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Urlaub 2012: Auf in den Wald!

Ob Teutoburger, Bayerischer oder Thüringer: der Wald ist den Leuten was Wert. Nach wie vor. Aber der Deutsche Wald verändert sich – oft nicht zu seinem Vorteil. Und es gibt Veranstalter, die dagegenhalten. // Ralf Bürglin

Waldurlaub Nein, der Weg ist hier offensichtlich nicht mehr das Ziel. Klein-Marie erobert mit ihren Kumpels die Wegböschung. Oberhalb finden sie Fichtenzapfen, die sie nun möglichst weit Hang abwärts schleudern. Ein Fliegenpilz ist eine freudige Meldung wert. Und auch wenn’s wehtut, es macht stolz, sich alleine aus den Klauen einer Brombeerranke zu befreien.

An einen „normalen“ Waldspaziergang ist für mich als Schrot&Korn-Redakteur auf diesem Weg im Schwarzwald nicht zu denken. Die Kinder wollen entdecken und Aufgaben lösen. Zum Beispiel: Wer schafft es die Böschung runter zu springen, dort wo sie am steilsten ist? Oder: Wer schleppt mir den längs-ten Adlerfarnwedel an? Und: Wer findet ein Fichtenborkenstück mit einem Harztropfen dran? Aber irgendwann gehen einem dann doch die Ideen aus. Und spätestens auf dem letzten Abschnitt heimwärts heißt es dann: „Paaapi! Traaag mich!“ Und klassisch: „Wann sind wir daaa?“ Klar sind Kinder irgendwann müde. Aber nicht nur deshalb werden die Kinder unleidig – glaube ich zu spüren –, es liegt auch an diesem Forstweg.

Er wurde erst vor Kurzem verbreitert, für die moderne Forstwirtschaft mit ihren schweren Maschinen aufgerüstet. Er ist so monströs breit, dass es mich reizt, diesen Weg quer mit Meterschritten abzuschreiten: Von einer zur anderen Seite sind es 4, stellenweise 6 Meter. Dazu kommt hangwärts ein Graben: 1 Meter. Zu beiden Seiten des Wegs wurden zusätzlich Bäume gefällt, 8 Meter. Insgesamt ist so eine Schneise von bis zu 15! Metern entstanden. Das ist kein Forstweg mehr, das ist eine -Straße (andere sprechen gar von -Autobahn; siehe Interview auf Seite 40). Wer mag hier mit Muße wandern?

Es geht nicht um eine Ausnahmeerscheinung im Schwarzwald. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) spricht generell von steigender Nachfrage nach Holz und einer damit einhergehenden „Nutzungsintensivierung“.

Was das für den Wald bedeutet – und insbesondere auch für den Erholungssuchenden –, hat der NABU im Strategiepapier „Waldwirtschaft 2020“ zusammengetragen. In Stichworten: Vernachlässigung der Schutz- und Erholungsfunktion zu Lasten der Nutzfunktion; Zurückdrängung sanfter Betriebstechniken und ein Setzen auf großmaschinengerechte Holzernte; Zunahme der Wegedichte, was der Natürlichkeit des Waldes entgegensteht. Genau das wünscht sich aber der Wanderer: Natürlichkeit. Das belegen Umfragen (siehe Interview).

Auf den folgenden Seiten haben wir Informationen zu Urlaubsorten in Waldgebieten Deutschlands zusammengetragen. Wir können nicht garantieren, dass die Umgebung jeweils vorbildlich forstwirtschaftlich genutzt wird. Sicher ist aber: Die Veranstalter haben sich große Mühe gegeben, das Thema Wald in den Mittelpunkt ihres Angebots zu stellen.

Wald und Erholung

NABU: „Wesentliche Voraussetzung für die Erfüllung der Erholungsfunktion des Waldes ist der Anblick naturnaher und vielfältiger Waldbilder – eintönige und maschinengerechte Wälder können dieser Aufgabe nicht gerecht werden.“

Waldzeit in der Göhrde

Am Rande der Göhrde – dem großen Wald, 90 Autokilometer südöstlich von Hamburg – freuen sich Eltern über eine entspannende Auszeit und Kinder auf die „Waldzeit“.

