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Neue Wege für die Bio-Branche

Die BioFach in Nürnberg stand in diesem Jahr unter dem Motto Organic 3.0. Zwar setzt sich der Vegan-Trend ungebremst fort, doch diskutierten die Messe-Besucher auch über die Grenzen von Bio zwischen steigender Nachfrage und stagnierenden Anbauflächen. // Uta Gensichen

BioFach 2014

Insgesamt 2 235 Aussteller präsentierten auf der Kosmetikmesse Vivaness sowie auf der BioFach in diesem Jahr ihre Produkte. Bereits zum 25. Mal fand die Messe für Bio-Lebensmittel in Nürnberg statt.

Die Weltleitmesse in Sachen Bio – die BioFach in Nürnberg – hat vom 12. bis 15. Februar rund 42 000 Besucher angelockt. Hier trafen sich bereits zum 25. Mal Einkäufer, Verkäufer und Bio-Ladner, vor allem aus Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich und den Niederlanden, um sich über die Neuigkeiten aus der Branche zu informieren. Man war unter sich. Zeit also auch, um bei den zahlreichen Podiumsdiskussionen über die Zukunft der Bio-Branche nachzudenken. Organic 3.0 war das Motto der Bio-Fach und ihrer kleinen Schwester, der Kosmetik-Messe Vivaness. Kann Bio weiter wachsen, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen und zugleich möglichst viele Menschen zu erreichen, lautete die Frage. Mit Spannung wurde daher die Trendstudie der Zukunftsforscherin Hanni Rützler erwartet. Die Österreicherin glaubt, dass Bio vom Megatrend Gesundheit profitieren werde. Sie riet der Branche, bei der Rückbesinnung auf alte Sorten bei Getreide, Obst und Gemüse vermutete Gesundheitspotenziale zu erforschen.

Insgesamt sollten Bio-Produkte zudem ein klareres Qualitätsprofil aufweisen, um sich von der konventionellen Lebensmittelwirtschaft mehr abzugrenzen. Eine weitere Herausforderung sei der Regionaltrend im Lebensmittelbereich. Geklärt wurde hingegen nicht, wie die starke Nachfrage ohne genügend regionale und nationale Anbauflächen gestillt werden kann. Denn in der EU werden erst gut vier Prozent der Agrarflächen biologisch bearbeitet. Um Bio aber mehrheitsfähig zu machen, müsse sich Kritikern zufolge die Agrarpolitik verändern. Sie sei eine wesentliche Stellschraube für die Entwicklung des Öko-Landbaus.

Kein Mainstream sein

Auch selbstkritische Stimmen waren zu hören. Felix Prinz zu Löwenstein etwa, der Vorstand des BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft), wünschte sich mehr soziale Innovationen für die Branche, zum Beispiel mehr Kooperationen zwischen Bauern, Verarbeitern und Handel. Carsten Bauck (Bauckhof) stellte solch eine Innovation vor – das „Bruderhahn“-Projekt. Dabei soll das nutzlose Töten von männlichen Küken in der Geflügelwirtschaft beendet werden. Bauck berichtete vom neuen Geist beim „Bruderhahn“-Projekt, der ihn an alte Bio-Pionier-Zeiten erinnerte.

Der Wunsch, als Bio-Szene wieder politischer zu werden, schwebte über den gemeinsamen Diskussionsrunden rund um die Messe. Der Fachhändler Lutz Größel etwa sagte, die Bio-Szene habe die Aufgabe, neue Anregungen zur Bewusstseinsbildung für ihr Umfeld zu schaffen. Die Branche habe es verpasst, den Verbraucher mitzunehmen: „Wir sind mit Bio alleine nicht per se besser – und dennoch sind wir besser als die anderen, weil wir daran arbeiten, Lösungen zu finden“. Auch Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm forderte, dass die Branche nicht dem Mainstream hinterherlaufen solle. „Bio muss Trends setzen, dann sind wir auf der richtigen Spur“, so Wilhelm.

