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Kolumne: Wegschmeißen? Das lassen wir erst mal reparieren!

Fred Grimm (© Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(Foto: Rebecca Hoppe)

Man soll ja nicht immer gleich alles wegschmeißen. Zwar wird meine Treue zu löchrigen T-Shirts und Hoodies familienintern durchaus in Frage gestellt. Ein Fall für den Alttextilschredder, heißt es. Ideal für den Sport, sage ich. Aber bei der kaputten Waschmaschine mit dem hohen Öko-Standard waren wir uns einig: Die lassen wir erst mal reparieren. Natürlich blieb sie an einem Feiertag stehen. Vor einem langen Wochenende. Da unser vollgestopfter Wäschekorb aussah wie Sigmar Gabriel beim Verzehren seiner Unterhosen, riefen wir einen Handwerker an, der „auch für Notfälle“ bereitstand. „Ich komme gern“, rief er durchs Telefon. „Hier wartet eh nur meine Steuererklärung auf mich!“

Eine halbe Stunde später warf er einen melancholischen Blick in die Waschmaschine und sagte: „Ich weiß, woran es liegt.“ Einige Stunden später hatte der Mann den Wasseranschluss des Geräts komplett erneuert. Offenbar zu neu für die Waschmaschine, die beim Probebetrieb nun den Dienst versagte. „Hm. Ich komme morgen noch mal vorbei.“ Lieber nicht.

Der Kundendienst des Herstellers, den wir als nächstes kontaktierten, wies uns erst einmal auf die günstigen neuen Modelle der Firma hin, ließ sich dann aber doch überreden, einen Handwerker zu schicken. „Kann aber dauern.“ Kaum einen Monat später stieg dieser, völlig außer Atem, zu uns in den dritten Stock. „Die Maschine ist aber alt“, keuchte er. „Da brauchen Sie eigentlich eine neue.“ „Die haben wir vor sechs Jahren gekauft. Die ist jünger als manches Gewürz, das hier im Regal steht.“ „Jedenfalls ist da ein Wackelkontakt“, analysierte er. „Wenn ich Ihnen ein neues Kabel einsetze, wird das nicht billig.“ Er zeigte mir den Betrag wortlos auf einem mitgebrachten Taschenrechner. Jetzt bloß nicht schwach werden. Die „alte“ Waschmaschine ist doch eigentlich noch gut. Ich nickte und der Handwerker reparierte, „erst mal provisorisch“. Auf einmal schnurrte die Waschmaschine wieder.

„Die ist aber alt“, keuchte der Handwerker, als er die Waschmaschine sah.

Vier Wochen später stand der Handwerker erneut vor unserer Tür. „Das neue Kabel habe ich aber nicht dabei. Das wurde noch nicht geliefert.“ „Äh ...?“ „Die Anfahrt müssen Sie mir trotzdem bezahlen.“ Die Dame vom Kundendienst stornierte die dreiste Rechnung noch am gleichen Tag und versprach mir, einen neuen Fachmann zu schicken. Das Ersatzteil sei wohl auch schon angekommen, man wisse nur leider grad nicht, wo es steckt. Und ob wir nicht doch eine neue ...? Egal, sie würde sich noch mal melden.

Seither hat sie nicht wieder angerufen. Die „provisorisch reparierte“ Waschmaschine läuft noch immer. Manchmal streiche ich sanft über die Tür, bevor ich sie starte. Wenn man Kaufpreis und Reparaturkosten addiert, haben wir inzwischen wahrscheinlich die teuerste Waschmaschine der Stadt. So schnell geben wir nicht auf.

Erschienen in Ausgabe 08/2015
Rubrik: Leben&Umwelt

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Hubert Hellmann

Sehr geehrter Herr Grimm,
schade , dass Sie nun auch noch Politker verunglimpfen.
Haben Sie das nötig?
Essen Sie doch erst einmal Ihre Unterhosen, dann wird Ihr
Wäschekorb auch nicht so voll.
Gruß
H.Hellmann

Sanne

Bei zukünftigen Problemen:
http://www.waschmaschinendoktor.de/ ...