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"Süßes ist in Bio einfach besser "

TV-Star Wigald Boning erzählt, warum er in und vor Geschäften Einkaufszettel sammelt, was ihn am extremen Ausdauersport so reizt und warum er Bio-Schokolade so liebt.

Wigald Boning

Wann haben Sie angefangen, Einkaufszettel zu sammeln?

Das war Ende der 90er-Jahre. Aber zeitweise habe ich nicht gesammelt. Ganz angefixt bin ich jetzt seit drei, vier Jahren.

Wie groß ist die Ausbeute?

Pro Tag im Schnitt ein Zettel. Wenn ich gezielt losgehe, dann sollten es schon drei sein, die ich dann finde.

Heißt das, Sie gehen gezielt in Läden, um Zettel zu suchen?

Ja, ich suche gezielt oder verknüpfe das zum Beispiel mit meinem Einkauf oder mit Fahrradtouren. Ich wohne im Allgäu und radele oft ins Gewerbegebiet und klappere die Supermärkte ab.

Ich stelle Sie mir gerade vor, wie Sie im Supermarkt Einkaufswagen abklappern und nach Einkaufszetteln suchen. Ist das so?

Nicht nur. Zuerst gucke ich die Einkaufswagen durch, das ist ja das Einfachste, und dort sind sie auch am besten erhalten. Dann gucke ich mich auf dem Parkplatz um. Über einige Zettel fahren schon mal Autos drüber, was dann ein interessantes Muster ergibt. Als nächstes durchsuche ich die Blumenrabatten, die bei bestimmten Supermarktketten den Parkplatz umschließen. Das ist interessant­ aufgrund des Schneckenfraßes, der manchmal schon eingesetzt hat. Als letztes die Mülltonnen. Da bin ich mittlerweile sehr abgehärtet. Am Anfang hatte ich eine gewisse Hemmschwelle, aber jetzt wühle ich darin so lange rum, bis ich Hausverbot kriege. Es gibt verschiedene Supermärkte, wo mir das schon passiert ist.

Warum machen Sie das?

Ich glaube, das ist eine aussterbende Literatur-Gattung, so ähnlich wie das Sonett oder der Briefroman. In Zukunft werden die Leute Notizen mehr und mehr in ihr Smartphone tippen. Und im übernächsten Schritt setzt sich der intelligente Kühlschrank durch, der einfach automatisch bestellt. Ich habe einen Dia-Vortrag mit dem Titel "Phänomenologie der Einkaufszettel" erarbeitet, den ich immer mal wieder zeige. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Geheimnisse Einkaufszettel in sich tragen und was sie über den Verfasser aussagen. Viele wollen sich mit Einkaufen nicht mehr beschäftigen. Vielleicht abgesehen von Schrot&Korn-Lesern, die eher gezielt und gerne einkaufen.

Unterscheidet sich denn der Einkaufszettel aus dem Bio-Laden von anderen Einkaufszetteln?

Jein. Es gibt im Bio-Laden grundsätzlich weniger Einkaufszettel. Der Grund könnte sein, dass Bio-Märkte meist in Städten liegen. Hier gibt es grundsätzlich weniger Einkaufszettel. Das liegt daran, dass es dort mehr Singlehaushalte gibt. Wenn ich alleine wohne, kann ich leichter im Kopf behalten, was ich brauche. Ich habe in München direkt gegenüber meiner Wohnung einen Bio-Supermarkt. Da finde ich höchst selten Einkaufszettel. Das ist in Landsberg anders. In dem Bio-Markt dort, in den ich regelmäßig gehe, habe ich schon einige Einkaufszettel gefunden. Die notierten Produkte sind jedoch nicht viel anders als in anderen Supermärkten. Manchmal steht halt die Silbe "Bio" vor einem Produkt.

Wigald Boning

Wigald Boning …
… ist ein Multi-Talent: Bekannt wurde er als Comedian. Mittlerweile ist er aber auch als Moderator, Komponist, Musiker, Synchronsprecher, Buch- und Hörbuchautor aktiv.

Gerade neu erschienen ist im Rowohlt Verlag das Buch "Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland". Mit seinem Kollegen Olli Dittrich bekam Boning, der in diesem Monat 45 Jahre alt wird, im Jahr 1995 den Adolf-Grimme-Preis.

