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Welcher Fisch geht mir ins Netz?

Auch den überzeugtesten Singles geht irgendwann die Lust am Solo verloren – doch den oder die Richtige(n) zu finden, ist schwer. Ob’s bei der Online-Partnervermittlung klappt? Ein Bericht aus dem wahren Leben. // Helga Boschitz

Online-Partnerbörsen Vielleicht war es der ungemein ermutigende Toast „Auf dich, Schätzchen, dass du mir nicht irgendwann vertrocknest!“, mit dem mir mein Freund Gabriel an meinem 45sten Geburtstag zuprostete. Es war nun schon der dritte Geburtstag, den ich mit all meinen Lieben, aber ohne einen Liebsten feierte. Irgendetwas machte „Klick“. Und heute, wenige Tage nach Gabriels denkwürdigem Trinkspruch, bin ich bei einer großen Online-Partnervermittlung angemeldet. „Halleluja!“, ruft Gabriel euphorisch aus, „Willkommen im Club!“. Gabriel treibt sich seit zwei Jahren fast täglich in Online-Partnerbörsen herum – sein Glück, dass es inzwischen auch schwul-lesbische Anbieter gibt! Das Leben meines Freundes hat dadurch enorm an fröhlicher Turbulenz gewonnen, zwischendurch ist sogar mal etwas Ernsthaftes aufgetaucht, und trotz einiger Enttäuschungen glaubt Gabriel unerschütterlich daran, dass ihm die einzig wahre große Liebe eines Tages ins Haus flattern wird.

Dem Glück das Fenster öffnen …

Und ich? Na ja … mal wieder Liebesglücksgefühle zu spüren, das wäre schon schön. Und als Dauer-Single will ich auch nicht durchs Leben ziehen. Also erinnere ich mich: Es gibt zwar keine Garantien für das Glück, man muss ihm aber wenigstens das Fenster öffnen, damit es zu einem hereinfliegen kann. Meine Einladung an das Glück kostet etwas Mühe: Viele Fragen zu meiner Person, meinen Vorlieben und Interessen und ein Psycho-Test wollen abgearbeitet werden. Die sehr treffende Testzusammenfassung verblüfft mich: Das bin wirklich ich! Dieses mein Ich erscheint als Grafik – neben weiteren Angaben und einem schattenhaften Foto, das erst deutlich wird, wenn ich es für jemanden freigebe – auf meiner Seite. Fertig ist mein Online-Profil, das nun automatisch mit dem männlicher Mitglieder abgeglichen wird. Je mehr Übereinstimmungen ich mit jemandem habe, desto mehr „Matching-Punkte“ teilen wir uns; die Anzahl der Matching-Punkte sehe ich, sobald ich das Profil eines „Kandidaten“ anklicke. Zur Kontaktaufnahme habe ich verschiedene Möglichkeiten: Ich kann ein Lächeln senden und/oder persönliche Nachrichten, „Spaßfragen“ stellen oder einen kurzen Kommentar schicken.

So weit, so gut. Ich mache Ernst und schließe für sechs Monate und rund 240 Euro einen Vertrag ab. „Damit ich einen Besuch bei dir überhaupt erwäge“, sagt das Glück hochmütig, „zückst du bitte erst mal deine Kreditkarte – aber versprechen werde ich nichts …“

Frösche küssen inklusive …

„Glück ist nicht käuflich – geh doch lieber kostenlos auf die Suche“, meint meine Freundin Katrin, die seit ein paar Monaten bei mehreren Gratis-Anbietern unterwegs ist und über deren Erfahrungsberichte wir bei vielen Gläsern Wein schon viele Tränen gelacht haben. Katrin ist 39, eine barock gebaute Frau mit einem großen Herzen und viel Hirn, die unbekümmert an die Sache herangeht. Deshalb steckt sie es einfach weg, wenn nach wochenlangem Flirt plötzlich Funkstille herrscht, wenn ihr einer statt eines Porträts eine Nahaufnahme seines besten Stücks schickt, wenn einer schreibt, dass er sie „zu alt“ findet, wenn der „attraktive 45-Jährige“ sich beim ersten Treffen als mindestens 62-jähriges Auslaufmodell entpuppt. Katrin hat per Mausklick schon viele Frösche geküsst!

