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Interview: „Wir schaffen uns ab“

Harald Lesch (© Komplett-Media GmbH)
Harald Lesch geht für das ZDF in historischer Kulisse der Frage nach: Woraus besteht die Welt? (© Komplett-Media GmbH)

INTERVIEW Der Astro-Physiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch gibt der Menschheit nicht mehr lang, weil sie die Erde malträtiert. Aber er hat Ideen, wie sie ihr Dasein verlängern kann. Lesch sagt auch, warum jeder von uns gefordert ist.

Passender geht’s nicht: Ich treffe den Astro-Physiker Harald Lesch im „Haus der Astronomie“, über den Dächern von Heidelberg. In einer exklusiven Privatvorlesung erfahren die Leser von Schrot&Korn, wie es um unsere Erde und uns Menschen steht.

Auf der Rückseite Ihres neuen Buches steht folgender Witz: Treffen sich zwei Planeten. Der eine: „Du siehst aber schlecht aus.“ Der andere: „Ich habe Menschen!“ Der eine: „Oh, das geht vorbei.“ – Herr Lesch, wann geht die „Krankheit Mensch“ vorbei?

Dieser Witz ist natürlich sehr zynisch. Aber letztlich sind wir für die Erde so etwas wie ein sozialer Meteoriteneinschlag. Wir behandeln den Planeten wie eine große Abfallhalde. Wider besseres Wissen zerstören wir unsere eigene Lebensgrundlage.

Nennen Sie bitte ein Beispiel: Wo beuten wir Menschen die Erde aus?

Erst heute war wieder eine Meldung in der Zeitung, dass diese vielen Aqua-Kulturen, also diese Fischzucht an den Küsten dieser Welt, sehr große Umweltschäden verursachen, zum Beispiel durch Algenwachstum. Auf der anderen Seite leiden diese Aqua-Kulturen aber natürlich auch darunter, dass das Meerwasser überhaupt nicht mehr sauber ist. Weil wir ständig irgendwelche Abfälle reinschütten, werden wir irgendwann den ganzen Müll, den wir irgendwo zu Lande, zu Wasser und in der Luft her-ausgelassen haben, wieder zu uns nehmen. Egal, ob Veganer, Vegetarier oder Fleischesser: Irgendwann kommen diese ganzen Gifte, die wir da rausjagen, wieder in uns rein.

Ganz konkret: Was muss passieren, damit die „Krankheit Mensch“ etwas Positives für die Erde wird?

Als allererstes müssen wir aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen: Öl, Gas, Kohle. Viele Länder werfen uns Industrieländern jetzt vor: „Ihr habt ein paar hundert Jahre lang in großen Mengen Öl, Gas und Kohle verbrannt und in Saus und Braus gelebt; das wollen wir jetzt auch! Das ist unser Recht!“ Mag sein! Aber wir alle müssen damit aufhören – und zwar überall auf der Welt und jetzt sofort. Ganz egal, ob man Chinese ist, Brasilianer oder Amerikaner oder wer auch immer. Anders wird es nicht gehen. Denn wenn das Klima erst einmal richtig in Fahrt ist, wird es sehr, sehr lange dauern, bis es sich wieder beruhigt hat.

Also hin zu erneuerbaren Energien? Ja, und zwar so schnell wie möglich. Aber die Regierung bremst doch gerade die Energiewende?

Wir müssen aus unseren Irrtümern lernen. Und einer der größten Irrtümer ist es zu glauben, wir sollten aufhören mit dem Ausbau der erneuerbaren Energie. Das ist ein riesiger Fehler: Deutschland muss der Welt zeigen, dass eine Industrienation in relativ kurzer Zeit diesen Sprung schafft. Denn wenn wir es nicht schaffen, wer dann? Wir sind eine der reichsten Nationen des Globus, und wir sollten die Energiewende sofort, schnell und intensiv anpacken.

Und warum machen wir das nicht?

Mir scheint das größte Problem zu sein, dass viele offenbar meinen, dass vor ihnen niemand gewesen ist und nachher auch niemand kommen wird. Wir haben eine unglaubliche Reduktion der eigenen Persönlichkeit auf die unmittelbare Gegenwart. Alle, die sich am globalen Kapitalismus beteiligen, haben intuitiv die Meinung: „Jetzt noch mal schnell den großen Reibach machen, bevor es zu Ende ist!“ Das ist das schlechteste Verhalten, das man überhaupt haben kann.

Es gibt aber Menschen, die leugnen den Klimawandel!

Das ist halt das Problem: Es gibt die, die eine Meinung haben, und die anderen, die haben Ahnung. Das ist nun mal ein großer Unterschied. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen. Im Winter 2015/ 2016 war die Luft über dem arktischen Ozean in weiten Teilen mehr als sechs Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt.

Was bedeutet das?

Das heißt, dass wir eigentlich schon lange nicht mehr vom politisch-angestrebten Zwei-Grad-Ziel reden sollten. Das Problem ist viel weitreichender. Ich mache das mal bildlich klar: Sie, ich, Ihre Leserin sind knapp zwei Meter groß. Der Berg vor uns ist 2000 Meter hoch. Wir haben es hier also mit einer Kraft zu tun, die das menschliche Vorstellungsvermögen übersteigt.

