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Bienen in Not

Unseren Bienen geht es mies, schon seit einigen Jahren. Pestizide, Monokulturen und Gentechnik nehmen ihnen vielerorts den Raum zum Leben. Doch die Entwicklung muss so nicht weitergehen. Was Honig- und Wildbienen schadet, was ihnen hilft und welche Rolle Bio dabei spielen könnte. // Stephan Börnecke

PerspektivenJeden Herbst geht Jürgen Binder mit großem Gepäck auf Reise. Den Bio-Imker aus Thüringen zieht es in den Süden, in die Berge Kalabriens. Im Schlepptau: seine 200 Bienenvölker mit jeweils um die 15 000 Bienen. Zwei Tage dauert die Fahrt, die Bienen im Anhänger, bevor seine Honig sammelnden Insekten wieder ausschwärmen können. Fast ein halbes Jahr verbringt das Millionenheer im sonnigen Süden, bevor die Bienen dann, gestärkt durch den „Kuraufenthalt“, wieder nach Hause kehren.

Der Umzug mag aufwendig sein. Er mag Geld kosten. Er ist nicht ohne Risiko: Wie reagieren die Bienen auf Transport und Ortswechsel? „Ich habe viel Lehrgeld zahlen müssen“, sagt der in Thüringen lebende Imker, und doch hat der Ausflug Sinn: Die Reise ins warme Süditalien ist Binders ganz persönliche Antwort auf den Zustand der deutschen Agrar-Landschaft.

Es sind nicht Kälte oder Varroa-Milbe, denen er auszuweichen versucht, es sind die Neonicotinoide. Um diese Pestizide, verteilt mit der Wintergetreidesaat, macht Binder einen Bogen. Sie werden dringend verdächtigt, im Zentrum des Bienensterbens zu stehen. Der streitbare Imker ist es leid, jeden Herbst Hunderte toter Bienen und damit ein dezimiertes Wintervolk einkalkulieren zu müssen.

„Für meine Bienen ist es eine Wohltat, denn sie können sich richtig satt fressen“, wenn im Norden längst nichts blüht. Wanderimker Binder verlängert die Jahreszeit. Das kommt den sich im Herbst entwickelnden Winterbienen zugute. Sie reichern in den Orangenhainen Honigreserven an, von denen sie im Frühjahr zehren. „Ich habe eine individuelle Lösung gesucht, damit die Völker im Herbst nicht krepieren.“ Das sei keinesfalls als Appell zur Nachahmung zu verstehen. Denn eines müsse auf jeden Fall geschehen, egal wie sich die Landwirtschaft in Europa entwickelt: „Landwirtschaft muss so funktionieren, dass Imkerei überall gefahrlos möglich ist.“

Öko-Landbau wäre eine Lösung

Das ist, da die ökologische, die giftfreie Landwirtschaft mit einem Anteil von gerade 5,6 Prozent immer noch ein zartes Gewächs ist, auch bitter nötig. Die fortschreitende Intensivierung der konventionellen Landwirtschaft befördert Monokulturen und vertreibt Insekten und damit auch Bienen. Denn sie finden schlichtweg keine Nahrung mehr.

„Wir haben uns an diese schleichende Veränderung gewöhnt und bemerken oft gar nicht, dass der Sommer nicht mehr bunt, sondern nur noch grün und braun ist“, heißt es beim Netzwerk Blühende Landschaften. Dahinter steht eine Gruppe von Imkern, Landwirten und Naturschützern, die in enger Zusammenarbeit mit Naturschutzgruppen und ökologischen Landbauverbänden wie Bioland, Biokreis, Demeter und Naturland insektenfreundliche Bewirtschaftungskonzepte entwickeln. Das tut auch Not. Denn neben der Verarmung der Landschaft treten die Gentechnik, neuartige Pestizide und die Varroa-Milbe als Gegenspieler der Bienen auf.

