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Alpen im Wandel

Klimawandel; © DAV/Marco Kost
Gletschertour in den österreichischen Alpen: Mit weißen Vliesen versucht man am Weißseeferner die Gletscher­schmelze zu verlangsamen.

UMWELT Gletscherschmelze, Felsstürze, auftauender Permafrost: In den Alpen erlebt unser Autor Jochen Bettzieche die drastischen Folgen des Klimawandels.

Ende der Straße. Schier end­lose Serpentinen hat sich unser Bus rein ins österreichische Kaunertal gekämpft. Nun hört der Weg auf. Und gibt den direkten Zugang für uns auf den Weißseeferner frei – Ferner, so nennen die Österreicher ihre Gletscher. Im Eis verankert stehen die Masten der Skilifte. Regen klatscht dagegen, ein kalter Wind weht. Der Deutsche Alpenverein hat Journalisten aus ganz Deutschland eingeladen, um uns die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels auf die Alpen zu zeigen.

Schon bei unserer Ankunft sind sie nicht zu übersehen. Dort, wo sich einst weiße Eismassen ausbreiteten, liegt  graues Geröll. Große, weiße Flecken unterbrechen das Grau an einigen Stellen. Das ist kein Graupel, kein Schnee. Erst als wir näherkommen, erkennen wir deutlich, was die großen, weißen Flecken sind: Riesige Bahnen aus Vlies bedecken das Eis. Sie verdeutlichen, wie groß die Not hier oben ist. Die Vliese sollen zumindest auf den Skipisten die Gletscherschmelze verlangsamen. Dann ist ein lautes Rumpeln zu hören. Aus der Nordwand der Weißseespitze, die hier alles überragt, lösen sich Felsbrocken und krachen aufs Eis. Der Berg und sein Gletscher leiden. Die Temperaturen in den Alpen steigen deutlich schneller als im globalen Mittel. Der Permafrost taut auf. Das betrifft Pflanzen, Tiere und Menschen. Und das weit über die Grenzen der Alpen hinaus.

Messungen zeigen, dass die Durchschnittstemperaturen in den Ostalpen in den Wintermonaten bereits um zwei Grad zugelegt haben. Und das in gerade mal 90 Jahren. Des Weiteren sei der Zeitraum von 1987/88 bis 2016/17 im Mittel hochsignifikant wärmer gewesen als Perioden davor, schreiben Wissenschaftler der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien in einer aktuellen Studie.

Alle Ursachen, warum die Temperaturen in den Alpen schneller steigen, sind noch nicht endgültig erforscht. Sicher ist, dass weniger Schnee fällt und der Schnee auch kürzer liegt als früher. Schnee reflektiert aber das Sonnenlicht. Ist keiner da, wärmt sich der Boden auf. Auch die Gletscher nehmen ihre reflektierende Funktion nicht mehr wahr. Im Gegenteil, auf ihnen sammelt sich graues Geröll, das sich bei Sonnen-
einstrahlung erwärmt, und das Eis des Gletschers schmilzt.

Zukunft der Gletscher

Wie es mit den Gletschern in den Alpen weitergeht, darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Einige gehen davon aus, dass bis 2050 wohl die meisten Gletscher verschwinden werden. Andere schätzen, dass Ende des Jahrhunderts noch 30 Prozent vorhanden sein werden.

Wir ziehen die Steigeisen über die Bergschuhe, schultern die Rucksäcke und folgen unserem Bergführer Michael Veit. Hier, oberhalb von 2700 Metern, ist die Luft schon dünner, Gehen ist wegen des niedrigeren Sauerstoffgehalts anstrengender als im Tal. Veit führt uns aufs Eis und zeigt uns die Auswirkungen des Klimawandels. Noch vor 150 Jahren gab es eine Kälteperiode, in der die Gletscher in den Alpen immer größer wurden und immer weiter in die Täler drangen. Sie galten als bedrohlich und als Touristenziel, das man bewundern konnte.

1872 errichtete der Deutsche Alpenverein seine erste Schutzhütte hier im Kaunertal, das Gepatschhaus. Damals war es ein kurzer Spaziergang zur Gletscherzunge des Gepatschferners, einem Nachbar des Weißseeferners, der das nächste Ziel unserer Tour ist. Wer heute auf den Gletscher und höher hinaus will, ist anderthalb bis zwei Stunden unterwegs, bis er auf das erste Eis stößt. Allein im warmen Sommer 2015 hat der Gletscher 121,5 Meter an Länge eingebüßt. Das ist dramatisch.

