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„Ich will nicht groß wachsen“

Max Schlarp (© Christine Basler)
Max Schlarb will als Bio-Bauer Kreisläufe schließen. Demnächst wird er Schweine anschaffen. Sie sollen die Gemüse- und Kartoffelreste verwerten. Und Puten sind auch geplant – für die Kartoffelkäfer. (© Christine Basler)

Max Schlarb ist Landwirt. Er setzt auf Bio-Anbau – und auf Vielfalt. Bewusst hat er sich gegen Spezialisierung und große Mengen entschieden. Damit er so wirtschaften kann, wie er es für richtig hält. // Leo Frühschütz, Fotos: Christine Basler

Max, wolltest du immer schon Bauer werden?

Ja, ich habe schon als Kind im Garten Anbauversuche mit Gemüse gemacht. Das hat mich immer fasziniert. Also habe ich beschlossen, Landwirt zu lernen. Und ich habe mich damit auch durchgesetzt.

Wollten deine Eltern nicht, dass du Landwirt wirst?

Mein Vater wollte immer Landwirt lernen. Aber damals in den 70-ern war das keine Option, mit den acht Kühen, die wir hatten. Also hat er Maurer gelernt. Unsere Mutterkuhherde war immer ein Hobby. Nichts, um eine Familie zu ernähren.

Und jetzt möchtest du von Bio leben?

Ich dachte auch lange, das ist, wirtschaftlich betrachtet, ein Schmarrn. Als ich aber 2010 meinen Ökolandbau-Meister machte, habe ich gesehen, dass es Gartenbau-Betriebe mit wenigen Hektar gibt. Und auch kleine Bio-Mischbetriebe, bei denen es funktioniert.

Deshalb hast du auf Bio umgestellt?

Bio sind wir schon seit rund 15 Jahren. Mit der kleinen Mutterkuhherde war das kein Problem. Nur mein Großvater musste sich umstellen. Er durfte die Brennnesseln am Wegrand nicht mehr mit Roundup wegspritzen. Ich bin vor zwei Jahren Bioland beigetreten und habe beschlossen, ernst zu machen – als Vollerwerbs-Bio-Bauer.

Wie hast du dir das Ganze vorgestellt?

Mein Ziel ist es, dass die Menschen direkt bei mir einkaufen. Ich produziere, sie essen. Direkter Kontakt, ohne jemand dazwischen. Ehrliche Ware, faire Preise. Damit das funktioniert, braucht es eine große Vielfalt an Produkten, nicht nur Rindfleisch. Also habe ich langsam mit Gemüse, Getreide und mit Direktvermarktung angefangen.
Was heißt „langsam als Vollerwerbs-Bio-Bauer anfangen“?

Ich habe einen Feldversuch gemacht: 500 Quadratmeter Grünland umgebrochen, Gemüse gesät und zwei Holztaferl aufgestellt: „Bio-Gemüse ab Feld“. Bald waren es ein Dutzend Leute, die regelmäßig vorbeikamen. Als nächstes habe ich ein provisorisches Treibhaus gebaut, Kartoffeln angepflanzt, den Gemüseanbau auf einen halben Hektar vergrößert und einen kleinen Hofladen eingerichtet. 

Kannst du davon leben?

Noch probiere ich viel aus, sammele Erfahrungen und rechne nicht groß rum. Aber die Erfahrung bisher zeigt mir, ich kann davon leben und eine Familie kann das auch. Wenn ich allerdings kaufmännisch rangehe, mit Abschreibungen und allem, schaut das sicher noch nicht so gut aus.

 

Wäre expandieren eine Lösung?

Kartoffeln könnte ich leicht noch zwei Hektar mehr anbauen. Es haben schon große Caterer und Küchen angefragt, ob sie nicht fünf Tonnen haben könnten. Ich weiß noch nicht, was ich mache. Richtig groß produzieren für einen Großhändler oder einen anderen Abnehmer – das bin ich nicht. Ich will mich nicht vertraglich an Mengen und Preise binden, auch wenn das den Absatz sichert. Andererseits gefällt es mir, wenn ein Caterer aus der Region seine Kartoffeln nicht über einen überregionalen Händler bezieht, sondern sich Bauern vor Ort als Lieferanten sucht. Ich habe auch bei kleinen Bio-Läden hier in der Gegend nachgefragt. Die sind interessiert, haben aber oft schon ihre festen Lieferanten.

Willst du denn über die jetzigen 20 Hektar hinauswachsen?

Von der Nachfrage her käme ich mit fünf bis zehn Hektar mehr gut zurecht. Aber mir geht das zu schnell. Ich will noch Kreisläufe schließen. Im nächsten Jahr kommt ein kleiner Mobilstall für zwei, drei Schweine dazu. Sie sollen Kartoffel- und Gemüsereste verwerten. Erst wenn alles einmal rundläuft, will ich den Kreislauf etwas größer machen.

Hast du für deinen Hof eine Größenbegrenzung nach oben?

