Bienen ausgehen. Durch Rückstände im Pollen kämen die Wirkstoffe in die Bienen. Die EU-Kommission muss nun Schlüsse aus der Warnmeldung der Lebensmittelbehörde ziehen.

Erst im Dezember 2012 hat das EU-Parlament eine Studie veröffentlicht, die ebenfalls zeigt, dass Neo-Nicotinoide sehr giftig für Honigbienen sind. Schon eine geringe Dosierung könne danach bei den Bienen zu Flug- und Navigationsproblemen führen, ihre Fortpflanzungsfähigkeit sowie ihre Fähigkeit zur Nahrungssuche verringern.

Auch Vögel sind betroffen

„Nicht nur alle Bienen, sondern auch andere Insekten und weitere Tierarten sind betroffen. Die Insektenpopulationen werden durch die Neo-Nicotinoide empfindlich dezimiert, wodurch die Vögel ihre Nahrungsgrundlage verlieren“, sagt Tomas Brückmann, Pestizidexperte beim Bund für Umwelt und Naturschutz BUND. Auch Hummeln erzeugen weniger Königinnen, es werden weniger Nester und damit weniger Nachkommen gebildet.

Statt auf Gifte zu setzen, sollten Landwirte „gesetzlich verpflichtet werden, eine vernünftige Fruchtfolge einzuhalten. Dadurch werden Schädlinge auf dem Acker nachhaltiger bekämpft als durch toxische Chemiekeulen“, verlangt auch Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace.

Neo-Nicotinoide werden in der Landwirtschaft zur Saatgutummantelung benutzt, als Beizmittel. Beim Wachstum durchdringen die Gifte dann aber die gesamte Pflanze.

Der Industrieverband Agrar (IVA) hingegen sieht keine Gefahr, die Insektizide hätten zahlreiche positive Markt- und Umwelteffekte. Durch ein Verbot hält der Industrieverband den Saatschutz für den Anbau von Raps und Zuckerrüben gefährdet. Es drohten Verluste, die der IVA auf 17 Milliarden Euro in der EU für die kommenden fünf Jahren beziffert, sollte das Insektizid verboten werden.

Behörde reagiert halbherzig

Als erste waren die Bienenzüchter in Frankreich betroffen. 2008 aber starben auch im Oberrheingraben Tausende von Bienenvölkern an der Vergiftung mit dem Neo-Nicotinoid Clothianidin. Das Mittel war durch Abrieb bei der Maissaat frei geworden. Zwar zog das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zwei der Mittel aus dem Verkehr. Eines aber ist wieder zugelassen. Insgesamt sind 76 Produkte dieser Wirkstoffgruppe auf dem Markt.

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