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„Smileys für Läden!“

Martin Hofstetter, 47, ist Landwirtschafts-Experte bei Greenpeace und testet gerade das neue Verbrauchergesetz.

Martin HofstetterDas neue Verbraucherinformationsgesetz verspricht Transparenz für alle Bürger. Haben Sie es mal ausprobiert?

Ich habe gerade Post von der Stadt München bekommen. Da hatte ich vor zwei Monaten nachgefragt, ob bei Restaurant-Kontrollen der Einsatz gentechnisch veränderten Sojaöls festgestellt wurde. Mit der Antwort müsse ich mich leider gedulden, heißt es, weil „Belange Dritter“ berührt seien. Ähnliche Erfahrungen machen auch andere Greenpeace-Mitarbeiter. Wir haben in den ersten fünf Monaten, seit es das Gesetz gibt, fleißig Anfragen in verschiedenen Bundesländern gestellt, aber kaum eine richtige Auskunft bekommen. Dabei schreibt das Gesetz eine maximale Auskunftsfrist von zwei Monaten vor.

Ist das Heimlichtuerei oder sind die Behörden überfordert?

Überfordert würde ich nicht sagen - als wir uns nach Pestizidkontrollen bei Biolebensmitteln erkundigt haben, hatten wir die Antwort in vierzehn Tagen. Die Ergebnisse für konventionelle Produkte kennen wir dagegen bis heute ebenso wenig wie die Namen der Geschäfte, in denen belas-tete Lebensmittel verkauft wurden. Es scheint also auch eine Frage des Willens zu sein.

Gibt es eine bessere Möglichkeit die Verbraucher zu informieren, als mit diesem Gesetz?

In Dänemark kleben Behörden nach Kontrollen in Restaurants oder Geschäften Smileys an die Läden. Da gibt es fünf Abstufungen - vom lächelnden Smiley für gute bis zu heruntergezogenen Mundwinkeln für schlechte Testergebnisse. Seit es die Smileys gibt, strengen sich die Händler und Gastronomen viel mehr an, Qualität anzubieten, weil niemand einen Muffel-Smiley bei sich hängen haben mag.

Wie könnte man’s bei uns besser machen?

Nordrhein-Westfalen stellt die Ergebnisse vieler Lebensmittelkontrollen direkt ins Netz. Es wäre wünschenswert, wenn Erkenntnisse der Behörden über Mängel in Lebensmitteln und anderen Produkten zentral gesammelt und im Internet veröffentlicht werden würden. Für solche Informationen als Verbraucher einen kostenpflichtigen Antrag in den Behördendschungel schicken zu müssen - das ist für mich der Ungeist des alten preußischen Amtsgeheimnisses.

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