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Mission: Naturkosmetik

Bisher hat Autorin Alisa Kumm im Bio-Laden nur Naturkost eingekauft – in Zukunft soll es auch Naturkosmetik sein. Doch wie findet sie die Richtige? Ihre Einträge ins persönliche Logbuch ihrer Mission.

Bio-Laden, 9.30 Uhr. Ich bin drin. Mein Ziel: eine Tagescreme, die meiner Haut und meiner Seele guttut und – was mir besonders wichtig ist – nicht auf Kos­ten von Umwelt und Gesundheit geht, rundum „bio“, naturrein sozusagen. Der Kosmetikbereich liegt direkt vor mir, abgeschirmt von dem Regal mit den Reinigungsmitteln. Die Luft ist rein. Na ja, eigentlich duftet sie süß und fruchtig, nach Cremes und Seifen, Lotionen und Parfums, irgendwie verlockend. Das werde ich mir jetzt mal genauer anschauen.

Täuschungen ausklammern

Bisher ging es mir immer nur um Bio-Qualität beim Essen. Aber bei Kosmetik? Eher weniger. Bis zu diesem Artikel gestern, in dem ich über die schädlichen Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik las … Eine erschreckend lange Liste. Ich weiß noch, wie ich mich gefühlt habe – ein bisschen wie nach einem Flugzeugabsturz über unwegsamem Gebiet.

Aber hier stehe ich und habe überlebt. Keine Lust mehr, mich von meinem Erzfeind „Greenwashing“ täuschen zu lassen, der sich so gern in Gesellschaft der konventionellen Kosmetik herumtreibt. Da tarnt er sich mit wenigen, groß auf Tuben und Packungen propagierten „Bio“-Zutaten, mit irreführenden Botschaften wie „frei von Parabenen“, „ohne Mineralöle“ oder „natürlich“ – während der überwiegende Rest der Inhaltsstoffe dann alles andere als natürlich ist. Es ist nicht alles Kosmetik-Gold, was mit „Natur“ und „Bio“ im Namen glänzt. Deshalb bin ich hier.

9.34 Uhr. Volle Konzentration auf meine Mission: Vor mir liegt die Welt „echter“ Naturkosmetik. Ich greife mir ein paar Tiegel und Tuben, studiere die Inhaltsstoffe: „Simmondsia Chinensis“, „Prunus Amygdalis“, „Pongamia Glabra“ oder „Argania Spinosa“ – ein undurchschaubares Dickicht aus exotisch klingenden Pflanzennamen. Nicht einmal Wasser gibt es hier – nur Aqua. Aber eines ist klar, die Eingeborenen in diesem Dschungel sprechen INCI (Internationale Nomenklatur für kosmetische Inhaltsstoffe), die geheimnisvollen Inschriften sind lateinische Bezeichnungen. Und INCI hat System: Die Inhaltsstoffe werden entsprechend ihrem Anteil im Produkt genannt, vom größten bis zum kleinsten. Nur: Wie soll ich mich so denn entscheiden? Ich bin doch nicht nur zum Lesen und Dechiffrieren hier! Dafür habe ich keine Zeit.

Zeitsparende Abkürzung: Labels

10.02 Uhr. „Keine Zeit, viel zu spät!“ hallt es in meinem Kopf, als ich auf der Packung in meiner Hand ein weißes Kaninchen springen sehe, wie bei Alice im Wunderland. Und wunderbarerweise führt mich das tatsächlich auf den richtigen Weg.

Denn auf einmal fällt mir eine ganze Reihe verschiedener Labels auf: Nicht nur das Häschen der internationalen Tierschutzverbände, das für tierversuchsfreie Kosmetik steht, sondern auch das runde BDIH-Siegel mit der blühenden Pflanze, das weibliche Profil im Kreis von NATRUE, das schwungvolle Symbol von ICADA und das französische Cosmebio. Und dann noch meine alten Verbündeten aus den Lebensmittelregalen: die Vegan-Blume der britischen Vegan Society etwa, der prägnante Schriftzug im Oval von Ecocert, das grün unterstrichene „demeter“ im orangenen Block.

10.15 Uhr. Jetzt will ich es genau wissen: Habe ich die entscheidenden Wegweiser durch die Wildnis der natürlichen Pflege gefunden? Ich schlage mein Basiscamp an einem der Bistrotische vor dem Bio-Laden auf, stärke mich mit einem Vollkorn-Sandwich und zücke mein Smartphone.

10.58 Uhr. Mein Orientierungslauf im Web liefert erste Ergebnisse: Die Labels, die ich gefunden habe, sind allesamt von seriösen Verbänden und Vereinigungen, den sogenannten „Zertifizierern“. Und sie haben viele Gemeinsamkeiten. Als Orientierung taugen sie auf jeden Fall. Alle liefern Standards für eine umweltschonende Produktion und Verpackung, verbieten Bestrahlung, erdölbasierte Stoffe und das Gros synthetischer Inhaltsstoffe, setzen Schwerpunkte auf schonende physikalische und chemische Verfahren zur Wirkstoffgewinnung und -verarbeitung und verlangen gewisse Anteile an natürlichen und Bio-Zutaten. Doch auch hier heißt es genau hinsehen: Naturkosmetik heißt nur, dass die Inhaltsstoffe natürlich sind. Bei Bio-Kosmetik stammen sie außerdem aus überwiegend biologischem Anbau. Etwa bei Cosmebio und Ecocert wird zwischen Natur- und Bio-Kosmetik unterschieden, und NATRUE ergänzt das Ganze noch um „Natur-Kosmetik mit Bio-Anteil“ (siehe auch Kosmetik-Label).

