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„Wir brauchen regionales Bio“

Franz Ehrnsperger gehört mit Neumarkter Lammsbräu zu den Bio-Pionieren. Jetzt geht er wieder voran, mit fairen Preisen und regionalen Bündnissen. Damit mehr Bauern auf Bio umstellen.

Herr Ehrnsperger, Sie haben sich mit Ihren bayerischen Kollegen in der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller, der AöL, zusammengetan, um regionale Lieferketten aufzubauen?

Bayern hat sich mit seinem Programm BioRegio 2020 die ehrgeizigsten Ziele aller Bundesländer gesetzt. Das werden wir in der AöL unterstützen. Mit Rapunzel, der Hofpfisterei oder Hipp haben sich dazu einige große Bio-Hersteller in Bayern zusammengetan. Wir wollen bestehende regionale Lieferbeziehungen vertiefen und neue aufbauen, um Erzeugnisse wie Leinsamen, die importiert werden, aus der Region zu beziehen.

Wie soll das funktionieren?

Das Wissen über den Anbau ist nicht mehr da und muss neu vermittelt werden. Doch das genügt nicht. Kein Bauer baut Leinsaat an, wenn er nicht weiß, ob er sie absetzen kann. Deshalb müssen die Bio-Produzenten interessierte Bauern suchen und ihnen mit Mehrjahresverträgen eine Abnahmegarantie geben. 

Der Landkreis Neumarkt ist im Rahmen des Wettbewerbes BioRegio 2020 auch Bio-Modellregion geworden.

Ja, wir haben eine Pionierfunktion, auch wenn noch nicht alles perfekt ist. Wir haben keine Bio-Milchverarbeitung im Landkreis, keine einzige Mühle. Es gibt also noch viel zu tun. Da sind wir beim Geld: Will man gewisse Strukturen erhalten oder neu schaffen, muss man sie so finanzieren, dass sie innerhalb der Wertschöpfungskette auch überleben können. 

Was ist wichtiger: regional oder bio?

Leider wird den Verbrauchern immer wieder als bio verkauft, was gar nicht bio ist – und das Vehikel dafür heißt regionale Erzeugung. Die Bauern verkaufen ihre Massentierhaltungsprodukte und Kunstdüngeräpfel als regionale Lebensmittel, weil der Verbraucher denkt, das sei per se etwas Gutes. Aber sehen Sie sich die Wasserkartierung von Baden-Württemberg an. Überall wo Obst intensiv konventionell angebaut wird, haben sie eine Trinkwasserqualität ..., das Wasser würde ich nicht trinken. Wenn ich nicht will, dass Grundwasser immer mehr Nitrat enthält und immer mehr Abbauprodukte von Pestiziden, dann muss ich umsteuern. Am schnellsten ginge es, wenn man Pestizide besteuern oder – noch besser – verbieten würde. Doch das kommt nicht so schnell. Deshalb brauchen wir regionales Bio.

Doch obwohl der Bio-Markt in Deutschland stetig wächst, stellen nur wenige Bauern auf Bio um. Immer mehr Erzeugnisse kommen aus dem Ausland. Warum ist das so?

Es gibt zwei Knackpunkte: Die politischen Rahmenbedingungen und die Preise. Durch das allgemein hohe Preisniveau in der konventionellen Landwirtschaft ist der finanzielle Anreiz umzustellen nicht mehr so groß. Das wäre eigentlich
kein Schaden, denn die Bauern, die nur wegen Geldvorteilen umstellen, waren nie die
besten. Wir brauchen Überzeugungstäter. Doch es darf nicht sein, dass diejenigen, die sich aus Überzeugung dem Öko-Landbau hingeben, wirtschaftlich nicht über die Runden kommen.

 

Die deutschen Bio-Bauern verdienen also zu wenig? 

Die Idealvorstellung der Verbraucher und Bio-Verbände ist der traditionelle Bauernhof, auf dem es alles gibt. Den bekomme ich aber nicht, wenn ich auf Weltmarktpreis-Niveau handle, schon gar nicht im Hochlohnland Deutschland. In dieser Situation muss der Hersteller einen Preis zahlen, der es dem Landwirt ermöglicht, seinen Hof zu erhalten und so attraktiv zu machen, dass ihn die nachfolgende Generation übernimmt. 

Was heißt das konkret, etwa wenn Sie Braugerste einkaufen.

Der Marktpreis für Bio-Braugerste liegt derzeit bei 300 bis 350 Euro je Tonne. Wir zahlen über 100 Euro mehr. Das brauchen  die Bauern in unserer kleinstrukturierten Landwirtschaft, um wirtschaftlich überleben zu können.

Wer legt den Preis für die Gerste fest?