Göhrde

Waldzeit: klettern, schaffen, Spuren suchen

Bing und Bong macht es. Während die Eltern eine Klangschalenmassage genießen oder im Stillen eine Shiatsu-Anwendung, machen sich die Kinder mit Försterin Tatjana Jensen in den Wald auf. Wenn Frodo fit ist, kommt auch er mit – Frodo, das Frettchen. Gemeinsam geht es auf Entdeckungstour, um Tiere und deren Spuren zu finden, Wassertiere zu keschern oder Bäume zu erklettern. Barbara Kenner vom Bio-Hotel Kenners Landlust sagt über Frodo: „Er ist eine Art Katalysator.“ Der zahme Iltis helfe den Kindern, den Wald erleben zu können. „In Anwesenheit von Frodo sind die Kinder ganz konzentriert. Sie lernen schnell, dass sie sich ruhig verhalten müssen, damit sich Frodo auch mal für sie interessiert.“ Das tut Frodo grundsätzlich gerne. Denn Frodo, der aus einem Wildpark stammt und „Kinderarbeit“ gewöhnt ist, schlüpft gerne in Taschen, um sich dort hineinzukuscheln.

Da Frodo aber auch Ruhezeiten benötigt und nur begrenzt Lärm und Aufregung erträgt, kann er nicht immer dabei sein. Braucht er auch nicht unbedingt. Barbara Kenner ist begeistert, was auch ein Waldmistkäfer für Begeisterungsstürme bei den Kindern hervorrufen kann, vor allem, wenn eines der dicken, schwarz-blauen Insekten eine Kotpille über den Boden rollt. Dann sieht sie sich bestätigt; dann geht ihr Konzept auf: „Wir wollen die Kinder, die zu uns kommen, nicht bespaßen. Die Kinder sollen selbst etwas erfahren wollen, weil wir sie neugierig machen.

Bio-Hotel Kenners LandLust,
Familie Barbara und Kenny Kenner, 29473 Göhrde
Tel 0 58 55/97 93 00
www.kenners-landlust.de

Naturschatz-Wandern

Der Harz ist „das grüne Herz Deutschlands“ – sagen Marketing-Leute. Überprüfen kann das jeder selbst beim Relaxen und auf Wanderungen durch drei Großschutzgebiete.

Das Wellness-Hotel Schindelbruch ist der Ausgangspunkt des Trips. Ist man dort angekommen, möchte man gar nicht unbedingt gleich aufbrechen. Mehr Grün ums Haus, das als klimaneutral zertifiziert ist, geht kaum. 3 000 Hektar Wald gehören dazu. Der Koch sammelt Pilze und Kräuter – teils mit den Gästen, teils für sie. Auch Wild gibt es aus dem hauseigenen Revier. Vieles aus dem Aktiv- und Entspannungsprogramm findet im Wald statt: geführte Vogel-Exkursionen, Nordic Walking, Bogenschießen. Vom „Saunadorf“ aus schaut man in die Wipfel der umliegenden Bäume. Was einen schließlich doch motivieren kann, zur viertägigen „Naturschatz-Wanderung“ aufzubrechen, ist die Aussicht, die Vielfalt des Harzes gezeigt zu bekommen.

Unterwegs ist man dann mit Rangern im Nationalpark Harz, einem der größten Waldnationalparks Deutschlands, für den in den Höhenlagen knorrige Nadelbäume und Hochmoore typisch sind. Der Naturpark Kyffhäuser lockt außer mit seinen ausgedehnten Buchenwäldern mit der Ochsenburg, den locker bewaldeten Gipshängen, für die über tausend Pflanzenarten beschrieben sind. Im Biosphärenreservat Karstlandschaft-Südharz schließlich hat die Wildkatze einen ihrer letzten Verbreitungsschwerpunkte in Deutschland, während Wanderfalke, Uhu, Neuntöter, Sperbergrasmücke und Schwarzstorch stellvertretend für die hier vorkommende vielfältige Vogelwelt stehen.

SKR Reisen GmbH
Venloer Str. 47-53 a
50672 Köln
Tel 02 21/9 33 72-4 50
www.skr.de

Durch Räuberland

„Tauchen Sie ein in die Wälder“, heißt es bei Schulz Aktiv Reisen. Wie das geht, erfährt man während eines Wanderwochenendes durch die Sächsische und Böhmische Schweiz.

Sächsische und Böhmische Schweiz

Aufstieg zur Burg Schauenstein

Fit muss man für diese Zweitagestour schon sein. Sieben bis neun Stunden sind die täglichen Etappen lang, im Sandsteingebirge entlang der deutsch-tschechischen Grenze. Die Teilnehmer sollen trittsicher und schwindelfrei sein. Das Gepäck trägt jeder selbst. Aber wer sich in diesem Sinne eignet, wird auch belohnt.

