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Wo das Müsli knuspert

Warum heißt "knusprig" bei Barnhouse "krunchy"? Wie viele frische Früchte stecken in gefriergetrockneten Erdbeeren? Kann man mit Krunchy ein Menü kochen? Sechs Schrot&Korn-Leser fanden mit uns die Antworten – unterwegs bei Naturkosthersteller Barnhouse.// Sabine Kumm



Leserreportage Barnhouse- Karte Kein Zweifel – hier sind wir richtig! Schon beim Einbiegen in die Edisonstraße vor den Toren des bayerischen Mühldorf sehen wir die Fahnen mit der Aufschrift "Barnhouse" und "Krunchy" im Wind flattern, die die Einfahrt zum Firmengelände markieren. Der Firmenname, auf deutsch "Scheune", nimmt sich bei der Betrachtung des hufeisenförmigen Gebäudekomplexes auf dem 10000 Quadratmeter großen Areal wie eine charmante Untertreibung aus. Barnhouse ist in den letzten Jahren kräftig gewachsen.

Vor der Warenannahme stehen Pflanzgefäße in Form von überdimensionalen Krunchy-Tüten – wie ein freches Augenzwinkern gegen die Zweckmäßigkeit der Industrie-Architektur. Die leuchtet dafür mit dem Sonnenschein um die Wette, im strahlenden Goldgelb von reifem Getreide, das einfach gute Laune macht.

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Nach einem schönen Tag bei Müsli-Hersteller Barnhouse (v.l.n.r.): Barnhouse-Marketingleiterin Bettina Rolle, Monika Katterloher, Brigitte Lutz, Ingrid Vietz, Anita Köhler Peter Vietz, Barbara Baumgartner und Schrot&Korn-Redakteurin Sabine Kumm.

Alle lieben Müsli

Gute Laune haben auch unsere Knuspermüsli-Fans mitgebracht, eine bunt gemischte Gruppe, die sich gleich auf das vertraute "Du" als Anrede einigt. Das Ehepaar Ingrid und Peter Vietz aus Nürnberg charakterisiert sich in unserer Vorstellungsrunde mit "Mitte vierzig, keine Kinder, keine Hunde, keine Katzen – dafür reisen wir gern." Besonders Peter Vietz ist ein großer Müsli-Fan, doch wenn es auf Reisen mal nicht konsequent bio zugeht, können die beiden das durchaus verschmerzen.

Anita Köhler aus Bayerbach hat ebenfalls ein Faible für Übersee – gerade ist die begeisterte Motorradfahrerin vom weltgrößten Bikertreffen in Florida zurückgekehrt. Mit einer eigenen Firma, die individuell gefertigte Motorräder herstellt, hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht – einen Ausgleich bietet die Beschäftigung mit Energiearbeit. Dass die überzeugte Bio-Käuferin auf Reisen Zugeständnisse machen muss, empfindet sie fast als Vorteil: "Ich glaube, ich brauche den Gegensatz, um immer wieder zu sehen, wie gut Bio schmeckt."

Brigitte Lutz aus Nürnberg arbeitet als Teilzeit-Barista in der Gastronomie. Dass sie trotz geringem Einkommen "Vollzeit" bzw. zu 100 Prozent bio lebt, hält sie für problemlos machbar. Wasser trinken, Angebote nutzen, regional einkaufen und keine Fertiggerichte kochen – das sind ihre Empfehlungen für alle, die beim Bio-Einkauf sparen möchten.

Monika Katterloher und ihre Freundin Brigitte Baumgartner bringen Müsli-Erfahrung "hoch drei" mit in die Runde. Die beiden dreifachen Mütter stammen aus dem nahe gelegenen Haag – Müsli kommt immer dann zum Einsatz, wenn die Kinder eine gesunde Zwischenmahlzeit brauchen, die sie sich auch schnell mal selbst anrühren können. Der Einkauf bei regionalen Produzenten ist den beiden besonders wichtig. Im Nu wird aus der Vorstellungsrunde eine lebhafte Gesprächsrunde, in deren Verlauf sich zur Freude aller auch noch herausstellt, dass sowohl Anita Köhler als auch Monika Katterloher heute Geburtstag feiern. Da kam der Ausflug zu Barnhouse gerade recht, um das neue Lebensjahr mit einer besonderen Aktion zu beginnen.

