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Sorgenkind Vitamin D

Vitamin D (Foto: gettyimages/Chris Tobin)
Auch im Winter wichtig: Raus gehen und Vitamin D tanken. (Foto: gettyimages/Chris Tobin)

GESUNDHEIT In der dunklen Jahreszeit raten Ärzte gerne zu Vitamin-D-Tabletten. Teilweise hoch dosiert. Doch sind sie wirklich nötig? // Annette Sabersky

Im Radio hatte Anne Holz gehört, dass viele Menschen im Winter einen Vitamin-D-Mangel haben und deshalb Präparate einnehmen sollen. Grund dafür sei das Sonnenlicht, dessen Intensität hierzulande in den Wintermonaten nicht ausreicht, um via Haut genügend Vitamin D zu bilden. Anne Holz, die als Außenhandelskauffrau bei einem Obstimporteur arbeitet, viel drinnen sitzt und zur Arbeit meist mit dem Bus fährt, ist beunruhigt. Sie macht einen Termin beim Hausarzt. Der bestätigt, dass mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland ungenügend mit Vitamin D versorgt sei. Er rät zur Blutuntersuchung.

Wichtig für die Knochen

Anders als andere Vitamine wird Vitamin D nicht hauptsächlich übers Essen aufgenommen, sondern Großteils mit Hilfe der UV-Strahlung über die Haut gebildet. Das Vitamin sorgt dafür, dass der Knochenstoff Kalzium vom Darm ins Blut gelangt und zu den Knochen transportiert wird. Dort wird er eingebaut und sorgt für Festigkeit. Steht dem Körper ständig zu wenig Vitamin D zur Verfügung, kann eine Knochenerweichung (Osteomalazie) oder der Abbau der Knochensubstanz (Osteoporose) die Folge sein. Vitamin D ist aber auch in Organen zu finden und dort an Stoffwechselprozessen beteiligt.  

In der Nahrung kommt Vitamin D nur in geringen Mengen vor. Fette Fische wie Lachs, Hering, Makrele, Eigelb und Lebertran enthalten ein bisschen Vitamin D, ebenso Pfifferlinge und Champignons aus dem Freiland, Avocados, Hefe sowie mit dem Vitamin angereicherte Margarine. 

Vitamin-D-Spiegel im Blut messen lassen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat einen „Schätzwert“ für die Aufnahme von Vitamin D über die Nahrung festgelegt. Der Bedarf kann nur geschätzt werden, weil es individuell sehr verschieden ist, wie viel Vitamin D über die Sonne gebildet wird.  Die Zeit, die wir draußen verbringen, spielt eine Rolle, aber auch die Hautfarbe und das Alter. Menschen mit dunkler Haut bilden weniger Vitamin D als die mit heller Haut und bei älteren Menschen lässt die Vitamin-D-Bildung nach. Die DGE rät Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Senioren, Schwangeren und Stillenden zu täglich 20 Mikrogramm Vitamin D. Säuglinge sollten ab dem ersten Lebenstag täglich zehn Mikrogramm erhalten – ein Jahr lang. 

Als Anne Holz einige Tage später das Ergebnis erhält, ist sie verunsichert. Ihr Blutwert – gemessen wird die Verbindung 25-Hydroxy-Vitamin D – ist grenzwertig. Der Wert liegt bei knapp 18 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml). Erst ab etwa 20 ng/ml sei sie ausreichend versorgt, erklärt ihr Arzt und rät:  „Nehmen Sie besser was ein.“

„Aus heutiger medizinischer Sicht sind Vitamin-D-Gaben nur dann sinnvoll, wenn bei einem Menschen weitere Risikofaktoren oder eine Osteoporose vorliegen“, erklärt jedoch Professor Matthias Weber, Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Bei älteren Menschen etwa, die auch sturzgefährdeter sind und nur selten ins Freie kommen, oder bei verminderter Knochendichte. Die Gesellschaft hält zwar auch den Blutwert von 20
bis 30 Nanogramm pro Milliliter für günstig, um die Knochen gesund zu erhalten, ein eindeutiger Mangel, der behandelt werden muss, bestehe jedoch erst bei stark erniedrigten Werten. 