Hier sind die „Wanderpfade“ tatsächlich Pfade für Wanderer – malerisch und einsam. Sie führen quer durch die am wenigsten besuchten Teile der Sächsischen und Böhmischen Schweiz. Unterwegs bieten sich immer wieder überwältigende Ausblicke ins Erzgebirge. Wer sich die Mühe macht, einen der vielen Aussichtspunkte zu erklimmen, wird teils sogar mit Rundum-Panoramablicken belohnt.

Wanderspezialist Frank Sühnel führt zu den interessantesten Orten, zum Beispiel zum Kleinen Prebisch-Tor, einer Felsformation im gelblich-braunen Sandstein. Beeindruckend sind hier Buchen, deren Wurzeln wie strähnige Banditenbärte alles darunter Liegende umschlingen. Oder die Balzhütte Na Tokani, einer ehemaligen Jagdhütte der Fürsten Kinsky. Balzhütte heißt das urige Holzhaus mit den hübschen weißen Fens-terrahmen deshalb, weil die Fürsten von hier aus während der Balzzeit Jagd auf Auerhähne machten. Ein weiterer Höhepunkt: die Felsenburg Schauenstein, ein schönes Beispiel dafür, wie es hier die Raubritter verstanden, ihre Behausung in die natürlichen Felsstrukturen einzufügen. Man beschränkte sich darauf die Nachbarn zu plündern, nicht die Natur.

Schulz Aktiv Reisen
Bautzner Str. 39
01099 Dresden
Tel. 03 51/26 62 55
www.schulz-aktiv-reisen.de

Mit Elfen und Trollen

Rettet das Waldreich vor Esalgir! So ist ein Fantasyrollenspiel betitelt, das der Deutsche Jugendherbergsverband Rheinland in einem Wald bei Solingen veranstaltet.

Wald bei Solingen

Zusammengefügt: der Zauberspruch

Bevor der Magier Esalgir in Erscheinung tritt, sollen die Teilnehmer erst einmal die mystische Welt des Waldes kennenlernen. Mit Spiegeln fangen sie Sonnenstrahlen ein und senden sie als Irrlichter in die Baumkronen. Oder in Zweiergruppen bekommt einer der Partner die Augen verbunden und lässt sich durch den Wald führen. „Das ist vertrauensbildend, schärft Hör- und Tastsinn und regt die Fantasie an“, hat Kursleiterin Birgit Süßenbach, die Sozialpädagogin und Diplom-Naturführerin ist, die Erfahrung gemacht. Und Fantasie ist gefragt, wenn am Nachmittag das eigentliche Rollenspiel beginnt.

Dann schlüpfen die Teilnehmer in die Rollen von Hexen, Feen, Elfen und Trollen. Dazu bekommen sie von Birgit Süßenbach Kostüme gestellt. Sie erfahren, dass Esalgir, der Magier, Schuld daran hat, dass ein wichtiger Zauberspruch verloren gegangen ist – was auch den Wald gefährdet. Doch Esalgir zeigt Reue und er verrät, dass der Spruch wiedergefunden werden kann, wenn die Teilnehmer Aufträge erfüllen.

Zum Beispiel sollen die Zutaten zu einem Zaubertrank gesammelt werden. Die 10-Jährigen und Älteren sind etwa aufgefordert, für den Trank Brombeerblätter, Brennnessel und Schafgarbe zu besorgen. Ist ein solcher Auftrag gelöst, gibt’s als Belohnung das Fragment eines Zauberspruchs. Die einzelnen Gruppen tragen ihre Zauberspruchteile zusammen, auf dass ein kompletter Spruch entstehen kann. Zur Belohnung gibt es einen Schatz …

DJH Landesverband Rheinland
Düsseldorfer Str. 1a
40545 Düsseldorf
Tel. 02 11/30 26 30 26
www.djh-rheinland.de

Gut fürs Kind: Wald

Laut einer Studie der Uni Heidelberg schneiden Kinder aus Waldkindergärten hinsichtlich Kreativität, Mitarbeit, sozialem Verhalten und Motivation besser ab als ihre Kollegen aus Regelkindergärten. www.schrotundkorn.de/waldstudie

Lass die Späne fliegen!

Hau sie um! In der Wald-Jugendherberge Windeck-Rosbach östlich von Köln lernen Kinder, wie man Bäume fällt – und den Wald von Morgen anzupflanzen.

