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Kolumne: Schlechte Nachrichten für das Happy Meal

Fred Grimm (Foto: Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(Foto: Rebecca Hoppe)

McDonalds geht es nicht gut. Zwar immer noch besser als den Millionen Rindern und Hühnern, die, mit Medikamenten vollgepumpt, in stickigen Fleischfabriken vor sich hin vegetieren, um irgendwann als Happy Meal zu enden. Besser auch als den Regenwäldern, die für Ackerflächen abgeholzt werden, damit die Tiere auch genug Genfutter zu fressen haben. Und es geht dem größten Fleischklopsbrater der Welt ganz bestimmt noch besser als den meisten seiner über eineinhalb Millionen Mitarbeiter, die weltweit in einer der 36 200 Filialen oft zu Hungerlöhnen schuften.

Aber pünktlich zum 75. Geburtstag von McDonalds haben die schlechten Nachrichten das Unternehmen selbst erreicht. Mit dem weltweiten Umsatz geht es seit zwei Jahren bergab, der Gewinn sank um ein Drittel. In Deutschland fallen die Umsätze sogar bereits seit dem Jahr 2012. Trotz – oder gerade wegen – grotesk unglaubwürdiger Werbekampagnen, für die sich Stars wie Elyas M'Barek, Joko Winterscheidt, Moritz Bleibtreu oder Heidi Klum blamierten.

Vor zehn Jahren machte in einem beliebten Hamburger Wohnviertel eine McDonalds-Filiale dicht und ein Bio-Supermarkt öffnete. Für mich markierte das damals eine Art Zeitenwende. Tatsächlich war dieser Wechsel so etwas wie der letzte Anstoß für mein Buch „Shopping hilft die Welt verbessern“. Ich recherchierte und schrieb für all die Menschen, die nach ethisch-sozialen Alternativen für ihren Einkauf und ihr Leben suchten. Ihnen lag genau das Gegenteil dessen am Herzen, für das McDonalds steht. Der Konzern, der sich verzweifelt um ein besseres Image bemüht, gilt als Symbol für rücksichtslose Globalisierung, für Einheitsessen aus der Lebensmittelfabrik, das die Geschmacksnerven ruiniert und Menschen krank macht, sowie für den Begriff „McJobs“, also unsicheren, schlecht bezahlten Arbeitsplätzen. Obwohl McDonalds-Manager damals heftig protestierten, schaffte es „McJobs“ bis ins amerikanische Wörterbuch.

Symbol für rücksichtslose Globalisierung, für Einheitsessen und für den Begriff „McJobs“

Mittlerweile wünschen sich auch im McDonalds-Mutterland USA immer mehr Menschen gesundes Essen aus der Region, Mahlzeiten, die so schmecken wie sie auf den Plakaten aussehen, und, wenn schon Burger, dann welche, deren Fleisch von Tieren kommt, die so etwas wie ein Leben vor dem Schlachten führen durften. In Deutschland boomen mittlerweile Edel-Burger-Tempel, die mit Frische und Geschmack werben und sich, mit mehr oder weniger Erfolg, auch an interessanten Veganer-Burger-Varianten versuchen. Und diejenigen Kinder, die früher Ronald McDonalds stärkste Nachwuchstruppen stellten, wissen inzwischen so viel über den Fast Food-Konzern, dass sie ihre Geburtstage lieber in einem Mathemuseum feiern würden als in der Bratfett geschwängerten Luft einer McDonalds-Filiale. McDonalds geht es nicht gut. Ich liebe es.

Erschienen in Ausgabe 07/2015
Rubrik: Leben&Umwelt

Kommentare

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Lieber Fred Grimm, kaum jemand bringt die Dinge derartig auf den Punkt wie Sie. Ich liebe es – danke!