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Naturseife: Dufte Stücke

Der Duft betört, die Zutaten sind erste Klasse. Da wird das Händewaschen zum Vergnügen. Doch was zeichnet Naturkosmetik-Seife eigentlich aus? Und wie wird sie hergestellt? // Annette Sabersky

-> Naturseife im Bio-Laden

Warenkunde Naturseife Lavendel, Limone und Rosmarin, Wildrose, Sanddorn und Honig – die Nase kommt gar nicht hinterher mit dem Erschnuppern der verschiedenen Seifendüfte, so groß ist die Auswahl an Seifen im Bio-Laden inzwischen. Fanden sich in Naturkostfach-geschäften früher nur ein, zwei Seifenstücke – Typ Kernseife – so hat man heute schon fast die Qual der Wahl. In den Regalen liegen ovale, (viel)eckige, herzförmige Seifen und sogar Wasch-stücke in Schäfchenform.

Es gibt reine Pflanzenölseifen, Seifen mit einem Zusatz an Honig oder Schafsmilch sowie Seifen mit hohem Glycerinanteil und reine Wellnessseifen mit schwarzem Sesam und Minze. Und das Schöne: Die Seifen reinigen und pflegen nicht nur, sie betören mit ihrem Duft die Sinne, helfen uns dadurch beim Entspannen oder lassen uns aufleben.

Wie wird Naturseife hergestellt?

Für ein festes Stück Seife braucht man hochwertige Pflanzenfette wie Oliven-, Palm- und Kokosöl. Die werden in einem großen Kessel mit einer Lauge verkocht – Natronlauge, wie man sie von Laugenbrezeln kennt. Bei diesem traditionellen Siedeverfahren werden die Öle und Fette, die chemisch gesehen aus Fettsäuren und Glycerin bestehen, in ihre Bestandteile zerlegt. Die Fettsäuren verbinden sich zudem mit der Lauge und es bilden sich deren Salze, sprich Seifenmoleküle. Das Glycerin verbleibt – anders als bei preiswerter konventioneller Massenware – in der Seife, denn es hat eine besonders hautpflegende Wirkung.

Entstanden ist der sogenannte Seifenleim, der noch ausgesalzen wird und nun je nach Rezeptur noch pflegende Öle, natürliche Duftstoffe, Kräuter, Blütenblätter oder Farbpigmente erhält. Dann kommt die Masse in kleine Seifenformen oder in Blockformen, muss einige Wochen oder Monate trocknen und wird anschließend aus der Form gelöst oder in Stücke geschnitten.

Beim alternativ für Naturseifen angewendeten Kaltverseifungsverfahren bleiben die Temperaturen niedriger, sodass der gesamte Herstellungsprozess länger dauert. Die Seifen sind etwas weicher, weil der Glycerinanteil höher ist.

Was ist das Besondere an Naturseife?

Naturseifen werden stets aus hochwertigen Pflanzenfetten und -ölen sowie Wachsen, Kräutern und Gewürzen, oft aus kontrolliert biologischer Erzeugung hergestellt. Gentechnik ist verboten. Zusätze wie Schaf- und Buttermilch sowie Honig stammen von Tieren aus artgerechter Tierhaltung. Zutaten vom toten Tier sind die Ausnahme.

Konventionelle Seifen werden dagegen oft aus für die Lebensmittelherstellung nicht verwertbaren Rindertalg hergestellt. Das Glycerin wird meist abgetrennt und in der Lebensmittelindustrie, für Arzneimittel oder auch für Kosmetika verwendet. So fehlt den Seifen das feuchtigkeitsspendende Etwas.

Viele Naturseifen tragen das BDIH-Siegel, das Label von Ecocert oder Ecogarantie. Dahinter steht eine besonders sorgfältige Auswahl der Rohstoffe und Zutaten. Synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsmittel sind hier tabu.

Das Bio-Sortiment enthält auch keine antibakteriellen Seifen. Waschstücke mit keimhemmenden Zusätzen also, die Bakterien und Pilzen den Garaus machen sollen. Sie haben keinen Vorteil gegenüber herkömmlichen Seifen. Mit der Zeit werden die Bakterien außerdem resistent gegen antibakterielle Wirkstoffe, sodass diese bei Hauterkrankungen nicht mehr helfen.

Wie kommt der Duft in die Seife?

Meist verleihen ätherische Öle wie Lavendel-, Lemongras- oder Rosenöl den Seifen ihre persönliche Note. Die Duftstoffe werden durch Wasserdampfdestillation aus Blättern, Schalen, Stängeln und Hölzern gewonnen. Zitronige Düfte stammen aus den Schalen von Orangen, Zitronen und Limonen. Naturseifen kommen ohne chemische Duftfixierer wie die schädlichen Diethylphtalate (DEHP) aus. DEHP wird von der Haut aufgenommen, soll den hauteigenen Schutz reduzieren und sie durchlässiger für Schadstoffe machen.