östlich von Köln

Kinderglück: mit Bügelsäge, Handschutz und einer echten Aufgabe

Das ist einmalig: eine Försterin, die eine Jugendherberge führt. Wen wundert’s, dass diese Frau ihren Laden „Waldjugendherberge“ nennt. Und Bianca Bokelmann muss es richtig machen: Wenn sie einen Termin für ihre „Waldwerkstatt“ bekannt gibt, melden sich bis zu 30 Kinder. Damit die kriegen, was sie wollen, arbeitet Bokelmann mit bis zu neun Co-Betreuern – ehemaligen Kursteilnehmern – zusammen.

Täglich gibt es ein bis zwei „Einheiten Wald“. Die Kinder sollen den Wald entdecken, fühlen, riechen. Sie machen einen Rindenabdruck, legen dazu ein Din-A4-Blatt auf die Borke und malen mit Wachsmalkreide drüber. So entstehen je nach Baumart unterschiedliche Rindenbilder. Eine pfiffige Idee; aber richtig heiß sind die Kinder auf Mittwoch.

Mittwoch ist Holzfällertag, den ganzen Tag. Bis zu acht Meter hohe Bäume fallen da, im Zweier-Team mit der Bügelsäge umgemacht – richtig mit Fallkerbe und dem Warnruf „Achtung, Baum fällt!“. Bokelmann fühlt sich bestätigt, wenn sie hört, wie die Kinder ihren Eltern berichten: Da werden dann aus den maximal 15 Zentimeter dicken Birken Baumriesen mit zwei Metern Durchmessern …

Stolz macht auch das Pflanzen: Mit Spaten oder Pflanzhacke Loch gemacht, Baum rein, Erde drauf, festtreten, Ziehprobe („Der Baum muss sitzen!“), fertig. So machen sich die Kinder beim Forstamt zur „fest eingeplanten Größe“. Die Gruppe schafft immerhin das Pensum eines Waldarbeiters.

DJH Landesverband Rheinland
Düsseldorfer Str. 1a
40545 Düsseldorf
Tel.: 02 11/30 26 30 26
www.djh-rheinland.de

Outdoor im Kurs

Wer will mal im Wald hausen? Ein Lager mit Materialien aus der Natur bauen? Oder lernen, sich querwaldein zu orientieren? Der ist bei Rucksack Reisen richtig.

Münster

Mit wenig das Nötigste schaffen: Unterstand

„Nein, nein“, wiegelt Rucksack-Reisen-Chef Klaus Lange ab, „wir wollen hier nicht die Typen mit den großen Messern ansprechen. Und wir essen auch keine Würmer.“ Vielmehr wendet er sich mit seinem Outdoorkurs Münsterland an „normale Menschen“, an Leute, die sich auf eine Naturreise in Kanada oder Schweden vorbereiten oder an Jugendgruppen, die zusammen den etwas anderen Spaß im Grünen haben wollen.

Kursleiter Stephan Grimoni umreißt fix die wichtigsten Inhalte: Ernährung draußen, Wasseraufbereitung, Orientierung mit Karte und Kompass, Bau von Unterkünften mit einfachen Mitteln, der Umgang mit Messer, Axt und Säge. Auch er betont: „Wir nennen es nicht Survival. Niemand muss sich ekeln. Keiner leidet.“ Spaß und Erholung sollen im Vordergrund stehen. Wer es nächtens in der Laubunterkunft nicht mehr aushält, kann jederzeit ins Zelt wechseln.

Stephan Grimoni freut sich über sein Publikum, das sehr gemischt sei, Geschlechterverhältnis: 50/50. Da gäbe es die perfekt Ausgerüsteten und die, die noch nie in einem Schlafsack geschlafen haben. Stephan Grimoni führt die Teilnehmer behutsam „an ihre Wohlfühlgrenze heran“. Aber er motiviert auch, immer noch einen Schritt weiterzugehen. Er weiß, dass es zu einem Erfolgserlebnis führt, wenn die Teilnehmer ihren inneren Schweinehund überwinden und doch die ganze Nacht im Laublager ausharren.

Rucksack Reisen
Hammer Str. 418, 48153 Münster
Tel 02 51/87 18 80
www.rucksack-reisen.de

Interview

Julian HeiermannJulian Heiermann ist Forstwissenschaftler und Referent für Umweltinformation beim NABU, Berlin

Forscher haben ermittelt, was sich Erholungssuchende vom Wald wünschen …

… deren Befragungen bestätigen, dass sich die Leute den Anblick naturnaher Waldbilder wünschen. Sie gehen am liebsten auf schmalen, sich schlängelnden Wanderpfaden auf Naturboden. Sie wollen 1000-jährige, knorrige Bäume bestaunen können; wollen mal einen Fuchs keckern oder ein vielstimmiges Vogelkonzert hören.