Gletscher haben die Hälfte ihrer Fläche verloren

Veit bleibt auf dem Zustieg zu den Eismassen stehen und deutet mit seinen Wanderstöcken den Hang hinab. „Wir sind hier nur ein bisserl höher als der Gletscher 1850 war“, sagt er. Er zeigt auf ein Band, etwa 40 Meter weiter unten. Darunter geht es steil hinab, zwischen 70 und 100 Meter, erst dann kommt der heutige Gletscher. Das Band ist die Seitenmoräne – so heißt der Schutt, den ein Gletscher mit sich führt, sich seitlich ablagert und damit das Landschaftsbild formt. Schmilzt das Eis, bleiben die Moränen zurück. An ihnen kann man so erkennen, wie weit ein Gletscher früher ins Tal hineinragte und wie hoch er damals war.

Seit 1850 haben laut World Glacier Monitoring Service die Gletscher in den Alpen mehr als die Hälfte ihrer Fläche verloren, seit dem Jahr 1900 rund 96 Kubikkilometer Eis. Infolge des veränderten Klimas verlieren die Gletscher in den Alpen zwei bis drei Prozent ihres Volumens pro Jahr. Dabei sind die Gletscher für Natur und Bevölkerung vor Ort wichtig. Sie speichern Wasser, das im Winter als Schnee fällt, und geben es im Sommer langsam ab. Gletscherwasser gelangt so Jahr für Jahr ins Schwarze Meer, ins Mittelmeer und in die Nordsee. Die Alpen haben daher auch den Beinamen Wasserschloss
Europas erhalten.

Die Berge verlieren ihren Halt

Veit führt uns weiter den Gepatschferner hinauf. In gut 200 Metern Entfernung stürzen Steinbrocken aus einer Bergflanke auf das Eis, dorthin, wo bereits ein großer Felshaufen liegt. Es wird immer gefährlicher in den Alpen. Denn Seitenmoränen und Bergflanken, die bislang von Gletschern gehalten wurden, drohen herunterzustürzen. Gleichzeitig taut auch noch der Perma­frost auf. So heißt Untergrund, der mindestens zwei Jahre in Folge gefroren ist und brüchigen Fels und Gestein zusammenhält. Kurz gesagt: Je wärmer es wird, desto weniger Halt haben die Berge. Im Sommer 2017 stürzten vom Piz Cengalo im Schweizer Bergell rund vier Millionen Kubikmeter Fels ins Tal, zerstörten zahlreiche Gebäude und töteten acht Wanderer, die in der Region unterwegs waren. Zumindest eine Teilschuld wird dem auftauenden Permafrost gegeben. Wissenschaftler installieren deswegen in einigen Regionen mittlerweile Frühwarnsysteme, die melden, wenn sich der Berg bewegt.

Ein großer Felssturz droht derzeit auf der Schweizer Riederalp. Durch den Rückgang des Aletschgletschers hat ein Hang seinen Halt verloren. Nach Angaben des Schweizer Bundesamts für Umwelt bewegen sich oberhalb des Gletschers mindestens 150 Millionen Kubikmeter Fels auf einer Fläche von zwei Quadratkilometern in Richtung Tal. Demnach rutscht der Hang an manchen Tagen um bis zu 80 Zentimeter ab, übers Jahr wurden Bewegungen von 30 Metern gemessen. Große Risse sind entstanden. Die örtlichen Behörden haben sechs Kilometer an Wanderwegen gesperrt. Der Aletsch-
gletscher selbst ist bis zu 700 Meter dick, schrumpft aber rapide.

„Besuchen Sie die Gletscher, solange es sie noch gibt“, werben Hotels auf der Riederalp. Und: „Wenn der Hang rutscht – erleben Sie hautnah, was der Klimawandel bedeutet.“ Klimawandel als Werbemasche, um mehr Touristen anzulocken. Mit einem gesteigerten Umweltbewusstsein hat das jedoch nichts zu tun: Nur ein Angebot weiter empfehlen sie einen Flug mit dem Helikopter, „zu Kaffee und Kuchen aufs Jungfraujoch“. CO2-Emissionen inklusive. Das Beispiel zeigt, dass im Berg-Tourismus nach wie vor gilt: Es wird gemacht, was geht – ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen. Für die Gemeinden geht es dabei ums wirtschaftliche Überleben.

