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Kolumne: Von der Absurdität des Autos

Viele Menschen denken gerade darüber nach, welcher Tag 2015 der schönste war. Die Pariser müssen da nicht lange überlegen. Am 27. September wirkte ihre Stadt wie in magisches Licht getaucht. Den Eiffelturm sah man so klar wie sonst nur auf der Ansichtskarte. Auf den breiten Boulevards radelten Kinder. Überall spazierten fröhliche Menschen. Am sonst so verkehrsumtosten Place de Châtelet breitete ein Yogalehrer seine Matten aus. 

Einen autofreien Tag lang – den ersten überhaupt – eroberten sich die Pariser ihre Stadt zurück. Und obwohl der Bann nur für ein Drittel des Stadtgebiets galt, sank der Schadstoffausstoß binnen weniger Stunden um 40 Prozent. Die Lärmbelastung wurde sogar halbiert. Nicht nur die Bürgermeisterin Anne Hildago forderte danach, man sollte das Experiment bald wiederholen. „Vielleicht künftig einmal im Monat?“ 

Ich frage mich für Hamburg, Berlin, Köln, München, Frankfurt und all die anderen verstopften Städte – warum eigentlich nicht immer so wie an diesem traumhaften Frühherbstsonntag in Paris? Dass wir unsere Städte dem Auto ausliefern, wird kommenden Generationen vermutlich einmal genauso seltsam vorkommen, wie uns die Gewohnheit unserer Vorfahren, ihre vollen Nachttöpfe einfach auf die Straßen zu entleeren. 

Es ist absurd. 23 Stunden am Tag steht ein Auto herum und bekommt allein dafür schon 20 Prozent mehr Fläche als ein Kind. Wenn es dann mal fährt, die 19-Fache eines Radfahrers. Dass Abgase für den Anstieg der Atemwegs- sowie diverser Herz-Kreislauferkrankungen verantwortlich sind, wissen wir seit Jahrzehnten. Ein Report des französischen Senats wies unlängst sogar einen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Alzheimer nach. Ganz abgesehen davon ist das Bild unserer Städte, in denen immer hässlichere Autos die Straßen vermüllen wie früher die Exkremente der Bürger, ein Anschlag auf unser Recht auf Schönheit. 

Klobige Autos, die den ganzen Tag lang im Weg herumstehen. 

Wir brauchen den Ausstieg aus der Autoindustrie so wie den aus der Atomwirtschaft. Als kriminelle Vereinigung, die Abgaswerte manipuliert und damit die Gesundheit der Menschen zerstört, und die alle Versuche blockiert, klimaschädliche Treibhausgase zu beschränken, beleidigt sie die Intelligenz und die Moral jener Millionen Menschen, die in Deutschland für sie arbeiten. Als ob denen nicht viel bessere Formen der Mobilität einfallen würden, als klobige Autos, die den ganzen Tag lang im Weg herumstehen. 

82 Prozent der Deutschen wünschen sich einer Umfrage des Bundesumweltamtes zufolge, Städte und Gemeinden „so umzugestalten“, dass man seine „Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigen kann“. 82 Prozent! Wenn das mal keine Mehrheit für einen Ausstieg ist. Unter den guten Vorsätzen für 2016 kommt dieser Punkt bei mir jedenfalls ganz nach vorn.

Erschienen in Ausgabe 12/2015
Rubrik: Leben&Umwelt

Kommentare

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Das ewig-gestrige Gesülze vom »typischen« Grünen ist nicht nur albern, sondern ganz salopp gesagt, grottendoof. Solcherlei Volk malte sich schon immer ihre eigene, kleine Matrix in den Farben, die sie zu ertragen bereit sind – die Fakten aber sind pro­non­ciert. Und die haben es in sich: Wer heute noch vollkommen unbeirrt den Verbrennungsmotor nutzt und sich einen fechten Kehricht um die durch ihn/sie verursachten Folgen schert, also nicht bereit ist, sich über nachhaltige Mobilität Gedanken zu machen und das Benutzen von Fahrrad, E-Bike, Bus- und Bahnen, das Bilden von Fahrgemeinschaften oder den Umstieg auf ein Elektroauto ablehnen, penetriert, schädigt und vergiftet Kinder, Erwachsene und letztlich sich selbst. Was das genau bedeutet kann hier nachgelesen werden (sofern ein Wissen über Fakten denn erwünscht ist): http://www.klimarelevant.de/2016/06/02/der-urbane-raum/

Ein Wort noch zu dem ebenfalls immer wieder aufkommenden Gejammer, was denn mit Menschen mit Handycap, dem Lieferverkehr usw. wäre, wenn das Auto aus den Innenstädten verbannt wäre. Ausnahmen muss es in einer sozialen Gesellschaft immer geben - gar keine Frage. Aber das entscheidende ist hierbei, dass all diese Ausnahmen schon lange nicht mehr mit Technik aus dem 19. Jahrhundert (Verbrennungsmotor) herumfahren müssten. Schon längst könnten diese nämlich geräusch- und abgaslos durch die Städte surren, wenn nicht die Automobilindustrie, gemeinsam mit der Politik, seit Jahrzehnten die Elektromobilität aus Profitsucht boykottieren würden. Quelle? Bitte sehr: http://www.klimarelevant.de/2015/08/13/elektro-mobilitaet-alles-maerchen/

Diese Kolumne über die Absurdität des Autos nehme ich zum Anlass für eine Rückerinnerung und für eine aktuelle Zustandsbeschreibung A) sowie für eine nachfolgende Zukunfts-Betrachtung B).