Was mögen Waldbesucher weniger?

Monokulturen in bestimmten Altersklassen wirken dunkel und bedrückend. Fichtenjungbestände mit kahlen Ästen im unteren Stammabschnitt; darunter Waldböden ohne jede Pflanzenbedeckung empfinden viele als trostlos. Von tiefen Fahrrinnen zerwühlte Waldwege und Flächen, auf denen Reste der Holz-ernte achtlos liegen geblieben sind, das wird von vielen Waldbesuchern als störend empfunden.

Die „Waldstrategie 2020“ des Bundeskabinetts legt fest, dass der Holzeinschlag um 60 Prozent gesteigert werden soll. Wirkt sich das auf die Erholungsfunktion des Waldes aus?

Ja, leider. Der Wald wird häufiger und intensiver bewirtschaftet. Es wird immer mehr Biomasse rausgeholt. Totholz – ein wichtiger Lebensraum – und Nährstoffe gehen verloren. Der Wald verödet. Das merkt auch der Wanderer.

Das Netz an Forstwegen verdichtet sich.

In bestimmten Wäldern gibt es bereits alle 20 bis 25 Meter Rückewege, also die Schneisen im Wald, aus denen die Baumstämme rausgezogen werden. Das natürliche Waldgefüge wird unterbrochen. Die Übergänge zwischen den Waldparzellen wirken nicht mehr weich. Das sieht nicht mehr natürlich aus.

Für Großmaschinen, die man bei der Holzernte einsetzt, werden auch die Waldwege verbreitert. Wie fühlt sich das für Wanderer an?

Das ist wie wandern auf der Waldautobahn. Auf einem schmalen Pfad ist man näher an der Natur dran. Man nimmt vielleicht Frühblüher war, die den Blick anziehen. In der Mitte eines breiten, mit Splitt befestigten Wirtschaftswegs ist nichts.

In Deutschland gibt es 104 Naturparke. Die meisten bestehen zum großen Teil aus Waldflächen. Angesichts der Entwicklung in unseren Wäldern: Ist die Bezeichnung „Naturpark“ noch zutreffend?

Der Begriff ist Schönmalerei und irreführend. Ein Naturpark ist weder ein Nationalpark noch ein Naturschutzgebiet. Die Landschaft als solches soll erhalten werden, aber das Wirtschaften ist Teil der Definition. Und so wie mittlerweile in Wald-Naturparks gewirtschaftet wird, müsste es eigentlich Wald-Wirtschaftspark heißen.

Bücher und Links

Lührs, WolfgangLührs, Wolfgang:
Vom Wispern der Wälder und vom Wesen des Wanderns. Verlag Die Werkstatt, 2011, 336 Seiten, 19,90 Euro

Johnson, Hugh

Johnson, Hugh:
Bäume – Die Wald- und Gartenbäume der Welt.
Hauptverlag 2011, 400 Seiten, 59,90 Euro

www.bmelv.de
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellt die Waldstrategie 2020 vor

www.forumandersreisen.de
etwa 130 Veranstalter, die für nachhaltigen Tourismus stehen; unter „Reiseaktivitäten“ findet man auch zu Wald-Destinationen

www.nabu.de/themen/wald/hintergrundinfos/waldwirtschaft2020.html
NABU-Strategiepapier „Waldwirtschaft 2020“: Wälder statt Forste

www.naturparke.de
Der Verband Deutscher Naturparke (VDN) stellt seine 104 Parks vor – die meisten davon liegen in Waldgebieten

www.viabono.de
zeichnet umwelt- und klimafreundliche Reisen aus; stellt einen „Outdoornavigator“ bereit, der auch in Waldgebiete führt

Auf den „Grünen Seiten“ unseres Magazins finden Sie jede Menge Angebote grüner Reiseveranstalter – auch mit Zielen im Wald.

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Hechenthaler
Es ist schön, dass die Menschen nicht irgendwohin fliegen um Urlaub zu machen.

Wie soll aber der Energiehunger der Deutschen gedeckt werden, wenn der Wald nur noch sich selbst überlassen wird?

Wenn ersteinmal das Erdöl zu Ende ist, dann wird der Wald abgeholzt um bis zum Schluß keine Energie sparen zu müssen.

Die Leute stehen im Stau auf der Autobahn mit ihren an Panzer erinnernden Fahrzeugen um in die Stille des Waldes zu kommen, weil in der Stadt keine Ruhe ist wegen den vielen Autos, die simnnlos hin und herfahren.