Wir beziehen rund 80 Prozent unserer Gerste von einer regionalen Erzeugergemeinschaft, mit der wir seit 25 Jahren zusammenarbeiten. 20 Prozent kommen aus Gründen der Versorgungssicherheit von außerhalb der Region. Früher haben wir den Preis jedes Jahr ausgehandelt. Der lag immer über dem Marktpreis. Trotzdem war es ein Kompromiss, mit dem keiner richtig zufrieden war. Jeder ging mit einem schlechten Gefühl raus, ob er nicht doch über den Tisch gezogen worden ist. Vor sieben Jahren haben wir uns von Fachleuten ausrechnen lassen, was ein Bauer bei uns in der westlichen Oberpfalz braucht, um vernünftig wirtschaften zu können. Den endgültigen Betrag haben wir dann zusammen mit den Bauern auf fünf Jahre festgelegt, mit einer jährlichen Steigerung. Seitdem reden wir nicht mehr  übers Geld, sondern über Qualität oder Naturschutz. Das ist ein ganz anderes Verhältnis geworden.

Aber Sie als Hersteller müssen die höheren Kosten doch im Handel erwirtschaften?

Wir kommunizieren breit und intensiv, was wir machen. Die Kunden bestätigen uns immer wieder, dass sie dieses Engagement gut finden. Natürlich kostet uns der höhere Rohstoffpreis einige Hunderttausend Euro im Jahr. Aber er bringt uns Zulauf bei den Bauern und ein besseres Image als jede Werbekampagne. Da gebe ich dieses Geld doch lieber bei uns in der Region aus als an eine Hamburger Werbeagentur.

Und wenn die Mitbewerber Bio mit Weltmarktpreisen machen?

Für eine gute Zusammenarbeit braucht es gegenseitige Wertschätzung. Preispoker aber ist das größte Gift für die Wertschätzung. Wir feiern mit unseren Bauern jedes Jahr ein Erntedankfest. Das Erntedankfest der Einkäufer im Lebensmitteleinzelhandel sind die sogenannten Jahresgespräche, in denen um Konditionen gefeilscht wird. Da kommen sie im Normalfall als gerupfte Gans wieder raus. 

Doch sie machen Umsatz. Der größere Teil der Bio-Lebensmittel wird in Supermärkten und Discountern verkauft.

Discounter bestechen Verbraucher über den Preis. Sie sprechen mit Geiz und Gier die Schattenseiten der Menschen an. Für mich schließen sich Discountphilosophie und Bio aus.  Das ist wie Feuer und Wasser. Schauen Sie nur, was über Italien in den letzten Jahren an Bio-Betrugsskandalen zu uns geschwappt ist. Das war alles preisgetrieben. Da wurden zweifelhafte Partien gekauft. Hauptsache sie waren billig und hatten irgendein Bio-Zertifikat. Wer sich langfristig eine ordentliche, regionale Lieferkette aufbaut, dem passiert so etwas nicht. 

Franz Ehrnsperger ...Franz Ehrnsperger ...

... übernahm 1971 in sechster Generation die Verantwortung für die Brauerei Neumarkter Lammsbräu, die seit über 200 Jahren der Familie Ehrnsperger gehört. 1984 erprobte er die ersten biologischen Brauverfahren. Seit 1995 braut das Unternehmen nur noch Bio-Bier.

Mit 70 000 Hektoliter im Jahr ist Lammsbräu die größte Bio-Brauerei Europas und verfügt über eine eigene Mälzerei. Sein Engagement für nachhaltige Unternehmensführung brachte Franz Ehrnsperger zahlreiche Auszeichnungen ein, darunter 1990 den Titel Öko-Manager des Jahres und 2001 den Deutschen Umweltpreis. 
Mit dessen Preisgeld stiftete der 68-jährige selbst einen Nachhaltigkeitspreis, den die Bio-Brauerei seither jährlich verleiht. www.lammsbraeu.de

 

 Leo Frühschütz und Franz Ehrnsperger

Schrot&Korn-Autor Leo Frühschütz traf den Inhaber der Neumarkter Lammsbräu, Franz Ehrnsperger (li), in München zum Interview.

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Danke! Herr Ehrnsperger hat recht! Ich kaufe genau aus dem Grund seit 10 Jahren die Biere von Neumarkter Lammsbräu. +++ Warum? Leute, die das Umweltthema zu Ende denken und entsprechend handeln sind die ZUKUNFTSSCHÜTZER: Bio regional = Nur solche Produkte will ich kaufen zu dem fairen Preis, den es dafür braucht. +++ Billiger als das bedeutet, daß die Folgekosten von anderen bezahlt werden, === z.B. das immer schlechter werdende Grundwasser, die Umweltbelastung durch lange Transportwege und Ineffiziente Energienutzung bei der Produktion oder Lohndumping usw. +++ Wir Käufer haben hier eine kleine Macht, wen wir unterstützen.


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