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Im Land der Vielfalt

Urlaub in Thüringen (© Barbara Neumann)
Erfurt lockt mit Fachwerkhäusern, die man auch im Miniaturformat bewundern kann. (© Barbara Neumann)

URLAUB Fachwerk in Erfurt, Goethe und Schiller in Weimar, Wildkatzen im Wald und natürlich Luther: In Thüringen gibt es viel zu entdecken. // Andrea Lammert

Es duftet nach Brot. Nach frisch gebackenem Brot. Allerdings ist weit und breit keine Bäckerei zu sehen. Rechts sitzt ein Schnitzer und schmirgelt an einem Puppenkopf. Links verkauft eine Künstlerin selbst gemalte Aquarelle, klein wie Briefmarken, aber farbenfroh und voller guter Laune. Woher kommt bloß dieser Geruch? „Da vorn an der Ecke. Wenn die Bärenfahne draußen hängt, gibt es Brot“, klärt die Aquarellkünstlerin auf. Die Bärenfahne? Tatsächlich. Am Eckhaus weht eine Fahne leicht im Wind mit einem schwarzen Bären darauf, der ein Baguettebrot in den Tatzen hält. Irgendwie mittelalterlich und typisch Erfurt.

Thüringens Landeshauptstadt gehört zu den schönsten Fachwerkstädten Deutschlands und hat mit der Krämerbrücke ein einmaliges Baudenkmal. Diese fasziniert nicht nur als die längste, durchgehend mit Häusern bebaute Brücke Europas, sondern vor allem mit ihren kleinen Läden. Bewusst hat sich die Stadt entschieden, große Einzelhandelsketten aus dem historischen Ensemble fernzuhalten und lokalen Gründern eine Chance zu geben. Musterbeispiel dafür ist Alexander Kühn, der die Chocolaterie Goldhelm zu einer Institution gemacht hat. „Dieses Konzept, dass jemand hier einen Laden bekommt, der die schönste Idee hat und nicht das meiste Geld, das ist ein Konzept, das die ganze Welt braucht“, meint er. Er gehört wie die Aquarellmalerin, der Puppenschnitzer oder ein Feinkosthändler zu denjenigen, die mit ihren Ideen die Stiftung Krämerbrücke überzeugt haben. So ist ein einzigartiger Mix aus Geschäften und traditionellem Handwerk entstanden – mit Töpfer, Glasbläser oder eben auch dem Bäcker. 

Radtour entlang der Ilm

Noch immer ist Erfurt ein Geheimtipp unter den deutschen Städten. Vielleicht liegt es daran, dass es einfach zu sehr im Schatten des nahen Weimar liegt. Die Goethe- und Schillerstadt ist nur rund 15 Bahnminuten entfernt und entführt in den Kosmos des Klassizismus. Es empfiehlt sich, Fahrräder auszuleihen und die Stadt auf einer Radtour zu entdecken. Denn der Ilmpark ist groß und mit dem Rad geht es bequem vorbei an Parkhöhle, Römischem Haus, Goethes Gartenhaus und der sprudelnden Ilm am Wegesrand.

Das Goethenationalmuseum ist ebenso Pflicht wie Schillers Wohnhaus. Doch locken auch die Sehenswürdigkeiten am Rand, wie etwa ein Mineralienladen in der Schillerstraße. Inhaberin Dagmar Gensel erklärt mit Engels­geduld verschiedene Halbedelsteine, die sich hier ebenso finden wie seltene Samen aus aller Welt. Kein Zufall wohl, dass Goethe auch Mineraliensammler war, in seinem Wohnhaus kann man seine stattliche Steinsammlung sehen. Sehenswert sind auch die vielen Gärten in Weimar. Ob hinter dem Herder-Haus oder im Kirms-Krakow-Hof – blühende, kleine Oasen ziehen sich wie Fugen eines Mosaiks durch das Häusermeer.

Nicht nur Goethe und Schiller haben in Weimar gewirkt, sondern auch Martin Luther. Den Reformator trifft man ebenso in Erfurt, wo er sich zum Priester ausbilden ließ und seine ersten Predigten hielt, ehe er geächtet wurde und sich auf der Wartburg versteckte.

