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Glamour für gute Taten

Nachhaltigkeitspreis © DNP/Ralf Ruehmeier
Während die Grande Dame der Schimpansen, Jane Goodall, vor mehr als 1200 Gästen spricht, ist es mucksmäuschenstill im Saal.
© DNP/Ralf Ruehmeier

PREISVERLEIHUNG Zum zehnten Mal wurde der Deutsche Nach­haltigkeitspreis in Düsseldorf verliehen. Viele Stars flanierten über den roten Teppich – der natürlich ebenfalls „öko“ war. // Stephanie Silber

Der beste Schuss braucht lautes Geschrei. Immer wenn ein Promi über den roten Teppich an den Fotografen vorbeiläuft, übertönen sich diese, damit Max Giesinger, Clueso oder Otto Waalkes in ihre Kameras gucken. Einmal wird es besonders laut. Vor den Fotografen steht eine sehr kleine, sehr alte Dame. Sie ist wunderschön, lächelt sanft. Es ist Jane Goodall, die Grande Dame der Schimpansen. Sie bekommt den Ehrenpreis des Deutschen Nachhaltigkeitspreises für ihr Lebenswerk. Später am Abend passiert genau das Gegenteil: Als Jane Goodall auf der Bühne spricht, sind mehr als 1200 Menschen im Saal mucksmäuschenstill. Sie erzählt von ihrer Arbeit mit den Schimpansen, aber vor allem von ihrer Stiftung und wie sie zur Aktivistin wurde. „Wir stehlen unseren Kindern die Zukunft“, begründet sie ihr lebenslanges Engagement. Zum Ende tost minutenlang der Applaus, es gibt Standing Ovations.

Bei so vielen Jahrzehnten gelebten Aktivismus tritt eine echte Königin ein kleines bisschen in den Hintergrund: Mathilde, Ihre Majestät Königin der Belgier erhält ebenfalls einen Ehrenpreis. Die Jury würdigt ihr „Engagement für ihre Herzensthemen: Bildung und dabei insbesondere der Kampf gegen Analphabetismus, für Gesundheit, die Stärkung von Frauen weltweit sowie die Armutsbekämpfung“. Klaus Töpfer, der ehemalige Bundesumweltminister, hält die Laudatio für die Majestät. „Sie sind eine handelnde Monarchin und vermitteln anderen, dass Wegsehen nicht erlaubt ist.“

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis wird zum zehnten Mal verliehen. Eine Auszeichnung ist es bereits, zu den drei Nominierten in einer Kategorie zu gehören. Zur nachhaltigsten Marke Deutschlands wird die Andechser Bio-Molkerei gekürt. Als der Initiator des Preises, Stefan Schulze-Hausmann, der Geschäftsführerin der Molkerei, Barbara Scheitz, den Preis überreicht, interessiert ihn eines besonders: „Woran erkenne ich die coolste Kuh Deutschlands?“ Diese sucht Andechser zurzeit per Internet. „Zuerst einmal ganz viel Joghurt essen“, sagt Barbara Scheitz. Schließlich müsse man eine Beziehung zu dem Produkt aufbauen. „Und das heißt bei uns bis hin zum Bauern und seinen Tieren.“ Der Preis gebe Rückenwind, so die Geschäftsführerin mit roten Wangen und strahlendem Lächeln. Sie freue sich sehr für alle Mitarbeiter, aber auch für die Kunden, die „jeden Tag die Entscheidung für unsere Produkte treffen“. In derselben Kategorie waren die Firma Werkhaus und der Bio-Anbauverband Demeter nominiert.

In der Kategorie Kleine und Mittelständische Unternehmen gewinnt der Bio-Pionier Sodasan, Hersteller von ökologischen Wasch- und Reinigungsmitteln. Kerstin Stromberg und Jürgen Hack, die beiden Geschäftsführer, sind mit neun Kollegen nach Düsseldorf gekommen. Es hat sich gelohnt. Jürgen Hack nimmt den Preis auf der Bühne entgegen. Er freut sich riesig. „Das macht etwas mit einem“, sagt er. Es gehe nicht um die Story rund um ein Unternehmen, sondern darum, dass man etwas tue. „Es ist egal was, wenn es unsere Welt nach vorne bringt.“

Die sehr festliche Preisverleihung wird von Auftritten vieler Stars begleitet. Annie Lennox, ebenfalls Ehrenpreisträgerin, haucht dem ganzen Saal  Gänsehaut ein, als sie auf dem Flügel „No more I love Yous“ singt. Die Schauspielerin Nathalie Wörner hält die Laudatio für die britische Sängerin: „Du zeigst, dass es etwas bringt, wenn man etwas tut.“ Max Giesinger, Sänger und Mädchenschwarm, bemerkt, dass er normalerweise nicht vor so vielen Männern in Anzügen auftritt.