Das Desaster von 2008, als im Oberrheingraben 11 500 Bienenvölker mit 330 Millionen Bienen starben, lieferte den Vorgeschmack darauf. Und auch wenn die Hauptursache des Massensterbens vom Oberrhein erst einmal gebannt zu sein scheint: Die Gefahr, sagen Imker, ist nicht vorüber.

Verbot mit Hintertürchen

Verantwortlich für das Bienensterben am Oberrhein war das Insektizid Clothianidin der Firma Bayer CropScience. Es war in dem Beizmittel Poncho enthalten, das zusammen mit einem Haftmittel auf die Samen aufgetragen wurde. Eigentlich sollte die Beize mit der Maisaussaat direkt in den Boden gelangen. Doch der für Bienen hochgiftige Wirkstoff wurde verweht und von Bienen aufgenommen, die kurze Zeit später in Massen starben.

Clothianidin ist ein relativ neues Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide. Die Nervengifte sind Hoffnungsträger der konventionellen Agrarindustrie. Sie sollen die Pflanzen gegen Maiswurzelbohrer, Fruchtfliege und Drahtwurm schützen. Inzwischen sind zwar drei dieser Neonicotinoide verboten, was erst einmal als Erfolg gewertet werden kann, doch erstens gilt das Verbot nur für zwei Jahre. Und zweitens: Das Verbot trat erst am 1. Dezember in Kraft. Damit aber, so Cornelis Hemmer von der Initiative „Deutschland summt“, verpufft es zum Teil. Hemmer: „Das vorübergehende Verbot wurde ganz bewusst sehr spät im Jahr verhängt. Denn es konnte die gesamte Wintersaat, Raps und Weizen etwa, noch mit dem gefährlichen Wirkstoff behandelt werden.“ Die Folge: „Da die toxischen Neonicotinoide systemisch wirken, bedeutet das, dass die im Herbst zur Ummantelung des Saatguts eingesetzten Gifte beim Wachstum im Frühjahr frei werden. So schädigen Gifte jetzt die Bienen, die eigentlich derzeit verboten sind.“ Denn bei den Neonicotinoiden bleibt der Wirkstoff nicht in der Beize. Er wächst in die ganze Pflanze.

Zur tödlichen Falle entwickelt sich auch der Pestizid-Cocktail als Ganzes, der Jahr für Jahr auf den Äckern ausgebracht wird, und der Bienen und Wildbienen schwächt. „Es sind chronisch geschwächte Völker“, die dann Opfer einer ganzen Reihe von Ursachen werden, sagt Walter Haefeker, Präsident der Vereinigung der Europäischen Berufsimker. „Man kann es nicht auf einen Täter reduzieren.“ Gerade Wildbienen aber spielen eine oft unterschätzte Rolle bei der Bestäubung unserer Nahrungspflanzen. In den USA ist die Hälfte der Wildbienenarten verschwunden, in Deutschland befindet sich jede zweite Art auf der Roten Liste.

Bienen nehmen die Pestizide oft übers Wasser auf. Mais kann eine Quelle dafür sein, denn die Pflanzen sondern Tröpfchen ab. Ein Vorgang, den man Guttation nennt. Doch diese Tröpfchen enthalten das Gift. An dem Tauwasser sterben die Tiere entweder sofort oder sie bringen es in den Bien (Bienenstock), um dort Wasser oder Nahrung an die im Innendienst tätigen Bienen abzugeben.

Wenn Bienen nicht mehr tanzen und pfeifen

Das Gefährliche, wie eine Studie der Organisation Friends of the Earth widerspiegelt: Die Neonicotinoide zum Beispiel wirken nicht nur prompt toxisch. Auch bei niedriger Dosis schädigen sie Insekten. Die Bienen verlieren beispielsweise ihre Fähigkeit zur Futtersuche, sie sind desorientiert, verlernen ihr Kommunikationsverhalten. „Die Tanzkommunikation wird durch Neonicotinoide gestört“, bilanziert auch Professor Randolf Menzel, der an der Freien Universität Berlin der Frage nachgeht, in welchem Maß Pestizide Bienen verwirren.

