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Auch Fairness sorgt für höheren Preis

Die Preise für Molkereiprodukte sind im Oktober 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 29,4 Prozent gestiegen. Grund dafür ist bei Bio auch ein Fairness-Zuschlag. // Manfred Loosen

Der Preis für Milch war in den vergangenen Jahren im Vergleich immer recht niedrig gewesen. Bio-Milch kostete im Laden etwa einen Euro pro Liter. Das war auch noch vor einem Jahr so. Der Bio-Bauer bekam damals etwa 35 Cent für den Liter Milch: aus der Sicht der Landwirte ein Dumpingpreis.

20 Cent mehr pro Flasche

Im Laufe des Jahres 2007 erhöhte sich der Bio-Milchpreis auf 1,10 bis 1,20 Euro pro Flasche (der Bio-Bauer bekommt davon etwa 45 Cent pro Liter). Die Gründe für die Erhöhung sind vielfältig: Weil konventionelle Milch knapp wird – vor allem wegen der Nachfrage in Indien und China – ist sie mehr und mehr zu einem wertvollen Rohstoff geworden. Das macht auch Bio-Milch teurer.

Bio-Bauern erhalten zum konventionellen Milchpreis noch einen Bio-Zuschlag: Denn Bio-Milch herzustellen ist aufwendiger als konventionelle. Wegen der Rohstoffverknappung haben einige Molkereien als Anreiz für die Bauern den Bio-Aufschlag jetzt noch erhöht. Diese Mehrausgaben geben die Molkereien an die Kunden weiter, sodass auch Käse, Joghurt, Quark und Butter im Verlauf des Jahres 2007 teurer wurden (Schrot&Korn berichtete im Oktober 2007). Das 500-ml-Glas Fruchtjoghurt wird jetzt meist für knapp zwei Euro verkauft, etwa 20 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hat nun eine Aktion gestartet, um die Verbraucher über die Gründe der Preiserhöhungen zu informieren. Milcherzeuger aus allen Bundesländern sind deshalb nach Berlin gereist und haben vor dem Reichstag 16 (Kunststoff-) Milchkühe namens Faironika aufgestellt.

Die Aktion fand zeitgleich in weiteren 12 europäischen Ländern statt. Faironika trägt die Farben der jeweiligen Länderflaggen. Faironika steht als europaweites Symbol für einen fairen Milchpreis, der es den Milchbauern ermöglichen soll, die Kosten für die Milcherzeugung einschließlich der täglichen Arbeit auf den Höfen zu bezahlen. Den fairen Milchpreis fordern die Milchviehhalter von den Molkereien und vom Handel.

Rentabilitätsgrenze: 45 Cent

Der Anbauverband Bioland spricht von 45 Cent, ab der die Biomilcherzeugung erst rentabel wird. Nur dann, wenn Bauern mehr als diesen Preis einnähmen, könnten sie auch dringend nötige Investitionen vornehmen.

Nachdem der Milchpreis jahrelang zwischen 33 und 36 Cent dümpelte, ging es ab dem Frühsommer 2007 steil bergauf: Der Preis erreichte im September einen Durchschnittswert von 45 Cent. Zur jüngsten Entwicklung auf dem Milchmarkt sagte der Vorsitzende des BDM, Romuald Schaber: „Bauern und Verbraucher stehen nicht gegeneinander, wenn klar und nachvollziehbar ist, wie viel vom Ladenpreis schließlich wo landet. Die Bereitschaft, mehr zu zahlen, hängt davon ab, dass der Mehrerlös auch da ankommt, wo die Milch erzeugt wird.“

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