Groß wachsen will ich nicht. Ich gebe nur das Geld aus, das ich habe. Ich will mich nicht mit teuren Investitionen verschulden, aus denen ich nicht mehr raus kann. Mein Glück ist ja, dass ich mir den Hof so aufbauen kann, wie ich es will. Viele Kollegen übernehmen einen laufenden Familienbetrieb mit all seinen Zwängen. Die sind nicht immer glücklich damit.

Wie groß darf ein Bio-Betrieb deiner Meinung nach sein?

Natürlich soll es auch große Bio-Betriebe geben, Direktvermarktung ist kein Modell für alle. Aber gerade für die großen Betriebe, die für anonyme Abnehmer produzieren und unter Kostendruck stehen, braucht es strengere Vorgaben.

Was sollte bei großen Bio-Betrieben strenger geregelt werden?

Wenn ein Betrieb ein 150 Hektar großes Weizenfeld hat, dann wachsen dort Bio-Weizen und vielleicht noch 25 Ackerunkräuter. Das ist zwar besser als ein konventioneller Betrieb, der sein Feld mit Roundup spritzt und wo nur Weizen wächst. Aber 26 Arten auf 150 Hektar, das ist schon sehr wenig Natur. Doch wenn ein so großer Betrieb für anonyme Abnehmer produziert, steht er unter Kostendruck und wird seine Felder nicht in kleine Parzellen aufteilen. Da bräuchte es strengere Vorgaben. Wir haben unsere sechs Hektar Acker in sechs Felder unterteilt und dazwischen jeweils Blühstreifen angesät.

Was macht für dich Bio aus?

Bei manchen Bio-Bauern breitet sich ein konventionelles Denken aus. Da wird etwa beim Düngen nur noch gerechnet: Ein Hektar Weizen entzieht dem Boden soundsoviel Stickstoff, und das wird dann ersetzt. Als wäre der Boden ein Eimer, den man wieder auffüllt. Dabei ist Boden ein Lebewesen. Stehe ich vor einer Entscheidung, frage ich immer: Wie macht es die Natur?

Was macht die Natur mit dem Kartoffelkäfer?

Ich hatte als Kind ein kleines Kartoffelfeld und vier Puten, die haben den ganzen Sommer lang alles aufgefressen, was sich zwischen den Kartoffeln bewegt hat. Wahrscheinlich ist das ein Kreislauf, den ich noch ausprobiere: Das Kartoffelfeld einzäunen und 50 Puten rein.

Du bist jetzt die dritte Generation auf dem Schlarbhof, wo soll der Hof in 30 Jahren stehen?

In 30 Jahren möchte ich meinen Kindern einen 25 oder 30 Hektar großen Betrieb übergeben, mit einem geschlossenen Kreislauf und einer funktionierenden Vermarktung. Dann müssen sie schauen, was sie daraus machen. Bio, das mache in nicht für mich, sondern weil ich meinen Kindern eine bessere Welt hinterlassen will.

Max Schlarp (Foto: Christine Basler)Max Schlarb ...
... baut derzeit die kleine Nebenerwerbs-Landwirtschaft seiner Eltern zu einem Bio-Betrieb aus, der einmal ihn und seine Familie ernähren soll – und viele andere Menschen rund um seinen Heimatort Kolbermoor südlich von München. 

Der 27-Jährige setzt auf Direktvermarktung und eine vielfältige Produktpalette. Auf 19 Hektar hält er Mutterkühe, baut samenfestes Gemüse, Getreide und Feldfrüchte an.

Max Schlarb engagiert sich im Verein Junges Bioland und bereitet die jährlichen Öko-Junglandwirte-Tagungen mit vor. Dort treffen sich bundesweit im Öko-Landbau engagierte junge Menschen, um aktuelle Fragen zu diskutieren. „Zukunft gesichert?“ hieß das Motto 2014.

www.oeko-junglandwirte-tagung.de

 

 

 

Max Schlarp und Leo Frühschütz„Grias di, i bi da Max“, so begann das Gespräch, das unser ebenfalls oberbayerischer Schrot&Korn-Autor Leo Frühschütz (re) nur ungern ins Hochdeutsche übersetzte.

Kommentare

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Solche Typen brauchen wir mehr. Unsere Chance liegt im Regionalen. Weg von den großen Konzernen - hin zu dem Bäcker und dem Bauer um die Eckel

Dr. Eva Schaefer

"Ich will nicht groß wachsen"

Eine Begegnung auf Augenhöhe: offen, ehrlich, menschlich.
Da ist der Funke der Begeisterung und des tiefen Interesses übergesprungen, durch die einfühlsame Neugier und die sensible
Fragestellung des Autors Leo Frühschütz, verbunden mit viel
Empathie mit dem sympathischen Junglandwirt Max Schlarb und
seinen Idealen eines besseren Lebens. Dem kann sich der Leser
nicht entziehen. Es liegt an uns "Essern", solche innovativen und
mutigen Projekte zu unterstützen:
"Unsere Nahrung, unser Schicksal!"