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Eintauchen in die Welt der 1000 Leckereien

Die Bio-Branche wächst. Immer mehr Menschen wollen sich bewusst und gesund ernähren und mit Naturkosmetik pflegen. Auf der BioFach/Vivaness, der weltgrößten Messe ihrer Art, drehte sich alles darum. Dort wurden die Trends und Neuprodukte vorgestellt. // Manfred Loosen

BioFach 2013

Auf der BioFach (Naturkost und Naturwaren) und der Vivaness (Naturkosmetik) zeigten fast 2 400 Aussteller aus 129 Ländern bewährte und neue Produkte.

BioFach 2013

Die Aussteller zeigten in den Messehallen in Nürnberg 750 neue Produkte: Das spricht für Innovation und Zukunftsdenken. Es gab zum Beispiel weiße Soja-Schokolade, einen Brotaufstrich mit Johannisbrotschoten und Mandeln, Joghurt-Alternativen aus Bio-Soja. Auch Bio-Dinkel-Maultaschen, Rote-Bete-Suppe mit Kardamom und gerösteten Sonnenblumenkernen und Tiefkühl-Flammkuchen mit Lachs, Speck oder Äpfeln wurden angeboten. Sogar verschiedene Nudel- und Gemüsegerichte speziell für die Mikrowelle wurden gezeigt. Es gibt ohne Frage weiter einen Trend zu Fertigprodukten aus biologischen Rohstoffen. Das mag überzeugten Naturköstlern zu weit gehen, weil sie möglichst natürliche, unverarbeitete Lebensmittel mögen. Aber mit diesen Produkten werden auch Verbraucher erreicht, die sich manchmal nicht so viel Zeit zum Kochen nehmen können oder wollen, und bisher konventionelle Convenience-Gerichte gekauft haben. Wenn diese auf Bio umsteigen möchten, finden sie ein immer größeres Sortiment.

Spezial-Produkte boomen

Bio-Hersteller waren mit die ersten, die Allergikern ein umfangreiches Sortiment angeboten haben. Dieser Trend geht weiter. Laktose- oder glutenfreie Lebensmittel sind immer häufiger im Bio-Laden zu finden, genauso wie vegane oder vegetarische Produkte; zum Beispiel die fleischfreie Variante von „Cordon Bleu“. Bio-Firmen haben aber auch Mut zu Neuerungen, die vielleicht nur ein kleines Publikum ansprechen: So war auf der BioFach der „Doldensud“ zu entdecken: Das Riedenburger Brauhaus setzt auf dieses extraherbe Bier, das nicht jedermann, aber Kenner anspricht.

Es gibt unter den „Neuheiten“ aber auch Dinge, bei denen man sich fragt, was denn daran neu sein soll: Ein malaysischer Aussteller bot „Bio-Nudeln“ als Neuheit, und von Vanille-Tee hat man auch schon mal gehört …

Die Zahlen der Bio-Branche sind beeindruckend: Der deutsche Bio-Markt verzeichnete 2012 ein Umsatzplus von sechs Prozent und erreichte ein Marktvolumen von insgesamt 7,04 Milliarden Euro, 400 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Das hat der Arbeitskreis Biomarkt errechnet, dem wichtige Verbände, Wissenschaftler und Forschungsgesellschaften angehören. Auch positiv: Im deutschen Naturkost-Fachhandel – also in Bio-Läden und -Supermärkten – stieg der Umsatz im vergangenen Jahr um etwa sieben Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro.

Die besten Neu-Produkte von der BioFach

So haben die Besucher der Messen entschieden:

Frische: Bio-Spätzleteig in verschiedenen Geschmacksrichtungen von Frizle

Tiefkühl: Tim’s Frozen Yogurt von der Molkerei Schrozberg

Kochen & Backen: Bio-Nudeln von Everprosper Food Industries

Snacks & Süßigkeiten: Nuss-Trockenfrucht-Riegel von Foodloose

Trockenprodukte: Streich’s drauf Bruschesto von Zwergenwiese

Getränke: Positive Energie Cranberry Hibiskus von Golden Temple

Non-Food: Ajaa! 0,9 Liter-Box von 4E Solutions.

Die besten Neuprodukte

Vertrauen in die Branche

„Das stabil positive Wachstum fußt darauf, dass die Kunden im Naturkost-Fachhandel die wahren Bio-Spezialisten erkennen“, erklärte die Geschäftsführerin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren Elke Röder. Auf der Messe traf sich die Bio-Branche in diesem Jahr in acht großen Hallen, um Neues und Bewährtes aus den Bereichen Naturkost, Naturwaren und Naturkosmetik zu sehen.

