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Bio-Branche ist im Aufwind

Die Weltleitmessen für Bio-Produkte und Naturkosmetik, BioFach und Vivaness, zeigten in Nürnberg wieder mal, wie innovativ und zukunftsweisend die Öko-Branche ist. // Manfred Loosen

Biofach 2011, Andrea Sawatzki,
Auf den Messen BioFach und Vivaness gab es für jeden etwas: Leckere Lebensmittel zum Probieren, zum Beispiel Käse und Limonen, wohltuende Massagen, hier für Schauspielerin Andrea Sawatzki, und gemütliche Hausschuhe aus Naturtextilien.

Der Bio-Markt boomt wieder, vor allem in Naturkostfachgeschäften: Insgesamt verzeichnete die Branche 2010 ein Umsatzplus von zwei Prozent und erreichte damit in Deutschland ein Marktvolumen von 5,9 Milliarden Euro. Während sich das Wachstum bei Bio-Produkten in Supermärkten und Discountern aber kaum veränderte, legte der Naturkostfachhandel erneut kräftig zu: Mit acht Prozent Wachstum im Jahr 2010 seien Bio-Läden und Bio-Supermärkte Impulsgeber der Marktentwicklung, wurde am Rande der Weltleitmessen für Bio-Produkte und Naturkosmetik, BioFach und Vivaness, bekannt gegeben. Der Fachhandel hat also seinen Anteil am Bio-Markt weiter erfolgreich ausgebaut.

Die Verbraucher verlangten immer mehr nach unverfälschten, umwelt- und tierfreundlich erzeugten Lebensmitteln, sagten Experten auf der BioFach. Deshalb gingen die Menschen in Geschäfte, in denen es nur Bio-Produkte gibt – eben in Bio-Läden und Bio-Supermärkte.

Es gibt Anzeichen, dass dieser Trend sich Anfang dieses Jahres fortgesetzt und sogar verstärkt hat: Denn die Wahl der Einkaufsstätte wurde in den vergangenen drei Monaten natürlich auch vom Dioxin-Skandal bestimmt. Nachdem im Januar 2011 bundesweit erhöhte Rückstände in Eiern und Fleisch bekannt geworden waren, stieg vor allem die Nachfrage nach Bio-Eiern sprunghaft.

Erfolgreicher Jahresbeginn

Die Bilanz des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN) für den Januar 2011 zeigt ein Umsatzplus von 20 Prozent für den gesamten Naturkosthandel. Laut einer Befragung der Kommunikationsberatung Klaus Braun von Anfang Februar war im Januar jeder achte Kunde im Bio-Fachhandel ein Neukunde. Eine Umfrage, die der BNN ebenfalls im Februar durchführen ließ, zeigt, dass tatsächlich elf Prozent der Befragten ihr Verhalten als Folge des Dioxinskandals geändert haben und generell mehr Bio-Produkte kaufen.

Wie nach dem BSE-Skandal vor zehn Jahren könnte ein guter Teil der neuen Käufer dem Bio-Laden treu bleiben. Dafür spricht, dass sich diese Neukunden stärker über Lebensmittelskandale ärgern als Kunden ohne Bio-Erfahrung. „Diese Menschen machen sich Sorgen um ihre Gesundheit und die ihrer Familien“, so BNN-Geschäftsführerin Elke Röder auf der BioFach. „Sie wollen wissen, wie und wo ihre Nahrungsmittel produziert werden. Der Weg in den Bio-Laden ist da nur konsequent.“

Auch für die kommenden Jahre gebe es weiter große Wachstumschancen für Bio-Vollsortimenter, sagen Fachleute voraus. Für 2011 wird wieder ein starkes Plus im Naturkostfachhandel erwartet.