Kritisch betrachtet wurde zudem die Entwicklung der Filialisierung. So wird prognostiziert, dass kleine Bio-Läden mehr und mehr durch Filialen größerer Bio-Ketten zurückgedrängt werden. Dem Kommunikationsberater Klaus Braun zufolge werde in fünf Jahren bereits jedes dritte Geschäft der Bio-Branche eine Filiale sein. Eine Entwicklung, der Inhaber kleiner Läden – das ergab eine Podiumsdiskussion – vor allem mit regionalem Bezug, Aktionen und verbessertem Service begegnen sollten.

Pro und Contra Vegan

Wie sehr die Bio-Branche in Bewegung ist, zeigt ihre Innovationskraft. Viele neue Produkte wurden auf der BioFach präsentiert. Darunter finden sich zum Beispiel eine Hopfenblüten-Spülung für die Haare und ein Hamamelis Granatapfel Hautöl. Interessant auch dies: Vollmilchschokolade mit gepufftem Amaranth, rot fermentierter Reis, Bio-Vodka, Apfel-Marille Urkorn-Müsli, Limonade mit Himbeer-Pflaume-Geschmack und Karotten-Apfel-Quitten-Saft. Viele dieser Produkte passen in den Vegan-Trend. Auch die Häppchen, die man hier und da probieren konnte, waren häufiger als in den vergangenen Jahren vegan. Unzählige Fleischersatz-Varianten wurden ausgestellt: mal aus Weizengluten, mal aus Soja oder Lupinen.

An den Pfannen und Töpfen der Aussteller waren ebenfalls auffällig viele vegane Köche zu finden: Björn Moschinski zum Beispiel kocht als überzeugter Tierrechtler seit Jahren ohne Tierprodukte. Er ist Koch und Genießer mit Leib und Seele: „Vegan zu essen und zu leben hat für mich nichts mit Verzicht zu tun. Dies zu zeigen, ist mir wichtig“, sagte er beim Showkochen auf der BioFach.

Das Thema Veganismus regte die Besucher jedoch nicht nur zum Probieren, sondern auch zum Diskutieren an. Schließlich verzichten immer mehr Menschen auf tierische Produkte wie Milch, Ei und Wurst – ob aus ethischen, politischen oder aus gesundheitlichen Gründen. Kritisch betrachtete man den Trend etwa am Stand des Anbauverbands Demeter. Tierhaltung sei für die biologisch-dynamische Landwirtschaft unverzichtbar, hieß es dort. Denn Bio-Bauern düngen ihre Felder und Wiesen nun mal mit Gülle und Mist. Und wo solle der herkommen, wenn auf den Höfen keine Tiere mehr gehalten werden?

Fragen wie diese sind es, die in Zukunft die Bio-Branche beschäftigen könnten. Aktuell muss sie, das hat die BioFach 2014 gezeigt, den Spagat zwischen wachsender Nachfrage und stagnierenden Anbauflächen meistern. Oder sie versucht verstärkt (Stichwort: „Wir müssen politischer werden“), für eine bessere Agrarpolitik zu sorgen.

Die besten Neu-Produkte von BioFach und Vivaness 2014

Die besten NeuprodukteSo haben die Besucher der Messen entschieden:
Trockenprodukte Kochen und Backen: Bio-Kürbisketchup von Georg Thalhammer, Gesundes von Feld und Wald; Tiefkühl: Schrozberger Frozen Yogurt am Stiel Himbeere; Trend Vegan: Poesie Amelie von Foodloose; Non-Food: Bio Gartenset für junge Entdecker von Aries Umweltprodukte; Getränke: GingerVerde bio von Querdenker; Trockenprodukte Snacks und Süßigkeiten: Lovechock Rocks – Maulbeere/Hanfsaat; Frische: frische Chili-Spätzle von der Frizle AG; andere Trockenprodukte: Dirty Harry BBQ-Weltmeister von Münchner Kind’l Senf

BioFach 2014

Auf der BioFach gab es in diesem Jahr die „Erlebniswelt Wein“, auf der die besten Bio-Weine ausgezeichnet wurden. Die Ergebnisse stehen auf www.schrotundkorn.de/wein preis2014.

An vielen Ständen konnte man die neuesten Produkte auch probieren.

Die Schokoladen-anbieter waren besonders umschwärmt.

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