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„Kindernot geht uns alle an“

Er spielt in der Abwehr von Schalke 04, war Nationalspieler und hat trotzdem nicht nur Fußball im Kopf. Mit seiner Stiftung unterstützt Christoph Metzelder benachteiligte junge Menschen. // Manfred Loosen

Christoph Metzelder

Für viele weibliche Fußballfans zählen Sie zu den attraktivsten Fußballern. Achten Sie auf Ihr Aussehen?

Ja, das würde ich schon sagen (lacht). Ich glaube, das hat damit zu tun, dass man als Sportler auf seinen Körper und seine Gesundheit achten muss. Das führt auch dazu, dass man ein wenig eitel ist.

Benutzen Sie auch deshalb Naturkosmetik?

Ja, von Naturkosmetik bin ich wirklich begeistert. Aber dass ich diese Produkte kennengelernt habe, hat mehr mit meiner Stiftungsarbeit zu tun als mit meinem Äußeren. Ulrich Grieshaber von der Firma Sante begleitet die Stiftung schon einige Jahre als Freund und so entstand die Idee, ein gemeinsames Projekt anzustoßen. Ich habe die Produkte ausprobiert und benutze sie seitdem gerne und regelmäßig.

Geht Ihr Hang zur Natürlichkeit auch beim Essen weiter?

Naja, ich muss zugeben, dass ich nicht so häufig am Herd stehe. Aber wenn ich zu Hause bei meiner Familie bin, dann achtet meine Mutter da sehr drauf. Sie geht auch regelmäßig in Haltern auf den Wochenmarkt.

Sportler müssen auf ihre Ernährung achten. Was ist da wichtig?

Das stimmt, wobei der Fußball in seiner Komplexität vielleicht nicht ganz so abhängig ist von rein körperlichen Faktoren. Es gibt Ausdauer- und Kraftsportarten, wo wirklich jede Kalorie gezählt wird, und Proteine, Kohlenhydrate und so weiter ganz genau abgewogen werden. Wir Fußballer können schon etwas mehr sündigen, weil ganz einfach noch viele andere Faktoren im Fußball als Mannschaftssportart mit hineinspielen.

Aber der Körper ist Ihr Kapital.

Ja, der Körper ist mein Kapital. Interessant ist aber, dass sich da in den vergangenen Jahren einiges verändert hat: Früher hat man vor allem Kohlenhydrate gegessen. Momentan ist das Thema Low Carb auch im Spitzenfußball angekommen. Ich probiere das seit ein paar Monaten aus und bin sehr zufrieden damit. So esse ich eigentlich nur direkt vor und nach dem Spiel Kohlenhydrate, ansonsten vermehrt Proteine, Gemüse, Salat …

Kommen diese Vorgaben vom Verein?

Unser Vereinsarzt ist sehr offen gegenüber vielen neuen Erkenntnissen, übrigens auch der Naturmedizin. Er versucht auch parallel zur klassischen Sportmedizin homöopathische Mittel unterstützend einzusetzen. Auch bei der Ernährung macht er Vorschläge. Ich bin da immer sehr offen gewesen und habe das einfach mal ausprobiert.

Essen Sie Fleisch?

Fleisch? Ja!

Das hört sich sehr überzeugt an.

Stimmt! Ich esse einfach gerne Fleisch, das gebe ich zu.

Machen Sie sich Gedanken über Tierhaltung?

Wenn ich selber einkaufe, denke ich daran. Wenn ich aber in ein Restaurant gehe, ist das schwer.

Markus Abenz

Christoph Metzelder, …  
32 Jahre alt, ist Verteidiger beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04. Vor elf Jahren wurde Metzelder mit Borussia Dortmund Deutscher Meister, wechselte 2007 nach Madrid, wo er mit Real 2008 die spanische Meisterschaft gewann. Seit drei Jahren spielt er nun auf Schalke. Gleich im ersten Jahr gewann er mit dem Verein den DFB-Pokal.

Sozial engagiert sich Christoph Metzelder vor allem in der Stiftung, die seinen Namen trägt. Sie kämpft gegen Kinderarmut und will „Kinder für ihr Leben trainieren“. Aufgenommen hat die Christoph Metzelder Stiftung ihre Arbeit im Ruhrgebiet, der Heimat von Metzelder. Er wurde in Haltern geboren. Heute gibt es 15 Projekte in fünf Bundesländern und Kooperationen mit weiteren Trägern. Die Arbeit der Stiftung soll ausgebaut werden. www.metzelder-stiftung.de

Kommen wir zu Ihrer Stiftung: Was ist das Besondere daran, warum liegen Ihnen benachteiligte Kinder so am Herzen?

Das hängt damit zusammen, wie ich aufgewachsen bin: in einer großen Familie mit drei Brüdern, ein christliches Elternhaus, ich war früher Messdiener. Da spielten Nächstenliebe und das Denken an diejenigen, denen es nicht so gut geht, eine große Rolle. Auch wenn man sich irgendwann von seinem Elternhaus emanzipiert und sich der Zugang zu Kirche und Glaube ändert: Das ist immer ein roter Faden gewesen und geblieben in meinem Leben. Und dann bin ich über Nacht Fußballprofi geworden.

