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Kolumne: Wwwrrrroooooomm !!!!

Fred Grimm (© Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(© Rebecca Hoppe)

Die Bäume sind beinahe kahl, statt herbstmatten Blättern schweben längst die ersten Schneeflocken herab, aber die Laubbläsermännchen geben noch immer keine Ruhe. Selbst im Monat der Stillen und Heiligen Nacht sieht man sie noch in den Gärten, Straßen und Parks. Vor allem aber hört man sie. Exakt 18 Minuten brauchte neulich einer von ihnen direkt unter unserem Fenster, um am frühen Morgen im Kampf gegen den Wind zwei Dutzend Blätter mit 300 Stundenkilometern Blasgeschwindigkeit immer wieder auf ein Häuflein zu pusten. Bis zu 112 Dezibel laut dröhnt so ein Gerät. Als würde im Nebenzimmer ein Düsenjet starten. Und weil noch immer die meisten deutschen Laubbläser mit Benzin betrieben werden, riecht es auch so. 

Wohlwollend betrachtet erinnert der Laubbläser an Nachbildungen des albernen Lichtschwerts aus dem Film „Krieg der
Sterne“. Ein Männerspielzeug für ewige Achtjährige eben, ein stolz präsentierter Genitalersatz. Und weil das Laubbläsermännchen nun mal so gern sein Gerät zeigt, würde es am liebsten wohl schon im Mai an Bäumen rütteln, um seinen Kampf gegen das wuchernde Blattwerk zu beginnen. Wer 299,97 Euro für den „Gardena 9333-20 Allround Bläser AccuJet 18-Li“ ausgibt oder sich für das „Makita Benzin-Gebläse BHX2501V“ (244,89 Euro) manchen Herrenabend sparen musste, der leidet unter der knappen Zeit im Jahr, die er der lärmenden Laubverwirbelung widmen kann.

Sobald im Hochsommer die ersten Blätter fallen, greift er endlich zur Waffe und bläst das Laub zu anklagenden Haufen zusammen. Dass er dabei jede Menge Feinstaub, Hundekot, Keime, Pilzsporen und ermordete Kleintiere mit durch die Luft jagt, ficht ihn nicht weiter an. Straßen vor allem, aber auch Rasenflächen haben frei zu sein. Radwege vielleicht nicht so, denn da lassen auch die städtisch bestellten Laubbläsermännchen im Herbst den Laubmatsch gern mal liegen. Reicht ja, wenn die Straßen aussehen wie frisch geleckte Teller. 

Laubbläser – Ein Männerspielzeug für ewige Achtjährige

In der österreichischen Stadt Graz, wo man seit drei Jahren auf die Laubbläserplage verzichtet, stellte man fest, dass weder die Kosten für die Straßen- und Wegereinigung explodierten, noch die spätherbstliche Fortbewegung gefährlicher wurde, nur weil man wieder kehrte. Was letztlich genauso lange dauerte wie der maschinelle Laubangriff. Und weil man, etwa unter Bäumen oder im Park das Laub auch mal einen Winter lang liegen ließ, erholte sich der urbane Kleintierbestand und das Stadtgrün erst recht.

Das Tückische am Laubbläsermännchen ist, dass man ihn vergisst, sobald man ihn nicht mehr hört. Und wer denkt jetzt, in der schönen Weihnachtszeit, noch daran, diesen Unsinn endlich für immer zu verbieten?

Im nächsten September, wenn das Laubbläsermännchen wieder loslegt und die Welt erneut zum Wahnsinn treibt, ist es dafür wieder einmal zu spät. Schade eigentlich.

Erschienen in Ausgabe 12/2017
Rubrik: Leben&Umwelt

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incl. 'http://'
Frank Thiele

... und am Heiligabend werden wieder einige dieser Plagegeister unter dem Tannenbaum als Geschenk liegen. Wenn der Baum dann nadelt, kann gleich gepustet werden

wally

Vor allem Hausmeisterdienste benützen auffallend oft Laubbläser. Hausmeister, benützen auf geteerten Wegen und vor dem Haus oft Benzinkehrer. In einigen Gemeinden habe ich Nebenstrassen gesehen, dass um Bäume ein Drahtgitter steht und darin das Laub gesammelt wird