Wer in sonnenreichen Monaten täglich etwa 20 Minuten bei Tageslicht nach draußen geht, kann seine Vitamin- D-Speicher für die Wintermonate ausreichend auffüllen, rät Professor Weber. Dabei sollten Gesicht, Hände und Arme unbedeckt sein. Auch im Winter sei es ratsam ins Freie zu gehen, selbst wenn die Vitamin-D-Bildung da nur sehr verhalten ist. Kommen noch regelmäßig Pilze, Avocados und fettreicher Fisch auf den Teller, ist schon viel erreicht.  

Anne Holz wird ein Präparat mit 20 000 Internationalen Einheiten (IE) Vitamin D verschrieben. Einmal in der Woche soll sie es einnehmen.  Die Menge entspricht umgerechnet 500 Mikrogramm Vitamin D oder 71 Mikrogramm am Tag – also fast viermal so viel wie die DGE empfiehlt. Schon ab einer Dosis von täglich mehr als 100 Mikrogramm, so das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, kann es zu Nierenverkalkung, Übelkeit und Erbrechen kommen. Solche Wirkungen werden aber nur durch Präparate erreicht, nicht durchs Sonnenlicht. 

Diabetes durch Vitamin-D-Mangel?

Patienten Vitamin-D-Präparate zu empfehlen sei „gerade etwas in Mode“, beobachtet Professor Matthias Weber, der auch Leiter der Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel an der Uniklinik Mainz ist. Grund seien sogenannte Beobachtungsstudien, die nahelegen, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel nicht nur für die Knochen schlecht sind, sondern auch mit einem erhöhten Risiko für Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Multiple Sklerose einhergehen. Zum Beispiel hatte man beobachtet, dass Frauen in sonnenreichen Ländern seltener an bestimmten Krebsarten erkranken. 

Doch die bisher vorliegenden, einen ursächlichen Zusammenhang beweisenden Interventionsstudien – hierbei erhält ein Teil der Probanden Präparate, ein anderer nicht – bestätigten keine über die Knochengesundheit hinaus- gehenden Vorzüge von Vitamin-D-Tabletten. „Gute Nahrungsmittel und ein gesunder Lebensstil sind nicht einfach durch Pillen zu ersetzen“, so Weber.

Anne Holz hat sich entschlossen erst einmal keine Präparate einzunehmen. Sie will öfters mit dem Rad zur Arbeit fahren und in der Mittagspause ins Freie gehen. Außerdem gibt es bei ihr jetzt öfters Pilze mit fettem Fisch. Im nächsten Winter will sie aber wieder ihren Vitamin-D-Spiegel messen lassen.

NAHRUNGSERGÄNZUNG: Vitamin D aus der Natur

‣ Neben synthetischen Präparaten gibt es zahlreiche auf Basis natürlicher Zutaten. Das Vitamin D darin stammt z.B. aus Hefe, Pilzen, Gerstengras oder Lanolin (Wollfett).

‣ Die Präparate sind unterschiedlich dosiert. Deshalb unbedingt den Beipackzettel lesen. Zur Einordnung: Das Bundesinstitut für Risikoforschung empfiehlt fünf Mikrogramm als zulässige Tagesdosis in Nahrungsergänzungsmitteln.

‣ Bio, vegetarisch, vegan? Ein Blick aufs Etikett verrät, ob tierische Bestandteile enthalten sind und ob ein Produkt bio-zertifiziert ist.

Erschienen in Ausgabe 11/2015

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incl. 'http://'

Bei mir wurde nun auch ein Vitamin D Mangel festgestellt, dabei bin ich täglich an der frischen Luft und befolge auch alle Ernährungshinweise. Es ist mir unerklärlich. Mir bleibt nichts anderes übrig als auf Nahrungsergänzungsmittel zurück zugreifen.

Lady

Aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass Herr Bales vermutlich recht hat. Ich habe durch eine unkluge Lebensweise, in der ich immer mehr Lebensmittel ausgeschlossen habe, eine sehr starke Mangelsituation, auch in Bezug auf Vitamin D. Ich habe chronische Verdauungsprobleme und vieles mehr, was sehr beängstigend ist.