Der Tanz ist ein zentrales Element der Bienensprache. Das zeigt ein Blick in den „Superorganismus“ Bienenstaat. Die einige Tausend Individuen umfassende, in Kasten organisierte Kolonie verfügt über ein perfektes Kommunikations-system. So dient die nach 21 Tagen geschlüpfte Biene zunächst als Amme, bevor sie als Nahrungs-Lageristin den gelieferten Nektar in Honig umwandelt und ihn in den Wachs-Waben verstaut. Erst mit 20 bis 30 Tagen wird sie zur Freilandbiene.

Doch wie findet sie ihre Nahrungs-gebiete? In den Schulbüchern lernen

Kinder etwas vom Rund- respektive Schwänzeltanz. Dieser gibt Informationen über die Richtung des Flugziels in Bezug auf die Sonne. Angezeigt werden so die Lage, Qualität (die Biene würgt Kos-tenproben hervor) und Entfernung der Nahrungsquelle. Duftstoffe und Summ-Episoden verstärken die Botschaft.

Unterwegs unschlagbar

Bienen können enorme Entfernungen fliegen und die Route speichern: Wäre die Biene so groß wie ein Mensch, beherrschte der Bien ein Gebiet von Sizilien bis zur Nordspitze Dänemarks. Die Bienen erreichten die Grenze ihres Territoriums innerhalb von einer halben Stunde. Tatsächlich liegt die Reisegeschwindigkeit bei 25 Stundenkilometern, und real fliegen Bienen bis zu sechs Kilometer weit vom Stock weg.

Mit einem weiteren Tanz, den Schütteltanz, reagieren Nektarsammlerinnen, wenn sie, zurück im Bienenstock, feststellen müssen, dass ihre Kolleginnen faul herumsitzen. Zittertänze wiederum fordern dazu auf, die Nektarverarbeitung zu beschleunigen. Mit einer Kombination aus Zittertanz und Pfeifsignal gelingt es den Bienen, ein Gleichgewicht zwischen sammeln und verarbeiten zu erreichen: Es wird dann mehr verarbeitet und weniger gesammelt.

In dieses fein abgestimmte System kommt Unordnung, wenn Pflanzenschutzmittel zur Desorientierung der Bienen führen. Die Pestizide blockieren die Signale im Gehirn, die Insekten finden die besten Nahrungsquellen oder den Rückweg in den Bienenstock nicht mehr. Chaos ist die Folge, die Bienen verfliegen sich, das Volk stirbt.

Aber auch die Varroa-Milbe rafft die Bienen dahin. Während Imker immer mehr Sorgfalt auf die Bekämpfung dieser Plagegeister legen, sind Züchter bemüht, Varroa-tolerante Tiere zu selektieren. Doch jede Selektion hat ihre Nachteile, die Zucht zur „winterfesten“ Biene etwa führt zu kleineren Völkern.

Mosanto plant „Waffe“ gegen Varroa-Milbe

Nun will ausgerechnet der Gentechnik-Multi Monsanto der Milbe zu Leibe rücken, und zwar mit einer noch recht jungen Technik, der RNA-Interferenz. Dabei sollen Ribonukleinsäure (RNA)-Moleküle die Milben an der Vermehrung hindern. Den Bienen über eine Zuckerlösung verabreicht, soll die RNA-Interferenz nur die Milben schädigen, nicht die Bienen. Die Risiken scheinen Imkern unabsehbar. Denn die Bienen tragen die „Waffe“ in die Natur und könnten so bei noch ganz anderen Lebewesen Schaden anrichten. Imker schütteln deshalb den Kopf: Die Ankündigung von Monsanto sei so, „als ob Waffenkonzerne versprechen würden, Friedensforschungsinstitute einzurichten“, kommentiert bissig die Bienenvereinigung Mellifera.

