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Der „Schweine-Priester“

Er predigt gegen Fleischkonsum und für eine bessere Welt. Er hält Schweine wie andere Leute Hunde. Thomas D hat „Die Fantastischen Vier“ mitgegründet, lebt jetzt auf dem M.A.R.S. und macht Solotouren. // Martin Fütterer

Thomas D
Erika ist für Thomas D das, was anderswo ein Hund oder eine Katze wäre: Ein Haustier, das zur Familie gehört und nie geschlachtet wird. Es wird sogar vegetarisch gefüttert.

Hallo Thomas, ich bin ja nun ein alter Mann, erklär mir mal: Bist du nun ein Rapper oder ein Hip-Hopper?

Hip-Hop ist eine Kulturform. Er besteht aus einer Art zu tanzen, nämlich Breakdance, dem Scratchen, also durch Stoppen und Drehen mit der Hand aus zwei Schallplatten eine neue Musik zu machen, Graffiti – und dem Rappen, also dem Sprechgesang. Ich mach von all dem nur den Rap, also bin ich wohl nur ein Rapper.

Rap hat ja dem Text in der Pop-Musik eine ganz neue Wichtigkeit gegeben. Es gab plötzlich wieder politische Aussagen und Sprachwitz. Aber der erste Hit von den Fantastischen Vier war total unpolitisch.

Ja, „Die Da“ ist eigentlich nur ein gespielter Witz. Es war unser Türöffner, der glatteste und poppigste Song auf unserem Debüt-Album 1992. Wir haben minde-tens zwei Jahre gebraucht, um den Fluch wieder loszuwerden. Normalerweise hat jeder Fanta-4-Song eine tiefere Bedeutung.

Was hast du mit Gangsta-Rappern wie Bushido gemeinsam?

Nichts – außer dass wir beide reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist.

Wie kommst du damit zurecht, dass die Gangstas Gewalt verherrlichen und massiv sexistisch auftreten?

Es regt mich auf. Ich versuche inständig, ein bisschen Vernunft ins Volk zu prügeln, singe von Bewusstsein und Verantwortung und die reden so einen Mist. Das hat in der Musik nichts zu suchen.

Thomas D
Thomas D …
… Jahrgang 1968, ist Mitgründer der Deutsch-Rap-Band Die Fantastischen Vier. Sie hat seit 1991 wesentlich dazu beigetragen, dass die deutsche Sprache in der Popmusik heimisch wurde. Seit 1997 produziert er auch Solo-Alben und nutzt sie als engagierter Vegetarier auch für die Verbreitung einer Botschaft von Verantwortung und Respekt. Er lebt mit Familie und Musikern in der Vulkaneifel in einer Land-WG mit Namen M.A.R.S. Das wiederum bedeutet Moderne Anstalt Rigoroser Spakker (Ausgeflippter).

Was hat es für eine Bedeutung, dass sich Gangsta-Rap stark im Migranten-Milieu abspielt?

Da, wo er herkommt, in den USA, da gibt es wirklich Gettos und da war der Gangsta-Rap die Stimme der schwarzen Community. Aber die Gangstas haben schnell den American Way of Life übernommen: Wenn man Geld hat, hat man‘s geschafft, egal woher es kommt. Also haben sie gemacht, was Geld bringt, und protzen mit ihren dicken Autos, dicken Goldketten und dicken Frauen – äh, also an den richtigen Stellen dick, du weißt schon. Das sind alles Glasperlen, mit denen sie sich dem weißen Mann mal wieder verkauft haben. Wenn man das aber in Deutschland nachmacht, hier, wo jeder Krankenkasse hat – also Entschuldigung! Die haben sicher ihre Probleme und eine schwierige Kindheit – aber verdammt: Dann werd halt erwachsen und mach‘s besser! Für Gewalt und frauenverachtendes Gegröle ist das kein Grund.

Es fällt ja auf: Erst geben sie den Rebellen, kaum gehen sie auf Mitte zwanzig, mutieren sie zum weisen Mann und raten zu Frieden und Einsicht.

Ja, dann kommen sie wohl selber drauf.

Aber man wird ja älter als fünfundzwanzig und was kommt denn nach dem weisen Mann? Du bist jetzt vierzig …

Also, ich weiß auch nicht … Eigentlich bin ich noch kein weiser Mann. Aber danach? Dann kommt vielleicht die Erleuchtung und dann der Dienst an der Menschheit – den man eigentlich schon die ganze Zeit hätte leisten sollen.

Auf deinem neuen Soloalbum gibst du den Jesus.

Stimmt, in „Vergebung, hier ist sie“. Hab ich wohl die Erleuchtung übersprungen und bin gleich zu Gott geworden. Sozusagen in Auszügen.

Du hast schon an einem Gottesdienst mitgewirkt.