Gleichzeitig aber würde ich raten, die Vitamin D-Dosis mit künstlichen Präperaten nicht zu übertreiben, insbesondere wenn man schon Probleme hat, da es ansonsten zu anderen Seltsamkeiten kommen kann. In meinem Fall zu Balance-Problemen, Leberschmerzen, Durchblutungsstörungen in den Beinen. Daher habe ich mir vorgenommen ca. 500 I.U. (Tabletten) nur alle ca. vier bis fünf Tage einzunehmen plus regelmäßig Fisch. Da ich im September wirklich viel Sonne getankt hatte und zusätzlich gelesen habe, dass das was man über die Haut im Sommer aufnimmt nicht lange reicht, denke, ich dass es eben nicht reicht. Vitamin-D-Mangel, wenn man ihn über einen längeren Zeitraum hat, ist sehr gefährlich. Bitte passen Sie auf!

Guten Tag!

Ich schätze Ihre Zeitschrift und finde es sehr ärgerlich, dass diese bei denn’s nicht mehr ausgelegt wird. Aber den Artikel „Sorgenkind Vitamin D“ in Ihrer Ausgabe 11/2015 finde ich ebenso ärgerlich. Weshalb orientieren Sie sich dabei nur an Prof. Matthias Weber, nicht aber an für das Thema Vitamin D bekannten Fachautoren wie Dr. Worm, U. Gröber, Dr. M. Holick, Prof. Spitz, Dr. R. von Helden?

Ein Wert von 18 ng/ml stellt einen deutlichen Mangel an Vitamin D dar. Die meisten Labore geben als Normwert 30-60 ng/ml an.

Ich empfehle sowohl den Redakteuren bei Schrot & Korn“ als auch der im Bericht aufgeführten Anne Holz insbesondere das Buch von U. Gröber/M.F. Holick: Vitamin D - Die Heilkraft des Sonnenvitamins. In diesem Buch sind die Zusammenhänge zu den vielfältigen Wirkungen von Vitamin D, nicht nur auf die Knochen dargestellt, sondern auch bezüglich Immunsystem, Bauchspeicheldrüse, Blutdruck und Blutgefäße, Gehirn, Schwangere, Stillende und Kinder. Ebenso wird Vitamin D als Schutzschild für chronische Krankheiten oder im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen (Grippe, Infuenza A, Tuberkulose), Anti-Aging und Zellalterung, Morbus Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Metabolischem Syndrom, Darmerkrankungen und Krebs (Brustkrebs, Darmkrebs, Prostata-Krebs), sowie bezüglich Multiple Sklerose, Menstruationsbeschwerden, Psoriasis, Neurodermitis, Osteoporose und Rheuma dargestellt.

Wer nach Kenntnis all dieser Themen bei 18 ng/ml Vitamin D noch keine Notwendigkeit sieht Vitamin D einzunehmen, der muss halt warten, bis ein Knochenbruch auftritt, ein Herzinfarkt oder andere chronische Krankheiten. Die Knochendichte-Messung wird bei gesetzlichen Krankenkassen erst übernommen wenn ein Knochenbruch vorliegt. Insofern empfehle ich Anne Holz doch besser mal 40,00 € für eine Knochendichtemessung bei einem Orthopäden zu investieren. Vielleicht steigt die Motivation zur Einnahme von Vitamin D und Calcium ja, wenn bereits die Vorstufe einer Osteoporose, eine Osteopenie, vorliegt. Frauen sind bekanntlich diesbezüglich besonders gefährdet.

Es ist zwar verständlich, dass Schrot & Korn besonders auf die Aufnahme von Vitamin D über die Nahrung hinweist. Doch mit noch so guter Ernährung ist erfahrungsgemäß niemals ein ausreichend hoher Vitamin D-Level erreichbar, weder bei gesunden und erst recht nicht bei chronisch kranken Menschen. Die Kosten für eine Laboruntersuchung liegen bei meinem Labor für Selbstzahler bei 29,98 €.