„Mit der Varroa-Milbe allein kämen wir klar“, ist Haefeker überzeugt. Aber es lauern noch ganz andere Probleme. Nicht zuletzt gentechnisch veränderte Pflanzen, die ständig Insektizide produzieren, können Honig- und auch Wildbienen zusetzen, meint der Wissenschaftler Christoph Then vom Verein Testbiotech. Einer Studie des bundeseigenen Thünen-Instituts, die Zweifel an der Gentechnik auszuräumen schien, spricht Then die Beweiskraft ab: Spätestens dann, wenn zu den Insektengiften des Gentech-Mais’ weitere Störfaktoren hinzukämen, Umweltgifte, Parasiten, Stress etwa, würden die Bienen ernsthaft bedroht.

Gentechnik vor Imkerei

So sind die Imker enttäuscht, dass sie vor Gericht den Kampf um den Schutz der Bienen vor der Gentechnik verloren haben. Zuletzt hatte das Bundesverwaltungsgericht es abgelehnt, für Schutz vor gentechnisch verändertem Pollen zu sorgen, sei es durch große Sicherheitsabstände der Gentech-Felder zu den Bienenstöcken oder durch bienendichte Netze über den (meist relativ) kleinen Flächen von Versuchsfeldern. Die Imker, kündigt Haefeker an, bringen den bereits seit sechs Jahren währenden Fall nun vor das Bundesverfassungsgericht. Die Gentechnik-Expertin des BUND, Heike Moldenhauer, mahnt zwischenzeitlich den Eingriff des Bundes an. Das Urteil habe „eklatante Lücken im derzeitigen Recht“ aufgezeigt. Gentech-Bauern würden zulasten der Imker geschützt. „Dieses Missverhältnis muss von der neuen Bundesregierung behoben werden.“

Doch der Bund winkt ab. Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht hieß es: Die „grundgesetzlich schrankenlos garantierte Forschungsfreiheit“ rechtfertige die „schädlichen Einwirkungen auf die Erwerbschancen und das Eigentum des Imkers“. Thomas Radetzki, Initiator des Bündnis für den Schutz der Bienen, das die Klagen der Imker finanziert, interpretiert die Aussage so: Der Bund habe klar gemacht, es sei „nicht erwünscht …, dass die Imkerei zu einer Gefährdung für die Agro-Gentechnik wird!“

Daran wird sich wohl vorerst wenig ändern, die Formulierungen zur Gentechnik im Koalitionsvertrag – trotz Druck von SPD und auch CSU – sind wachsweich. Zwar hat es die Biene sogar in den Koalitionsvertrag geschafft. Doch der dreizeilige Passus erschöpft sich in Allgemeinplätzen und dem Versprechen, das Bienenmonitoring fortzuführen.

Gute und umstrittene Aktionen für die Bienen

Das bisherige Monitoring, so die Kritiker, habe sich ausgezeichnet durch nicht repräsentativ gewählte Imker, nur 0,15 Prozent erfasste Völker und eine fehlende Unabhängigkeit dank umstrittener Sponsoren. Laut einer von BUND und NABU veröffentlichten Studie wurde die Hälfte der Kosten des Monitorings von jener Industrie bezahlt, die die Gifte herstellt, an denen die Bienen zugrunde gehen. Am Ende stand die Varroa-Milbe als Haupttäter da. Der Einfluss der Pestizide wurde minimiert. Die Frage, was er vom Monitoring halte, beantwortet Imker Jürgen Binder ganz klar: „Nichts.“

Doch auch wenn die Zeichen momentan eher gegen die Bienen stehen, man kann etwas tun, macht Bienenfreund Cornelis Hemmer (s. Interview Seite 52) klar: Das zeigen Organisationen wie Blühende Landschaften und Mellifera oder Aktionen wie die Bienenpatenschaften. Und das zeigt der Bio-Landbau. Öko-Betriebe beweisen jeden Tag aufs Neue, dass man mit intelligenten Mischkulturen, gesundem Boden, giftfreiem Anbau und Blühstreifen den Bienen und der Natur insgesamt helfen kann. Diese Höfe, so Hemmer, „erfüllen eine gesellschaftlich wichtige Aufgabe“.