Jepp! Da kam der Pater Alfred auf mich zu. Er wollte, dass ich aus meinem Album „Lektionen in Demut“ rezitiere und hatte schon das Plakat fertig: „Kirche und Thomas D = Glaube and more.“ Das fand ich so schräg, da musste ich hin. Da habe ich dann meine Predigt gehalten. Für Mittelbiberach in Schwaben war es ein Riesenerfolg.

Also doch: Ein Prediger?

Ein bisschen schon.

Jedenfalls predigst du die Botschaft, kein Fleisch mehr zu essen.

Ja! Ich sehe nicht ein, warum Tiere so zahlreich und so unnütz leiden müssen.

Ist es das Töten oder mehr die Tierhaltung, die dir Probleme bereitet?

Die Tierhaltung vor allem. Der Tod gehört zum Leben. Ich kann auch akzeptieren, wenn ein Jäger ein Tier selbst tötet, zerlegt und damit seine Familie ernährt und kleidet. Ich würde es halt nicht tun. Aber die Mäster tun das für Geld. Da hört es für mich auf.

Hat das Leid der Tiere Konsequenzen oder geht es „nur“ um Ethik?

Der Schmerz von Milliarden gequälten Tieren geht doch auch in unsere Gefühlswelt ein und drückt unser eigenes Gute-Laune-Potenzial. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das einfach ohne Wirkung bleibt. Ich habe dafür keinen Beweis, aber ich finde den Spruch sehr überzeugend: Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.

Das ist ja doch wieder Ethik. Oder vielleicht Esoterik.

Also ganz handfest und eigennützig: Das Klima hält unseren Fleischkonsum einfach nicht mehr aus! Tierhaltung ist ein größerer Klimakiller als der gesamte Verkehr. Und die Hungerkrise werden wir nur lösen können, wenn wir die Pflanzen selber essen, die wir sonst vielfach mehr an Tiere verfüttern. Ist doch Wahnsinn, wie viel Futter wir in ein Rind stopfen, und noch wahnsinniger, wie viel Regenwald wir für das Tierfutter zerstören. Das gilt auch für das Futter, das deutsche Rinder kriegen.

Du bist von der Tierrechtsorganisation Peta zum erotischsten Vegetarier Deutschlands gewählt worden, knapp vor Dirk Bach. Was sagt uns das über das Sex-Appeal von Vegetariern?

Es standen wohl nur wir zwei als prominente männliche Vegis zur Verfügung. Wenn nächstes Jahr Dirk den ersten Platz macht, dann muss ich da eben durch. Er ist ja schon ein Süßer.

Warum gibt es keine Schwarzeneggers oder Al Pacinos unter den Vegis?

Möcht ich auch mal wissen. In den USA beispielsweise gibt es mehr Promis, die sich öffentlich als Vegetarier outen. Immerhin isst jeder 10. Deutsche kein Fleisch, also müssten auch entsprechend viele Promis dabei sein. Man kriegt aber auch was ab als Vegetarier: In einem Anti-Vegetarier-Forum wurde ich als Vegetarier beschimpft, weil ich kein Fleisch esse. In einem Veganer-Forum wurde ich als Vegetarier beschimpft, weil ich noch Eier und Milch esse. Würde ich Fleisch essen, hätten mich beide Parteien ignoriert. Hallo: Vegetarier sind auch Menschen! Gerade wenn man Respekt für Tiere verlangt, sollte man ihn auch den Menschen erweisen.

Kennzeichen DKennzeichen „D“

… heißt das kommende Solo­album von Thomas D, das im September erscheinen soll. Musikalisch in vielen Stilen zu Hause, verbreitet „D“ mit Witz und Tiefgang seine Sicht der Welt. Doppel-CD, 23,99 Euro
www.thomasd.net

Erschienen in Ausgabe 09/2008
Rubrik: Leben&Umwelt

Kommentare

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incl. 'http://'
Lisa
Ich find s einfach voll cool, was der D so macht. Der hat seine ganz eigene Meinung, deswegen bin ich auch großer Fan. Wieso sollte er denn, wenn er von Veganern beschuldigt wird, Veganer werden. Also ich würd mich da auch nicht unterwerfen. Und er setzt ja auch so Zeichen mit den ganzen Tierschutz- und Menschenrechtssachen.
mila
Wenigstens noch ein paar Leute die nicht alles fressen!!!!Bin froh das mal ein wenig mehr darüber geschrieben bzw.gesungen wird. Weiter so!!!!!!!!!!!!!
Nick
..Kann mich nur anschließen!
Achim Stößer
Herr D. hat leider verabsäumt, zu erwähnen, daß er deshalb "einem Veganer-Forum [genauer gesagt: http://tierrechtsforen.de] als Vegetarier" entlarvt würde, weil die Medien immer wieder fälschlich als Veganer oder gar jemanden, der sich für Tierrechte einsetzt, darstellen. Daß er als Vegetarier massivste Tierrechtsverletzungen, konkret Mord an Hühnern und Rindern, zu verantworten hat, scheint ihn ohnehin nicht zu interessieren.
Axel Huizinga
voll cool - weiter so ;-)