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"Jede Minute, die wir haben, zählt"

Weil Nachhaltigkeit ihr wichtig ist, hielt Ursula Karven im Juni eine Laudatio auf die grüne Suchmaschine Ecosia. Wir fragten die Schauspielerin, wie Yoga und ihr jüngstes Werk "Mein Kochbuch für Kochmuffel" ihr Leben verändert haben.

Ursula Karven

Frau Karven, Sie hielten die Laudatio für die grüne Internet-Suchmaschine Ecosia, die den Karmakonsum-Gründer-Award für nachhaltiges Wirtschaften gewonnen hat. Was ist Ihnen daran wichtig?

Ich schätze Leute, die sich anstrengen, unseren Planeten nachhaltiger zu gestalten. Wo ich das unterstützen kann, tue ich es. Ich lebe inzwischen sehr viel nachhaltiger als früher. Es gibt so viele neue, tolle Bemühungen. Etwa die Suchmaschine Ecosia: Es ist doch überhaupt kein Akt, Internet-Recherchen grundsätzlich über diese Seite zu machen. En passant tut man etwas für den Regenwald. Ecosia hat schon 250000 Euro dort hingeschafft. Solche Sachen beflügeln mich.

Als gebürtige Ulmerin freut Sie sicherlich der politische Farbwechsel in Baden-Württemberg?

Die Schwaben überholen mal alle links – das habe ich immer gesagt. Denen ist ihr Ländle einfach wichtig. Die merken, dass man nicht weiter so ausbeuten darf. Die Welt braucht diese Veränderungen. Jetzt gilt es, mit Begeisterung und Disziplin dranzubleiben.

Begeisterung und Disziplin sind ein gutes Gespann. Mitunter gewinnt aber doch der innere Schweinehund die Oberhand …

Ehrlich gesagt, da hilft nur Routine, sonst geht es nicht. Wenn man etwas 50 Tage lang durchhält, zum Beispiel jeden Tag Yoga zu machen, dann verlangt der Körper danach. So entsteht Routine. Man kann auch Disziplin dazu sagen. Tatsache ist, dass der Körper es will, nicht nur der Geist einen da hinwürgt. Aber es gibt auch Zeiten, wo man es nicht packt. Das ist völlig okay. Wenn ich gerade eine neue DVD gemacht habe, will ich keine Yoga-Matte mehr sehen. Das ist dann halt so. Nach zwei Wochen bekomme ich Rückenschmerzen und mache wieder weiter. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Manchmal geht es eben nicht. Man sollte nur den Absprung wieder schaffen, denn man wird nicht gut alt, wenn man sich nicht bewegt.

War das älter Werden Ihr Beweggrund, Yoga zu machen?

Es waren Rückenschmerzen. 1994 in Los Angeles hatte ich mein erstes Kind geboren und konnte nicht mehr laufen. Da hat mein Arzt mir Yoga verschrieben. Zunächst bin ich in eine Reha-Gruppe an der Volkshochschule gegangen. Da waren nur Rentner, die alle viel fitter waren als ich. Nach vier Wochen fühlte sich mein Körper besser an. Nach zwei Monaten waren die Rückenschmerzen weg. Danach bin ich in die Yoga-Klasse von Steve Ross gegangen. Er spielte laute Rock 'n' Roll-Musik während der Sessions – von U2 bis Emerson, Lake & Palmer. Das war für mich eine Art Neustart. Als hätte jemand den Computer ausgemacht und wieder neu gestartet. Nach dem Shavasana (Anm. d. Red.: ­"Totenstellung" – Ruheposition am Ende einer Yogasession) hatte ich Frieden in mir, wusste, dass es okay ist, wie ich bin. Von da an bin ich ständig ins Yoga gegangen. Man kann mit Yoga wirklich jede Krise meistern. Yoga holt einen immer ­wieder ins Jetzt. Das ist für uns alle ja immer das Schwierigste, im Jetzt zu sein.

Ursula Karven

Ursula Karven
Die Schauspielerin Ursula Karven wurde am 17. September 1964 in Ulm geboren. Bekannt wurde sie 1989 durch eine Rolle in der Erfolgsserie "Das Erbe der Guldenburgs". 1998 gründete sie mit Freundinnen "Bellybutton", eine Mode- und naturkosmetische Pflegeserie für Mutter und Kind. Seit 1999 beschäftigt sie sich intensiv mit Yoga und hat sich als Autorin diverser Bücher und DVDs zu diesem Thema einen Namen gemacht. Sie ist Mutter von drei Kindern und lebt seit 2010 mit ihrem jüngsten Sohn in Berlin.

Wie bringen Sie Beruf, Familie und Yoga unter einen Hut?

