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Kolumne: Irgendwann fangen wir an, ganz bestimmt!

Fred Grimm (Foto: Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(Foto: Rebecca Hoppe)

Gut, es gibt Treueschwüre, die schneller gebrochen werden; Verträge mit Fußballstars, die schon nach wenigen Monaten nicht mehr gelten oder gute Vorsätze, die nicht mal eine Woche halten. Aber als die Weltgemeinschaft vergangenen Dezember in Paris glückstränenreich ihr historisches Klimaabkommen verabschiedete, hatte man sich doch ein wenig mehr Ehrlichkeit und Ausdauer versprochen. Vor allem von uns Deutschen, den selbsternannten Musterschülern in Sachen Klimaschutz. Doch die traurige Wahrheit ist: Wir haben die Welt belogen und uns selbst gleich mit. Spätestens seit im Sommer der „Klimaschutzplan 2050“ von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vom Rest der Regierung förmlich massakriert wurde, ist es offiziell: Deutschland hat den Kampf gegen den Klimawandel aufgegeben. Sollen doch unsere Kinder und Enkel sehen, wie sie mit der Katastrophe klarkommen, die wir ihnen hinterlassen.

Mal kurz einen Schritt zurück: Will man den Klimawandel stoppen, bieten sich viele Handlungsoptionen. Man könnte endlich, endlich aus der beinahe schon verbrecherischen Kohleförderung aussteigen. Man könnte den klimaschädlichen Autoverkehr einschränken, Mobilitätsalternativen entwickeln oder die Agrarindustrie als destruktiven Faktor für unser Klima mindestens mal benennen. Man könnte in Talkshows und auf den Leitartikelseiten ein Zehntel weniger über die Schrecken der „Flüchtlingsflut“ palavern und stattdessen über die realen Überschwemmungen reden, welche die Welt als Folge des Klimawandels bereits heute heimsuchen. Man könnte Namen nennen, Unternehmen, Lobbyisten, Politiker, die sämtliche Warnungen und Fakten ignorieren, weil sie nicht weiter in die Zukunft schauen mögen als bis zur nächsten Überweisung oder Quartalsbilanz. Aber alles rauscht einfach so an uns vorbei.

Man könnte eigentlich ein Tässchen tee trinken

Der im Sommer vorgestellte Verkehrs­wegeplan, der jetzt im Stillen vollstreckt wird, sieht 130 Milliarden Euro für den Aus- und Neubau unseres Straßennetzes vor. Offenbar soll auch noch das letzte Fleckchen Grün zubetoniert werden, damit dieselgetränkte Krankmacher weiterhin ohne Geschwindigkeitsbeschränkung durch unser Land rasen dürfen. Dafür schränken wir den Ausbau von Windkraft- und Solarenergieanlagen ein. Daran verdienen wohl die falschen Leute. Dazu fördern wir auch weiterhin gigantische Fleischfabriken, die Luft, Wasser und Böden vergiften – so wie die Massentierhaltung unsere Moral. Wir verhalten uns wie jemand, der eigentlich abnehmen will, sich aber den Einkaufswagen immer wieder mit Eis, Chips oder Schokolade vollstopft. Irgendwann fangen wir an, ganz bestimmt, versprochen! Es stimmt ja auch: Wir können uns ständig selbst belügen und so tun, als wäre alles nicht so schlimm. Das Klima, leider, kann es nicht.

Erschienen in Ausgabe 10/2016
Rubrik: Leben&Umwelt

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incl. 'http://'

'Wir haben die Welt belogen und uns selbst gleich mit' Wer ist hier mit 'wir' gemeint? Es ist klar, dass die Bundesregierung einen konservativen Kurs steuert, der von der Mehrheit der Bürger toleriert wird. Die Bauernverbände der konventionellen Landwirtschaft, die konventionell arbeitende Wirtschaft, die Konzerne und die meisten Vermögenden stecken dahinter. Aber das sind nicht WIR. Wir sollten differenziert denken und reden. Die konservativ-konventionellen Kräfte sind (noch?) die Mehrheit in Deutschland und auch in anderen Ländern. Die Bio-Landwirtschaft, Bio-Nahrungmittelhändler, die Gemeinwohl-Ökonomie, UnternehmensGrün sind Kräfte, die sich davon abheben und für eine Überwindung der Profitmaximierung und des Wachstumsstrebens als Glaubensprinzip eintreten. WIR sollten immer in differenzierten Kategorien denken und sprechen. DIE konventionellen Kräfte sind nicht WIR. Es gibt einen Kampf der Kulturen - hier die fortschrittlich handelnden Menschen dort die konventionellen Menschen. WIR brauchen Mut und Freude an der Auseinandersetzung mit DENEN. Es ist manchmal ermüdend in einer Welt zu leben, in der es soviel Ignoranz und Dummheit gibt - aber es macht SPASS es DENEN zu zeigen ;-)

S. Ritter

Leider - muss ich sagen – ist es tatsächlich so, dass wir durch eine unverantwortliche EU-Politik der Globalisierung, durch die dt. unterstützt, jetzt ganz andere Probleme in Deutschland bekommen und dass der Kampf gegen den Klimawandel in den Hintergrund treten wird.
Dieser Traum vom ökologischen Deutschland scheint angesichts der verheerenden Aussichten wie ein Witz. Das wird über kurz oder lang gar kein Thema mehr sein, wenn die Pläne der Globalisten aufgehen. Kurzsichtigkeit und Political Correctness helfen uns da leider überhaupt nicht weiter.