Bienen leisten Unbezahlbares

Pflanzen bilden besonders viele Früchte, wenn sie von vielen unterschiedlichen Bestäubern besucht werden. Das zeigt eine Studie, an der die Uni Göttingen beteiligt war. Honigbienen können dabei wilde Bestäuber nicht ersetzen, sondern nur unterstützen. Dabei sei der Blütenbesuch insbesondere der Wildbienen doppelt so effektiv wie der der Honigbienen. Egal ob Honig- oder Wildbiene: Bei Erdbeeren ergebe sich durch die Arbeit der Bienen ein Handelswert, der um 54 Prozent höher liege als bei Selbstbefruchtung der Pflanzen. Allein für die EU-weit verkauften Erdbeeren wird der Wert der Bestäubung durch Bienen auf jährlich eine Milliarde Euro geschätzt.

Fleißige Insekten

An der Bestäubung arbeiten viele Insekten mit – nicht nur die Honigbiene. Auch die 560 Wildbienenarten, dazu Käfer, Schwebfliegen, Schmetterlinge und Wespen haben ihren Anteil. 80 Prozent der Blütenpflanzen brauchen Insekten. Ein Drittel der Pflanzen, die wir essen, werden von ihnen bestäubt. Je nach Landschaft hat die Honigbiene einen Anteil von fünf Prozent an der Bestäubung. In Obstplantagen kann er auf 80 Prozent steigen.

Raps braucht Honigbienen

In Europa fehlen rund sieben Milliarden Honigbienen, um alle Agrarpflanzen zu bestäuben, fanden britische Forscher heraus. Grund: der verstärkte Energiepflanzenanbau mit Raps. Dieser wird im Unterschied etwa zu Weizen von Bienen bestäubt, das erfordert mehr Bienen als früher. Wildbienen können kaum einspringen, da sie aufgrund der Lebensraumverluste selbst gefährdet sind.

Interview

„Nach Wildbienen kräht kein Hahn“

Perspektiven
Cornelis Hemmer organisiert die Bienen-Initiative „Deutschland summt!“ und ist Mitgründer der Stiftung für Mensch und Umwelt.

Herr Hemmer, es gibt einige Initiativen, die sich der Biene widmen. Die Bienen-patenschaft Bee Good zum Beispiel. Nun kommt Ihre Aktion „Deutschland summt!“ hinzu. Was machen Sie anders?

Deutschland summt! füllt eine Lücke. Wir wollen die Menschen mitnehmen, sich aktiv für den Bienenschutz, ja, den Lebensschutz einzusetzen. Wir sprechen gezielt Städter an. In den Städten leben 75 Prozent aller Deutschen. Dort erreichen wir viele Menschen und können sie für den Artenschutz motivieren.

Wie ernst schätzen Sie das Bienensterben ein? Worin besteht das Kernproblem?

Meist wird der Begriff des Bienensterbens mit der Honigbiene verknüpft. Tatsächlich aber ist das Problem bei den Wildbienen viel schärfer. Das hat seinen Grund: Honigbienen haben einen Fürsorger, den Imker, der sich um sie kümmert, der sie pflegt, ihnen zwar den Honig nimmt, sie aber gleichzeitig mit Nahrung versorgt. Nosema, Varroa, all die Schädlinge versucht er zu minimieren. Natürlich: Kalamitäten kommen vor, raffen manchmal 30 Prozent der Völker dahin. Wildbienen aber haben diese Fürsorge nicht. Hier kräht kein Hahn danach, wie es den einzelnen Arten geht.

Was braucht es, um die Wildbienen zu retten? Reichen ein paar mehr Insektenhotels wirklich aus?

Nein, natürlich nicht. Insektenhotels sind erstmal nur ein Mittel, um die Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das reicht nicht, um die Arten zu retten, zumal wir mit Nisthilfen nur etwa zehn Prozent der Wildbienenarten wirklich fördern.

Brauchen wir einen radikalen Wechsel in der Agrarpolitik?