12.00 Uhr mittags. Showdown in der Kosmetikecke. Labels? Check. Bio? Check. Fünf Cremes passen voll in mein Beuteschema. Die letzte Entscheidung treffen Nase und Augen: riecht gut, sieht toll aus, jetzt nichts wie zur Kasse und zurück zur Basis. Und eines ist sicher: Ich komme wieder ...

Hilfe für die kosmetische Spurensuche ...

Buchtipp
Stiens, Rita: Die Wahrheit über Kosmetik. Der kritische Wegweiser durch den Kosmetik-Dschungel. RS-Media 2013, 331 Seiten, 17,95 Euro

www.kosmetik-check.de
Eine permanent erweiterte INCI-Liste mit Erklärung und Bewertung der Inhaltsstoffe von Kosmetik. 
www.cosmeticanalysis.com/de
Informationsseite der Stiftung zur Förderung der Hautgesundheit, mit INCI-Verzeichnis.

Apps
ToxFox-App, BUND: 
Barcode-Scanner, um hormonell wirksame Chemikalien in Kosmetik aufzuspüren (nur für iOS).
Codecheck Barcode & QR-Scan: 
Barcode-Scanner mit Hinweisen zu Labels und bedenklichen Inhaltsstoffen, nicht nur bei Kosmetik. 
Kosmetik-Check: 
Ähnlich wie Codecheck, mit Kosmetik-Ampel, basierend auf der Kosmetikliste schädlicher Inhaltsstoffe von Öko-Test.

Kosmetik-Label: natur&bio

Gut zu wissen, welche Label zuverlässig Naturkosmetik und Bio-Kosmetik kennzeichnen. Die Wichtigsten in einer kurzen Übersicht.

BDIH SiegelDer BDIH (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel und kosmetische Mittel e.V., Bonn) steht für Naturkosmetik, bei der einige pflanzliche Grundstoffe bereits das Kriterium „bio“ erfüllen müssen. Bei Benennung „bio“ sollen mindestens 95 Prozent der Zutaten Bio-Qualität haben.
www.ionc.info

 

 

COSMEBIO SiegelCOSMEBIO ist der französische Berufsverband für ökologische und biologische Kosmetik. Der Grundsatz der COSMEBIO-Charta heißt: Kosmetika, die für Mensch und Umwelt verträglich sind. COSMEBIO unterscheidet die Hinweise BIO (mindestens 95% der Pflanzen-Zutaten sind biologisch) und ECO (mindestens 50%).
www.cosmebio.org

 

Demeter SiegelDemeter, der biologisch-dynamische Anbauverband e.V. (Darmstadt) steht für Bio-Kosmetik in Demeter-Qualität und vertritt damit die Grundsätze des Anthroposophen Rudolf Steiner. Im mit dem Label gekennzeichneten Kosmetik-Produkt sind mindestens 90 Prozent der pflanzlichen Zutaten aus Demeter-Anbau gefordert.
www.demeter.de

 

Natrue SiegelNATRUE (International Natural and Organic Cosmetics Association Aisbl, mit Sitz in Brüssel) definiert drei Zertifizierungs-Stufen: „Naturkosmetik“, „Naturkosmetik mit Bio-Anteil“ mit mindestens 70 Prozent der natürlichen Rohstoffe in Bio-Qualität und „Bio-Kosmetik“ mit mindestens 95 Prozent Bio-Anteil bei den pflanzlichen Zutaten.
www.natrue.org

 

EcoCert SiegelDer französische Zertifizierer Ecocert unterscheidet klar zwischen Bio- und Naturkosmetik (cosmetique „biologique“, „ecologique“). 95 Prozent natürliche Zutaten sind die Grundlage. Für Naturkosmetik muss der Bio-Anteil bezogen auf pflanzliche Zutaten bei mindestens 50 Prozent liegen, bei 95 Prozent für die Bio-Kosmetik.
www.ecocert.com

 

ICADA SiegelICADA e.V. (International cosmetic and detergents association, Düsseldorf) vergibt sein Zeichen an „authentische Naturkosmetikfirmen“, das heißt Unternehmen mit naturkosmetischer Produktions-Erfahrung. So weit möglich sollen Bio-Zutaten verwendet werden, die dann in der Zutatenliste gekennzeichnet werden.
www.zertifizierte-naturkosmetik.eu

 

Cosmos Organic SiegelCOSMOS (Aisbl, Brüssel) ist der europäische Dachverband von BDIH, Cosmebio, Ecocert, ICEA (Italien) und der Organic Soil Association (England). Unter ihm werden internationale Produktionsgrundsätze zur Kennzeichnung vereinheitlicht. Der Bio-Mindestanteil für den Standard „Cosmos Bio“ beträgt 95 Prozent.  
www.cosmos-standard.org

 

Gemeinsamkeiten
Alle in dieser Übersicht dargestellten zertifizierten Naturkosmetik-Label verzichten eigenen Angaben zufolge...
... auf synthetische Farbstoffe, Duftstoffe und Konservierungsmittel.
… auf Silikone sowie Paraffine und andere Erdölprodukte.
… auf radioaktive Bestrahlung zur Entkeimung (Rohstoffe, Produkt).
... auf Tierversuche oder Rohstoffe, die am Tier getestet wurden.

Kommentare

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Das NCCO -Siegel fehlt. Dies ist das Siegel mit den höchsten Standarts. Leider ist es selbst in Bio Läden oder Reformhäusern kaum zu finden. Vieles kaufe ich nur übers Internet, weil ich es einfach anders nicht bekomme. Das ist schade. Warum wird nicht noch mehr Wert auf wirklich gute Kosmetik gelegt und auch in normalen Geschäften angeboten???