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spezial: Ökologisch Heizen

Feuerholz aus dem Tankwagen

Holz-Pellets entwickeln sich zum Massenheizmaterial. Dafür sorgt nicht nur der Ölpreis, sondern auch die Energieeinsparverordnung, die vorschreibt alte Heizkessel bis Ende 2006 auszumustern. // Leo Frühschütz

Einmal im Jahr kommt der Tankwagen zu Georg Lochner - so wie zu Millionen anderen Menschen auch, die den Tank für ihre Heizung auffüllen lassen. Der Fahrer rollt den Schlauch aus, schließt ihn an den Einfüllstutzen des Tanks an und fährt die Pumpe hoch. Doch aus dem Tankwagen fließt kein Heizöl. Stattdessen bläst er so genannte Pellets in das Vorratslager in Lochners Keller. Das sind aus Holzresten gepresste Zylinder, etwas kürzer und dünner als ein Weinkorken - ein absolut sauberer Brennstoff. Das Holz für die Pellets ist naturbelassen. Sägemehl, Hobelspäne oder zerkleinertes Restholz aus der Durchforstung werden getrocknet und ohne chemische Bindemittel mit hohem Druck zusammengepresst. Zwei Kilo Pellets liefern so viel Energie wie ein Liter Heizöl.

Dünger aus dem Heizkessel

Im Keller von Georg Lochners Reihenmittelhaus im oberbayerischen Murnau steht ein moderner Heizkessel, dunkelrot und grau, ansprechendes Design. An der Vorderseite befindet sich die übliche Steuereinheit mit Druckknöpfen und grünen Leuchtziffern. Eigentlich eine ganz normale Heizung. Ungewohnt sind die Bretterwände, die eine Ecke des Heizungskellers abtrennen: der Lagerraum für 3,5 Tonnen Holzpellets, den Jahresbedarf der Familie Lochner. Durch einen Kellerschacht bequem von außen zu befüllen. Am Boden führt ein armdickes Rohr aus dem Verschlag zum Heizkessel. Vollautomatisch schiebt eine Förderschnecke die jeweils benötigte Pellet-Menge in den Brenner. Erst als Georg Lochner die vordere Abdeckung öffnet, zeigt sich ein wenig Kachelofen-Optik. Ein Metalltürchen verschließt den Brennraum, darunter steht die schmiedeeiserne Schublade für die Asche. „Alle paar Wochen muss ich sie ausleeren“, berichtet Lochner. „Die feine Asche ist ein hervorragender Dünger, die kommt bei mir unter die Hecke.“ Der Brennereinsatz für die Pellets lässt sich herausnehmen. „Im Notfall könnte ich sogar Holzscheite einschüren.“

Vor zwei Jahren beschlossen Lochners, ihre alte Ölheizung auszumustern. Sie hielt zwar die Grenzwerte noch ein, „doch die hatte 25 Jahre auf dem Buckel. Ich dachte mir, bevor ich da Erneuerungen mache, haue ich sie raus“, berichtet Georg Lochner. Zumal ihn die stetig steigenden Heizölpreise seit Jahren aufregen. „Da stecken Konzerne dahinter, die einen mit ihren Preisen regelrecht erpressen. Das will ich nicht unterstützen.“ Also informierte er sich ausgiebig auf Messen und im Internet und entschied sich schließlich, wegen der bequemen Handhabung, für eine Holzpellet-Heizung.

Brenner noch 2006 wechseln

Nach dem bayerischen Grundsatz „wenn scho, dann gscheid“ ließ er außerdem Sonnenkollektoren zur Warmwasser-Erzeugung und eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach bauen. Insgesamt investierten die Lochners 37 000 Euro für die Heizung und nochmals 23 000 für die Photovoltaik. „Sicher war das Ganze nicht billig, aber durch die Einsparungen beim Heizmaterial amortisiert es sich langfristig.“ Der kaufmännische Angestellte hat sich alles genau ausgerechnet. „Gerade jetzt, da die Ölpreise so explodiert sind, sage ich mit Genugtuung: schau her, das war doch der richtige Schritt.“

Für Klaus Policzka und seine Firma Ökologische Haustechnik GmbH war Georg Lochners Abschied vom Heizöl eine besondere Herausforderung. „Er hatte einen Erdtank für das Heizöl, relativ weit weg vom Haus. Den für Pellets umzurüsten, wäre zu teuer gekommen. Und im Keller war alles sehr eng.“

Schließlich verlegte er den Wasserspeicher aus dem Heizungskeller in den Gang, um Platz für das Pellet-Lager zu schaffen. Mit seiner Firma baut Policzka seit Jahren innovative Heizsysteme. „Die Nachfrage nach Pellet-Heizungen wächst enorm,“ ist seine Erfahrung. Dafür sorgt nicht nur der Ölpreis, sondern auch die Energieeinsparverordnung. Sie schreibt vor, dass Hausbesitzer Öl- und Gasheizkessel, die vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut wurden, bis Ende 2006 austauschen müssen. Falls bei diesen Geräten nach dem 1. November 1996 ein neuer Brenner eingebaut worden ist, verlängert sich die Frist bis Ende 2008. Ausgenommen sind nur die Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die selber darin wohnen. Hier hat die Heizung Schonfrist, bis der Besitzer wechselt - vorausgesetzt, sie hält die seit 2004 gültigen Abgaswerte ein (siehe Kasten). Die Öko-Bauberatung NRW schätzt, dass bundesweit über zwei Millionen Heizungsanlagen ausgetauscht werden müssen.