Ich mache NUR EINE Sache. Immer. Wenn man alles auf einmal tun will, geht alles nur halb und macht mehr Arbeit. Aber wenn man sich auf die Dinge, die man tut, konzentriert, wenn man sich öffnet für das, was man liebt, dann fließt es und ist keine Anstrengung. In meinem Leben ist es ja glücklicher­weise so, dass ich die Dinge, die ich mache, alle liebe. Alles, was ich mache, ist authentisch, nicht ausgedacht oder einem Trend nachgeeifert. Ob es nun die Schauspielerei ist, Yoga oder "Mein Kochbuch für Kochmuffel".

Ein Kochmuffel-Rezeptbuch zu schreiben, das klingt tatsächlich ziemlich authentisch …

Ich dachte immer: Es ist doch komisch, dass ich alles einigermaßen in der Balance habe, aber nicht kochen kann oder jedenfalls nicht das, was ich gerne esse. Da fehlt doch was! Anfängerkochbücher waren uninteressant für mich, weil ich natürlich Curry essen wollte, und Reis, der nicht nur nach Reis schmeckt, sondern wo noch eine Zimtstange reinkommt und ein Lorbeerblatt. Ich war auf der ganzen Welt unterwegs, habe überall perfekt gegessen und bin natürlich verwöhnt. Aber die Kochbücher, in denen solche Rezepte drin sind, die waren schlicht zu schwer und zu kompliziert.

Und wie hat sich die Idee von "Mein Kochbuch für Kochmuffel" dann verwirklicht?

Der Verlag kam auf mich zu und fragte: ‚Wollen Sie nicht ein Yoga-Kochbuch machen?' – ‚Nee, bitte nicht, ich bin ein richtiger Kochmuffel', antwortete ich. Da sagte der Verlag: ‚Das ist doch ein super Thema!' Ich durfte mir jemanden aussuchen, mit dem ich das zusammen mache, und da hab ich mir ­Sebastian Dickhaut gewünscht von den Basic Cooking-Kochbüchern. Jetzt kann ich richtig gut kochen.

Was Sie erzählen, klingt nach einer Siegerstraße. Ist das so?

Ich habe schlechte Tage, an denen ich heulen könnte und solche, an denen ich glücklich bin. Manchmal fühle ich mich wie eine reife Frau, manchmal wie ein verlassenes Mädchen. Das ganze Spektrum ist da, Höhen und Tiefen. Aber ich verliere nicht mehr den Boden unter den Füßen und gehe auch nicht mehr so tief runter in die Schwere, dass ich nicht mehr rauskomme. Yoga gibt mir Halt und Haltung.

Was ist Ihr Rezept, um glücklich zu sein?

Es ist etwas ganz Praktisches: Ich nehme mir gleich morgens Zeit für mich, stehe eine viertel, halbe Stunde früher auf. Das hat Priorität. Ich mache Yoga, eine Atemübung oder schreibe ein Tagesziel auf. Damit nehme ich eine Haltung an. Es ist wie ein kleines Bekenntnis zu mir selbst. So gehe ich gefestigt in die Welt. Die Menschen spüren das. Es ist ein Riesenunterschied, ob ich morgens Yoga geübt habe oder nicht. Je wahrhaftiger ich mit mir selbst bin, um so mehr liebe ich mich und um so glücklicher bin ich. Damit kämfen wir ja alle. Mein Freund Udo Walz (Anm. d. Red.: Star-Stylist aus Berlin) sagt: ‚Das Leben ist keine Generalprobe.' Das wiederhole ich dauernd. Viele Leute leben so, als ob morgen das Leben erst anfängt, als ob alles eine Probe wäre. So ist es nicht. Jede Minute zählt. Jede Minute, die wir hier haben, zählt.

Ursula Karven und Gabriele Augenstein

Eine Yoga-Haltung am Tag ist besser als gar kein Yoga: Schrot&Korn-Redakteurin Gabriele Augenstein nahm sich im Gespräch mit Ursula Karven vor, wieder mehr Yoga zu praktizieren.

Kommentare

Kommentar­bild via Gravatar

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Sabine Blenkle
Es ist absolut wahr, was Ursula Karven sagt. Jeden Tag versuche ich von neuem innezuhalten und im Jetzt zu leben. Danke für dieses tolle Interview und auch dass von Euch alle Hefte ständig im Netz verfügbar hat. Weiter so !
Gregor Roth
Danke für die Erinnerung! :-)



ECOSIA



Schon vor einiger Zeit, berichteten Sie über die 'grüne Suchmaschine'. Ich hatte sie auch ausprobiert, war aber irgendwie wieder davon abgekommen.

Als ich jetzt im Interview mit Ursula Karven wieder darauf gestossen wurde, habe ich sie gleich auf meinen beiden Rechnern als Startseite eingerichtet und ich bin zufrieden damit!



Besonders gut finde ich, die aktuelle Anzeige des gespendeten Betrages für den Regenwald.

Da macht surfen doch gleich doppelt so viel Spaß!