Und schnell kamen Menschen, die fragten, ob Sie nicht hier oder da helfen könnten?

Genau. Das habe ich auch gerne gemacht. Es ist ja kein großer Aufwand, mit einem Foto und einer Aussage eine gute Sache zu unterstützen. Ich war sieben Jahre in Dortmund, das heißt sieben Jahre Ruhrgebiet… Ich hatte viele Kontakte, auch zu jungen Fans. Wenn man mit offenen Augen durch die Region läuft, weiß man natürlich Bescheid über Strukturwandel, Jugendarbeitslosigkeit, Kinderarmut. Die Fans sparen sich die Eintrittskarten für den Fußball vom Mund ab, um ihre Mannschaften zu sehen. Es ist einfach eine große gesellschaftliche Herausforderung, etwas für die kommenden Generationen zu tun. Links und rechts dürfen keine jungen Menschen mehr verloren gehen. Deshalb sind Themen wie Bildung und Ausbildung für mich sehr wichtig geworden.

Wie sieht so ein Projekt Ihrer Stiftung zum Beispiel aus?

Bei den Kleinsten in unseren Projekten geht es darum, den Anschluss in der Schule wieder herzustellen und wieder „Freude“ am Lernen zu erfahren. Wenn ich den Stoff verstehe, beteilige ich mich am Unterricht und empfinde keine Angst oder Scham. Deswegen unterstützen wir im Bereich Bildung vor allem Projekte, bei denen schulische Defizite aufgearbeitet werden. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „fit for future“ in Hamm. Durch die individuelle Arbeit mit den Mädchen und Jungen stellen sich schnell Erfolge und Notenverbesserungen ein. Bei den Jugendlichen geht es ganz konkret um den Schulabschluss und die Suche nach einem Ausbildungsplatz. So begleiten z.B. die „Ausbildungspaten Recklinghausen“ und die „Paten für Arbeit in Essen“ im Ruhrgebiet Jugendliche während dieser Zeit in Form einer Patenschaft und stehen ihnen vor und während der Ausbildungszeit beratend zur Seite.

Ihr soziales Engagement geht über die Stiftung hinaus: z.B. als Schirmherr für die Behinderten-WM 2006.

Nach dem Turnier im eigenen Land fand die Fußball-Weltmeis-terschaft der Menschen mit geistiger Behinderung ebenfalls in Deutschland statt. Heute habe ich durch die tolle Entwicklung meiner Stiftung leider keine Zeit und keine Kapazitäten mehr, um andere Organisationen zu unterstützen. Mein Fokus gilt voll und ganz unseren Projekten in ganz Deutschland.

Sie engagieren sich sehr stark. Sollten andere Promis, andere Sportler Ihrem Vorbild folgen? Machen die zu wenig?

Ich sehe grundsätzlich eine gute Entwicklung in Deutschland. Immer mehr erfolgreiche Menschen, Unternehmer und Sportler engagieren sich. Es könnten natürlich auch immer mehr sein. Aber grundsätzlich finde ich, dass viele meiner Kollegen da schon etwas machen.

Christoph Metzelder, Verteidiger beim FC Schalke 04, im Gespräch mit S&K-Redakteur Manfred Loosen. Sie trafen sich im Restaurant „ess null vier“ gleich neben dem Trainingsgelände des Vereins.

Christoph Metzelder ud Manfred Loosen

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Katharina K.
Eine super Sache - eigentlich sollte es in Deutschland überhaupt keine benachteiligten Kinder und "Kinder, die sich Sorgen machen" geben müssen. Es ist eine Schande für Deutschland, dass durch verfehlte Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik immer mehr Kinder in Armut und Hoffnungslosigkeit gebracht werden. Auch desinteressierte, gedankenlose und angeblich überforderte Eltern tragen mit Schuld daran. Zum Glück gibt es aber auch immer mehr Privatleute, die mit Stiftungen und Ehrenamt Verantwortung übernehmen und dadurch wenigstens einen Teil dieser Kinder auffangen und ihnen ein kleines bißchen Kindheit zurückgeben.

Sie sind ein gutes Vorbild, hoffentlich auch für die Politiker, endlich ihren Arsch hochzukriegen, anstatt Kinderarmut immer wieder zu negieren.

Warum eigentlich müssen die nützlichsten Projekte wie Kinderhilfe, Kinderhospitze, meinetwegen auch Tierheime, Hilfe für Aussteiger aus der rechten Szene usw. immer privat und ehrenamtlich sein? Aufwachen Politik: hier laufen die Projekte, die Deutschland wirklich braucht! Das wäre eigentlich eure Aufgabe gewesen! Schön, dass Herr Metzelder (und andere) sich engagieren - und auch darüber reden und informieren! Diese Selbstdarstellung darf, ja sie muss sogar sein. Denn Deutschland braucht noch viel mehr Engagement, wenn die Politik so weiter macht wie bisher mit ihrem Turbo-Abi, dem tollen "Bildungspaket" das niemand versteht und der Unterstützung der Firmen zur Jobvernichtung im großen Stil.