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Genfoood - Pro und kontra

Gen-Maisfelder zerstören – Darf man das?

Die Initiative „Gendreck weg“ (www.gendreck-weg.de) hat für den 5. Juni 2006 zu einer Feldbefreiung aufgerufen. Die Aktivisten wollen auf einem Feld die Gen-Maispflanzen ausreißen. Nicht heimlich, sondern mit öffentlicher Ankündigung und Schadensersatz für den betroffenen Bauern. Innerhalb der Gentechnik-Kritiker löst diese Aktion eine Debatte aus. Darf man das?

Ja

Reden reicht nicht!

Nein

Zerstörung ist kontraproduktiv

Mancherorts lässt sich die Agro-Gentechnik mit guten Argumenten stoppen. Mit Engelszungen oder heiligem Zorn. Nur: Wenn das nicht reicht, hilft es nicht, schulterzuckend auf das nächste Jahr zu warten. Denn die Gentechnik auf den Feldern ist nicht zu kontrollieren. Bienen und Wind scheren sich nicht um Sicherheitsabstände, sodass die transgenen Pollen die gentechnikfreie Ernte der Nachbarn verunreinigt. Gentechnik in der Landwirtschaft ist ein Agrar-Monopoly mit ganz wenigen Gewinnern. Die Vielfalt bleibt auf der Strecke, die Bauern werden abhängig von teurem, patentiertem Industrie-Saatgut. Studien zeigen die Gesundheitsgefährdung durch genmanipulierte Organismen. Die Vorgehensweise der Agrarkonzerne und der Politik, vollendete Tatsachen zu schaffen, ist zutiefst undemokratisch. Gegen den Willen der Mehrheit der Menschen führen sie eine unkontrollierbare Technologie ein. Weil dieser Schritt unumkehrbar ist, gibt es weltweit entschlossenen Widerstand. In den 90er Jahren verdarben indische Bauern dem Konzern Monsanto eine Versuchsreihe und entfernten die transgene Baumwolle von den Feldern. In Frankreich und in England gibt es Feldbefreiungen. 2005 riefen Imker, Bauern und Bäuerinnen aus Süddeutschland die Initiative „Gendreck weg – Freiwillige Feldbefreiung“ ins Leben. Sie lassen den guten Argumenten Taten folgen und greifen – nach vorheriger Ankündigung – gemeinsam, gewaltfrei und öffentlich zur Notwehr.

Die Regierung Merkel zielt darauf ab, die geltenden Gesetze aufzuweichen und die gentechnikfreie Produktion aktiv zu zerstören. Eine große Koalition von Industrie und Regierung setzt auf die Zwangsbeglückung mit der Agro-Gentechnik. Das verletzt solch elementare Rechte wie Wahlfreiheit, freie Berufswahl, Schutz des Eigentums und der körperlichen Unversehrtheit. Und es bedroht die natürlichen Lebensgrundlagen.

Wir Agro-Gentechnik-Kritiker sind nicht Zerstörer, sondern die Verteidiger des Rechts. 70 Prozent der Bevölkerung sind nach wie vor gegen gentechnisch veränderte Lebensmittel. Für unseren Erfolg ist entscheidend, dass diese Menschen unsere Argumente weiterhin verstehen und mittragen. Eine Strategie der „Feldzerstörung“ ist ungesetzlich und wird schon zur Diskreditierung und Kriminalisierung der Gentechnik-Kritiker instrumentalisiert. Solche Fettnäpfe müssen umgangen werden.

Es sollte keine Zeit mit einer spaltenden Diskussion über Aktionsformen verloren werden. Die Energie wird zum Widerstand gegen diejenigen gebraucht, die sich über die Mehrheit der Bevölkerung und den Schutz der Umwelt hinwegsetzen. Wir haben in Deutschland noch die Chance und die Verantwortung, die gentechnikfreie Erzeugung von Lebensmitteln zu schützen. Und wir haben viele erfolgreiche „legale“ Aktionsformen, die gemeinsam eine breit akzeptierte, vielfältige Opposition gegen den fahrlässigen Umgang mit der Agro-Gentechnik bilden können. Jetzt muss gemeinsam gehandelt werden.

Die Journalistin Jutta Sundermann
ist Mitbegründerin der globalisierungs-
kritischen Organisation „Attac-Deutschland“.
Ulrike Höfken
ist agrar- und verbraucher-
politische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

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Kommentare

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Eckart
Felder zerstören ist nicht legal, aber meines Erachtens bei Betrachtung der Folgen aus ökologischer und langfristig ökonomischer Sicht legitim, ja nahezu ein Pflicht für Jede/n nicht wegzuschauen!