"Ihr geht einfach am Gebäude vorbei immer geradeaus, dann links um die Ecke, und wenn ihr denkt, dass es nicht mehr weitergeht, dann noch einmal links!", hat Bettina Rolle, Marketingleiterin und Mitglied der Barnhouse-Geschäftsführung, uns als Wegbeschreibung mitgegeben, bevor sie zum Kaffeekochen vorausgeeilt ist. Und erklärt: "Wir haben so oft angebaut, dass man jetzt kaum mehr den Eingang findet!" Wir finden ihn am Ende aber doch und lassen uns beim Kaffee in einem kleinen, gemütlichen Besprechungsraum von der Firmengeschichte des Bio-Pioniers Barnhouse erzählen.

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Links: Hygiene ist Trumpf – wer rotes Licht bekommt, muss beim Händewaschen wieder von vorne anfangen.

Mitte: Bettina Rolle, langjährige Marketingleiterin und Mitglied der Geschäftsführung, beim Fragen-Beantworten.

Rechts: Die Gruppe staunt: Dicht an dicht fahren die Cluster auf der 40 Meter langen Backstraße durch den Ofen.

Bescheidene Anfänge

Die Firmengründung vor 32 Jahren ist das Ergebnis einer deutsch-britischen Allianz: In einer Zeit, in der es in Deutschland überhaupt noch kein Knuspermüsli gab, brachte der Engländer Neil Reen die Idee aus seinem Heimatland mit nach Deutschland und produzierte mit Freundin Sina Nagl die ersten "Krunchys" aus Sonnenblumenöl, Honig und Haferflocken im heimischen Küchenherd. Mit handgemalten Etiketten versehen, wurden die Tüten per Fahrrad in die Münchner Naturkostläden ausgeliefert – die Tagesproduktion lag bei vier Kilogramm.

Es folgten Jahre des Experimentierens: Bio-Getreidebrei für Babys und Bio-Tütensuppen wurden im Verlauf der 80er-Jahre mit ins Programm des Herstellers aufgenommen – auch die ersten Osterhasen und Weihnachtsmänner aus Bio-Schokolade waren Entwicklungen aus dem Hause Barnhouse. Der Naturkosthersteller wuchs und war doch gleichzeitig im Begriff, sich in der Angebotsvielfalt zu verzetteln. So brachte das Jahr 1998 nicht nur die Entscheidung für den Umzug aus Ismaning nach Mühldorf, sondern auch eine Rückbesinnung auf die eigene "Kernkompetenz".

"Wir wollten einfach Frühstück sein", fasst Bettina Rolle die Neuausrichtung zusammen. Und sie erzählt, dass man sich anfangs durchaus nicht sicher war, die Größe des Mühldorfer Areals auch wirklich nutzen zu können. Da war es ein Glücksfall, dass sich die Bio-Kollegen von Byodo mit ins Boot holen ließen und sich das neue Gelände mit Barnhouse teilten.

"So konnten wir beim Bau der Produktionshallen Synergien nutzen, denn am Anfang sollte erst einmal alles möglichst günstig sein", erzählt Bettina Rolle. "Erst später, als das Geld da war, haben wir dann Solarpaneele, Photovoltaikanlagen, energiesparende Dachbegrünungen und vieles mehr nachgerüstet." Mittlerweile ist der Nachhaltigkeitsbericht von Barnhouse lang. Wasser- und Papiersparmaßnahmen, das Vermeiden überflüssiger Verpackungen und ein spezielles Bedienkonzept für die Beleuchtung gehören dazu.

20 Sorten Krunchy hat Barnhouse heute im Programm. Dass sich darunter neben innovativen Sorten auch immer noch der Klassiker von 1979, "Krunchy Honig", befindet, ist bezeichnend für die Erfolgsgeschichte der Mühldorfer Müslimacher. Als Byodo im Jahr 2008 nur wenige Kilometer weiter in ein neu gebautes Firmengebäude umzog, übernahm Barnhouse das Nachbargelände. Dort sind jetzt die Packanlagen und das Fertiglager untergebracht. Inzwischen wird im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr gebacken. Heute sind aus der ursprünglichen Tagesproduktion von vier Kilogramm Knuspermüsli im heimischen Herd 600-700 Kilogramm stündlich auf jeder der beiden Backstraßen geworden. Keine Müslipackung bleibt länger als vier Wochen im Lager, sondern landet möglichst frisch beim Verbraucher. Das wollen wir uns natürlich ansehen.

Zunächst einmal werden wir alle mit einem weißen Häubchen und einem Schutzkittel ausgestattet. Sauberkeit ist oberstes Gebot, das beginnt schon an der neuen Hygieneschleuse. "Nur halb waschen oder nur huschhusch desinfizieren – das geht bei dem Ding nicht", erklärt Bettina Rolle. Und bald können wir aus eigener Erfahrung bestätigen: Die Schranke gibt nur dann grünes Licht, wenn die Hände vollautomatisch gewaschen, getrocknet und anschließend desinfiziert worden sind.