Allerdings sei für die Unternehmer der Bio-Branche Wachstum kein Wert an sich, betont Alex Beck, Vorstand des Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): „Vielmehr geht es um dessen inhaltliche Bedeutung: Es ist ein aktiver Beitrag zu sauberem Grundwasser, zu einer größeren Artenvielfalt und zum Klimaschutz.“

Biofach 2011, VivanessInsgesamt 555 Weine aus biologischem Anbau hatten Erzeuger und Importeure eingereicht, um sie von Weinexperten aus aller Welt beim 2. Internationalen Bio-Weinpreis MUNDUS VINI BioFach degustieren und bewerten zu lassen. Insgesamt wurden 193 Medaillen vergeben: 3 Mal Großes Gold, 71 Mal Gold und 119 Mal Silber. Besonders erfolgreich schnitten die deutschen Winzer ab. 48 Medaillen – und damit fast ein Viertel aller Auszeichnungen – vergaben die Experten an Bio-Weine aus Deutschland. In der Gesamtwertung folgen große Weinnationen wie Spanien mit 40, Italien mit 38 und Frankreich mit 19 Medaillen. Alle Preisträger finden Sie auf www.schrotundkorn.de/biofach/weinpreis.

„Den Zusammenhang zwischen den ökologischen und sozialen Leistungen des Öko-Landbaus und der großen Nachfrage nach Bio-Produkten muss die Politik endlich nutzen, um ihre Ziele zu erreichen: eine nachhaltige Landwirtschaft, sichergestellt durch existenzfähige landwirtschaftliche Betriebe“, fordert BÖLW-Vorstand Thomas Dosch.

Politik soll Bio fördern

Würde die Politik die Umstellung von konventionellen auf Bio-Betriebe vernünftig unterstützen, könnte auch die Nachfrage nach Bio-Produkten besser gestillt werden. „Zwar übersteigt die ökologisch bewirtschaftete Fläche 2010 in Deutschland erstmals die Millionen-Hektar-Grenze, nach wie vor ist die Nachfrage nach Bio-Produkten aber größer als das heimische Angebot“, so das Fazit von Dosch.

Wohl auch deshalb waren die Nürnberger Messen BioFach und Vivaness so international wie nie zuvor: Das Fachpublikum kam aus 131, die Aussteller aus 86 Ländern. Neben den in zehn Hallen ausgestellten Waren gab es auch ein großes Rahmenprogramm. Rund 8 500 Teilnehmer informierten sich unter anderem darüber, wie Bio-Anbau die Welternährung sichern kann.

Im Herzen der Weltleitmesse war die Sonderschau „Organic + Fair“ zu sehen, die einen Auszug aus dem Gesamtspektrum aller fair gehandelten Produkte der BioFach & Vivaness vorstellte. Regionale Initiativen wurden ebenso präsentiert wie Projekte auf internationaler Ebene. Das Angebot reichte von Kaffee, Tee und Schokolade bis hin zu Obst, Gemüse, Kräutern und Kosmetik.

Beste Neuprodukte

Die Neuheitenstände von BioFach und Vivaness sind seit Jahren ein Anziehungspunkt für Besucher und Journalisten aus der ganzen Welt. Viele Aussteller aus Deutschland und dem Ausland präsentieren hier ihre neuen Produkte auf etwa 500 Quadratmetern: vom runden Schokoriegel über Kinder-Schminke bis zum neuen Badezusatz, vom grünen Erlebnisurlaub in Lappland über das Après Sun Gel bis zur Waschnuss. Erstmalig wurden auf der BioFach die „Best New Product Awards“ verliehen: Die Besucher konnten aus Hunderten von Produkten in sieben Kategorien die besten Neuerungen wählen.

Best Product Award 2011

Bei den Grundnahrungsmitteln gewann „Mix-it! Muesli-Kit“ der Firma Rosengarten. Bei Feinkost & Gewürzen siegte „Sweet gourmet spices“ vom Herbaria Kräuterparadies. Das beste Convenience-Produkt wurde „Chicken-Curry“ und „Lamb-Curry“ von Biopolar.

Bei den Milch- & Molkereiprodukten waren die Stevia-Joghurts „orange sallow thorn” und „passion fruit banana” von der Andechser Molkerei Scheitz erfolgreich. Als beliebteste Getränke wurden der „Juice for cooking” der Firma Rabenhorst und die Bio-Limonade „now Orange Cola“ von Neumarkter Lammsbräu prämiert. Bei den Back- & Süßwaren räumte die „BioSelection“, ein vierteiliges Honig-Sortiment der Honigmayr Handelsgesellschaft, ab. Und bei den Naturwaren war die „Samenbombe“ der Firma Aries erfolgreich.

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