Zwar ist der Tourismus alpenweit betrachtet nicht der Wirtschaftsfaktor Nummer eins. Lokal betrachtet, macht das Geschäft mit den Urlaubern teilweise allerdings weit mehr als 50 Prozent aus. Viele entlegene Gemeinden abseits der großen Verkehrswege haben im vergangenen Jahrhundert auf den Tourismus gesetzt. Davon leben ganze Ortschaften, die einen wie Hoteliers und Betreiber von Bergbahnen direkt, andere wie die lokalen Handwerksbetriebe indirekt. Ohne Touristen müssten viele ihre Heimat verlassen und im Tal Arbeit suchen.

Für die touristisch geprägten Gemeinden stellt der Klimawandel eine Herausforderung dar. Doch wie sie darauf reagieren, ist ganz unterschiedlich. Insbesondere in den klassischen Wintersportorten hält man weiterhin am Skitourismus fest: Man geht in die Höhe – wo mehr Schnee liegt –, nutzt Schneekanonen oder gar Schneefabriken. Für deren Betrieb wiederum Energie benötigt wird.

Nachhaltiger Alpentourismus

Es gibt aber auch Alpengemeinden, die umdenken. Immenstadt im Allgäu verzichtet schon seit Langem auf künstlichen Schnee. Mit Erfolg. „Es gibt keine Wintertouristen mehr, sondern Touristen, die in der dunklen Jahreszeit kommen“, sagt Alfred Becker, Geschäftsführer für Wirtschaftsförderung und Tourismus. Ihnen werden Wandern, Wellness oder Skitouren angeboten. Gemeinden, die zum Bergsteigerdorf werden wollen, eine Initiative des österreichischen Alpenvereins, unterwerfen sich strengen Umweltauflagen. Klasse statt Masse, Idylle statt Rummelplatz, heißt hier die Devise.

Einen anderen Ansatz verfolgen die Ortschaften, die sich zu den Alpine Pearls zusammengeschlossen haben. Hier steht vor allem sanfte Mobilität im Vordergrund. Touristen geben bei ihrer Ankunft den Autoschlüssel ab oder kommen gleich mit Bus und Bahn. Im Gegenzug dürfen sie auf Elektroautos zugreifen, E-Bikes leihen und einiges mehr. Die österreichische Gemeinde Werfenweng hat das Angebot mittlerweile sogar auf die einheimische Bevölkerung ausgedehnt. „Derzeit haben 50 Familien mit der Gemeinde einen Vertrag abgeschlossen“, freut sich Bürgermeister Peter Brandauer.

Verkehr

Laut Internationaler Kommission zum Schutz der Alpen Cipra beträgt der Anteil des Verkehrs am Ausstoß von Treibhausgasen in den Alpenländern mehr als 25 Prozent. Mitverantwortlich daran sind auch Touristen: 84 Prozent der Urlaubsreisen in die Alpen werden mit
dem Pkw unternommen.

Manche Arten werden es nicht schaffen

Während der Mensch nach neuen Konzepten sucht – oder weiter macht wie bisher, sind in der Natur die Folgen des Klimawandels bereits sichtbar. Zwar gebe es im Großen und Ganzen noch keine Probleme, sagt Ulrike Tappeiner, Dekanin an der Fakultät für Biologie an der Universität Innsbruck, „aber manche Arten werden es langfristig nicht schaffen“. Denn während sich auf den alpinen Lebensraum spezialisierte Arten zurückziehen, steigen von unten Generalisten nach. Vögel und Schmetterlinge etwa dringen pro Jahrzehnt um 40 Meter weiter nach oben vor, in ehemals für sie unwirtliche Regionen. Gefährlich wird es für Schneehühner und Schneehasen, denn deren weißes Winterkleid schützt sie nicht vor Fressfeinden, wenn der Schnee später fällt und der Frühling früher kommt. Auf der grünen Wiese sind sie dann leicht zu entdecken. Bei anderen Tieren, wie dem Gletscherfloh, wird der natürliche Lebensraum deutlich kleiner werden.

Für Bergpflanzen sollte der Klimawandel eigentlich positiv sein. Schließlich können Pflanzen wachsen, sobald die Temperaturen fünf Grad Celsius erreichen. Weniger Frost bedeutet also eine längere Vegetationsperiode. Aber das gilt nicht für alle. „Oberhalb der Waldgrenze orientiert sich die Hälfte der Pflanzen beim Übergang von der Winterruhe zur Aktivität im Frühjahr an der Tageslänge“, erklärt Tappeiner. Pflanzen, die sich beim Wachstum am Licht orientieren, legen an den kurzen Wintertagen noch nicht los, egal, wie warm es ist. „Damit sind sie gegenüber den Opportunisten im Nachteil, wir bekommen hier ein Biodiversitätsproblem“, warnt die Biologin. Denn die Arten, die sich nach der Temperatur richten, können sich aufgrund der allgemeinen Erwärmung bereits früher ausbreiten und so den lichtorientierten Arten Platz wegnehmen.

