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Kolumne: Von Sehnsüchten, die nicht leiser werden wollen

Fred Grimm (© Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(© Rebecca Hoppe)

Man müsste mal ... „Man müsste mal“ – dieser Satzanfang schleicht sich gern in den dunklen Tagen in die Gedanken, wenn uns die Feiertage dann doch mal ein wenig Zeit zum Nachdenken lassen.

Man müsste mal ... Nächstes Jahr vielleicht, wenn alles anders wird. Lauter weiße Seiten in unseren Kalendern – bis auf die Geburts- und Hochzeitstage, die wir nicht vergessen dürfen. Lauter gute Vorsätze, aus den Vor- und Vorvorjahren, die irgendwie dann doch nicht ...

Ja, die Uhr tickt, wenn man doch noch mal die große Deutschland-Fahrradtour machen will, die Welt umsegeln, ein großes Bild malen, einen Roman schreiben, einen Heiratsantrag machen, vegan werden, ein Handwerk lernen und/oder sich von allem Überflüssigen befreien will. Wenn man vielleicht doch noch eine echte Revolutionärin, ein echter Revolutionär werden will und einfach mal wieder anfängt mit dem Protest gegen die Zumutungen unserer bleiernen Zeit.

Man müsste auch mal ganz anders Weihnachten feiern, ohne Völlerei, ohne die Unzahl von Geschenken, die Freude heuchelnd in Empfang genommen werden und schon Silvester wieder vergessen sind. Auch mal woanders vielleicht, nicht mehr im ganz kleinen oder im ganz großen Kreise, in den immer gleichen Themen und Routinen erstarrt. Dass die Weihnachtsfeiertage zur Besinnung einladen, wird uns allerorten bis zur Besinnungslosigkeit vorgepredigt. Es ist eine träge Besinnung, wenn sie einen nur dazu einlädt, zu bedenken, wie gut man es doch eigentlich hat. Der Dezember macht einen müde. Viele würden ihn am liebsten ganz im Pyjama verbringen und dem Herrgott oder wem auch immer für die Erfindung des Fernsehens danken. Und doch sind es gerade solche Tage, aus denen die Kraft erwachsen kann, sein Leben noch einmal ganz neu aufzustellen. Es ist ein bisschen wie mit dem Joggen: Wer im Dezember damit anfängt, hat es beim Laufen im Frühling leichter. Aber gerade im Winter übersieht man gern die Freiheit, die uns gegeben ist, und erst recht die großen Abenteuer, die bestimmt irgendwo noch auf uns warten.

Neugierig wartet ein ganzes frisches neues Jahr auf uns

Gut, vielleicht nicht gleich in diesem Jahr. Man müsste sich nur mal ein Blatt Papier nehmen und den Satzanfang „Man müsste mal ...“ einfach zehnmal vollenden. All die Wünsche, die Träume, die großen Hoffnungen von früher und die Sehnsüchte, die nicht leiser werden wollen, aufschreiben und das nächste Jahr zu dem Jahr erklären, in dem man die mutlose Möglichkeitsform, den Konjunktiv, aus seinem Leben verbannt.

Dass man jeden Tag so leben sollte, als wäre es der letzte, ist ein albernes Klischee. Denn vermutlich wäre es wirklich der letzte, würden wir ihn tatsächlich so begehen. Aber dass man ein ganzes frisches neues Jahr, das da neugierig auf einen wartet, annehmen kann wie ein Geschenk, hilft einem vielleicht durch die kurze dunkle Zeit.

Erschienen in Ausgabe 12/2016
Rubrik: Leben&Umwelt

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Ja, das sind schöne Gedanken zum Jahresausklang, versöhnliche sogar!

Allein das, was ich heute getan habe, worauf ich mit Freuden blicke, versöhnt mich mit Möglichkeiten und Gelegenheiten, die noch warten, weil jeder Augenblick begrenzt ist und die tägliche Kraft sich erschöpft, um durch Schlaf wieder aufgefüllt zu werden.

Dankbarkeit ist ein Schlüssel, um mit dem zufrieden zu sein, was ist und sich auf das zu freuen, was da noch kommen mag - oder auch nicht.

Bettina Sahling von newslichter.de schreibt:

Der Song „Prayer of the Mothers“ ist aus einer Zusammenarbeit zwischen der Singer-Songwriterin Yael Deckelbaum und einer Gruppe mutiger Frauen entstanden, welche die Bewegung “Women Wage Peace” gegründet haben. Diese organisieren seit 2014 den jährlichen Marsch des Friedens in Palästina und Israel. Dieses Jahr marschierten 4.000 Frauen, ob Jüdin, Muslimin, Israelitin oder Palästinenserin zwei Wochen Hand in Hand zusammen für den Frieden.
http://www.dzig.de/Wenn-Frieden-so-einfach-waere