A) Als ich 1961 in München geboren wurde, lebten in dieser 310 qkm großen Stadt 1.100.000 Menschen und es gab hier insgesamt etwa 170.000 zugelassene motorisierte Fahrzeuge - also PKW, LKW und Motorräder zusammengezählt.
Nun haben wir in diesem Jahr 2016 die Marke "1.500.000 MünchnerInnen im Millionendorf" überschritten und in dieser immer noch nur 310 qkm großen (bzw. jetzt eigentlich eher kleinen) Stadt sind die zwischenzeitlich hier zugelassenen 685.000 PKW zu einem gravierenden Belastungs-Faktor für den Münchner Stadtraum geworden - egal ob sie eine Stunde am Tag als FAHRZEUGE bewegt werden oder während der übrigen 23 Stunden als STEHZEUGE große Flächen besetzen. Die 20.000 LKW und Lieferfahrzeuge in München feinstauben unsere Stadtluft dann ebenso voll wie die nochmals mehr als 100.000 Pendlerfahrzeuge aus dem Münchner Umland. Bis zum Jahr 2030 soll die Münchner Stadtbevölkerung übrigens um weitere 200.000 Menschen anwachsen, . . .

B) Einen weiteren Anstieg des motorisierten Individualverkehrs müssen wir heute schon verhindern, wenn München zukünftig eine noch halbwegs lebenswerte Stadt bleiben soll. Neben dem Neubau von bezahlbaren Wohnungen müssen alle Bereiche des ÖPNV ausgebaut werden und da die heute vorhandenen Naherholungsflächen in München für eine wachsende Stadtbevölkerung nicht mehr ausreichend sein werden, brauchen wir auch eine radikale Freiraum-Politik in der Stadtplanung, die selbst vor der Umwidmung der Straßenräume - GRÜN statt GRAU - nicht zurückschreckt. In München gibt es derzeit gut 110.000 Straßenbäume und zur Verdoppelung dieser Zahl stelle ich hier eine einfache Rechnung vor:
110.000 Parkplätze - 110.000 (abgeschaffte) Autos = 110.000 (neue) Bäume

Die praktische Umsetzung dieser nochmals vereinfachten Rechnung
100.000 Parkplätze - 100.000 (abgeschaffte) Autos = 100.000 (neue) Bäume
ist meine zukünftige Werkstatt-Baustelle für die ÖKOLOGISCHE STADTVERWALDUNG => http://www.perspektive.muenchen-mitdenken.de/vorschlag/oekologische-stadtverwaldung.html
und nachdem ich schon einige Zeit mit dem Nachdenken darüber verbracht habe, wie die Zahl der Autos in einer Stadt verringert werden könnte, schließe ich hier mit diesem Hinweis:
Nach 14 Jahren als Autobesitzer (von 1981 bis 1994) lebe ich immer noch sehr gut damit, nur dann ein Fahrzeuge von STATTAUTO zu nutzen, wenn ich es wirklich brauche. Nun wird es mir aber wirklich sehr ernst damit, daraus ein politisches Projekt => http://www.perspektive.muenchen-mitdenken.de/vorschlag/von-wie-abschaffpraemie-g-wie-garagenpflicht-bis-z-wie-zulassungsbeschraenkung.html zu machen, weil 685.000 Münchner PKWs eindeutig zu viele Probleme verursachen und wir hier in München mit nur 385.000 Autos deutlich besser leben könnten.

Christian Huber

Was ist mit jenen Personen, die - aus welchen Gründen auch immer - auf das Auto angewiesen sind, die einen Behindertenausweis mit dem Zusatzeintrag "Unzumutbarkeit der Benützung öffentlicher Verkehrsmittel" haben? Mit den Lieferanten? Der Artikel könnte auch als Überschrift "Die Absurdität des Autors" tragen... oder der Autor ist grüner Politiker...

ND

Schade, dass hier nur unkritische Kommentare veröffentlicht werden! Einige von meine Freunden haben hier kommentiert, aber die Admins hier wollen nur sehr einseitige Meinungen zulassen! Es lebe der Echoraum! Schwache Menschen die zu keiner Diskussion bereit sind! Typisch Grün!

Lutz Räbsch

ENDLICH, ENDLICH, ENDLICH! Endlich mal jemand, der es wagt, auszusprechen, was schon lange gesagt werden musste und täglich wiederholt werden müsste! Danke für die klaren Worte. Ich frage mch jeden Tag, in welchem geistigen Zustand Stadtbewohner sich befinden, die sich dieser Umweltvernichtungsmaschine Nr. 1 unterordnen und ihre Gesundheit von ihr kaputt machen lassen, ohne auf den Gedanken zu kommen, das auch nur in Frage zu stellen.