Ja. Unbedingt. Wir müssen die Lebensräume erhalten. Eine Phalanx aus Agrarindustrie und chemischer Industrie aber schafft es bisher, mit allen Kräften dagegenzuhalten und sich durchzusetzen. Der Verbrauch von Insektiziden und Pestiziden nimmt zu, statt dass er abnimmt. Besorgniserregend sind die oft unbekannten Wechselwirkungen der Gifte sowie die Tatsache, dass mit den Neonicotinoiden eine völlig neue Klasse von Pestiziden zum Einsatz kommt.

Wussten Sie, dass …

… es im Norden Chinas keine Bienen mehr gibt, weil sie durch Pestizide vertrieben wurden? Der Filmemacher Markus Imhoof schildert in seinem Film „More than Honey“, wie Arbeiter den Pollen im Süden Chinas von Hand gewinnen und 2000 Kilometer quer durch China transportieren, damit fleißige Menschen in den nördlichen Plantagen damit die Apfelblüten befruchten.

… Bienen für ein Kilogramm Honig eine Strecke zurücklegen müssen, die dem dreifachen Umfang der Erde entspricht? Eine einzelne Biene sammelt in den zwei, drei Wochen, in denen sie als Sammlerin im Außendienst unterwegs ist, eine Menge, die auf einen Teelöffel passt.

… Bienen gegenüber Wespen für Nutzpflanzen einen großem Vorteil haben? Bei Honigbienen überwintert das komplette Volk, bei anderen Bestäubern, etwa Wespen, nur die Königin. Die Honigbiene aber kann, weil sie in großer Anzahl im Frühjahr vorhanden ist, prompt mit dem Bestäuben anfangen. Sie startet bereits bei Temperaturen von acht Grad zum ersten Sammelflug, also mitunter schon im Februar.

… während der Winterruhe im Zentrum des Biens eine Temperatur von 25 bis 28 Grad herrscht? Das sind zwar knapp zehn Grad weniger als in der aktiven Zeit, doch die durch „Warmzittern“ der Bienen erzeugte Heizwärme reicht aus, um die Königin durch die eisige Zeit zu bringen.

Links

beegood.de Mit Bienen-Patenschaften aktiv für eine zukunftsfähige ökologische Bienenhaltung sorgen

berufsimker.de Beim Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker-Bund sind die Profis unter den Imkern organisiert

bienen-gentechnik.de Die Agro-Gentechnik gefährdet die Bienen. Informationen über Gerichtsverfahren rund um Honig und Bienen

bienenmonitoring.org 100 Imker stellen repräsentative Daten zu Betriebsstrukturen und zur Überwinterungsdynamik ihrer Völker sowie Bienen-, Honig- und Pollenproben für Krankheits- und Rückstandsanalysen zur Verfügung bienenschutz.org Unter dem Motto „Rettet die Bienen“ kann man hier aktiv werden (E-Mail-Aktion, Bienenhotel bauen …)

bluehende-landschaft.de Unsere Kulturlandschaft soll wieder blühen, lautet der Slogan des Netzwerkes. Inhalt: Infos, Veranstaltungstipps, Initiativen und Aktionen

bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/chemie/20110125_ chemie_bienenmonitor ing_studie.pdf Kritische Bewertung des Bienen-monitorings

deutscherimkerbund.de Beim Imkerbund sind die meisten Imker organisiert

deutschland-summt.de Mit der Biene als Botschafterin zu mehr Stadtnatur disasterinthemaking.com Der niederländische Toxikologe Henk Tennekes warnt seit 2010 vor den systemischen Pestiziden

greenpeace.de Bienenratgeber mit Infos und Tipps für Verbraucher

hobos.de Interaktives Lernportal zu Honigbienen der Uni Würzburg

imker-fuer-gentechnikfreie-regionen.de Ein Netzwerk für gentechnikfreie Honigproduktion

keine-gentechnik.de/dossiers/bt-mais-und-bienen.html Dossier über Bienen und Gentechnik

mellifera.de Bei der Vereinigung steht die wesensgemäße und ökologische Bienenhaltung im Zentrum

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Horst Pestrin
Als erstes muss einmal richtig gestellt werden, Honigbienen zählen zwar zu den Nutztieren, sie sind aber Wildtiere in menschlicher Obhut, sie lassen sich weder züchterisch bearbeiten noch domestizieren.

