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Geht „Vegan laufen“?

Nach einem Bandscheibenvorfall wieder einen Langstreckenlauf absolvieren. Das war mein Ziel. Mit einer Ernährungsumstellung und viel Disziplin habe ich es geschafft. // Manfred Loosen

Vegan und Marathon

Sonntag, 8. September 2013, kurz vor 13 Uhr. Überglücklich laufe ich über die Ziellinie beim Wolfsburg-Halbmarathon. Vor genau zehn Monaten war an Gehen, geschweige denn an Laufen, nicht zu denken: Bandscheibenvorfall. Sechs Wochen habe ich nur auf dem Rücken gelegen. Ohne Operation, aber mit Ruhe, Schmerzmitteln, Krankengymnastik und danach viel Rückentraining ging es langsam besser. Dazu eine – weitere – Ernährungsumstellung: Nach gut 25 Jahren vegetarischem Leben brachten mich letztlich die Rezeptbücher von Attila Hildmann dazu, es mal vegan zu probieren. Weil die Attila-Gerichte so gut schmeckten, wurde ich „Challenger“: Ich machte die 30-Tage-Challenge. Wichtigste Zusatzregeln, neben der veganen Ernährung: kein Alkohol, kein Weißmehl, keine stärkehaltigen Produkte nach 19 Uhr, Süßes nur als Belohnung, nachdem man Sport gemacht hat. Das Ergebnis nach 30 Tagen: von 78 Kilo runter auf 71; das ist bei 1,75 m Körpergröße ein gutes Gewicht, sagt meine Ärztin. Aber das ist nicht das Wichtigste: Ich habe nie gehungert, habe im Gegenteil relativ viel gegessen, hatte aber nie ein Völlegefühl, fühlte mich fitter als vorher, das Laufen fiel mir leichter; vielleicht – auch – wegen der fehlenden sieben Kilo.

Kochen und Sport mit Attila

Und dann lädt der Naturkosthersteller Rapunzel auch noch zum „Koch- und Fitness-Event mit Attila Hildmann“ ein. Fünfzig Menschen haben die Chance, zwei Tage lang im Allgäu mit dem Kult-Vegan-Koch Sport zu machen und am Herd zu brutzeln. Ich darf dabei sein, erfahre aus erster Hand, wie er Rezepte kreiert, warum er welche Zutaten verwendet. Nach einer Vorstellungsrunde und ein paar Fitnessübungen gibt’s abends die Kochshow mit Attila. Er verrät seinen versammelten Fans fünf Rezepte aus seinem neuen Buch und kocht sie mit uns. Das sollte drei Stunden dauern; wir stehen mehr als vier Stunden am Herd. Und lernen viel über Antioxidantien, die im Körper die freien Radikalen bekämpfen und uns gesund erhalten. Hildmann präsentiert in seinem neuen Buch viele Rezepte, in denen Zutaten verwendet werden, die Antioxidantien enthalten. Für die Recherche war er lange in Japan. Dort hat er wissenschaftlich geforscht, warum die Menschen in Japan so alt werden. Nur in Monaco und auf Maori werden die Menschen älter. Hildmann ist sicher, dass das vor allem an der Ernährung liegt: Soja, grüner Tee, Reis. Nur den Fisch lässt Hildmann außen vor; es soll ja weiter vegan bleiben.

Sport, Sport, Sport

Die fünfzig Menschen hängen an seinen Lippen, erfahren, dass Vitamin B 12 im Grunde der einzige Nährstoff ist, der von Veganern schwer mit einer ausgewogenen Ernährung in ausreichendem Maß kompensiert werden kann. Bei B 12 empfiehlt Attila Nahrungsergänzung. Obwohl wir bis nach Mitternacht diskutiert, gekocht – und geschlemmt – haben, stehen am nächsten Morgen Punkt halb acht alle 50 pünktlich auf der Matte, um zum Frühsport aufzubrechen. Alle? Nein! Ausgerechnet Attila Hildmann fehlt. Viele sind etwas enttäuscht – später erfahren wir, dass er verschlafen hat …

Attila Hildmann und Manfred Loosen (Foto: Justina Wilhelm)

Frisch gestärkt durch Attila Hildmanns Reisspaghetti mit Spinat-Mandel-Creme, war der Wolfsburg-Halbmarathon für S&K-Redakteur Manfred Loosen kein Problem.
(Foto oben: Justina Wilhelm; unten: Annette Heidkamp)

Zieleinlauf Manfred Loosen (Fot: Annette Heidkap)

Aber Spaß haben wir trotzdem. Wir werden von einer Fitnesstrainerin nach ausführlichen Dehnübungen auf eine gut vier Kilometer lange Joggingrunde durchs Alpenvorland begleitet. Jeder läuft sein Tempo, einige walken. Die besonders Fitten fühlen sich so gut, dass sie gleich eine zweite Runde dranhängen. Danach gibt es Frühstück mit besten veganen Bio-Zutaten. Und dann wieder Sport. Wir können uns aussuchen, ob wir Zumba, Chi-Yoga oder ein Fitness-Training für Fortgeschrittene machen wollen. Ich entscheide mich für Letzteres. Das bedeutet: Aufwärm-Gymnastik, Zirkel-Training, Sprints mit Attila. Der will sich dann mit mir messen: Wer schafft mehr Klimmzüge, mehr Kniebeugen mit Baumstamm auf den Schultern, mehr Liegestütze? Ich verzichte. Denn dafür habe ich zu wenig Kraft in Armen und Beinen. Und außerdem war Attila am Morgen ja auch nicht dabei, als es um meine Lieblingsdisziplin, das Laufen ging. Nach dem Duschen dann die Abschlussrunde. Rapunzel-Chef Joseph Wilhelm und Attila Hildmann stellen sich den Fragen der 50 Besucher. Wilhelm erzählt über die Anfänge seiner Firma und erklärt gemeinsam mit Hildmann, warum ihnen Bio-Anbau und Bio-Landwirtschaft so wichtig sind: Mit jedem ökologisch hergestellten Produkt werde die Welt ein bisschen besser. Und es sei bitter nötig, diese Welt besser zu machen.

Für mich waren die zwei Tage im Allgäu eine gute Vorbereitung für meinen Lauf am Tag danach. Denn eine Sechs-Stunden-Zugfahrt später kam ich in Wolfsburg an, wo ich am folgenden Morgen gut 21 Kilometer durch die Stadt trabte. Ganz ruhig, ganz langsam. 2:25:55 Stunden. Der Sieger braucht nur halb so lang. Aber: Mein Rücken? Alles ok! Die Beine? Keine Probleme! Der Kopf? Frei. Nur jede Menge gute Gedanken darin. Zum Beispiel der, dass vegan Leben – frei nach Attila Hildmann – keineswegs ein Muss für Jedermann ist, keineswegs eine missionarische Aktion, sondern eine gute, vernünftige Alternative für Menschen, die sich und der Welt etwas Gutes tun wollen.

Vegan for You-th …

… heißt das neue Buch von Attila Hildmann; ab Mitte November im Handel. Darin klärt er wissenschaftlich, warum bestimmte Lebensmittel gesund sind, das Leben verlängern können, andere aber nicht. Und es gibt mehr als 90 neue Rezepte.

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Rocaille
"Nur in Monaco und auf Maori werden die Menschen älter."



Wo, bitte, liegt Maori? Wahrscheinlich irgendwo bei Neuseeland...



Die Lebenserwartung der Maori kann allerdings nicht besonders hoch sein - bei all den hochbetagten Leuten, die auf ihnen leben!