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Salz spüren, riechen, atmen

In immer mehr Städten gibt es Salzgrotten. Der Aufenthalt in den salzigen Räumen soll nicht nur Haut und Atemwege stärken, sondern auch strapazierte Nerven beruhigen. Ein Selbstversuch mit der ganzen Familie. // Bettina Levecke

-> Salzige Tipps für Zuhause …

Wohlfühlen - Salz

Entspannung soll der Ausflug in die Salzgrotte bringen, doch am Anfang stehen alle Zeichen auf Stress. Erst ist ein Reifen platt, dann streikt das Navi und Eliah (3) verweigert die Mitfahrt. Ruhig bleiben! Ich platziere den protestierenden kleinen Mann neben seinen Brüdern Luk (12) und Jesse (10) auf der Rücksitzbank. Dann eben Abfahrt mit Gebrüll. Die Fahrt ins oldenburgische Bookholzberg wird nicht nur deshalb lang. Wir verfahren uns zweimal. Mein Mann Jan ist genervt. Doch wir halten durch. Mit dem letzten Geduldsfaden bugsiere ich uns ans Ziel. Los jetzt: Wertsachen in die Schließfächer, Schuhe aus und weiße Socken an, denn die sind hier Pflicht. Eliah findet alles doof. Mit verschränkten Ärmchen hockt er sich vor den Grotteneingang und bockt. Ich würde am liebsten mitmachen. Gut, dass bei fünf Familienchaoten immer noch einer gute Ideen hat: Luk lockt den Kleinen mit einer Schaufel Salz und einem Bagger in die Grotte. Die Sache kommt ins Rollen. Wir sind drin.

Salziges Mikroklima stärkt die Lungen

Ganze Räume aus Salz. Das klingt ein bisschen verrückt, ist aber der neue Trend im Wellnessbereich. Seit einigen Jahren schießen deutschlandweit Salzgrotten wie Pilze aus dem Boden. Weit über 100 Grotten kann man mittlerweile von München bis Flensburg besuchen und zwar nicht nur in klassischen Wellness- und Kuranlagen: Auch Hotels, Restaurants und Fitnesscenter bieten die salzigen Räume an.

Dass Salz gut für den Körper ist, ist seit Jahrtausenden bekannt. Schon in der Antike wurde es als Heilmittel verwendet. Man kann Salzwasser trinken, darin baden, Salz kauen oder inhalieren, sich sogar damit einreiben. Jetzt soll man noch in Grotten sitzen. Welchen Mehrwert bringt das?

Die Antwort ist schnell gefunden: 1843 fand ein Arzt, der Bergarbeiter eines polnischen Salzbergwerkes betreute, heraus, dass die Arbeiter im Salzstock seltener an Atemwegs- erkrankungen leiden als andere Patienten. Das salzige Mikroklima im Berg stärkte die Lungen und zwar so deutlich, dass sich der ärztliche Befund schnell herumsprach. Schon bald reisten Lungenkranke und Asthmatiker zu den Salz­stollen, die ersten Kuranlagen in Polen entstanden.

Warum in den Stollen kraxeln …

In Deutschland gibt es nur einen einzigen natürlichen Salzheilstollen: das Salzbergwerk in Berchtesgaden. 750 Meter muss man hier für die salzige Luft mit der Elektrobahn in den Berg fahren, dann noch rund 100 Meter zu Fuß gehen. Mitte der 90er-Jahre kamen die ersten Kuranlagenbetreiber in Deutschland auf die Idee, die natürlichen Salzräume künstlich nachzubauen. Warum in den Stollen kraxeln, wenn das Salz nach oben geholt werden kann? So geschehen auch in Bookholzberg. 30 Tonnen Salz aus dem Toten Meer und dem Himalaya wurden hier nach eigenen Angaben verbaut. Und tatsächlich: Schon beim ersten Schritt in die Grotte tauche ich in eine fabelhafte Welt aus Salz. Warmes, rotgelbes Licht empfängt mich. Schimmernde Salzkristallsteine in allen Größen und Formen leuchten von den Wänden entgegen. Ein Brunnen plätschert und unter den Füßen knirscht feines Salzgranulat. Im Raum stehen 14 Liegestühle mit Wolldecken. Ein Paar mit einem kleinen Jungen im Krabbelalter nickt mir freundlich zu. Sie haben es sich auf den Stühlen bequem gemacht. Auch mein Mann und die großen Jungs haben sich Liegeplätze ausgesucht. „Voll cool hier“, sagt Luk beeindruckt und zeigt auf die kunstvoll gefertigte Decke im Grottenstil: „Hier sieht's ja aus wie in einer echten Tropfsteinhöhle.“ Auch Eliah hat seinen Bock längst vergessen: Er wühlt durch eine große Kiste Spielzeug im Spielbereich. Mich durchströmt ein Glücksgefühl angesichts dieser Aussichten: Mein Mann und ich dürfen uns in einen Liegestuhl legen, während die Kinder beschäftigt sind?