Honigbienen sind somit die einzigen Wildbienen die staatenbildend überwintern und sollten als solche angesehen und geachtet werden.

Nicht nur Monokulturen und Pestizide sind verantwortlich für das Verschwinden unserer Honigbienen (Wildtier).

Vor allem die von der Bienenwissenschaft propagierte moderne, auf Profit (Honig) ausgerichtete Hybridbienen-„Zucht“, mit mediterranen und afrikanischen Honigbienen ist mitverantwortlich für das Verschwinden aller Honigbienen.

Bei der Hybridisierung kommt es zu einer kurzfristigen Honigertragssteigerung (Heterosiseffekt), die aber in der Folgegeneration wieder verloren geht.

Um diesen Heterosiseffekt aufrechterhalten zu können, müssen immer wieder neue Bienenrassen eingekreuzt werden, dieses kann man aber nur solange fortführen, wie es noch reine Rassen der Honigbiene gibt.

Somit führt diese derzeit angewendete „Zuchtpraxis“ zuerst zu einem Aussterben aller unserer Honigbienenrassen (Wildtier), denn ihr reines Erbgut geht mit dem verkreuzen (Hybridisieren) unwiederbringlich verloren und zum zweiten wird es nur eine Frage der Zeit sein bis die Spezies Honigbiene durch die angewendete Hybridisierung zugrunde geht.

Die „Zuchtpraxis“ der Hybridisierung ist auch dafür Verantwortlich, dass nicht nur unsere heimische autochthone Dunkle Biene (Apis, mellifera, mellifera), sondern alle Honigbienenrassen in ihren Ursprungsgebieten kurz vor dem Aussterben stehen.

Herr Binder als Bioimker imkert mit eben so einer Hybridbiene,der Buckfastbiene.

Sollte nicht vor allem, um glaubwürdig zu sein, der Bioimker sich für den Natur- und Umweltschutz, die Nachhaltigkeit, den Erhalt unseres Ökosystems einsetzten, und mit der heimischen Dunklen Biene imkern?

Und ist das imkern mit fremdländischen Hybridbienen nicht gleich zu setzten mit der Gentechnik?

Denn haben beide nicht eines gemeinsam, die unwiederbringliche Zerstörung unseres Ökosystems aus Profitgier?

Nur in einer intakten Umwelt können Bio- bzw. Naturprodukte erzeugt und mit gutem Gewissen verkauft werden.



Horst Pestrin

Stellvertretender Vorsitzender der Gemeinschaft zum Erhalt der Dunklen Biene - GEDB e.V.

Info: www.dunklebienen.de


Barbara Domberger
Beim Lesen Ihres Artikels „Bienen in Not“ (März-Ausgabe) musste ich erstaunt feststellen, dass eine wissenschaftlich diskutierte Ursache des Bienensterbens völlig ausgeblendet wird, nämlich die Verbreitung elektromagnetischer Felder durch den modernen Kommunikations- und Mobilfunk. Verschiedene Modalitäten der Orientierung sind bei den Bienen unlösbar mit dem Erdmagnetfeld und elektromagnetischen Schwingungen verknüpft. Bereits in den 70er Jahren konnte man feststellen, dass Bienen bei der Exposition mit 50 Hz-Wechselfeldern mit Feldstärken von 110 V/cm in ihrer Behausung sehr unruhig werden. Die Temperatur im Volk erhöht sich stark. Die Verteidigung des Sozialterritoriums wird derart unkontrolliert gesteigert, dass sich Individuen eines Volkes gegenseitig abstechen. Sie erkennen sich nicht mehr. Nach einigen Tagen Feldeinfluss reißen die Bienen ihre Brut aus den Zellen. Honig und Pollen werden verbraucht und anschließend nicht mehr eingetragen. Bienen, die erst kurz vor Versuchsbeginn in ihre Beuten neu eingeschlagen wurden, ziehen nach Anstellen des elektrischen Feldes regelmäßig wieder aus und verfliegen sich. Bienen, die dagegen schon lange Zeit an ihre Kästen gewöhnt sind, verkitten alle Ritzen und Löcher mit Propolis, auch das Flugloch. Aufgrund des nun entstehenden Sauerstoffmangels versuchen die Tiere, mit intensivem Fächeln Luft herbei zu wedeln. Aufgrund der ständig ansteigenden Temperatur „verbrausen“ die Völker letztlich.



