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Frauen essen anders

Frauen ernähren sich nicht nur gesünder als Männer. Ihr Ess-Stil schont überdies die Umwelt. Würde man(n) es den Frauen gleichtun, wären gleich mehrere Klimaziele erreicht. // Stephan Börnecke

Doug Tompkins

Die Grafik zeigt den Fleisch- und Wurstverzehr nach Bundesländern in Gramm/Tag.
Grafik: Creative Commons (CC-BY-SA) Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde diplomatique

Die Deutschen essen heute viermal so viel Fleisch wie Mitte des 19. Jahrhunderts und doppelt so viel wie vor hundert Jahren. Doch es gibt gewaltige Unterschiede. Denn Männer essen deutlich mehr Fleisch als Frauen. Das weibliche Ernährungsmuster ist nicht nur gesünder, es wirkt sich auch deutlich besser auf den Treibhauseffekt und den notwendigen Flächenbedarf aus. Das haben Wissenschaftler der Universität Halle herausgefunden.

„Übernähmen alle Männer in Deutschland das typische Verzehrsprofil von Frauen, mit einem um die Hälfte reduzierten Verbrauch von Fleisch- und Wurstprodukten und stattdessen einem höheren Anteil an Gemüse, Obst und Getreideprodukten, würde eine Fläche von rund 15 000 Quadratkilometern im In- und Ausland frei werden. Das entspricht ungefähr der Fläche Schleswig-Holsteins“, sagt Studienleiter Toni Meier. Damit würden 15 Millionen Tonnen Treib-hausgase und 60 000 Tonnen Ammoniak weniger ausgestoßen. „Die Ernährung der Frauen kann als Vorbild dienen.“

Derweil wird Deutschland immer stärker zu einem Zentrum der industriellen Fleischerzeugung: In den vergangenen drei Jahren wurden 2,5 Millionen neue Mastplätze für Schweine beantragt oder genehmigt, fast 40 Millionen für Geflügel. Das ist ein Anstieg von 60 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren. Hauptsächlich handelt es sich um Großanlagen, die von Investoren finanziert werden, zeigt eine Untersuchung der Grünen.

Viele Verbraucher wollen der Massentierhaltung entkommen und kaufen Bio-Fleisch. Hier hat sich das Angebot deutlich verbessert. Doch im Vergleich zur konventionellen Fleischwirtschaft bleiben die Verkaufszahlen für Bio noch in der Nische. Bio-Rindfleisch hatte 2010 einen wertmäßigen Marktanteil von 4 Prozent, Schweinefleisch 1, Geflügel 2, Milch 2,5 Prozent, Eier schon 9 Prozent.

Essgewohnheiten im Vergleich

Im Süden wird mehr Lammfleisch verzehrt, in Mittel- und Nord-europa mehr Schwein. Der durchschnittliche Fleischverbrauch des EU-Europäers übertrifft mit 93,1 Kilogramm pro Jahr sogar den Wert in Deutschland (89 kg). Rund 30 Prozent davon landen im Müll. 85 Prozent der Deutschen essen täglich oder fast täglich Fleisch und Wurst, zeigt auch der vom BUND und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebene Fleischatlas (www.bund.net/fleischatlas) auf.

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Susanna
Sehr interessant und die eigenen Erfahrungen bestätigend - vielen Dank. Eine Frage zum Fischkonsum, wird das hierin auch erhoben? Und kann es sein, dass dem nicht so ist und dass z.B. im Norden Männer nur deshalb weniger Fleisch auf dem Teller haben, weil sie mehr Fische töten und essen?
Meier, Toni
Hallo Susanna,



der Verzehr von Fisch wurde in der letzten Nationalen Verzehrsstudie auch mit erfasst und in unserer Arbeit auch mit untersucht (nutrition-impacts.org)



Toni Meier
Alexandra
Hallo Susanne,

woher stammt die Angabe, dass Deutsche heute 4mal soviel Fleisch essen wie Mitte 19 Jhd.?

Liebe Grüße