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Ist es jetzt Alzheimer oder nicht? Klar, jeder stellt sich einmal diese Frage. Aber in unserem Verlag greift die Verunsicherung derzeit verstärkt um sich. Stand nicht heute Morgen der Kopierer noch im großen Raum? Und die Ablagefächer der Kolleginnen und Kollegen - haben sie sich nicht klammheimlich aus dem Staub gemacht, sind vom linken Regal neben dem Kopierer auf die rechte Seite gewandert? Nein das kann nun wirklich nicht sein, es sei denn, sie wären auf dieselbe wundersame Weise zurückgekehrt. Denn vier Stunden später befinden sie sich tatsächlich wieder am alten Platz.

Mag sein, dass uns das nachösterliche Suchspiel mental bestens auf Trab hält – und die befürchteten Verfallserscheinungen noch eine ganze Weile hinauszögert. Aber das unfreiwillige Gehirnjogging ist keine gut gemeinte Undercover-Strategie der Personalbetreuung: Wir ziehen einfach nur um. Wobei das Wörtchen "einfach" schamlos untertrieben ist. Um die letzten Reserven auf unseren beiden Etagen auszunutzen, mussten vier von sechs Abteilungen Kisten schleppen und Schreibtische durchs Treppenhaus wuchten.

So ein Ringtausch und Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel will gut organisiert sein. Nicht nur, dass die einen aus dem Zimmer raus sind, wenn die anderen mit ihren Aktenordnern anrücken. Das hat man sozusagen noch in der Hand. Aber was ist mit den externen Fachleuten, auf die man im Kommunikationszeitalter schwerlich verzichten kann? Würden die Telefon- und Computerstrippen tatsächlich so gezogen, dass wir ununterbrochen erreichbar bleiben? Das war die Frage, die man mit Blick auf frühere Erfahrungen getrost verneinen durfte.

Aber siehe da, die Pannen hielten sich in Grenzen. Statt dessen gab’s ein paar nette Episoden. Zum Beispiel, dass der externe Computerspezialist beim samstäglichen Arbeitseinsatz seine kleine Tochter mitbrachte - und wir fast einen Kindergarten hätten aufmachen können, weil nämlich unsere Netz-Fachfrau ebenfalls keinen Babysitter fand. Ganz anders der PC-Spezialist, der am darauf folgenden Sonntag die Strippen zog. Er war ganz froh, mal ein paar Stunden von zu Hause weg zu sein. Denn bei ihm wurde gerade Kindergeburtstag gefeiert.

Möglicherweise können wir ihm diese Gelegenheit mittelfristig wieder bieten. Denn ein Umzug findet in unserem weiter wachsenden Verlag alle zwei Jahre statt. Das berichten jedenfalls altgediente Mitarbeiter, deren Schreibtisch mittlerweile schon in jedem Zimmer stand.


Peter Gutting

Erschienen in Ausgabe 06/2000
Rubrik: Leben&Umwelt

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