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Kolumne: Dein Hund liebt dich, wirklich!

Fred Grimm
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft
die Welt verbessern“, schreibt hier
über gute grüne Vorsätze – und das,
was dazwischenkommt.
(Foto: Rebecca Hoppe)

Die vielen Hundefreundinnen und -freunde unter Ihnen dürfte diese Nachricht nicht wirklich überraschen, denn geahnt hatten sie es längst: Nicht nur wir lieben den Hund, sondern der liebt auch zurück. 

Das Wissenschaftsmagazin „Science“ veröffentlichte unlängst eine Studie aus Japan, die ermittelte, was in den Körpern von Hunden und ihren HalterInnen passiert, wenn sich beide tief in die Augen blicken. Dass dabei der menschliche Körper das als „Kuschelhormon“ gehandelte Oxytocin in Liebesrausch-ähnlichen Mengen produziert, verwundert nicht. Doch auch in den Körpern der Hunde maßen die Forscher einen deutlichen Anstieg des Oxytocin-Spiegels, eine Art hormoneller Rückkopplung auf ihre treu sorgenden Frauchen und Herrchen, die sich bei anderen Haustieren nicht nachweisen ließ. Hunde, auch das weiß man inzwischen, sind in der Lage, die menschliche Mimik besser zu deuten als mancher Ehemann. Sie fühlen sich für ihre menschlichen Freunde verantwortlich und verstehen sogar, was man ihnen sagt. Jedenfalls im Prinzip. Manchmal. 

Das Schöne am Hund ist, dass für seine Liebe ganz offenbar andere Maßstäbe gelten, als sie im Zwischenmenschlichen üblich wären. Selbst jenen ignoranten Widerlingen, die ihre Hunde auf Spielplätze oder Liegewiesen kacken lassen, gehört das Herz ihrer Tiere. Ebenso wie den Impotenzphobikern, deren freilaufende Kampfhunde fehlende Männlichkeit ersetzen sollen. Überhaupt zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass im Verhältnis von Hund und Mensch eher Letzterer den problematischen Teil der Beziehung bildet. Während die regelmäßigen Oxytocin-Schübe beim Tier die besten Eigenschaften zutage zu fördern scheinen, verlieren die verliebten Menschen bisweilen allerdings jedes Maß. 

Da werden gesunde und lauffähige Hunde im Wägelchen sitzend durch die Straßen gerollt, mit teuren Delikatessen gefüttert, in Seidenkleidchen oder gar Outdoor-Jäckchen eingehüllt, damit sie sich nicht anstrengen, den Gaumen nicht plagen und, vor allem, nicht frieren müssen. Mindestens ebenso schlimm sind jene HalterInnen, die am Hund vor allem „das Natürliche“ bewundern. Alles, was dieser Natur entgegenstrebt – dazu zählen Straßenverkehr, andere Menschen, also das urbane Alltagsleben an sich –, ist ihr, ähem, „natürlicher“ Feind. Ihr Lieblingssatz „Der tut nichts!“ dürfte zahlreichen Bissopfern noch immer in den Ohren klingeln. Aber letztlich sind solche Extreme nur die seltenen Auswüchse einer mehrtausendjährigen Freundschaft. 

Das Leben ohne Mops sei „möglich, aber sinnlos“, befand einst der große Loriot. Ein Satz, den man bedingungslos auf alle Hunde ausweiten kann, vor allem, nachdem jetzt endlich erwiesen ist, dass die das mit Blick auf den Menschen genauso sehen. 

Erschienen in Ausgabe 06/2015
Rubrik: Leben&Umwelt

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