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Aktion Bester Naturkostladen 2005/2006

Leserwahl: Die besten Naturkostläden

Das sind die Besten

Die Schrot&Korn-Leser haben entschieden: Dank hervorragender Noten bekamen 194 Läden eine Urkunde. Die sieben Gesamtsieger stellen wir Ihnen mit kurzen Porträts vor. Alle anderen finden Sie in den Tabellen auf den Seiten 64 und 65. // Fotos: Tobias Görner, Claudia Trunk, Andreas Gerhardt, Tobias Burger

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen: In der Gruppe der Läden bis 100 Quadratmeter gab es drei Gesamtsieger, weil die Note für den Gesamteindruck exakt dieselbe war.

Auch die Läden bis 250 Quadratmeter stellen mehr als einen Sieger: Hier liegen zwei Gewinner mit punktgleichem Ergebnis vorn.

Erstmals in einer eigenen Kategorie gingen die Hofläden ins Rennen, hier gab es – ebenso wie bei den Bio-Supermärkten – nur einen Goldgewinner in der Gesamtwertung.

Das Erfolgsgeheimnis ist jedesmal unterschiedlich und besticht durch Individualität: Den eigenen Traum leben – und den der Kunden.

Glückwunsch vom Ministerium

Verleihen wollte Minister Seehofer den Preis an die besten Naturkostläden ausdrücklich nicht, im Gegensatz zu seiner Vorgängerin Renate Künast. Dennoch sagte er zu, die Preisträger am Biofach-Messestand von Schrot&Korn zu beglückwünschen. Das sind die feinen Unterschiede des Protokolls.

Zur Messe kam aber Staatssekretär Gerd Müller, denn Seehofer verkündete zeitgleich im Bundestag den Ausbruch der Vogelgrippe. In der Erlanger Lokalpresse wurde scherzhaft vermutet, der Minister habe die Schwäne in Rügen umbringen lassen, um nicht zur Biofach zu müssen. Sein Vertreter schien recht notdürftig informiert. Er kannte wohl Schrot&Korn, hinter den „besten“ vermutete er jedoch erstmal die besten Autoren. Das Missverständnis konnte aufgeklärt werden. Immerhin wusste er worauf es ankommt: Sich lächelnd zu jedem Preisträger zu stellen bis die Fotografen ihr Werk getan hatten. Insgesamt dauerte der Aufenthalt des Staatssekretärs am Stand zirka drei Minuten.

Gold bei Hofläden

Mindestens ein Mal lachen


Gold in der Kategorie Hofläden: Jahreszeiten im Zachariashof, 47475 Kamp-Lintfort

Das ist wohl der einzige Bioladen mit Flughafenanschluss: Direkt neben dem Hof liegt der Sportflugplatz Saalhoff, am Hangar prangt das Schild „Naturkost“. Aber die Kunden kommen natürlich nicht mit dem Flieger zu Trude Karrenberg und Ulrike Liebig. Die beiden Inhaberinnen sind das Erfolgsgeheimnis des Hofladens mit seinen 65 Quadratmetern, etwas
außerhalb von Kamp-Lintfort. Trude
Karrenberg ist auf dem Hof großgeworden, ihre Eltern waren Bauern. 1986 hat sie auf Demeter umgestellt, baut vor allem Gemüse, Kräuter und Blumen an. Frische Ware ist den beiden wichtig: Jedes Teil Obst und Gemüse wird täglich – wenn nötig – geputzt. An der Bedientheke gibt es 70 Sorten Käse. Die Beziehung zu den Kunden und die Beratung sind den Besitzerinnen sehr wichtig, sie verstehen sich als „Tante-Emma“ im positiven Sinn: „Service wie zur guten alten Zeit“. Jeder Kunde soll mindestens einmal gelacht haben, bevor er den Laden verlässt. Zu probieren gibt es immer etwas: Obst, Gemüse, Käse; und freitags sogar etwas Warmes. Dann kocht Ulrike Liebig für die Kunden.

