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Großzügige Grenzwerte

Die EU-Grenzwerte erlauben weit mehr Becquerel in Lebensmitteln als die japanischen.

Seit dem GAU von Tschernobyl gelten in der EU Cäsium-Grenzwerte für Säuglingsnahrung, Milch und Milchprodukte von 370 Becquerel je Kilogramm (Bq/kg) und für alle anderen Nahrungsmittel von 600 Bq/kg. Pilze oder Wildschweinfleisch mit 500 Bq/kg dürfen bei uns verkauft werden – in Japan wäre das verboten. Dort gelten inzwischen folgende Werte: Babynahrung und Milch 50 Bq/kg, für alle anderen Lebensmittel 100 Bq/kg. Nur für Soja und Sojaprodukte sind 500 Bq/kg erlaubt. Diese Werte müssen auch japanische Lebensmittel einhalten, die in die EU importiert werden. Stammen sie aus Fukushima oder elf weiteren Präfekturen rund um den Katastrophenreaktor, müssen die Hersteller dies durch eine Messung nachweisen. Kontrollmessungen der deutschen Behörden zeigten kaum Belastungen über der Nachweisgrenze. Nur wenige Proben Grüntee fielen durch zweistellige Cäsiumwerte auf.

Alle von uns befragten Importeure japanischer Bio-Lebensmittel – Arche, Heuschrecke, Terrasana, Lima, Oasis, Ruschin, NobleHouse Aman Prana – schicken zusätzliche Proben in die Labore. In keinem Fall fanden sich Belastungen über der Nachweisgrenze, die bei 5 Bq/kg liegt. Große Bedenken hatten die Firmen wegen der Algen, da ein Großteil der freigesetzten Radioaktivität ins Meer gelangte. Selbst in Fischen, die mehrere Hundert Kilometer entfernt gefangen wurden, ließ sich noch 2012 eine Belastung von mehreren Becquerel nachweisen. Terrasana wechselte zu einem anderen japanischen Algenanbieter. Lima stieg vorsichtshalber auf europäische Algen um.

Das Umweltinstitut München und andere unabhängige Experten empfehlen seit Langem strengere Grenzwerte: 30 bis 50 Bq/kg bei Nahrung für Erwachsene und 10 bis 20 Bq/kg für Kinder, Stillende und Schwangere. Babynahrung sollte 5 Bq/kg nicht überschreiten. Bleibt zu hoffen, dass wir diese Grenzwerte nicht brauchen werden.

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