Einbinden möchte ich, da dazugehörig, eine Anmerkung zum Artikel „Arme Menschen sind die wahren Klimaschützer“ von Seite 7 der Ausgabe 10/2016. Statt dieses Ergebnis einer Studie des Umweltbundesamtes ungeprüft zu übernehmen, die eben nichts anderes ist als einseitige Statistik, die nicht alle Parameter einbezieht, hätte ich gerade in einer ökologisch orientierten Zeitung einen kritischen Blick darauf erwartet: es wird völlig ausgeblendet, dass Millionen Flüchtlinge, die nach Europa kommen, und die auch zu den armen Menschen gezählt werden, hier plötzlich einen ungeheuren Mehrkonsum erzeugen, einschließlich Müll. Die Erzeugung dieses Konsums kostet Energie, die Müllentsorgung ebenso. Das Ökobewusstsein ist bei dieser Menschengruppe gleich Null. Die Studie kann man also getrost einstampfen.

Insofern wird der Kampf, will man ihn nicht aufgeben, in eine neue Dimension gehen müssen.
S. Ritter

Egon

Sehr geehrter Herr Grimm,
eine tolle Kolumne, die ich immer wieder gerne lese, da sie viel Realität widerspiegelt. Bei dieser Kolumne aber denke ich mir, warumfangen nicht Sie damit an? Nennen Sie doch mal so beiläufig die Namen derer, auf die Sie ja schon ziemlich deutlich mit dem Finger zeigen. Eventuell würde das den einen oder anderen Mitbürger wachrütteln und seine Entscheidung bei der nächsten Wahl beeinflussen.
Vielen Dank und weiter so!

jörn

Sehr geehrter Herr Grimm,ich stimme Ihren Gedanken immer zu und freue mich Ihre Kolumne zu lesen.Das Problem ist nur,das man allmählich resigniert,da die offensichtlichen Probleme sich eher verschlimmern als bessern.So schön einige Ansetze,engagierter Bürger auch sind,die Anzahl derer,die nicht nachdenken wird immer größer.Ich glaube,wir haben den Kampf schon längst verloren.Mit meinen 44 Jahren fühle ich mich wie ein Maisboden,leer und ausgelaugt.Sei es auf der Arbeit,auf Elternabenden,bei Nachbarn oder bei Freunden überall die oberflächlichen,bequemen Menschen,die eine bessere Beziehung zu ihrem Smartphone pflegen als zu sich oder der Umwelt.Ich frage mich,wie Sie es schaffen, noch Hoffnung zu haben.Lieben Gruß. J.L.

Abgase aus Verbrennungsmotoren
Das, was über die Auspuffanlage einen Benzinmotor verlässt, unterscheidet sich wesentlich von der Atemluft, die Menschen zum Leben brauchen. Die Atemluft besteht hauptsächlich aus 78 Prozent Stickstoff, 21 Prozent Sauerstoff und 0,04 Prozent Kohlenstoffdioxid. Die ausgeatmete Luft enthält ebenfalls 78 Prozent Stickstoff, nur noch 16 Prozent Sauerstoff und an Kohlenstoffdioxid das Hundertfache, nämlich 4 Prozent. 87,6 Prozent der Abgase eines Benzinmotores ohne Katalysator sind Kohlenstoffdioxid und 10,3 Prozent Kohlenmonoxid. Stickstoff und Sauerstoff fehlen.

Ein Mensch kann also mit diesem Gemisch nichts anfangen, außer zu ersticken und sich zu vergiften. Nur Pflanzen brauchen Kohlendioxid und Wasser, um mit der Hilfe von Sonnenlicht grob vereinfacht dargestellt Sauerstoff und Zucker zu erzeugen. Je weniger Kohlendioxid auf der Erde vorhanden ist, desto weniger Sauerstoff können Pflanzen erzeugen. Deswegen wachsen sie an Autostraßen so gut. Nur im Umfeld von Kohlefabriken entwickeln sich Pflanzen noch größer, stärker und reichhaltiger. Doch wer fährt schon sein Auto in ein Gewächshaus, um die Pflanzen zu düngen?