Die Wartburg – auch ein Stück Thüringen. Sie ist nicht nur im Lutherjahr beeindruckend. Gästefreundlich präsentiert sich Deutschlands bekannteste Burg, kostet der Besuch des Innenhofs doch keinen Eintritt, lediglich für die Besichtigung der Innenräume muss man zahlen. Nicht nur Luther war ein berühmter Bewohner der Burg, sondern auch Elisabeth von Thüringen.

Grün so weit das Auge reicht

Der barmherzigen Heiligen ist heute das wohl schönste Gemach der Wartburg gewidmet. Es glitzert mit seinen goldenen Mosaiken wie eine Moschee aus dem Morgenland und stellt Luthers Arbeitszimmer mächtig in den Schatten. Außen präsentiert sich die Burg als wehrhafte Festung: mit Hängebrücke, Holztor und Kanonen. Außerdem lässt sich von hier oben ein einzigartiger Panoramablick auf das weite, grüne Thüringer Land genießen.

Ohnehin ist Grün niemals weit weg in Thüringen. Ob Rennsteig, Thüringer Wald oder der Hainich. Der Nationalpark ist der größte zusammenhängende Laubwald in Deutschland – mit spannendem Baumkronenpfad. Doch bevor es auf Augenhöhe mit Eichhörnchen und Amsel geht, gibt es erstmal eine Wanderung auf dem Boden. Es duftet würzig, denn im Hainich gibt es eines der größten Bärlauchvorkommen Deutschlands und zwischen April und Mai breitet sich ein weißer Blütenteppich des wilden Knoblauchs unter den dicken Buchenstämmen aus. Fast zu jeder Jahreszeit duftet der Wald – entweder nach Bärlauch, Waldmeister oder im Herbst nach Pilzen.

An vielen Stellen dürfen umgefallene Bäume einfach verrotten, sehr zur Freude vieler Käferarten. Gerade Familien mit Kindern sollten Bestimmungsbücher und Becherlupen im Gepäck haben, denn es gibt viel zu sehen bei den kleinen Krabbeltieren. Nicht nur am Boden, sondern auch in den Baumwipfeln. Welch ein reicher Lebensraum sich über den Köpfen der Spaziergänger ausbreitet, wird spätestens auf dem Baumkronenpfad klar.

Doch am schönsten ist der Hainich jenseits der touristischen Attraktionen: Zwischen den Stämmen eine schöne Lichtung suchen und bei einem Picknick der Musik des Waldes lauschen. Wer sich derart ruhig verhält, hat vielleicht die Chance, eine der seltenen Wildkatzen zu sehen. Denn auch das ist Thüringen – wild und grün.

Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich (© Nationalpark Hainich/Thomas Stephan)
Hoch hinaus geht es auf dem Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich. (© Nationalpark Hainich/Thomas Stephan)

Mehr zum Thema

‣ Tourist-Info Weimar
Die Touristeninformation gibt einen Überblick über die Attraktionen der Stadt und berät, wie man Museumsbesuche kombinieren kann, etwa mit einer Weimar- oder Thüringen-Card. Am Markt 10, Tel. 03643/74 50, www.weimar.de

‣ Tourist-Info Erfurt
Hier können Besucher auch ausgefallene Stadtführungen buchen. Benediktsplatz 1, Tel. 0361/6 64 00, www.erfurt-tourismus.de

www.wartburg.de
Informationen rund um die Wartburg mit Öffnungszeiten und Führungen

‣ www.nationalpark-hainich.de
Alles Wissenswerte über den Nationalpark Hainich

‣ Übernachtungstipp
Zwischen Eisenach und dem Hainich liegt das Bio-Hotel Wilhelmsglücksbrunn. DZ ab 79 €, Tel. 036926/7 10 03 20, www.wilhelmsgluecksbrunn.de

 

Merian Momente Weimar, ErfurtLammert, Andrea: Merian Momente Weimar, Erfurt
Travel House Media, 2015, 191 Seiten, 14,99 €

Erschienen in Ausgabe 03/2017

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