Bei sehr reizempfindlichen Völkern ergeben bereits Feldstärken ab 1 V/cm ein messbares Reaktionssignal. Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau untersuchten in mehreren Experimenten mit verschiedenen Aspekten und Fragestellungen das Rückfindeverhalten von Bienen (Apis mellifica carnica) sowie die Gewichts- und Flächenentwicklung der Waben unter Einwirkungen elektromagnetischer Felder im Hochfrequenzbereich. Sie fanden eine höhere Agilität, einen erhöhten Schwarmtrieb und fehlende Wintertraubenbildung im Einfluss der elektromagnetischen Felder von Funktelefonen. In anderen Versuchen mit Feldern von Basisstationen der DECT-Schnurlostelefone (1880-1900 MHz, 250 mW, gepulst mit 100 Hz, Reichweite 50m, Dauerexposition) verlief die Gewichts- und Flächenentwicklung der Völker langsamer als bei den nicht exponierten Völkern. Das Heimfindevermögen der Bienen wurde ab fünf Tagen nach Einbringen der DECT-Telefone getestet. In der Rückkehrzeit ergaben sich deutliche Unterschiede zwischen den bestrahlten und den unbestrahlten Bienen. Von den bestrahlten kamen nie mehr als sechs zurück – manchmal keine einzige. Bei den nicht exponierten gab es zu jedem Zeitpunkt der Untersuchung zurückkehrende Bienen (Zusammenfassung in Ulrich Warnke: Bienen, Vögel und Menschen – Die Zerstörung der Natur durch „Elektrosmog“).





Im März 2013 wurde eine Studie der Freien Universität Berlin veröffentlicht. Die Autoren zeigen auf, dass Bienen auf unterschiedlich geladene Felder mit spezifischen Bewegungen ihrer Antennenfühler reagieren. Dass die elektrischen Felder bei der Kommunikation eine wichtige Rolle spielen, z. B. beim Schwänzeltanz, ist seit langem bekannt.



Die Diskussion bei den Naturschutzverbänden bleibt leider beim Thema Pestizideinsatz hängen. Dabei weiß man, dass z. B. in Frankreich, wo die gerade die als Hauptursache diskutierten Neonikotinoide seit 1999 kaum noch verwendet werden, die Bienen genauso sterben wie im Rest Europas und in den USA.

Ein sich ändernder Umweltfaktor wird unverständlicherweise totgeschwiegen, nämlich die zunehmende Verbreitung elektromagnetischer Wellen in immer mehr Frequenzbereichen. Gerade auf dem Land werden Mobilfunkbasisstationen auf die „Grüne Wiese“ gesetzt, nachdem zwar fast jeder zu ihrer Vermehrung beitragen, aber keiner sie in der Nähe haben will. Auch digitales Fernsehen, digitales Radio und digitaler Behördenfunk haben in den letzten Jahren die Belastung enorm verstärkt. Es gibt kaum noch Rückzugsgebiete, in denen keine Funkbelastung vorliegt. WLAN und Repeater haben längst das abgelegenste Dorf erreicht.





Was ist am Mobilfunk so heilig, dass seine schädlichen Wirkungen nicht öffentlich diskutiert werden?
Barbara Domberger
Anliegend noch ein Interview zum Thema Bienensterben durch Funktechniken mit Dr. Ulrich Warnke:

http://www.diagnose-funk.org/ueber-diagnose-funk/brennpunkt/bienen-interview-mit-dr-warnke.php