Als erstes werfen wir einen Blick in die Anlieferung. Die Vollkornflocken kommen in sogenannten "Bigbags" an, in riesigen Säcken, die bis zu 800 Kilo fassen. Sie werden auf einem markierten Platz abgestellt, der "Quarantäne Station", bis die Lebensmitteltechnologin Vesna Kampic sie für die Produktion freigibt. Sie untersucht die Behälter zunächst einmal von außen auf Sauberkeit, Trockenheit und Unversehrtheit und nimmt Proben vom Inhalt. Im Labor überprüft sie, ob alles den Vorgaben entspricht, die Barnhouse den Lieferanten vorgegeben hat. Erst dann erhält die Ware von der Qualitätssicherung einen grünen Aufkleber und darf für die Produktion verwendet werden. Im nächsten Schritt werden die Bigbags in große Edelstahlsilos umgefüllt. Sie sind Teil der Produktionsanlage für Knuspermüsli, die außerdem noch aus riesigen Kesseln für Fett und Sirup besteht. Transportwagen fahren an den Anlagen auf und ab und füllen sich, vollautomatisch gesteuert, selbst mit den Müsli-Zutaten. "Früher haben wir Sack für Sack aufgeschnitten und per Hand in den Mischer gegeben. Das war ein ganz schöner Knochenjob!", berichtet Bettina Rolle. Heute werden nur noch Kleinmengen wie Kokos oder andere gering dosierte Zutaten per Hand abgewogen – eine echte Erleichterung für die Mitarbeiter. Sobald alle Zutaten gemischt sind, wandern sie auf einem 40 Meter langen Band 20 Minuten lang durch die Backstraße. Und wir dürfen mit ihnen wandern. Links Schoko-Krunchy, rechts Krunchy Pur – die Halle duftet, als hätte man zu Hause ein riesiges Blech Kekse gebacken. Durch eine kleine Klappe dürfen wir einen Blick in den Ofen werfen, wo wir in sanftem Licht langsam das immer knuspriger werdende Krunchy an uns vorbeiziehen sehen.

Für Sicherheit und Qualität sorgen dabei verschiedene Kontrollen und Maßnahmen. "Über den Förderbändern an beiden Öfen sind Metalldetektoren angebracht, die schon auf winzige Metallfunde reagieren", erzählt Bettina Rolle. Außerdem dürfen die Rohstoffe im Interesse der Sauberkeit nur auf Alu- oder Kunststoffpaletten auf die Plattform zur Produktionsvorbereitung gehoben werden.

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Mit Trichter und Tüte: Anita Köhler und Peter Vietz beim Befüllen der Tüten mit selbst gemischtem Müsli in Handarbeit.

Auf die richtige Mischung kommt es an: Hier warten Cranberrys, Himbeeren, Kirschen und Schokochips auf ihren Einsatz.

Qualität ist alles

Rund um den Backvorgang führen die Mitarbeiter intensive Kontrollen durch. So werden nach dem Backen zum Beispiel Feuchtigkeit, Temperatur und die Qualität der Cluster gemessen, die nicht zu groß und nicht zu klein, nicht zu hart und nicht zu weich sein dürfen. Wie schon bei der Lieferung der Rohstoffe kommen auch die frisch gebackenen Knuspermüslis an einen besonderen Platz, wo sie vor dem Verpacken einem weiteren Qualitätscheck unterzogen werden. Und auch in der Abpackung nimmt Schichtleiterin Adriana Lutsch regelmäßig Proben, beurteilt ein letztes Mal Farbe, Geruch, Geschmack und Größe der Cluster, bevor sie auf die Reise zum Endverbraucher gehen.

So viel Besichtigung macht hungrig, und so kehren wir für einen Mittagsimbiss in unseren Besprechungsraum zurück. Wir staunen: In jedem Gang ist als Zutat Krunchy enthalten. Sogar der pikant abgeschmeckten Ziegenkäse knuspert, und die Ravioli wurden vor dem Servieren mit Krunchy bestreut (Rezepte www.schrotundkorn.de/barnhouse)

Während des Essens stellt Bettina Rolle uns das neue Layout der Müslipackungen vor, und unversehens werden die Schrot&Korn-Leser zu PR-Beratern, die lebhaft das Für und Wider bestimmter Schriftzüge und Abbildungen diskutieren. Das machen sie so engagiert, dass Bettina Rolle sich gleich die E-Mail-Adressen sämtlicher Beteiligter für weitere Nachfragen sichert, und alle freuen sich, dass ihre Meinung dem Bio-Hersteller so viel wert ist.