In seiner Freizeit frönt Boning dem Ausdauersport: Laufen, Radfahren, Skilanglauf. Er hat schon bei manchen Wettbewerben teilgenommen, bei denen er bis zu 24 Stunden unterwegs war. Im vergangenen Juni bewältigte er zum Beispiel den 100-Kilometer-Lauf von Biel in der Schweiz in 11:43 Stunden.

Kaufen Sie selbst eigentlich auch Bio-Produkte?

Ja, schon. Ich stelle fest, dass das einfach besser schmeckt. Gerade im Süßwarenbereich: Ich kenne das Sortiment im Laden meines Vertrauens sehr gut. Die Bio-Schokoladen habe ich mittlerweile alle durchprobiert und kann mit Fug und Recht sagen, dass die definitiv besser schmecken als alles andere, vielleicht mal abgesehen vom absoluten High-Class-Confiserie-Segment.

Dass bei Ihnen Bio-Lebensmittel im Schrank stehen, hat das auch was mit Sport zu tun, den Sie ziemlich intensiv betreiben? Im Juni haben Sie einen 100-Kilometer-Lauf absolviert!

Ja, ich war bei diesem legendären 100-Kilometer-Lauf in Biel in der Schweiz. Das war anstrengend.

Da ist eher die Vorbereitung gesund als der Lauf an sich?

Genauso ist es. Da spielt Ernährung natürlich eine große Rolle, ohne da jetzt ins Detail gehen zu wollen. Man betrachtet Lebensmittel dann grundsätzlich immer unter dem Aspekt: "Bin ich damit in der Lage, das mir selbst auferlegte Trainingsprogramm durchzuziehen?" Oder: "Fördert das die sportliche Leis­tung?" Das Geschmackliche tritt für ein paar Wochen in den Hintergrund. Das ist aber nicht schön. Ich versuche, sobald der Wettbewerb vorbei ist, das Ruder herumzureißen. Nach einem Marathon wird dann wieder geschlemmt.

Wie sieht Ihr Speiseplan während des Trainings aus und was isst Wigald Boning, wenn er schlemmt?

Von der Biathletin Uschi Disl habe ich mal einen sehr guten Tipp bekommen: Nudeln "ohne alles" ist ein altbewährtes Mittel, um während des Trainings einen guten Effekt zu erzielen. Das habe ich natürlich schon oft ausprobiert. Wenn ich mal richtig schlemme, gibt es eigentlich nichts, was ich nicht esse.

Ohne Ausnahme schöpfe ich dann aus dem kulinarischen Vollen und es wird dann mal nicht auf die Linie geachtet.

Ganz was anderes: Wie sehen denn die Fußleisten bei Ihnen zu Hause aus?

(lacht) Sie spielen auf mein Buch "Die Geschichte der Fußleiste und ihre Bedeutung für das Abendland" an. Ich habe verschiedene Modelle, Hamburger Profil zum Beispiel. Das ist die etwas höhere Variante, die oft in Altbau-Wohnungen zu finden ist, mit einer Kerbe oben.

Die haben Sie schon vorgefunden oder selber montiert?

Die habe ich vorgefunden. Ich habe noch nie eine Fußleiste verlegt. Könnte ich jetzt aber mal machen. Ich würde ein fachkundiges Gespräch führen können.

Zu welcher Erkenntnis kommen Sie denn in Ihrem Buch? Welche Bedeutung hat die Fußleiste für das Abendland?

Nur mal als Beispiel: französische Revolution. Beim Sturm auf die Bastille wollten die Aufständischen das Stadtgefängnis stürmen. Mit welchen Waffen? Es waren keine Dachlatten, mit denen sie die Aufseher verprügelt haben. Es können gar keine Dachlatten gewesen sein, denn ohne Dachlatten würden Gebäude einstürzen. Wir wissen aber nichts davon, dass am nächs­ten Tag in Paris die Dächer zusammenfielen. Es müssen also Fußleisten gewesen sein, weil das die einzigen Bauteile in Wohnungen sind, die man einfach entfernen kann, ohne dass irgendein Gebäude baufällig wird. Wenn die französische Revolution aber ausgefallen wäre, wer weiß, ob wir dann eine Demokratie in Europa, in Deutschland hätten …

Wiegald Boning und Manfred Loosen

Wigald Boning traf sich mit Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen in Düsseldorf, um mit ihm über die Vorzüge der Bio-Ernährung, aber auch über die Bedeutung der Fußleiste für das Abendland zu reden …

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