Landwirte sehen schon heute die Folgen des Klimawandels. So blühen Apfelbäume, wenn es wärmer wird. Kommt dann ein Spätfrost, erfrieren die Blüten. In den vergangenen Jahren ist das immer wieder vorgekommen. In Südtirol besprühen Bauern die Blüten daher aufwendig mit Wasser, um sie mit einem Eispanzer vor der Kälte zu schützen. Auch die guten Lagen für Wein verschieben sich – nach oben und nach Norden, rein ins Bergland.

Der Wald verändert sich ebenfalls. Er wird größer und dichter. Die Fichte, seit Jahrhunderten von Forstwirten als ertragreicher Baum angepflanzt, leidet unter der zunehmenden Trockenheit. „Buche, Bergahorn und Eiche werden profitieren“, erwartet Tappeiner. Außerdem sei schon jetzt die obere Waldgrenze dichter und die Baumgrenze wandere nach oben. Der Borkenkäfer fühlt sich auch wohl und produziert eifrig Nachkommen, die den Baumbestand gefährden.

Wasser wird in den Alpen seltener werden

Auch im Tal und bis weit ins Flachland sind die Folgen des Klimawandels in den Alpen zu spüren. Zurzeit profitieren die Tiefebenen der Donau, des Rheins, der Rhône und des Po im Frühjahr und im Sommer vom Abfluss des Schmelzwassers aus den Alpen. An der Donau steuert das Gebirge in diesen Spitzenzeiten bis zu 35 Prozent der Wassermenge bei, am Po sogar bis zu 80 Prozent. Ändern sich diese Mengen, erwartet die Alpenkonvention einerseits mehr Überschwemmungen, andererseits mehr Dürren. In ihrem Alpenzustandsbericht heißt es: „Man nimmt an, dass zunächst der Rückzug der Gletscher den Sommerabfluss in den Alpenflüssen verstärken wird.“ Die Hochwassergefahr steigt. Sind die Gletscher dann verschwunden, fehlt das Wasser in den landwirtschaftlich geprägten Ebenen: „Wenn die Gletscher schrumpfen, wird sich der Sommerabfluss in diesen heute von Gletschern direkt gespeisten Einzugsgebieten um bis zu 50 Prozent verringern.“

In den Alpenstaaten wird es künftig auch darum gehen, wer Zugriff auf das Gletscherwasser erhält. Bewohner, Landwirtschaft und Industrie konkurrieren dann um das seltener werdende Wasser. Der Gepatschferner beispielsweise speist den Gepatsch Stausee, mit dem ein Kraftwerk betrieben wird. In einem Durchschnittsjahr deckt der dort erzeugte Strom etwa den Jahresverbrauch von 188 800 Haushalten. Ist der Gletscher nicht mehr da, fehlt ein wichtiger Wasserlieferant für den Betrieb.

Alpenweit ist der Klimawandel mittlerweile zum Kostenfaktor geworden, auch für die Touristikzentren. So hat ein Ableitstollen für das immer mehr werdende Gletscherwasser bei Grindelwald rund zwölf Millionen Euro gekostet, Dämme am Schafberg über Pontresina in der Schweiz circa fünf Millionen. Die sollen abgehende Muren, Mischungen aus Schlamm und Geröll, die ins Tal rutschen, auffangen.

Unsere Gruppe hat mittlerweile den Gepatschferner überquert und ist auf der Rauhekopf-Hütte angekommen. Die Aussicht ist beeindruckend – und macht die Folgen des Klimawandels noch deutlicher. Denn sie gewährt Einblicke in Seitentäler, in denen wir deutlich die Spuren von Gletschern sehen, überwiegend in Form der Seitenmoränen. Das Eis selbst ist nicht mehr da. 

Gletscher

Weltweiter Rückgang

Nicht nur in den Alpen, rund um den Globus gehen die Gletscher zurück, in den Anden genau so wie im Himalaya. Weltweit versuchen Forscher herauszufinden, welche Gefahren mit dem Gletscherrückgang verbunden sind.

