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Dem Gift auf der Spur

Tipps für die Suche

Wer den Verdacht hat, Wohnung oder Arbeitsplatz könnten mit Schadstoffen belastet sein, sollte zu Papier und Bleistift greifen und niederschreiben, wie der Verdacht entstand, ob es körperliche Symptome gibt, ob ein Geruch wahrnehmbar ist oder welche Möbel in letztere Zeit angeschafft wurden. Zum einen kann man so Ordnung in seine Gedanken bringen, zum anderen wird ein Gutachter oder Umweltmediziner ähnliche Fragen stellen, um Anhaltspunkte zu bekommen.

Anrufen kostet nichts: Schildern Sie ihr Problem Gesundheitsbehörden oder Sachverständigen und fragen Sie um Rat. Dabei bekommt man oft auch einen ersten Eindruck, ob beim Gesprächspartner das Zuhören und die Beratung im Vordergrund stehen oder das Verkaufen einer Standardanalyse.

Bei der Entscheidung für ein Messinstitut sollte Folgendes vorab geklärt werden: Sind Probenahme, Laboranalyse und Bewertung in einer Hand? Welche Referenzen und Erfahrungen liegen vor? Welche Beratungsleistungen sind im Preis inbegriffen?

Bezeichnungen wie "öffentlich vereidigter Sachverständiger" sind kein Gütesiegel. Sie garantieren nur einen guten Stellenwert des Gutachtens in einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Adressen von Meßinstituten bekommt man in der Regel bei den Gesundheitsämtern, bei den für Sachverständige zuständigen Abteilungen der Industrie- und Handelskammern und bei manchen Krankenkassen.

Auch im Alternativen Branchenbuch finden sich zahlreiche Messinstitute. Im Internet steht dieses Nachschlagewerk unter http://www.eco-address.de/.

Eine Adressliste mit Umweltmedizinern findet sich unter http://www.umweltmedizin.de/Pages/Adressen/Aerzte/Arztliste.html.

In der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute (AGÖF) haben sich Labors und Beratungsbüros zusammengeschlossen, die überwiegend in den 70er und 80er Jahren im Zuge der wachsenden Umweltbewegung entstanden sind. Eine Liste der rund 30 Meßlabors, die dort Mitglied sind, gibt es in der Geschäftsstelle der AGÖF im Energie- und Umweltzentrum, 31832 Springe/Eldagsen, Tel.: 05044/97575, Fax: 05044/97577.
Bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Mintropstr. 27, 40215 Düsseldorf, Fax: 0211/3809-244 kann man für 23 Mark eine Liste mit Messlabors aus diesem Bundesland und weitere Entscheidungshilfen bestellen.

Zusammen mit dem Schadstoffexperten Helmut Scholz hat Schrot&Korn eine Liste mit empfehlenswerten Messlabors zusammengestellt. Sie können diese Liste bestellen oder im Internet unter www.schrotundkorn.de/2000/sk0006o1messlabors.htm abrufen.


Vorsicht vor Fließbandmessungen

Auch namhafte Organisationen bieten immer wieder kostengünstige Messungen an. Dazu wird dem Kunden meist ein Passivsammler zugesandt, der einige Zeit in dem zu untersuchenden Raum aufgehängt wird. An der Aktivkohle bleiben mögliche Schadstoffe in der Luft hängen. Ein Labor untersucht den Sammler auf alle möglichen Schadstoffe und teilt dem Kunden die Ergebnisse mit - eventuell auch Richtwerte, um eine mögliche Belastung einordnen zu können.

Ein solches Angebot hat mehrere Schwächen: Es gibt keine Raumbegehung und in vielen Fällen auch keine Beratung durch einen Fachmann. Der Kunde bleibt mit dem Messwert und der Suche nach der möglichen Schadstoffquelle allein.

Aber auch ein später eingeschalteter Gutachter kann mit dem Messwert wenig anfangen, da er bei der Probenahme nicht dabei war und die Originalergebnisse der Untersuchung nicht kennt. Er müsste die Messung wiederholen. Zudem ist es nicht möglich festzustellen, ob die Belastung dauerhaft ist oder ob es nur ein kurzzeitiger Spitzenwert war. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Passivsammler hängt zwei Wochen im Schlafzimmer. Das anschließende Messergebnis: Eine extrem hohe Belastung mit dem Lösemittel Ethylacetat. Eigentlich bestünde dringender Sanierungsbedarf. Doch die Suche nach der Schadstoffquelle entlarvt den Fehlalarm: Das Lösemittel stammte aus dem Nagellack, mit dem die Frau sich regelmäßig, auf der Bettkante sitzend, die Fingernägel lackierte.

Ebenso kritisch sehen Experten die Staubmessungen, bei denen kein Fachmann, sondern der Kunde selbst Staub einsammelt und einschickt. So empfahl ein bekannter Umweltmediziner einer Patientin aufgrund extrem hoher Schwermetallwerte im Hausstaub eine Sanierung der Wohnung. Der Grund für die hohen Werte lag jedoch in der Probenahme. Die Frau hatte schwermetallhaltigen Emaillestaub von ihrem Arbeitstisch aufgesaugt. Die Probe war überhaupt nicht repräsentativ für den Raum oder gar die ganze Wohnung.


Zum Weiterlesen

Umweltinstitut München e.V.: Ratgeber wohnen & wohlfühlen, 2. Auflage April 1999, 198 S., 24,80 DM, ISBN 3-930615-15-0 oder direkt beim Umweltinstitut, Schwere-Reiter-Str. 35/1b, 80797 München, Tel. 089/30 77 49-0, Fax: -20, e-mail:uim@umweltinstitut.org.

Markus Feldmann: Schadstoffe in der Wohnraumluft, Verbraucher-Zentrale NRW, 12,50 DM, ISBN: 3-923214-72-3 oder direkt bei der VZ NRW, Versandservice, Adersstr. 78, 40215 Düsseldorf, Fax: 0211/3809235.

Angelika Eder: Jetzt wohne ich gesund!, Verlag Pabel - Moewig 2000, 15.- DM, ISBN: 3-8118-1579-2.

Sabine Wenzel: Dicke Luft - Schadstoffe in Innenräumen, Hirzel 1997, 42.- DM, ISBN: 3-7776-0746-0.

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