Durch die Verpackung, ob Karton, Wachspapier, Folie oder Cellophan, kann der Duft ein wenig eingefangen und somit eine zeitlang bewahrt werden. Wer eine Naturseife im Badezimmerschrank vergessen hat, weiß, dass das gute Stück ein Jahr und länger einen zarten Duft verströmt. Durch die Zugabe von Wasser intensiviert sich der Geruch zudem.

Daneben gibt es Seifen ohne Duftstoffe. Und auch wenn sie so heißen, selbst sie verströmen meist einen – wenn auch schwachen – Duft von Teebaumöl, Oliven- oder Lorbeeröl. Denn die Rohstoffe sind nicht geruchsneutral.

Welche Seife bei empfindlicher Haut?

Es gibt leider kein Patentrezept: Empfindliche Personen müssen ausprobieren, ob und welche Seife sie vertragen. Ein Vorteil der Naturseifen: Sie schützen vor dem Austrocknen und Rissigwerden, weil sie durch ihren hohen Anteil an rückfettenden und pflegenden Substanzen wie Karitébutter, Bienenwachs, Jojobaöl und Glycerin der Haut Fett und Feuchtigkeit zurückgeben. Wer keine Duftstoffe verträgt, findet im Naturkostfachgeschäft Seifen ohne zugesetzte Duftstoffe. Da aber auch natürliche Substanzen duften, muss jeder testen, ob er die jeweiligen Düfte verträgt. Nicht jeder Allergiker muss zudem auf jeden Duft verzichten. Oft geht es vielmehr darum, einen oder zwei ganz bestimmte Duftstoffe zu meiden. In der INCI-Liste auf der Verpackung findet sich nicht nur der Hinweis „Parfüm“. Dort müssen auch 26 Duftstoffe, die erfahrungsgemäß mehreren Allergikern zu schaffen machen, deklariert sein, sofern sie bestimmte Konzentrationen überschreiten.

Allergiker vertragen Duftstoffe im natürlichen Verbund oft besser als die isolierten Substanzen in herkömmlicher Kosmetik. Mögliche Erklärung: Im ätherischen Öl sind die Duftstoffe mit vielen anderen Substanzen verbunden, die sich gegenseitig beeinflussen und dadurch mögliche allergische Wirkungen abschwächen könnten.

Fest oder flüssig – wo sind die Unterschiede?

Flüssigseife kommt gebrauchsfertig aus der Tube oder Flasche mit Spender und lässt sich deshalb gut dosieren. Praktisch, aber das gewisse sinnliche Etwas, das ein Seifenstück bietet und es zu einem schönen Geschenk werden lässt, fehlt der flüssigen Variante.

Zweiter Unterschied: Flüssigseifen enthalten waschaktive Substanzen, die sogenannten Tenside. Herkömmliche Flüssigseifen arbeiten mit chemischen Tensiden, sie werden darum auch Syndet genannt, die Abkürzung für „Synthetische Detergenzien“. Flüssigseifen mit Naturkosmetiklabel enthalten milde Zucker- und Kokostenside oder verseifte Bio-Pflanzenöle.

Dritter Unterschied: Flüssigseifen gelten als besonders hautfreundlich, da ihr pH-Wert dem der Haut (von 5,5) angeglichen ist. Stückseifen und natürliche Flüssigseifen hingegen verschieben den natürlichen pH-Wert der Haut beim Waschen ins Alkalische. Dadurch verändert sich der Säureschutzmantel. Für gesunde Haut ist das kein Problem, sie regeneriert sich nach kurzer Zeit und pendelt sich wieder im normalen, leicht sauren Bereich ein.

Keime und Co.: Wie hygienisch ist Stückseife?

Sofern einige Dinge beachtet werden, ist Seife hygienisch und verkeimt nicht. Sie enthält zwar anders als die meisten „Syndets“ keine Konservierungsstoffe. Doch Seifen haben einen pH-Wert zwischen 9 und 11 und liegen damit im alkalischen Bereich. In diesem Milieu fühlen sich Keime unwohl und können sich nicht vermehren. Auch enthalten Stückseifen sehr wenig Wasser, so wird möglichen Bakterien und Pilzen der Nährboden entzogen. Einige natürliche Zutaten der Seife verhindern zudem, dass sie verkeimt. Dazu gehört das bakterizide Teebaumöl und auch Rosmarin.

Wichtig ist, dass die Seife nach Gebrauch nicht im stehenden Wasser liegt. Besser als in einer Seifenschale lagert man sie auf einem Seifensieb, wo die Seife nach dem Gebrauch trocknen kann. Nach dem Waschen sollte die Seife zudem kurz unter fließendem Wasser abgespült werden, so dass daran keine Schmutzreste und Hautpartikel haften bleiben – die Keimen wiederum einen Nährboden bieten können.

Hände und Körper– eine Seife für alles?