Gold bei Bioläden

Familiäres Ambiente

Gold in der Kategorie Bio-Läden bis 100 qm: Sonnenblume, 65366 Geisenheim

Auch wenn es hektisch zugeht – so viel Service muss sein: „Einen Moment bitte, ich trage Ihnen Kiste und Taschen ins Auto“. Elke Rothkopf kennt das Senioren-Ehepaar, seit sie vor fünf Jahren die Sonnenblume im Rheingau-Städtchen Geisenheim übernahm. Gemeinsam mit ihrer Freundin führte sie Neuerungen ein, die gut ankamen. Zum Beispiel das täglich frisch zubereitete Mittagessen. Man kommt schnell ins Gespräch an dem kleinen Tisch mitten im Verkaufsraum. Die Inhaberin und drei 400-Euro-Kräfte schätzen das familiäre Ambiente. Die meisten Kunden werden mit Namen angesprochen, fast immer haben die Verkäuferinnen einen Spruch parat. Und: Bestimmte Produkte bekommt man nirgendwo anders am Ort (auch konventionell nicht). Obwohl 95 Quadratmeter schon wieder zu eng sind, gibt es seit letztem Herbst einen Kaufladen für die Kleinen. Um das Sortiment zu optimieren, muss Elke Rothkopf oft umräumen. Weil sie die Einkaufsgewohnheiten kennt, hilft sie den Kunden so gut es geht: „Guten Tag, Sie suchen sicher die Soja-Flocken. Die stehen jetzt in einem anderen Regal.“

Gold bei Bioläden

Voller Einsatz

Gold in der Kategorie Bio-Läden bis 100 qm: Bio? Logisch!, 37534 Eisdorf

Dass die Kundin die Kokosmilch nicht vertragen hat, wundert Petra Borchers nicht: „Wegen Ihrer Diabetes dürfen Sie nur kleine Mengen auf einmal verwenden, sonst nehmen Sie zu viele Kohlenhydrate zu sich.“ Die Inhaberin des Naturkostladens „Bio?Logisch!“ im 1.500-Einwohner-Dorf ist gelernte Hauswirtschafterin. Vor drei Jahren machte sie sich mit dem Bioladen selbstständig. Petra Borchers kennt die Wünsche der Kunden. Sie besorgt jedes Produkt, auch wenn es ihr Großhändler nicht anbietet. Engen Kontakt hält sie zu lokalen Produzenten, verkauft Apfelsaft von Streuobstwiesen und Milchprodukte, Getreide, Brot, Wild und Geflügel von umliegenden Biohöfen. Interessiert sich jemand für den neuen Brotaufstrich, öffnet sie ein Glas für eine spontane Verkostung. Petra Borchers sucht nach einem größeren Laden. „Immer wieder werde ich auf eine Ecke zum Kaffeetrinken angesprochen.“ Im Sommer wird die Bank vor dem Laden eifrig genutzt, aber im Winter fehlt etwas Vergleichbares. Mehr Kosmetikartikel oder Wein werden auch oft gewünscht, aber auf 40 Quadratmetern ist das nicht drin.

Gold bei Bioläden

Wie im Paradies


Gold in der Kategorie Bio-Läden bis 100 qm: s´Paradieserl; 94094 Rotthalmünster

„Magst du einen Cappuccino?“ fragt Hildegard Thiele, während sie in die Kasse tippt. „Freilich“, sagt der Kunde, geht hinüber an den großen Stehtisch und grüßt die schon versammelte Runde. Man kennt sich, schließlich hat Rotthalmünster nur 5.000 Einwohner. Viele, die öfter im
„Paradieserl“ einkaufen, nehmen sich Zeit für einen Plausch. Die Café-Ecke war ein großes Anliegen, als Hildegard Thiele im Herbst 2004 eröffnete. Das Gemütliche gehört für sie zu einem Einkaufsparadies, genauso wie ein großes Sortiment. Bis zur Decke reichen die Regale, denn 100 Quadratmeter sind nicht viel, wenn man etwas bieten will. Immer wieder überrascht die Inhaberin mit ausgefallenen Produkten: Passionsfrüchte, Trüffel-Öl oder Parma-Schinken. Hildegard Thiele hat elf Jahre lang in Naturkostläden gearbeitet, bevor sie sich selbstständig machte. Sie liebt ihren Job. „Letztens sagt eine Kundin zu mir: Es ist so schön bei Ihnen, immer wenn ich hier rausgehe, bin ich ein anderer Mensch.“ Als die Inhaberin das erzählt, ist eigentlich seit einer halben Stunde Ladenschluss. Aber: „Wir haben alles, nur keine festen Öffnungszeiten“.