Hinsichtlich der Dosierung ist inzwischen bekannt, dass es zwar sinnvoll sein kann bei Vitamin-D-Defiziten vorübergehend hochdosiert z.B. ein Präparat mit 20.000 I.E. einzunehmen. Langfristig dürfte es aber sinnvoller sein, täglich Vitamin D einzunehmen. Hier gibt es je nach angestrebtem Normwert Empfehlungen von 1.000-4.000 I.E./täglich.

Die Orientierung an der bekanntlich sehr konservativen DGE ist einseitig, die möglichen Nebenwirkungen höchst fraglich.

„Als lebenslang unbedenkliche Obergrenze der Vitamin-D-Zufuhr wurde vom Europäischen Scientific Committee on Foods der Wert von 2.000 I.E. (=50 µg) Vitamin D pro Tag beim Erwachsenen festgelegt. Das amerikanische Institute of Medicine hat diesen Wert für Erwachsene und Kinder im Alter von 9-18 Jahren im letzten Jahr (2011) von 2000 I.E. auf 4.000 I.E. Vitamin D pro Tag angehoben.

Die amerikanische Endokrinologische Gesellschaft hat im Sommer 2011 die tägliche Obergrenze für die Vitamin-D-Zufuhr erneut festgelegt. Für Kleinkinder auf 2.000 UI.E. Vitamin D täglich, für Kinder im Alter von 1-18 Jahren 4.000 I.E. Vitamin D täglich und für Erwachsene auf 10.000 I.E. Vitamin D täglich. Für Schwangere und Stillende im Alter von 14-18 Jahren 4.000 I.E. Vitamin D täglich und für Schwangere und Stillende im Alter von 19-50 Jahren auf 10.000 I.E. Vitamin D täglich.“
Quelle: U. Gröber/M.F. Holick: Vitamin D, 2012

Inzwischen wird auch beschrieben, dass es sinnvoll ist die Einnahme von Vitamin D mit der Einnahme von Vitamin K2 zu kombinieren.

Welcher Vitamin-D-Blutserumwert ist erstrebenswert?

Auszug

"...Lag 2009 der von fortschrittlichen Ärzten und Heilpraktikern bei ihren Patienten angestrebte Blutserumwert zwischen 30 ng/ml - 40 ng/ml, so erwies sich bereit 2001, dass ein Blutwert zwischen 40 ng/ml - 60 ng/ml wesentlich 'gesünder' ist.

Angetrieben von vielversprechenden Forschungsergebnissen und der durchaus realistischen Möglichkeit, durch Sonnenbaden im Sommer und regelmäßiges präventives Einnehmen von Vitamin-D3-Präparaten die Welt von den Fesseln des Brust-, Prostata- und Darmkrebses und vieler Autoimmunzivilisationserkrankungen signifikant zu befreien, sieht die medizinische Avantgarde für 2015 einen Zielwert zwischen 60 ng/ml und 80 ng/ml als wünschenswert an."

G. Stähler, Vitamin D - Warum wir es in höheren Dosierungen brauchen, um gesund zu bleiben, nutritional science and home economics Holding , 2015

Weitere ausführliche Informationen zum Thema Vitamin D unter: http://www.helferzelle.de/wil/viewtopic.php?t=1343&postdays=0&postorder=asc&start=0

Wilfried Bales, Heilpraktiker, Köln

Monique

Vitamin D durch Sonnenlicht zu generieren ist definitiv die gesündeste Lösung. Deswegen: Statt mit dem Auto/Bus/U-Bahn mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder einen Teil der Strecke zu Fuß gehen. Wer die Zeit findet kann ja auch einen kleinen Spaziergang an der Luft für jeden Tag zwischendurch einplanen. Eine gute Vitamin D Versorgung ist essentiell für Vitalität speziell im Alter. Ein netter Ratgeber mit vielen Praxistipps für ein gesundes und langes Leben ist More Time on Earth: http://moretimeonearth.com/buch.html Die Ratschläge von gesunden und geistig fitten Hundertjährigen zu lesen, ist wie Balsam für die Seele jedes Menschen, welcher Jahr für Jahr älter wird.

wally

Viele Religionen erwarten von Frauen, dass sie sich mit viel Stoff bedecken. In unseren Breitengraden fatal. Leider sind die leitenden Personen Männer und daher beratungsresistent.