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Genfood in der EU

Regeln für Koexistenz fehlen

In Deutschland und fast allen EU-Staaten dürfen Landwirte Gen-Mais anbauen. Doch konkrete Anbauregeln, die gentechnikfrei wirtschaftende Bauern vor Verunreinigung schützen, gibt es kaum. Die EU-Kommission kennt die Gesetzeslücke – und will sie nicht schließen.

Nur in Deutschland, Dänemark, Portugal und einigen österreichischen Bundesländern gibt es bisher Vorschriften für eine Koexistenz. So heißt das Nebeneinander von Landwirten, die Gentechnik nutzen und jenen, die gentechnikfrei wirtschaften. In einigen Staaten sind Gesetze in Vorbereitung.

Doch die große Mehrheit der 25 EU-Mitglieder hat bisher nicht geregelt, welche Sicherheitsmaßnahmen beim Anbau von genmanipulierten Pflanzen ergriffen werden müssen und wer für Verunreinigungen haftet. So steht es in einem aktuellen Sachstandsbericht der EU-Kommission. Einen Grund, EU-einheitliche Regeln zu erlassen, sieht die EU in den Versäumnissen nicht. Aktiv werden die Brüsseler Kommissare nur, wenn ein Mitgliedsstaat die gentechnikfreie Landwirtschaft zu sehr schützt.

Bisher haben sie zehn Koexistenz-Regelungen von EU-Mitgliedsstaaten als Behinderung des freien Warenverkehrs beanstandet. Auch weiterhin werden sie gegen nationale Vorschriften, die aus ihrer Sicht zu weit gingen, „die erforderlichen Schritte unternehmen“, schreibt die Brüsseler Kommission in ihrem Bericht. Gentechnikfreie Zonen in Form eines gesetzlichen Anbauverbotes seien nicht zulässig.

Noch schießt keine Genfood-Flut durch diese Gesetzeslücken. Nur in Spanien werden relevante Mengen an Gen-Mais angebaut. In Frankreich, Portugal, Deutschland und Tschechien sind es jeweils einige Hundert Hektar. Andere Gen-Pflanzen sind in der EU für den Anbau noch nicht zugelassen. Doch die Anträge für Raps, Zuckerrüben und Soja liegen schon vor.

Kontamination ohne Ende

Dass Koexistenz in der Praxis nicht funk-tioniert, zeigt ein Bericht der britischen Organisation Genewatch. Darin sind 113 bekannt gewordene Fälle von Verunreinigungen und anderen schädlichen Nebenwirkungen aus zehn Jahren Genfood-Anbau aufgelistet. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein.

www.gmcontaminationregister.org

Erschienen in Ausgabe 05/2006
Rubrik: Leben&Umwelt

Kommentare

Kommentar­bild via Gravatar
Gabriele Feyerer
Ein äußerst wichtiges Thema, für welches man jedermann sensibilisieren muss.

Wenn die EU-Bonzen und uneinsichtige Landwirte diesen Weg weitergehen, ist es mit Bio ein für allemal zu Ende, denn die Kontamination wird durchgehend und zudem gefährlich sein.

Dr. Gabriele Feyerer

szmtag