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Kolumne: Tierisch übersetzt: Was der Hund uns sagen will

Fred Grimm (Foto: Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(Foto: Rebecca Hoppe)

Die Dame war ratlos, ihr Hund verwirrt. „Warum machst du das nur immer?“, fragte die Verzweifelte und ihr glücklich verschmutzter Dackel schien tatsächlich über eine passende Antwort nachzudenken. „Warum nur?“, wiederholt die Dame und schneuzt in ein Taschentuch. Der Dackel schaut traurig zur Pfütze, aus der er gerade gekommen ist, und schweigt.

Wahrscheinlich reicht ein einziger Vormittag an der Hamburger Alster, um sämtliche Varianten der Kommunikation zwischen Mensch und Hund vorgeführt zu bekommen, die heute so üblich sind: Klare Kommandos, eher unklares Herumgebrabbel, verbale Zärtlichkeiten und – was mir ein ewiges Rätsel bleibt – Fragen.

Viele Fragen. „Wo wollen wir heute hin?“ „Na, gefällt dir das?“ „Was willst du denn da?“ Wahrscheinlich redet der Mensch auf seinen Hund ein, seit sein Mund Laute formen kann, und ganz sicher wartet er seither vergeblich auf Antwort. Denn, obwohl einige Hundehalter unverdrossen das Gegenteil behaupten, können die Vierbeiner nun mal nicht reden. Jedenfalls nicht mit uns. Und erst recht können sie nicht erklären, warum es sie genau in diesen Busch und zu jenem Baum zieht, zu dieser oder zu jener Hündin oder ob sie „groß“ müssen oder „klein“.

Dabei ist es mitnichten so, dass Tiere generell nicht zu Gesprächen fähig wären. Aber eben doch eher untereinander als mit uns, ihrem Versorger, Störenfried, Todfeind oder Wirtstier. Die Süddeutsche Zeitung zitierte neulich eine spannende Studie aus dem Fachblatt Animal Behaviour. Demnach warnen Meerkatzen einander vor tödlichen Gegnern. Ja, sie teilen ihren Artgenossen durch ratternde Knattertöne sogar mit, ob es sich um Leoparden, Adler oder Schlangen handelt, damit sie sich entsprechend abgestimmt in Sicherheit bringen können.

Ohne Worte. der Hund – ein Menschenflüsterer

Hähne prahlen lautstark, wie viel sie zum Essen gefunden haben – was die Auswahl möglicher Partnerinnen deutlich vergrößert. Rotkehlchen und Amseln zwitschern einander sogar lange Textpassagen aus den großen Romanen von Vladimir Nabokov oder Gustave Flaubert vor – auch wenn das eine von Wissenschaftlern noch nicht letztgültig bestätigte Vermutung meinerseits ist. Und Hunde? Klar, die bellen, aber amerikanischen Forschern zufolge beschränkt sich das ganze Gebelle auf gerade mal zwei Aussagen: „Komm her, komm her!“ oder „Hau ab, hau ab!“ Aber, was wissen die schon. Ich bin sicher, letztlich beschäftigt die Hunde nichts anderes als die Fragen von Herrchen und Frauchen. Und „Wuffwuff“ heißt in Menschensprache: „Weißt du, was Herrchen (oder Frauchen) wieder hat?“ Und „Wau“ bedeutet: „Keine Ahnung, kümmere dich nicht drum.“ Und die Antwort „Wuff“ heißt: „Soll ich vielleicht traurig gucken?“ Und daraufhin „Wauwau“ bedeutet: „Ach, mach das. Das hilft immer. Du weißt ja, das sind Menschen. Die können uns einfach nicht verstehen.“ <

Erschienen in Ausgabe 09/2016
Rubrik: Leben&Umwelt

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