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spezial: Kinder auf Reisen

Urlaub zum Anfassen

Ferien auf einem familienfreundlichen Bauernhof bedeutet Natur pur, viele Tiere, echte Gastlichkeit, frische Hofprodukte und unvergessliche Eindrücke. Für Eltern und ganz besonders für Kinder. // Nicole Galliwoda

Der lauwarme, spritzige Milchstrahl saust knapp an Zoes linker Wange vorbei. Die Dreijährige zuckt kurz zusammen, dreht den Kopf blitzschnell weg und schaut verschmitzt zu Kaspar Hirtreiter. Der Bauer vom Sonnenstatter Bio-Hof in Schliersee schmunzelt von seinem Holzschemel aus zu ihr herüber. Seine rechte Hand hält noch die Zitze der Kuh in ihre Richtung. „Fast getroffen!“, ruft er. Der nächste Milchstrahl schießt wie es sich gehört in den Blecheimer. Beide lachen.

So munter geht es im Stall der oberbayerischen Bauernfamilie Hirtreiter zu. Zehn Kühe, acht Kälber, fünf Pferde, drei Ziegen und der Hofhund Jogi sind hier manchmal zur gleichen Zeit beieinander - ohne sich groß zu stören. Selbst wenn Gastkinder wie Zoe mal etwas wilder umherlaufen, bleiben die Tiere gelassen. Entspanntes Landleben halt.

Ein paar Schweine, 24 Hühner, sechs Enten, vier Gänse und ein Dutzend Schafe gehören auch noch zum Ferienhof dazu. Dabei lebt Familie Hirtreiter von ihren Urlaubsgästen und nicht von der Milchproduktion oder der Landwirtschaft. „Sonst könnten wir so nette Späße mit den Kindern gar nicht machen“, sagt Kaspar Hirt-reiter, der im Hotel- und Gaststättengewerbe gelernt hat.

Alles selbstgemacht

Er und seine Frau Theresa betreiben den Bio-Hof vor allem für Familien mit Kindern, an die sie sechs Ferienwohnungen und neun Zimmer vermieten. Das idyllische Landleben gibt es sozusagen mit dazu. Die Bio-Produkte produzieren sie für sich und die Gäste. In kontrolliert-biologischer Wirtschaftsweise gibt es vor allem Milch und alles, was daraus werden kann: Buttermilch, Sahne, Butter und Molke, Käse und Joghurt. Alles selbst gemacht. Weiterhin Eier, Wurst und Schinken sowie zum Teil Kalb-, Rind-, Schweine- und Lammfleisch. Sogar den Schnaps brennen die Hirtreiters selbst, mit Zwetschgen aus dem eigenen Garten und Williamsbirnen aus Südtirol.

Dass Bauer Hirtreiter seine Kühe noch mit der Hand anmelkt, ist nicht bloß eine Touristenattraktion für die Ferienkinder. „Ich stimuliere die Zitzen mit der Hand, wische sie kurz feucht ab, dann fließt die Milch besser“, erklärt er. So fühle es sich für die Kuh fast so an, als trinke das Kalb. Erst danach stülpt er die Kappen der Milchpumpe ans Euter. Zoe verfolgt das Melken erstaunt aus etwa einem Meter Entfernung. So was hat das Stadtkind aus Frankfurt am Main vorher noch nicht gesehen. Zusammen mit ihren Eltern Kirsten und Frederick Altmann sowie dem acht Monate alten Brüderchen Sören verbringt sie eine Woche auf dem Ferienhof. Der liegt nur drei Gehminuten vom Ortskern Schliersee entfernt, einem kleinen Luftkurort mit rund 6500 Einwohnern in den bayerischen Alpen, rund 60 Kilometer südlich von München. Beschaulich ist es hier, der Hof liegt direkt am Hang mit einem wunderschönen Blick auf den Schliersee und den knapp 1600 Meter hohen Gipfel der Schlierseer Berge, die Brecherspitze.

„Die Gegend war uns schon sehr wichtig“, sagt Frederick Altmann. Von der Ferienwohnung ist das Ehepaar auch angetan. Es gibt viel Platz über zwei Stockwerke verteilt, eine Galerie, rundherum einen großen Balkon und ein gemütliches Küchensofa. Die Möbel sind alle aus unbehandeltem Massivholz im bayerischen Landhausstil.

Alles fürs Kind ist da

Noch viel mehr schätzen die beiden, dass alles baby- und kinderfreundlich ausgestattet ist: mit Wickeltisch, Kindersicherungen, Gitterbett, Töpfchen, Schemel im Bad, Hochstuhl, Trinkbecher, extra rutschfesten Kindertellern und -besteck, Babyfon und Waschmaschine sowie Trockner. „Da brauchen wir nicht so viel zusätzlichen Kram von zu Hause mitnehmen.“

Tochter Zoe ist nicht nur in der Ferienwohnung gut versorgt, sondern auch draußen. Während der Urlaubswoche ist sie ständig unterwegs. Beim ersten gemeinsamen Frühstück in der Wirtsstube, mit Butter, Joghurt und frischer Milch, hat sie Tobias (5) und noch andere Ferienkinder kennen gelernt. Seither spielt sie mit ihnen und mit Hirtreiters Tochter Maria (8) am nahe gelegenen, ungefährlichen Bach, im Hof oder auf dem Spielplatz im Garten hinterm Haus. Oder sie schaut im Stall nach den Tieren. Kein Wort von Fernsehen oder Computer. Sogar die mitgebrachten Spielsachen bleiben im Koffer.

