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Unter der Lupe: Vegane Kosmetik

Normal schminken und pflegen: Geht das auch für Veganer? „Klar!“, sagt Bloggerin Erbse. Seit vier Jahren prüft und bewertet sie im Internet vegane Kosmetikprodukte. // Bettina Levecke

Wer im Internet nach Informationen über vegane Kosmetik sucht, kommt an einem Namen nicht vorbei: Erbse. Und die ist nicht klein, grün und rund, sondern brünett, jugendlich-attraktiv und lebhaft. Erbse, mit bürgerlichem Namen Mandy Huth, ist das Gesicht des Beauty-Blogs „Blanc et Noir“. Auf ihrer Internetseite macht sie sich stark für vegane Kosmetik. „Immerhin 53 000 Besucher zählt die Seite jeden Monat, dazu kommen über 11 000 YouTube-Abonnenten und 2 800 Follower bei Twitter“, sagt Erbse und ist selbst fast fassungslos ob des Zuspruchs.

Most wanted: Pflege ohne Tier

Auch wenn der Erfolg die 26-jährige Kasslerin überrascht, er kommt nicht von ungefähr: Vegane Kosmetik boomt und das nicht nur bei den etwa 800 000 Veganern in Deutschland. Immer mehr Verbraucher legen Wert auf Kosmetikprodukte ohne tierische Inhaltsstoffe. Besonders groß ist die Nachfrage in Bio-Läden. Nach Angaben der Veganen Gesellschaft stieg im Jahr 2012 allein dort der Umsatz an tierfreundlichen Kosmetikprodukten um 19 Prozent. Aus gutem Grund: Viele konventionelle Hersteller ersetzen tierische Inhaltsstoffe einfach nur durch synthetische, zum Beispiel aus Mineralölen. Bei geprüfter Naturkosmetik sind solche fragwürdigen Alternativen dank strenger Richtlinien der Zertifizierer – wie zum Beispiel Natrue, Ecocert oder BDIH– tabu. Ebenso wie Tierversuche oder Substanzen toter Wirbeltiere. Wer jedoch noch mehr sucht, nämlich Kosmetik, die garantiert ohne jegliche Zutaten vom Tier produziert wurde, der sollte auch bei Naturkosmetik noch einmal genauer hinschauen. Erbse weiß aus langjähriger Erfahrung: „Das Suchen und Finden veganer Kosmetik ist für den Laien nicht immer leicht. Honig, Bienen- und Wollwachs, Seide oder Milch sind beispielsweise auch in Naturkosmetik.“ Diese Rohstoffe kommen für Menschen, die sich auf ganzer Linie für die vegane Lebensweise entscheiden, nicht in Frage.

Kriterien für „ohne Tier“

Hinzu kommt: Manche rein pflanzlichen Produkte sind nicht als solche gekennzeichnet, ein einheitliches Label fehlt. Nicht jedes Produkt, das den Eindruck erweckt, vegan zu sein, ist es auch. Selbst der Blick auf die Inhaltsstoffe bringt nicht automatisch Klarheit. Für Bienenwachs gibt es sieben verschiedene INCI-Bezeichnungen. Für Karmin, den roten Farbstoff aus Schildläusen, sogar zehn, darunter so kryptische Titel wie „CI 75470“.  Auch die Bezeichnung Milchsäure sorge oft für Verwirrung, sagt Erbse. „Jeder denkt sofort ans Tier, dabei ist Milchsäure in den allermeis-ten Fällen pflanzlich.“

Erbses immenses Wissen beruht auf viel Arbeit. Seit vier Jahren recherchiert sie Fakten über Inhaltsstoffe und Produktionsprozesse, für manchen Beitrag tage- oder wochenlang. „Angefangen hat alles im Januar 2010, als ich beschlossen habe, nicht mehr vegetarisch, sondern vegan zu leben“, erinnert sich die junge Frau. Der Verzicht auf Leder, Wolle oder Seide fällt ihr auf Anhieb leicht, auch in der Ernährung fühlt sie sich gut aufgeklärt. „Als ich aber erfuhr, dass auch in Kosmetik viel Tierisches versteckt ist und Tierversuche dafür gemacht werden, war ich richtig geschockt!“ Erbse beginnt zu recherchieren und schreibt Hersteller an. Ihre Ergebnisse will sie nicht für sich allein behalten: Der Blog „Blanc et Noir“ wird geboren.

Nachfragen, nachfragen, nachfragen

Gemeinsam mit ihrem Mann Henrik, der für Männerkosmetik zuständig ist, und einigen Freundinnen sortiert sie seitdem mit viel Herzblut die Produkte der Kosmetikbranche auseinander: Die Veganen ins Blögchen, die Tierischen ins Kröpfchen. Auch wenn der Markt für die rund 800 000 Veganer in Deutschland mehr und mehr kosmetische Alternativen für Pflege und Schminke bietet, zieht Erbse derzeit noch ein ernüchterndes Fazit: „Viel einfacher ist das Finden veganer Kosmetik mit den Jahren nicht geworden. Bei konventioneller Kosmetik macht die Inhaltsangabe nach wie vor nicht immer deutlich, ob das Produkt frei von Tierversuchen ist und ob die verwendeten Zutaten pflanzlichen, synthetischen oder tierischen Ursprungs sind.“ Auf Erbses Nachfragen reagiert nicht jeder Hersteller: „Viele geben mir keine Informationen oder versuchen sich mit gut formulierten Statements rauszureden“, ist ihre Beobach-
tung. „Aufgeben? Nein, auf keinen Fall. Vegan schön machen geht, wenn man weiß, bei welchen Marken man richtig liegt!“ Die Hersteller i+m und Santaverde produzieren zum Beispiel zu hundert Prozent vegan.   Ebenfalls die Marke Go&Home der österreichischen Pure Green Brands GmbH garantiert die vegane Herstellung ihres kompletten Kosmetik-Sortiments.