Gute Gründe, sich bei diesem Austausch von Gas und Öl zu verabschieden, gibt es genug. Der günstigere Preis für die Pellets ist nur einer. Mindestens ebenso wichtig: Holz ist klimaneutral - egal ob Pellets, Hackschnitzel oder Scheitholz in den Ofen kommen. Beim Verbrennen entsteht nur so viel Kohlendioxid, wie der Baum zuvor aus der Atmosphäre aufgenommen hat Wer, wie Georg Lochner, in einem Einfamilienhaus die Öl- durch eine Pellet-Heizung ersetzt, erspart der Atmosphäre jedes Jahr fünf Tonnen Kohlendioxid und hilft so mit, den Treibhauseffekt zu begrenzen. Holz muss außerdem nicht mit Tankern über die Weltmeere herangefahren werden. Statt Ölkonzernen verdienen Waldbauern und Sägewerke am Brennstoff Holz. Arbeitsplätze entstehen vor Ort. Und wenn in 50 Jahren das Öl zur Neige geht, kommt der Heizholz-Tankwagen trotzdem.

Ihren Energiepass, bitte

Ab Anfang 2006 müssen Verkäufer oder Vermieter von Wohnungen einen „Energiepass“ vorweisen können. Dieser macht Angaben zur Qualität der Dämmung sowie der Heizungsanlage und nennt den Energiebedarf des Gebäudes. Käufer oder Mieter können auf einen Blick sehen, ob es sich um einen Spritfresser oder ein Drei-Liter-Haus handelt.

www.gebaeudeenergiepass.de

Grenzwert für den Schornstein

Seit 1. November 2004 dürfen Heizkessel je nach Größe nur noch einen Abgasverlust von neun bis elf Prozent aufweisen. Dabei handelt es sich um ein Maß für den Wirkungsgrad der Anlage. Stellt der Schornsteinfeger bei der jährlichen Messung einen zu hohen Abgasverlust fest, ist der Hausbesitzer verpflichtet, die Heizung zu erneuern. Ölkessel müssen zudem eine bestimmte Rußzahl als Maß für eine schadstoffarme Verbrennung einhalten.

Hackschnitzel

Aus dem Wald in den Ofen

Holzheizungen können auch mit so genannten Hackschnitzeln statt mit Pellets betrieben werden. Vor allem für größere Gebäude bieten sie eine Alternative.

Die Holzstücke mit dem fleischig anmutenden Namen stammen meist aus Abfallholz von Durchforstungsaktionen. Das Holz wird vom Schredder in drei bis fünf Zentimeter große Stücke zerhackt und an der Luft getrocknet. Hackschnitzel können, wie Pellets auch, von vollautomatischen Holzheizungen als Brennstoff genutzt werden.

Gegenüber Pellet-Feuerungen hat das Heizen mit Hackschnitzel einige Vorteile. Die Energiebilanz ist besser, weil das Holz nicht gepresst werden muss. Bei Pellets verbraucht das Pressen zwei bis fünf Prozent der im Holz enthaltenen Energie. Auch beim Preis ist das geschnetzelte Holz sogar noch günsiger.

Dass für Einfamilienhäuser Pellet-Heizungen dennoch weit gefragter sind, hat folgende Gründe: Hackschnitzel sind feuchter und damit weniger energiereich als Pellets. Man braucht deshalb für sie etwa drei Mal so viel Lagerraum. Der Heizkessel und die Fördersysteme müssen robuster gebaut sein und sind deshalb etwas teurer als Pellet-Heizungen. Die Qualität der Hackschnitzel, vor allem Rindenanteil und Wassergehalt, kann je nach Lieferant schwanken, Pellets dagegen sind genormt. Beim Verbrennen fällt mehr Asche an und nach Angaben der Technischen Universität

München stoßen kleine Holzzentral-Heizungen mit Hackschnitzel mehr Staub und Kohlenmonoxid aus als solche, die mit Pellets beheizt werden. Bewährt haben sich Hackschnitzel als Brennstoff für große Heizanlagen an Schulen, Krankenhäusern oder anderen Gebäuden mit hohem Wärmebedarf. In zahlreichen ländlichen Gemeinden haben daher örtliche Waldbauern-Genossenschaften die Ölkonzerne als Brennstoff-Lieferanten abgelöst.

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informativ - genug hinweise um bei der suche nach heizungsalternativen gezielt weiter zu suchen