Harald Jochums

Auto ist die Abkürzung von "Automobil".
"Auto" leitet sich von "selbst" und "mobil" von "bewegen" ab.
Es ist also ein "Selbstbeweger". So weit, so gut. -

Nun habe ich mich vor einiger Zeit vor mein Automobil gestellt und habe gesagt: "Nu beweg' Dich mal."
Und was geschah? Ja, nix ...
Und mit so einer Mogelpackung kutschieren (!) wir Menschen seit über 100 Jahren in der Gegend rum?! Kein sonderlich belastbarer Beweis für unsere Intelligenz. -

Aber was nun?
Elektro-Autos (mit Erneuerbaren Energien betankt) für die Innenstädte und das nahe Umland - und für weitere Strecken der sog. ÖPNV. -
Das wäre schonmal ein Anfang.
Und dann natürlich mit Fahrrad und Zug. -

Dazu müßten aber unsere sog. VertreterInnen aus Politik und Verwaltung auch als Vorbilder vorangehen und handeln - und jeder einzelne natürlich auch. -
Da sehe ich aber seitens der Politk außer Lippenbekenntnissen kaum einen Schimmer. Shoppen, Konsum und Wachstum bis zum Umfallen sind da eher angesagt. Lebensqualität pur - klingt aber ein wenig komatös. -

Na gut, dann gehen wir BürgerInnen eben wieder mal voran. -
Fragt sich nur, wozu wir PolitikerInnen und VerwalterInnen dann überhaupt noch brauchen!?

Harald Jochums / u.a. Archetekt für Ökologisches Bauen / Duisburg-Rheinhausen

joehot

hallo
ich finde es schade das der bericht so stark nach 'gegen' klingt . ich selbst fahre einige 1000 km im jahr mit fahrrad . es ist insgesamt mein einziges fortbewegungsmittel . ich nutze auch fuer laengere strecken kein oepnv .
gerne wuerde ich auf langen strecken autofreie strassen und auch autobahnen nutzen duerfen um gut vorwaerts zu kommen . - nicht laengere strecken in kauf nehmen , nicht mehrfach an kreuzungen anhalten ...
ich bin jedoch der meinung das ein gegeneinander uns nicht weiterbringt .
haessliche autos - warum so eine beleidigung ? wem soll das helfen ? dadurch sind autofahrer ( fuer mich nachvollziehbr ) doch gleich wieder in abwehrhaltung .
ein auto das 19-fache eines fahrrades ? selbst wenn ich fahrraeder nur abstelle klingt das utopisch . wenn ich davon ausgehe das jeder radfahrer auch jederzeit bequem an sein eigenes rad mit be- und entladen rankommen moechte wuerde ich sagen das es um ca. 5 - 6 raeder geht . im fliessenden verkehr reduziert sich das sicher noch auf 2 - 3 raeder .

so fazit ( also bewertend und frust rauslassen vlt sogar beleidigend seiend - bewusst ?! drauf hinweisend ) : der bericht liest sich aehnlich wie einer aus der bildzeitung .

spuert da mal bitte rein was mein fazit in euch ausloest an emotionen ?!

ich moechte darauf hinweisen - ich moechte mich in einem gewaltfreien umgang miteinander ueben .
lieben gruss
joerg

Harriet Vane

Vielen Dank für diese Kolumne! Und viel Glück für Ihren guten Vorsatz! Wir, Eltern und zwei Kinder unterhalb des Teenager-Alters, leben schon immer ohne Auto. Großeinkauf geht auch mit Fahrrad-Anhänger, in den Urlaub fahren wir mit der Bahn und wenn's denn wirklich mal gar nicht anders geht, dann leihen wir einen Mietwagen. Aber es geht eben doch fast immer anders. Einfach mal ausprobieren!

Hamburgerin

Ihr Beitrag spricht mir aus dem Herzen! Die optische und olfaktorische Vermüllung unserer Städte durch Blechlawinen wirkt auf mich mehr als überholt. Eine Abmeldeprämie muss her!

Stattdessen fangen nun die SUV-Besitzer an, sich auf Tourismusportalen zu beschweren, dass für ihre Monsterautos die Stellplätze von Hotels zu klein sind.

Und für Hamburg: Jede deutsche Kleinstadt hat wohl vergleichsweise mehr Fußgängerzonen und verkehrsberuhigte Straßen als die "Umwelthauptstadt Hamburg"... Hier sperrt sich die Verwaltung mit Händen und Füßen gegen Maßnahmen, die einer zukunftsgerichteten und lebenswerten Metropole angemessen wären.

biki

danke!!


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#3 system/modules/core/classes/FrontendTemplate.php(330): Contao\Search::indexPage(Array)
#4 system/modules/core/classes/FrontendTemplate.php(124): Contao\FrontendTemplate->addToSearchIndex()
#5 system/modules/core/pages/PageRegular.php(190): Contao\FrontendTemplate->output(true)
#6 system/modules/core/controllers/FrontendIndex.php(267): Contao\PageRegular->generate(Object(Contao\PageModel), true)
#7 index.php(20): Contao\FrontendIndex->run()
#8 {main}