Als letzter Tagesordnungspunkt erwartet uns eine Überraschung: ein Blick hinter die Kulissen der Produktentwicklung. Wir betreten einen kleinen Raum, in dessen Regalen reihenweise Dosen voller Müslizutaten stehen. Und siehe da – es gibt ihn immer noch! In der Ecke steht ein kleiner Versuchs-Backofen, der lebhaft an seinen "Urahnen" aus der Pionier-Küche der Anfangszeit erinnert. Der Ofen ist Pionier geblieben, denn hier probiert Entwicklungsleiterin Vesna Kampic die neuen Rezepte aus, die nach den Vorschlägen der Geschäftsleitung entstehen.

Heute dürfen wir alle unserer Krunchy-Kreativität freien Lauf lassen und uns als Souvenir unser eigenes Knuspermüsli zusammenstellen. Haselnüsse, Cashewkerne, Honigpoppies, Cornflakes, Schokochips, gefriergetrocknete Waldfrüchte, Erdbeeren oder Cranberrys – alles steht zu unserer Verfügung. Besonders die aromatischen Erdbeeren mit ihrem intensiven Geschmack haben es allen angetan – kein Wunder: In einem Kilo gefriergetrockneter Erdbeeren stecken 10 Kilo frische Früchte.

Schatz in der Tüte

Wir wiegen, packen, mischen und bemerken recht schnell, dass es gar nicht immer so einfach ist, aus dem Vollen zu schöpfen – denn das richtige Maß aller Zutaten ist entscheidend.

Und als wir unsere selbst gemixten Müslis in die Tüten eingeschweißt haben und sie wie einen Schatz vorsichtig in den Barnhouse-Stofftaschen verstauen, wissen wir eines ganz genau: Wir werden etwas nach Hause mitnehmen, das weit über die Kenntnis eines Produktionsprozesses hinausgeht: das Gefühl für ihren wahren Wert.

Leserreportage Byodo

Wer möchte mit

Sabine KummSchon am 07.09.2011 besuchen wir die Ökologischen Milchwerke Allgäu (ÖMA).

Wenn Sie auch dabei sein wollen, bewerben Sie sich bis zum 30.06.2011 mit einer Karte:

Schrot&Korn "unterwegs"
Postfach 10 04 50
63704 Aschaffenburg

oder per Mail an: unterwegs@bioverlag.de

Die ausgewählten Teilnehmer werden 3 Wochen vor dem Termin benachrichtigt.

Bio-Haferflocken unter der Lupe. Drei Fragen an Barnhouse

Ein großes weltweites Problem, vor allem bei Getreideprodukten, stellt der Befall durch Schimmelpilze dar. Wie gewährt Barnhouse vor diesem Hintergrund die hohe Qualität seiner Bio-Haferflocken?

Wir beziehen unsere Haferflocken von altbewährten Vertragspartnern, drei Mühlen im süddeutschen Raum, die jede angelieferte Charge im Labor auf den Gehalt an Pilzgiften prüfen, bevor sie in die Weiterverarbeitung kommt. Bei trockenen Ernten muss man weniger prüfen, in schlechten Jahren mit verregneten Sommern mehr, denn wie wir alle wissen: Feuchtigkeit fördert Schimmelbildung. Darum ist auch die saubere, trockene und luftige Lagerung des Getreides von größter Wichtigkeit. Bei Vertragspartnern, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten, können wir uns darauf verlassen.

Gibt es bei Barnhouse dann weitere Kontrollen?

Die gelieferten Bigbags werden auf einem speziellen Stellplatz deponiert und auf Sauberkeit, Trockenheit und Unversehrtheit überprüft. Wir testen jeden einzelnen Bigbag auf Kontamination, zum Beispiel von Insekten oder Fremdbesatz (Kräuter, anderes Getreide). In externen Labors werden die wichtigsten Mykotoxine untersucht – erst danach kommt die Ware in den Produktionsprozess.

Macht es einen Unterschied, ob man es mit konventionellem oder mit Bio-Getreide zu tun hat?

Der Öko-Landbau ist deutlich besser geeignet, Pilzbefall vorzubeugen, als die konventionelle Landwirtschaft. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen kann eine gute Bodenqualität die unerwünschte Schimmelpilz-Ausbreitung verhindern helfen, während durch Monokultur ausgelaugte Böden einen Pilzbefall eher begünstigen. Auch wird beim Öko-Landbau die Fruchtfolge beachtet, der Boden wird langfristig gepflegt, damit wichtige Nährstoffe in der Erde verbleiben können, die gesundes Wachstum fördern. Ein weiteres wichtiges Argument: Der Pflanzenbesatz ist nicht so dicht wie im konventionellen Anbau.

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