Anzeige

Anzeige

Nachgefragt in Bonn

Probieren erwünscht

Kosten Sie doch mal! Naturkost spricht am besten für sich selbst. Wie halten es die Einzelhändler mit Probieraktionen? Wir haben in Bonn nachgefragt. //Text und Fotos: Karin Heinze


Probierhäppchen sind eine nette Geste zur Begrüßung, meint Kornelia Koller vom Grünen Laden. Angenehmer Nebeneffekt: das Kennenlernen neuer Produkte.

Serie: Ihre Fragen

Bio-Kunden wollen es genau wissen – mit Recht. Wir greifen in loser Artikelfolge Ihre Fragen auf. Dieses Mal: Wie halten es die Naturkostläden mit Verkostungsaktionen? Die Adressen der Bonner Geschäfte finden Sie unter www.naturkost.de/nkl/09b10.htm.

„Eine Anzeige für 2.000 Euro in der Tageszeitung bringt weniger, als wenn ich eine Flasche guten Wein aufmache“, sagt Jürgen Huber vom Bioladen Huber. Der Weinkenner lässt seit über 10 Jahren seine Kunden die edlen Bio-Tropfen probieren. Außerdem bekennt der Gourmet: „Manchmal schwärme ich so für eine Käsesorte, dass sich viele Kunden davon anstecken lassen.“

Einmal im Jahr hat das Team vom Bioladen eine Massenverkostung zu bewältigen. Am „Gesundheitstag“ der Deutschen Post bewirtet es die rund 2.000 Mitarbeiter in Bonn mit hübsch dekorierten Häppchen, Obst und Gemüse. „Da gibt es so manchen Aha-Effekt bei den Büro-Leuten, von denen viele keine Bio-Kost kennen“, erzählt Ralf Murmann, der mit Frank Boersma den Laden leitet. Ernährungsberater haben Bonns ältestes Naturkostgeschäft (28 Jahre) als kompetenten Partner für die Großveranstaltung vorgeschlagen.

Etwas Außergewöhnliches bietet der Leyenhof einige Male im Jahr an. Nach Ladenschluss, in gemütlicher Atmosphäre, bei Kerzenlicht, schenkt Weinexperte und Kochkünstler Stefan Schleuter ausgesuchte Tropfen aus dem Sortiment des Hofladens aus. Für Weinliebhaber und solche, die es werden wollen. Im Ladenalltag kennt Einzelhändler Kai Stammeier zwei Arten der Verkostung: die reale und die verbale. „Wer seine Produkte kennt und liebt, kann sie so kompetent beschreiben, dass es für den Kunden fast wie probieren ist.“

Immer wieder neue Produkte

Einen weiteren Aspekt spricht das Team der Sonnenblume an. „Es kommen so viele neue Produkte auf den Naturkost-Markt, die müssen schließlich bekannt gemacht werden.“ Neukunden sollen deshalb unverbindlich zugreifen und testen können. „Geschmack überzeugt.“

Einen hohen Stellenwert hat das Probieren bei Jens Hochreuter. „Verkostungen gehören zur guten Atmosphäre in unserem Geschäft.“ Der Bio Markt Hochreuter hat immer wenigstens einen schön dekorierten Verkostungstisch aufgestellt. Besonders schätzt Hochreuter den kommunikativen Aspekt: „Beim Probieren tauschen sich Kunden über Lieblingsprodukte und Rezepte aus.“

Jürgen Priester, Inhaber von Naturkost am Ennert, setzt auf den persönlichen Kontakt: „Humor, Einfühlungsvermögen und ein Gespräch ersetzen bei mir oft die Verkostung.“ Für einen inhabergeführten Laden sei der Weg vom Kundenwunsch zur Umsetzung kurz. „Da ich die Produkte und die meisten Kunden kenne, kann ich ehrlich auf die Frage antworten, ob ihnen das schmecken wird.“

Margot Müller-Boutbaa, die ihren Laden Naturkost am Paulusplatz erst seit einem Jahr betreibt, wartet noch mit Probieraktionen. Denn, Verkosten macht auch viel Arbeit. Sie bewältigt den Ladenalltag alleine, will aber ihre Kunden möglichst persönlich betreuen und „erst alle Wünsche erfüllen, bevor ich neue wecke“.

Wichtige Hintergrund-Infos

Drei hochbeinige Bistro-Tische sind jeden Tag Unter den Linden für die Kunden gedeckt: Dort verlocken Getränke, Käse, Aufstriche und Gebäck zum Probieren. Geschäftsinhaber Axel Bergfeld möchte mit seinem Sortiment anspruchsvollen Kunden Auswahl und Genuss bieten. „Meine Aufgabe sehe ich darin, die Ware lebendig darzustellen. Ich will Hintergrundinformationen zu den hochwertigen Lebensmitteln liefern.“ So oft es geht macht er auch vor der Ladentür auf die Bio-Genüsse aufmerksam. Beim Demeter-Frühstück nahmen 120 Menschen an einer 30-Meter langen Tafel in der Fußgängerzone Platz.

Probierfeld Bonn:links unten eine Szene aus dem Leyenhof, rechts oben Jens Hochreuter (mit Flasche) in seinem Bio-Markt, rechts unten ein Bild vom Gesundheitstag (ausgerichtet vom Bioladen), unten eine Verkostung im „Momo“.

„Jeden Monat ist eine andere Firma zu Gast im Himmel und Erde. „Die Außendienstmitarbeiter bringen die Zeit mit, Hintergrundinfos und Insider-Geschichten zur Ware zu liefern“, sagt Peter Ulrich. „Denn Naturkostkunden wollen viel wissen.“ Die Lust auf Neues wird aber auch im Ladenalltag gestillt: Käsewürfel, Saft oder Crunchy stehen bereit. Für viele Artikel stellen die Hersteller Warenproben zur Verfügung, die können die Kunden dann zu Hause probieren und probieren lassen.

„Wenn die Leute probieren können, werden sie viel offener für ein Produkt“, weiß Raoul Schaefer-Groebel vom Momo-Team. Deshalb „steht“ in der Wartezone vor der Kassentheke immer allerlei zum Kosten bereit. Produkt-Gutscheine, die regelmäßig in der Lokalpresse erscheinen, animieren auch viele Neukunden mal die Bio-Ware zu probieren. Höhepunkt des Probierens ist das Beueler Bürgerfest, wo etwa 30.000 Besucher am Geschäft vorbeilaufen. Viele bleiben stehen, um das selbst gemachte Eis zu probieren.

Sommer wie Winter hält der Grüne Laden Getränke für die Kunden bereit. „Das ist unser ganz normaler Service“, sagt Inhaberin Kornelia Koller. Auch der Teller mit belegten Brotstückchen auf der Käsetheke dient nicht nur der Verkostung. „Es ist eine nette Geste. Vor allem die Kinder wissen, dass es bei uns immer etwas gibt.“

Virtuelles Schaufenster

Naturkost schmeckt einfach besser. Das ist eines der zentralen Statements, wenn Verbraucher nach ihren Motiven gefragt werden, biologische Produkte zu kaufen. Fast alle Hersteller bieten daher Probier- und Verkostungsaktionen an, wenn sie neue Produkte auf den Markt bringen. Einen ersten, zwar nur virtuellen Überblick, über die Produktvielfalt der Naturkost finden Sie im Internet unter www.naturkost.de/schaufenster.

Kommentare

Kommentar­bild via Gravatar

szmtag