Es ging aber nicht nur um Produkte. Auch inhaltlich wurde viel diskutiert – und auf dem Kongress gelehrt und gelernt. Es gab 150 Veranstaltungen in sieben verschiedenen Räumen.

Ein wichtiges Thema des Kongresses, aber auch in vielen Gesprächen auf der BioFach war, wie Lebensmittel grundsätzlich hergestellt werden (sollten): faire Löhne, artgerechte Tierhaltung, Einsatz für saubere Luft, klares Wasser, gesunde Böden sind Grundvoraussetzungen. Bio-Bauern und -Verarbeiter wollen sicher wie jeder andere von ihrer Arbeit leben, aber sie haben auch Werte, die ihnen wichtig, denen sie verpflichtet sind.

BioFach 2013

Beim Weinpreis Mundus Vini sind 240 Bio-Weine prämiert worden. Welche das sind, steht auf der Internetseite www.schrotundkorn.de/weinpreis2013.

Und nach der Weinprobe: Olivenöl-Verkostung mit Bio-Weißbrot oder sich in der Kosmetikhalle verwöhnen lassen.

Bio ist besser für die Welt

Darauf wiesen auch einige Redner bei der Eröffnungsveranstaltung der BioFach 2013 hin. Andre Leu, der Präsident des Welt-Bio-Verbands IFOAM, berichtete von der Erfahrung, dass Bio-Bauern von Klima-Extremen weniger betroffen seien. Ihr Land könne Hitze, Kälte, Hochwasser besser verkraften. Das liege auch daran, dass hier keine Monokulturen gepflanzt würden, die Bio-Diversität größer sei: „Bio steht für eine breite Artenvielfalt!“

Auch Felix Prinz zu Löwenstein, Vor-sitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), sprach über Werte. Er sei vor Kurzem als Lobbyist für die Bio-Branche bezeichnet worden. Das habe ihn nachdenklich gemacht: Natürlich setze er sich als Verbandsvertreter für Bio-Bauern und -Verarbeiter ein. Aber es gehe nicht nur um finanziellen Erfolg.

Er – und mit ihm ein Großteil der Bio-Branche – stehe für die Ernährungswende, die dringend nötig sei. Es dürfe nicht mehr belohnt werden, möglichst billig zu produzieren; egal, wie es der (Um-)Welt dabei ergehe. Löwenstein erwähnte auch das Engagement für Benachteiligte der Gesellschaft: 60 Prozent der Arbeitsplätze für Behinderte in der Landwirtschaft seien in Bio-Betrieben.

Das alles sind Gründe, warum die Verbraucher verstärkt Bio-Produkte kaufen. Davon müssen aber immer mehr nach Deutschland importiert werden: Deutschland hat zu wenig Bio-Bauern, sagte Jan Plagge, der Präsident von Bioland: „Der Biomarkt wächst und wächst, doch die Politik will für den Ausbau der heimischen Bio-Landwirtschaft kein zusätzliches Geld ausgeben. Nachhaltige Agrarpolitik sieht anders aus.“

Deutsche Bio-Höfe fehlen

Diese Kritik richtete sich unter anderem an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die in diesem Jahr die BioFach wieder besuchte, nachdem sie einige Jahre nicht nach Nürnberg gekommen war. Aigner solle sich dafür einsetzen, forderten Experten, dass künftig deutlich mehr EU-Geld für konkrete Umweltleis-tungen ausgegeben wird. Davon würde der Bio-Landbau profitieren. Denn nur, wenn mehr deutsche Bauern biologische Produkte anbauen, kann der Wunsch der Kunden nach regionaler Bio-Ware erfüllt werden. Alexander Gerber, Geschäftsführer des BÖLW, macht dafür auch die Entwicklung der Pachtpreise verantwortlich: Weil Biogasanlagen gefördert würden, sei Ackerland teilweise so teuer geworden, dass Bio-Bauern ihre Flächen nicht vergrößern könnten; teilweise hätten sie ihre Felder sogar verkleinert.

Ganz anders ist die Entwicklung in Rumänien, dem „Land des Jahres“ auf der BioFach 2013. Auch wenn Kritiker bezweifeln, ob wirklich alles bio ist, was als „Bio-Ware“ aus Rumänien kommt: Die Zahl der Bio-Farmen hat sich nach Angaben des rumänischen Bio-Verbandes Bio Romania zwischen 2010 und 2011 auf stolze 9 800 verdreifacht.

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