Die meisten Naturkosmetikseifen sind zum Händewaschen und für die Ganzkörperpflege geeignet. Sie enthalten pflegende Zusätze von Oliven-, Sesam- und Rizinusöl, Karité- und Sheabutter sowie Bienenwachs. Die Stoffe sorgen für die Rückfettung der Haut.

Naturseifen sind zudem reich an Glycerin, das die Feuchtigkeit in der Haut bindet und sie elastisch hält. Schafmilchseifen versorgen die Haut außerdem mit Pflege- und Nährstoffen und eignen sich auch für Kuhmilchallergiker.

Bei sehr trockener Haut ist Seife zur Ganzkörperpflege allerdings weniger geeignet. Der Gehalt an rückfettenden Substanzen reicht dann nicht aus. Auch empfehlen einige Anbieter ihre Seifen vor allem zum Händewaschen, da der Gehalt an pflegenden Substanzen geringer ist. Wichtig ist aber auch, dass die Seife nach dem Waschen wieder ganz abgespült wird. Denn Seifenreste lassen die Haut austrocknen, machen sie empfindlich und verhindern, dass sie sich wieder regeneriert.

Duft der weiten Welt: Blick ins Bio-Regal

Den zitronigen Duft des Südens hinterlässt die „Lemongrass“-Seife von Savon du Midi; sie riecht auf der Haut wie ein Spritzer frische Zitrone. Auch die „Cream Wildrose“ Seife (Sodasan) erinnert an die Düfte im Süden. Beide pflegen durch reichhaltige Karitébutter. Angenehm herb duftet die „Rosmarin Pflanzenseife“ von Weleda. Der feinporige cremige Schaum verteilt sich beim Waschen gut auf der Haut, Rosmarinöl wirkt leicht antiseptisch. Wellness pur, mal mit fruchtigem Sanddorn, mal mit Patschuli- und Orangenöl sind „In Balance“ (Speick) und „Amea Toskana Sanddorn“ (Tautropfen). Eine rückfettende Waschcreme bzw. Aloe vera geben der Haut nach dem Waschen Fett und Feuchtigkeit zurück. Für die empfindliche Haut und schon für Babys eignet sich „Jojoba & Sesam“ von Apeiron. Schwarzer Sesam, Jojobaöl und -samen versorgen die Haut mit ungesättigten Fettsäuren. Bei unreiner Haut kann eine „Teebaumölseife“ mit Avocadoöl und Honig helfen (CMD Naturkosmetik), denn Teebaumöl hat eine leicht keimhemmende Wirkung. Antiseptische Eigenschaften hat auch die rustikalere „Finigrana Alepposeife“ mit Oliven- und Lorbeeröl ganz ohne Palmöl (Treibholz). Durch den hohen Anteil an Olivenöl ist die Seife weicher als andere Stücke.

Wenn der Alltag Spuren hinterlässt, muss die gute alte „Kernseife“ (Sonett) ran. Die Alltagsseife entfernt hartnäckigen Schmutz und kommt ohne weitere Duft- oder Farbzusätze aus. Lieblich-süß mit einem Hauch Vanille duftet die wabenförmige „Honig-Bienenwachs-Seife“ von Melvita. Der Honig spendet Feuchtigkeit, das Bienenwachs gibt ihr Fett zurück. Gar kein schwarzes Schaf, sondern ein echter Hingucker ist das kleine Seifenschaf von Saling Naturprodukte mit Schafsmilch. Von dieser wusste schon Kleopatra, dass sie die Haut sanft und geschmeidig macht.

Kleiner Seifen-Knigge

„Bevor es Flüssigseife gab, wurde Stückseife zur gesamten Körperreinigung verwendet. Und das ist auch heute noch zu empfehlen“, sagt Peter Zielke von Savon du Midi, dessen Unternehmen seine Seifen in der Provence in Frankreich herstellen lässt. „Damit die Seife ihre Form behält und nicht mulcht, muss sie richtig aufbewahrt werden. Der Tod der Seife ist das Fußbad in der Seifenschale“.

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incl. 'http://'
Jaja

Kann dem anderen Kommentar nur zustimmen.

Ich nutze Aleppo Seife.
Jegliche anti Schuppen schampoos waren auf Dauer kontraproduktiv.

Bertelbln
Hallo,seit mein Friseur mir vor mehr als 10 Jahren zur Haarwäsche Lorbeerölseife empfahl sind dünnes, fettiges Haar Vergangenheit.

Die wird als Stück verkauft und ist sehr ergiebig. Der sahnige Schaum wirkt wie eine Packung ein und kann auch zur Gesichtspflege verwendet werden. Nach 2 bis 3 Wochen war bei mir die Umstellung vollzogen und der Waschrhytmus verändert. Der "Seifengeruch" ist nach dem Trocknen verflogen. Juckreiz und Schuppenbildung gibt es nicht mehr. Sehr empfehlenswert