Wenn jemand schon mal einen Sturm erlebt hat mit Windstärke 12, der weiß, wovon ich rede. Wir setzen hier Kräfte frei, die gehen weit über die des berühmten Zauberlehrlinggedichts von Goethe hinaus. Das sind Monster, die kommen aus Urzeiten. Und wir setzen sie frei, auch weil wir fossile Brennstoffe verbrennen, die vor Hunderten von Millionen Jahren entstanden sind.

Das heißt: nicht mehr fliegen, nicht mehr Auto fahren, anders heizen?

Es heißt auf jeden Fall: Einschränkung der Mobilität. Man muss sich wirklich überlegen, ob man fliegt. Die Touristikbranche müsste sich völlig verändern. Alles das würde – ganz offen gesagt – zu mieser Stimmung führen. Aber diejenigen, die in den vergangenen hundert Jahren ganz massiv zur Katastrophe beigetragen haben, weil sie ohne Ende fossile Brennstoffe verheizt haben, also die Industrieländer, müssen den Anfang machen. Wenn die außerdem ihre Bevölkerung dazu bringen, nur zweimal die Woche Fleisch zu futtern, wäre das gut. Und wir es dann noch schaffen, nicht in irgendwelchen Blechkisten rumzufahren, die drei Tonnen schwer sind …

Sie vermiesen den Deutschen das Auto?

Es geht ja gar nicht darum, dass die Leute nicht mehr Auto fahren sollen. Aber wir haben in den vergangenen vierzig Jahren viele Chancen vertan bei der Entwicklung von Automobilen. Das Geschäftsmodell beruht hierzulande hauptsächlich auf der Produktion von Premium-Limousinen. Darauf sind alle stolz, das gesamte offizielle Establishment. Das ist nicht der richtige Weg!

Sie haben das Wissen. Leben Sie jetzt anders, bewusster als früher?

Natürlich versuche ich, so wenig CO2 wie möglich zu emittieren. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Da gilt es natürlich auch, immer wieder Kompromisse zu machen. Und ich kaufe Bio-Lebensmittel. Am Ende wird uns nichts anderes übrig bleiben, als endlich zum ökologischen Landbau zu kommen. Etwas anderes wird nicht funktionieren.  Der ist auch gut fürs Klima.

Harald Lesch und Manfred Loosen (© Privat)

Harald Lesch empfing Schrot& Korn-Redakteur Manfred Loosen im Haus der Astronomie hoch über den Dächern von Heidelberg.

Zur Person: Harald Lesch ...

... ist 56 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Er lehrt in München an der Ludwig-Maximilians-Universität Physik und an der Hochschule für Philosophie Naturphilosophie. Im ZDF moderiert er die Sendung Leschs Kosmos, in der er versucht, wissenschaftliche Themen für jedermann verständlich zu erklären. Sein neuestes Buch Die Menschheit schafft sich ab Die Erde im Griff des Anthropozän ist mehr als 500 Seiten dick und beim Verlag Komplett-Media erschienen. Auf www.youtube.com veröffentlicht Lesch mit dem Astronom Josef M. Gaßner jeden Freitag einen neuen Beitrag unter UrknallWeltallLeben.

Erschienen in Ausgabe 12/2016
Rubrik: Leben&Umwelt

Kommentare

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Roman Rückert

Es gibt die die Meinung machen und die Andern bekommen immer mehr eine Ahnung.

Ober flächig betrachtet klingt ihr gut geschriebenen Text inhaltlich völlig verständlich und umschreibt auch eine vorhandene Wahrheit

Im übertragenen Sinn sagt Lesch Aussage nix anderes als. Um Millionär zu werden muss man

so unglaublich viel sparen, sich einschränken sparen bis man sich in unermesslichem Reichtum befindet.

Es existiert kein anderer Weg , es ist im Gleichklang mit dem allgegenwärtigen über unserem Kopf schwebenden Schwert

der Alternativlosigkeit und Gesellschaftlicher Gesamtschuld an diesem Dilemma.

Hier wird immer und immer wieder in die gleiche Kerbe gehauen. Dabei sieht die Realität völlig anders aus.

Es gibt eine Unmenge an alternativen Techniken, Sichtweisen, Geselschaftssysteme, leider werden diese von den Meinungsmachern unterdrückt.

Zum Thema der Mensch schafft sich ab – wird sich wohl offenbaren wenn wir diesen Schwachsinn

und Alternativlosigkeit weiter ungebremst konsumieren und nicht endlich auf vorhandenen

unendlich vielen Resorsen unterdrückter Techniken, Gesellschaftssystem, Wirtschaftsalternativen zugreifen.

Die Menschen sind in den Fangen einer unsichtbaren , seit unsagbar langen Zeit gefütterten Riesenkragen die in den Köpfen der Menschen und Gesellschaft ihr Unwesen treibt.

Die Medien,Politiker, Konzerne haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt und das ist es was sich abschafft.