In Pakistan werden mit finanzieller Hilfe der deutschen Bundesregierung neue Messstationen des Gletscherüberwachungssystems unterhalb der Gletscher im Karakorumgebirge installiert. So soll die Bevölkerung an den Ufern des Indus rechtzeitig vor Überflutungen gewarnt werden.

Im oberen Langtang-Tal in Nepal wird laut Forschern der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich die Abflussmenge von Wasser um bis zu 70 Prozent zunehmen. Die Gefahr von Flutwellen und Hochwasser ist groß.

In der Region Juncal in Chile drohen Dürren, denn das Maximum der Gletscherschmelze ist bereits überschritten. So könnte der Wasserabfluss aus dem gesamten Einzugsgebiet im Extremfall bis 2100 auf ein Drittel des heutigen Pegels schrumpfen.

MEHR ZUM THEMA

www.alpconv.org Die Webseite zur Alpenkonvention bietet Studien über die Zukunft der Alpen zum Download.

www.zamg.ac.at Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ist eine staatliche, österreichische Forschungseinrichtung, die sich unter anderem mit Wetter und Klima in den Alpen beschäftigt.

www.cipra.org Organisation, die sich den Schutz der Alpen auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Schickhofer, Matthias:
Schwarzbuch Alpen.
Brandstätter 2017,
200 Seiten,
22,90 €

 

 

Dominik Siegrist, Susanne Gessner, Lea Ketterer Bonnelame:
Naturnaher Touris­mus – Qualitätsstandards für sanftes Reisen in den Alpen.
Haupt Verlag 2015,
309 Seiten,
36 €

Die Journalistengruppe auf dem Gepatschferner; © DAV/Marco Kost;

Schneekanonen am Weißseeferner. © Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung/Sylvia Hamberger

Blick auf das Ski­­gebiet des Weißseeferners: Vlies trifft Eis; © Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung/Sylvia Hamberger

Ein Bodenriss beim Wanderweg alte Staffel in der Schweizer Riederalp; © Hugo Raetzo/Bundesamt für Umwelt BAFU

Auf den Bildern sieht man deutlich, wie der Gepatschferner schrumpft: 1904 (o.l.), 2005 (o.r.), 2012 (u.l.) und 2017; © Sammlung Gesellschaft für ökologische Forschung/Sylvia Hamberger

Interview
„Den Klimawandel aufhalten, genügt nicht“

Interview Andrea Fischer
Andrea Fischer ... erforscht Gletscher. Die Glaziologin arbeitet an der Universität Innsbruck und ist Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Kann der Mensch die Gletscher in den Alpen noch retten?

Es gibt zwar Ansätze, mit Abdeckungen oder künstlicher Beschneiung die Gletscherschmelze zumindest in den Skigebieten zu stoppen. Aber erstens betreffen diese Projekte nur einen Promille-Bereich der Gletscherfläche. Und zweitens kann es den Prozess maximal um einige Jahre aufhalten oder verzögern.

Die Gletscher werden also verschwinden.

Das ist nicht gesagt. Manche Studien sagen, bis 2050 werden wohl die meisten Gletscher in den Alpen nicht mehr existieren. Andere gehen davon aus, dass Ende des Jahrhunderts noch 30 Prozent vorhanden sein werden. Irgendwo dazwischen wird es sich abspielen.

Was ist Ihre Prognose?

Ich treffe keine. Die statistische Unsicherheit ist zu groß. Klar ist nur: Den Klimawandel aufhalten, genügt nicht, damit die Gletscher zurückkehren.

Warum nicht?

Die Gletscher sind nicht im Gleichgewicht mit dem gegenwärtigen Klima. Es ist generell zu warm für sie. Selbst, wenn es gelänge, jetzt die Temperaturen konstant zu halten, müssten sie auf zehn bis 20 Prozent ihrer Fläche zurückgehen. Zudem spiegeln sie nicht das derzeitige Klima wider, sondern reagieren verzögert.

Das heißt, die Bevölkerung rund um die Eismassen muss sich auf einen weiteren Rückgang einstellen?

Genau. Aber sie sind es seit Jahrhunderten gewohnt, sich an veränderte Verhältnisse anzupassen. So pumpen die Franzosen beispielsweise durch die Schmelze entstandene Gletscherseen ab, die drohen, auszubrechen und Siedlungen zu überschwemmen. Beim Pumpen emittieren sie zwar CO2 und tragen zum Klimawandel bei, das ist meiner Meinung nach aber ein geringeres Übel als der Verlust eines ganzen Dorfes.

Erschienen in Ausgabe 02/2018
Rubrik: Leben&Umwelt

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