Öko-strom

Das Büro Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Düsseldorf bezieht 100% Öko-Strom der EWS Elektrizitätswerke Schönau.

Deutschlands „nachhaltigstes Produkt“ ist der Gepa Bio Café Orgánico. In der Kategorie Mittelgroße Unternehmen geht Ritter Sport als Sieger hervor. Nominiert waren ebenfalls die Molkerei Berchtesgadener Land und Deutsche Amphibolin-Werke. Die Telekom wird als nachhaltigstes Großunternehmen Deutschlands ausgezeichnet. Nominiert waren in dieser Kategorie auch Tui und Wilo.

Als Highlight zum zehnjährigen Jubiläum prämiert die Stiftung unter allen bisherigen Preisträgern diejenigen, die „in Sachen Nachhaltigkeit am deutlichsten eine Führungsrolle übernommen haben“. Gewonnen hat diesen Preis die Firma Frosta, nominiert waren außerdem die GLS Bank, Vaillant, Studiosus und Henkel.

Das große Finale des Abends gehört Marius Müller-Westernhagen, der ebenfalls einen Ehrenpreis für sein soziales und ökologisches Engagement erhielt – und die Tanzfläche eröffnete. 

www.nachhaltigkeitspreis.de

 

„Grünste Gala Deutschlands“

Der Preis und seine Stifter

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die nationale Auszeichnung für Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung. Die Auszeichnung wird von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, kommunalen Verbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen vergeben.

Die Preisverleihung gilt als „Grünste Gala Deutschlands“. Neben vielen anderen Maßnahmen der Veranstalter achtet beispielsweise Starkoch Holger Stromberg bei der Zusammenstellung seines Menüs nach eigenen Aussagen auf die Verwendung von Zutaten aus ökologischem Anbau, fairem Handel und die Einbindung regionaler und saisonaler Produkte. Der rote Teppich wurde aus dem Material Econyl hergestellt, für das alte Fischernetze recycelt werden.

Außerdem wird bei der Preisverleihung auf Projektion statt den üblichen, aufwendigen Dekorationsbau gesetzt. Projektionen halten den Veranstaltungsabfall klein. Die verwendeten Konstruktionen wurden aus FSC-zertifiziertem Holz produziert. Gäste konnten mit dem Veranstaltungsticket „Umwelt-Plus“ per Bahn nach Düsseldorf reisen.

Preisträger der vergangenen Jahre waren unter anderem die Firmen: Alnatura, Weleda, Bionade, Lebensbaum, Bohlsener Mühle, Gepa, Speick, GLS Gemeinschaftsbank, Lichtblick, BauFritz, Transfair, Memo u.v.m.

Bernhard Pointner von der Molkerei Berchtesgadener Land freute sich sehr über die Nominierung.

Die Gitarre reichte Max Giesinger bei seinem Auftritt.

Jürgen Hack (links) von Sodasan nahm den Preis vom Initiator, Stefan Schulze-Hausmann, entgegen.

Bibbern gemeinsam auf der Couch kurz vor Bekanntgabe der Gewinner: Barbara Scheitz, Geschäftsführerin von Andechser (links), Alexander Gerber, Vorstand von Demeter, und Eva Danneberg, Geschäftsführerin der Firma Werkhaus.

Barbara Scheitz (rechts) und Stephanie Silber von Schrot&Korn.

Ihre Majestät Königin Mathilde erhielt den Ehrenpreis aus den Händen von Klaus Töpfer.

Marius Müller-Westernhagen erhielt einen Ehrenpreis – und trat selbstverständlich auch auf.

Blödelte wie eh und je: Komiker Otto Waalkes.

@ DNP/Dariusz Misztal/Christian Köster/J. Rolfes; B. Mayer 

Erschienen in Ausgabe 02/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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Hildegard Meyer-Schütz

Von Schrot und Korn hätte ich eine kritische Berichterstattung über diese fragwürdige Galaveranstaltung erwartet. Wie kann es sein, dass die Telekom, multinationale Konzerne wie Henkel (mit verantwortlich für Regenwaldrodungen) oder Touristikunternehmen wie TUI und Studiosus (durch angebotene Flugreisen und Fahrten mit Kreuzfahrtschiffen alles andere als konsequentes Vermeiden von Umweltbelastungen ) in gleichem Atemzug wie GLS-Bank oder GEPA genannt werden? Eine Aufklärung hierüber wäre sinnvoll gewesen, in welcher Weise sich diese fraglichen Firmen wirklich "nachhaltig" positionieren. Hier wird eindrücklich gezeigt, dass der Begriff "Nachhaltigkeit", also das Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann“ (Duden) zu einem platten, nichtssagenden Begriff verkommt. Wer steht denn überhaupt hinter der Stiftung, die Europas größte Auszeichnung für ökologisches und soziales Engagement für Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit würdigt?