Nicht der Mensch schafft sich ab , der Lügner, der Ignorant, der Nachbabller , der Bügling und Gehorsame, der Ängstlich völlig verblendete schafft sich ab.

Alle andere fangen langsam an wieder ihr eigenes Gehirn und Herz zu benutzen, steigen auf ihr

imaginäres Surfbrett und reiten auf der Zunamiwelle die sich langsam am Horizont aufbäumt und die alte Weltsicht mit ihren verblendeten Machenschaften niederreißt.

Ein aktuelles Schulbuch dokumentiert die Klimatäuschung, die auch Harald Lesch seit Monaten und Jahren betreibt. Wer es nicht glaubt, wie er von Harald Lesch (und auch aktuell von Karsten Schwanke, dem ARD-Meteorologen) getäuscht wurde, sollte sich unser 60-minütiges Video auf unserer Webseite anschauen.

Georg Gottinger

Geburtenkontrolle ist keine Lösung des Hungerproblems auf unserer Erde. Die Erde kann noch viel mehr Menschen ernähren, als jetzt auf ihr leben. Die Ursachen des Hungers sind alle hausgemacht: Kriege und Vertreibung der Menschen, eine Politik der verbrannten Erde, Vernichtung ganzer Jahresernten als Kriegsmittel, Ausbeutung von Menschen bei Hungerlöhnen, unersättliche Konsumgier auf Kosten der Entwicklungsländer, Verseuchung von Wasser und Boden und allen darauf oder darin lebenden Tieren. Geburtenkontrolle bei den vielen Armen, damit einige Reiche in Saus und Braus leben können, ist in meinen Augen perfide.

S. Gröhling

Also, ich habe das Buch von Harald Lesch gelesen und muß sagen das es leider genau die Veränderungen bestätigt, die man seit den letzten 20 Jahren beobachten kann, wenn man sehenden Auges durch die Welt geht.
@Frau Ritter
"dass CO2 durch die Klimaerwärmung entsteht und nicht umgekehrt" wo haben Sie das denn her? Haben sie da in der Schule nicht aufgepasst oder gehören Sie auch zu den Klimawandelleugnern? Den menschengemachten Klimawandel zu leugnen macht das eigene Leben natürlich schön einfach... man muß dann nämlich bei sich selbst nichts ändern! Unglaubliche Einstellung!
Aber der liebe Gott wird´s schon richten, gelle?

Nur noch als Anmerkung: nur drei Prozent der Klimawissenschaftler behaupten der Klimawandel sei nicht Menschengemacht!

Silvia Ritter

Ich bin etwas enttäuscht von dem Artikel. Er bringt absolut nichts Neues, sondern längst Bekanntes und Umstrittenes unter einem sog. "populistischen" Zitat. Ich hätte mehr erwartet, sowohl inhaltlich als auch, was die Qualität des Interviews angeht (schlechtes Deutsch, sehr gekürzte Aussage). Das ist keine gute Werbung für das neue Buch von H. Lesch - ich würde es jedenfalls nun nicht mehr kaufen.

Dass auch Lesch in die alte Leier verfällt und den angeblich menschengemachten Klimawandel bremsen will - dazu mit Mitteln, für die man erst einmal den Kapitalismus abschaffen müsste, damit sie zum Ziel führen - dazu noch mit der arroganten Behauptung, dass Kritiker dieser Ansicht nur "eine Meinung haben", die Befürworter aber "Ahnung" hätten - das ist für mich pure Gesinnungsmanipulation. Bleibt man einmal frei in der Wertung und prüft alle hierzu wiss. Dokumentationen, wird nicht abzustreiten sein, dass CO2 durch die Klimaerwärmung entsteht und nicht umgekehrt! Klimaerwärmungen gab es schon immer auf dem Planeten, und dass dieser sich verändert, ist nichts Neues und Ungewöhnliches. Dass der Mensch den Planeten ausbeutet, ist ein separates und durch den Menschen prinzipiell lösbares Problem.
Das Hauptproblem, das hinter all diesen Teilproblemen steht, das Lesch völlig unerwähnt lässt, und das m. E. zuerst gelöst werden müsste, ist die maßlose Überbevölkerung der Erde mit Menschen! Der Mensch ist gewissermaßen zur Plage geworden. Dazu würde die Aussage "Mensch auf einer malträtierten Erde" passen und auch gleich die Ursache benennen. Geburtenkontrolle als Ursachenbekämpfung statt hinterher hinkender Lösungsansätze, die ja doch nicht für die ganze Menschheit auf der Erde greifen, das wäre für mich eine ehrliche Aussage und Konsequenz. Zumal auch das Ernährungsproblem weltweit nicht anders zu lösen sein wird. Man muss sich also einmal ehrlich fragen - was ist wirklich ethisch - eine ungezügelte Vermehrung des Menschen mit katastrophalen Folgen für die Menschen und die Erde, oder die bewusste Entscheidung einer Geburtenlenkung und damit einer weniger starken Vermehrung des Menschen und einer Entlastung der Ressourcen und damit der Natur.