Händchen ins Fell drücken

„Im Grunde brauchen die Kinder bei uns kein großes Programm“, weiß die Bäuerin Therese Hirtreiter aus eigener Erfahrung. Sie ist selbst mit ihren beiden Schwestern auf diesem Hof groß geworden. Urlaub auf dem Bauernhof hat auf dem Sonnenstatter Hof Tradition. Schon ihre Eltern haben Zimmer an Feriengäste vermietet. Selbst die Allerkleinsten wie Sören freuen sich darüber, einfach nur so nach Herzensfreude auf der großen Wiese herumzupurzeln oder den zahmen Hofhund als Stütze zu benutzen, um ganz schnell erste Schritte zu lernen. Selbst nur mal die kleine Hand in das weiche Fell der Kälber zu drücken, ist für die Kinder ein Erlebnis. Es gibt eine Menge zu entdecken. Auch für die Eltern. Vor allem viel Natur.

Gleich hinterm Haus beginnen Wanderwege hoch zum Schliersberg, die Babys von der Rückentrage aus genießen können. Oben angekommen können etwas ältere Knirpse auf der Sommerrodelbahn dann wieder herunterrutschen. Ganz bequem geht es mit der Seilbahn hinauf. Wer will, kann Ausflüge mit dem Zug oder Leihfahrrad in den urigen Ort Bayerischzell unternehmen, den Schliersee umrunden oder anspruchsvollere Bergtouren auf 1800 Metern Höhe im Spitzinggebiet bewältigen. Ist das Wetter mal schlecht, gibt es im Sonnenstatter Hof einen Spielraum mit Tischtennis-Platte und Tischfußball.

Zeit, den Vögeln zuzuhören

Eine Spielscheune, in der die Kinder munter ins Heu springen können, ist in Planung. Selbst München mit seinen Museen ist mit dem Zug in weniger als einer Stunde gut zu erreichen.

So weit hat es Familie Altmann in der Ferienwoche gar nicht geschafft. „Die Tage vergehen wie im Fluge, so ganz ohne Stress“, sagt Kirsten Altmann sichtlich entspannt. Vor allem, wenn sie weiß, dass sie sich um ihre beiden Kinder keine Sorgen machen braucht. Sören kriecht in der Obhut eines Babysitters über den Hof und Zoe spielt vergnügt mit anderen Kindern im Garten. Da ist es für die beiden purer Luxus, wenn sie auch mal alleine als Paar romantische Spaziergänge im Wald und in den angrenzenden Bauernwiesen unternehmen können, den Vögeln zuhören und es genießen, einfach mal mit Zeit sehr verschwenderisch umzugehen.

Checkliste Urlaub mit Kids

  • Leben verschiedene Tiere auf dem Hof, die auch angefasst werden können?
  • Liegt der Hof zentral, so dass zu Fuß ein Restaurant oder Geschäfte erreicht werden können?
  • Welche Ausflugsmöglichkeiten gibt es?
  • Sind Spielgelegenheiten vorhanden?
  • Gibt es eine baby- und/oder kindgerechte Ausstattung wie Wickeltisch, Babyfon, Kindersicherungen in den Steckdosen, Kinderhochstuhl, Kinder-WC oder Toilettenaufsatz, bruchsichere Becher, Kinderbesteck mit abgerundeten Kanten und rutschfestes Geschirr?
  • Sind Waschmaschine und Trockner vorhanden?
  • Können Rückentrage und Sportwagen kostenlos ausge-liehen werden?
  • Kann ein Babysitter-Service genutzt oder vermittelt werden?
  • Gibt es im Haus einen Nichtraucherbereich?

Ferien-Höfe im Internet

Kleine Gäste ganz groß

Baby- und Kinderbauernhöfe in Österreich und in Bayern werden nach strengen Kriterien überprüft. Sie bieten einen auf die Familie zugeschnittenen Urlaub an, der ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Es gibt genug Platz zum Herumtollen und Entdecken, ohne dass Eltern ständig aufpassen müssen.

Die Lage ist verkehrssicher, die Besitzer sind kinderfreundlich und auf die kleinen Gäste spezialisiert. Tiere gehören unbedingt dazu.

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incl. 'http://'
Dorothea Kundel
Sehr ansprechender und nett geschriebener Artikel. Da bekommt man grad Lust sofort Ferien zu machen...

Bin zufällig darauf gestossen. Gruß