Gold bei Bio-Fachgeschäften

Summe der Kundenwünsche

Gold in der Kategorie Bio-Fachgeschäfte bis 200 qm: Umweltgalerie, 65520 Bad Camberg

Die Kundin hätte gern Remoulade in Bio-Qualität. Für Roland Glomb kein Problem. Am Freitag bestellt, am Dienstag da. Ab sofort fester Bestandteil des Sortiments. „Die Summe aller Kundenwünsche der letzten Jahre“, so beschreibt der Inhaber der „Umweltgalerie“ das, was in den Regalen des ehemaligen Porzellangeschäftes steht. Platz hat der Bio-Pionier genug, seit er im Jahr 2000 umzog und die Verkaufsfläche von 28 auf 150 Quadratmeter mehr als verfünffachte. Den Laden betreibt der gelernte Diplomingenieur für Umwelt- und Hygienetechnik seit 18 Jahren. Trotzdem – oder gerade deswegen – sucht er ständig nach Verbesserungen. Hier ein anderer Aktionstisch, dort eine neue Produktpräsentation. Ästhetisch besonders ansprechend sind die Kristalle und Steine, die von Edelsteinberaterin Hannelore Karalus betreut werden. Nicht angelesenes Wissen ist dem vierköpfigen Team wichtig, sondern der tägliche Umgang mit den Produkten. „Nur so kann man die Vorzüge von Bio authentisch vermitteln“, sagt Roland Glomb. Nächste Woche wird sein Sortiment wieder um zwei Produkte gewachsen sein.

Gold bei Bio-Fachgeschäften

Einzigartige Kunden

Gold in der Kategorie Bio-Fachgeschäfte: Ritterhof, 87448 Waltenhofen-Oberdorf

Oberdorf im Allgäu ist so klein, dass nicht mal klar ist, wie viele Leute dort wohnen. Im zuständigen Rathaus ist nur bekannt, dass die Oberdorfer mit den Martinszellern zusammengenommen auf 1.781 Einwohner kommen. In einem alten Bauernhof haben Susanne und Michael Felkner einen Naturkostladen eingerichtet. Laufkundschaft kommt keine, aber der Laden läuft. „Wir behandeln jeden Kunden so, als wäre er der einzige“, sagt Susanne Felkner. Heute empfangen den Besucher zwei große Holzfässer. Sieben Flaschen spanischer Wein sind aufgereiht, alle schon geöffnet. Dazu Brot, Käse und getrocknete Tomaten. Die Felkners bieten auf 116 Quadratmetern Bio-Lebensmittel, Schuhe, Kleider, Geschenke, ein paar Bücher, sogar eine Mini-Auswahl an Computerspielen. Feinkost steht im Mittelpunkt: Frisch angemachte Salate, regelmäßig Fisch, außerdem Wild aus der Region. Im Herbst waren Trüffel Trumpf. Trotz seiner Vielfalt wirkt der „Ritterhof“ nicht wie ein Kramladen. Im Gegenteil: Zwischen den Regalen passt ein Zwillingswagen durch. Platz genug, auch für die Kunden von morgen.

Gold bei Bio-Supermärkten

Immer probieren lassen


Gold in der Kategorie Bio-Supermärkte über 200 qm: Keimling Naturkost. 82205 Gilching

An jeder Ecke gibt es etwas zu probieren. Gleich am Eingang steht ein Tablett mit Früchtetee und Kuchen. Weiter hinten griechisches Olivenöl mit Weißbrot und ganz vorne Käsestückchen und Wursthäppchen. Vor der Verkaufstheke gibt es einen Stand mit selbst gemachtem Sushi. Zweimal die Woche laden Inhaberin Ingrid Piller und Mitarbeiterin Bea Bauer die Kunden zu Kostproben ein. Dabei informiert Bea Bauer über Produkte und gibt Ratschläge für den Küchenalltag. Mit ihrer Ausbildung als Ernährungsberaterin ist sie die Fachfrau für Ernährungsfragen und Lebensmittelallergien im „Keimling“. Auch für Naturkosmetik hat Ingrid Piller eine Fachfrau. Die freiberufliche Kosmetikerin berät einmal die Woche die Kundinnen und bietet Behandlungen an. Im Keller hat sie ein eigenes Studio. Kompetenz und Beratung sieht Ingrid Piller als Markenzeichen ihres Geschäfts. Seit 16 Jahren verkauft sie Bio-Lebensmittel. Im letzten Mai wagte sie den Sprung von 100 auf 300 Quadratmeter. Die Auszeichnung führt sie auf den Umzug zurück. „Ich glaube, die Kunden wollten uns mitteilen, dass
ihnen der neue Laden gut gefällt.“

Mit freundlicher Unterstützung von:

Die 4 Kategorien

Für die Auswertung wurden die Naturkostläden nach Größenklassen und Ladentyp in vier Gruppen eingeteilt:

  • Bioladen: bis 100 qm Verkaufsfläche
  • Bio-Fachgeschäft: von 101 bis 250 qm
  • Bio-Supermarkt: mehr als 250 qm
  • Hofladen: Direktvermatung auf einem Biohof, unabhängig von Verkaufsfläche

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