Rote Bete statt Karmin

Viele andere, wie Martina Gebhardt, Primavera, Lavera und CMD, bauen ihr Sortiment aus. Auch bei Benecos wird in Sachen dekorativer Kosmetik intensiv geforscht: „Wir versuchen neue Produkte möglichst vegan zu produzieren“, sagt Geschäftsführer Stephan Becker. Nagellack ohne Fischschuppen oder Schellack gibt es bereits, am veganen Lippenstift wird noch gefeilt: „Wir haben noch keinen qualitativ gleichwertigen Ersatz für Bienenwachs gefunden.“ Ein Problem, das auch Heinz-Jürgen Weiland, Forschungs-Experte bei Logocos kennt: „Bienenwachs wird wegen seines guten Schmelzverhaltens eingesetzt. Wir arbeiten aber bereits intensiv an einer Mischung pflanzlicher Wachse.“ Bei Alva ist dieser Schritt schon erledigt: Die veganen Lippenstifte enthalten Rizinusöl und Kakaobutter. Für die Rot-Färbung sorgt Rote-Bete-Extrakt statt Karmin.

Erbse freut sich sehr darüber, dass die vegane Auswahl wächst. Sorgen, dass ihr deshalb die Themen ausgehen könnten, hat sie nicht. „Es kommen noch so viele neue Produkte und Marken dazu, da habe ich wohl noch eine ganze Weile zu tun.“

Schön vegan!

Das Gesicht von „Blanc et Noir“
Bloggerin Mandy Huth, alias Erbse, steht auf möglichst natürliche Kosmetik ohne Tier, z.B. Seife aus reinem Oliven- und Lorbeeröl. Unter www.kosmetik-vegan.de veröffentlicht sie ihre alltäglichen veganen Kosmetik-Erfahrungen, gibt Tipps und beantwortet Fragen zum Thema.

Pflanzen mit Potenzial
Kakaobutter und Rizinusöl ersetzen in veganer Kosmetik z.B. tierische Fette, Carnauba- und Beerenwachse werden anstelle von Bienenwachs gebraucht. Für optimale Konsis-tenzen wird häufig lange geforscht.

Läuse auf den Lippen?
Nein Danke! Schauspielerin Christiane Paul engagiert sich bei der Organisation Peta e.V. gegen das Rot der Schildlaus. Vegane Alternativen für rote Lippen: Rote Bete, Sanddorn oder rotes Eisenoxid.

Klare Zeichen gesucht
Auf der Suche nach Kosmetika, die weder tierische Inhaltsstoffe enthalten noch am Tier getestet werden helfen Label, wie z.B. die Vegan-Blume, die von der Vegan Society England vergeben wird. 
Die Vegan-Blume kann sowohl auf bio- als auch auf konventionellen Produkten stehen. 
Einige Hersteller zertifizierter Naturkosmetik (z.B. Alva, i+m, CMD) kennzeichnen ihr veganes Sortiment mit eigenen selbst entworfenen Siegeln. Außerdem lohnt es sich, genau hinzuschauen, denn viele Kennzeichen sind versteckt oder mikroskopisch klein.

 

Steckt da „Tier“ drin?

Ob tierische Zutaten verwendet wurden, ist nicht immer einfach zu erkennen. Unter www.peta.de/inhaltsstoffe findet sich eine alphabetische Auflistung möglicher Roh- und Inhaltsstoffe.

Bilder: © GABO/Peta

Kommentare

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Henriette Christofel

Ich stelle mir vor, wir wären alle Veganer. Dann bräuchte man keine Kühe mehr, keine Ziegen, Schweine , Schafe und Hühner. Sie könnten in Ruhe aussterben, wären bestenfalls noch im Zoo zu sehen. Aber das Schlimmste - es gäbe auch keine Imker mehr, die die Bienen vor dem Tod durch die Varroamilbe retten würden, und somit auch keine ausreichende Befruchtung der Pflanzen mehr. Bienenhaltung würde zur Bestäubungsindustrie verkommen, mit all den Nachteilen, die man in Amerika schon sieht. Ich glaube, Veganismus ist etwas für Großstädter, die sonst keine Probleme haben und die Naturzusammenhänge nicht sehen. Landeier wie ich sehen das anders, obwohl ich ja immerhin vegetarisch lebe. Beim Thema Vegan höre ich mittlerweile weg!

Gerhard Schäfer

Klasse Idee, RINGANA erfüllt diese Kriterien. Bei mir bestellbar Mail fam.g.schaefer@kabelbw.de