Meine beanspruchten Mutternerven regenerieren sich nach wenigen Minuten spürbar. Das warme Licht schmeichelt meinen Augen. Die Höhlenform des Raumes vermittelt ein intensives Gefühl von Geborgenheit. Die salzige Luft benetzt Haut und die Lippen. Es riecht und schmeckt ein bisschen wie am Meer. Das ist zweifelsohne angenehm für Seele und Sinne. Doch hat diese „Halotherapie“ ( von griechisch „halos“ = Salz) auch gesundheitliche Vorteile? Immerhin werben viele Grottenanbieter mit tollen Gesund-Versprechen: Allergiker, Menschen mit chronischer Bronchitis und Asthmatiker sollen von der antibakteriellen und allergenfreien Salzluft profitieren, Neurodermitis oder Schuppenflechte bei regelmäßigen Besuchen gelindert werden.

Tatsächlich gibt es bis heute keine repräsentative Studie, die den gesundheitlichen Nutzen einer künstlichen Salzgrotte belegen kann. Zudem ist es noch keinem Anbieter gelungen, in seinem Nachbau das Mikroklima eines natürlich gewachsenen, unterirdischen Salzheilstollens zu imitieren. Das perfekte Klima aus passender Luftfeuchtigkeit und kleinsten Salz-Aerosol-Partikeln, die tief in die Bronchien eindringen und dort heilend wirken, kann bis jetzt eben nur die Natur bauen.

Doch für uns ist das heute kein Nachteil. Niemand hat Husten oder Hautprobleme. Wir wollen die schöne Atmosphäre genießen, zur Ruhe kommen und den Kopf abschalten. Und das klappt auf jeden Fall: Als die Sitzung vorbei ist, sind wir wie verwandelt. Laut und lärmend polterten wir rein in die Salzgrotte, ganz still und leise kommen wir wieder heraus. Familienfrieden kann so schön sein. Ich genieße doppelt. Und habe plötzlich das Gefühl, doch ein bisschen freier atmen zu können.

Salzige Tipps für Zuhause
Salzkompressen gegen müde Augen

Eine Wohltat nach einer langen Nacht oder anstrengender Bildschirmarbeit: Wattepad in eine 1%ige Kristallsalzlösung eintauchen. Dafür 1 g Salz in 100 ml Wasser auflösen. Den Pad auf die geschlossenen Augen legen und 5 bis 10 Minuten einwirken lassen.

Sauna mit Salzpeeling

Saunieren befreit den Körper von Giften. Gefördert wird der reinigende Effekt durch Salz-Einreibungen: Vor dem Saunagang gemahlenes Kristallsalz kräftig einmassieren, bis es aufgelöst ist.

Inhalation für die Atemwege

Effektiv bei Entzündungen der Nebenhöhlen und bei Atemwegserkrankungen: die Soleinhalation. In 2 Liter heißem Wasser 80–100 g Salz auflösen. Unter einem Tuch 10–20 Minuten inhalieren.

Nasendusche gegen Schnupfen

So geht's: Kopf zur Seite neigen und den Mund weit öffnen. Nasenkanne an ein Nasenloch halten und die 1%ige Salzlösung einlaufen und durch das andere Nasenloch wieder herauslaufen lassen.

Fußbad gegen Regelschmerz

Ansteigende Fußbäder helfen bei Menstruationsschmerzen: 200 g Salz in 5 Liter Wasser lösen. Bei 35 Grad Wassertemperatur Fußbad beginnen. Heißes Wasser zugeben, bis 40 Grad erreicht sind.

Stirnkompressen bei Kopfweh

Bei Kopfschmerzen ein Baumwolltuch in eine kühle oder leicht warme 5%ige Salzlösung tauchen (5 g Salz auf 100 ml Wasser) und auf die Stirn legen. Alle 5 Minuten erneuern, bis Besserung eintritt.

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