Durch derlei Erfahrungsschatz gewappnet, stürze ich mich also ins Getümmel. Diese Vielfalt! Und jeder, der da erscheint, könnte der Volltreffer sein! Vielleicht ist es der Musiker, der mich zum Lachen bringt? Oder der Therapeut, der so interessante Dinge über sich erzählt, der Journalist, den ich optisch (sofern das Foto die Wahrheit sagt) umwerfend finde, der dunkeläugige Südfranzose – très charmant! Und dann das unausweichliche Wechselbad der Emotionen: Der Kick, wenn ein Mann mir ein Lächeln sendet. Die Enttäuschung, weil der Journalist sich einfach nicht mehr meldet. Das „Wow“-Gefühl, wenn mir ein sexy Typ sein Foto freigibt. Der Frust bei einem anderen: Oje, der geht gar nicht!

Und schon nach drei Wochen steht das erste Date an – mit dem Musiker! Schnell sind wir zum Telefonieren übergegangen, haben uns einiges übereinander erzählt. Mein Instinkt sagt mir: Er ist o.k. Eine schöne Stimme hat er und ein beachtliches Flirttalent. Ich bin fast ein wenig verliebt.

Auf dem Sprung vom Virtuellen in die Realität ist Vorsicht angesagt, ich weiß. Möglichst erwartungslos bleiben! Wir treffen uns genau in der Mitte zwischen unseren Wohnorten, in einem kleinen Städtchen. Ich komme zu früh an und nutze die Zeit für einen Altstadtbummel und einen Espresso im Café. Von der Seite funkt mich etwas an, ich drehe den Kopf: Ein gutaussehender Unbekannter lächelt mich an. Ich lächle zurück. Unsere Blicke treffen sich, mehrmals. Er macht Anstalten, mich anzusprechen. Ich lehne mich zurück. Das Glück verspricht nichts, aber es findet tausend Wege durch ein geöffnetes Fenster. Und manchmal hat es die Liebe im Gepäck …

Vom Klick zum Glück: die wichtigsten Tipps

Nicht zu viel erwarten
Wie im realen Leben, gilt auch im Netz: Wer seine Erwartungen möglichst niedrig hält, kann am wenigsten enttäuscht werden. Am besten offen und neugierig sein, engere Kontakte aber vorsichtig angehen.

Dem eigenen Instinkt vertrauen
Wer Menschenkenntnis, ein gesundes Selbstbewusstsein und einen guten Zugang zu seiner Intuition hat, ist im Vorteil. Das bewahrt vor Vertraulichkeiten, die man „eigentlich gar nicht wollte“ und gibt bei Dates mehr Sicherheit.

Die Chancen stehen nicht schlecht
Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit rund 6 Millionen Deutsche mit einem Partner zusammen sind, den sie im Internet gefunden haben. Optimismus ist also durchaus angebracht! Realistisch bleiben Geschätzte 7 Millionen Singles sind in Deutschland in Online-Singlebörsen und Partnervermittlungen unterwegs. Das heißt: Die Auswahl ist riesig. Wer Sie anklickt, sich dann aber schon bald nicht mehr meldet, meint nicht Sie persönlich!

Interview

Julian HeiermannProf. Dr. Bernhard Taureck, 68, ist ehrenamtlicher Sprecher der Online-Partnerbörse „Gleichklang“. 2011 verliebte sich der Philosoph bei „Gleichklang“ in seine heutige Ehefrau.

Worin liegen die entscheidenden Vorteile der Partnersuche im Internet?

Man verschwendet weniger Zeit und erspart sich Umwege, weil beide von vornherein bei der Beziehungsfrage beginnen. Die Kommunikation ist schnell und unmittelbar, Wünsche werden gezielt präzisiert. In unserer Singlegesellschaft gehören Zielstrebigkeit und Pragmatismus auch bei der Partnersuche dazu. Ein Vorteil ist auch der Schutz, den die Anonymität bietet, auch wenn man sich bereits persönlich austauscht. Als ich mit meiner jetzigen Frau im Netz kommunizierte, blieben wir beide – trotz sich bereits anbahnender „Kernschmelze“– gerne noch eine Weile anonym.

Welche Schwächen hat diese Form? Wo ist Vorsicht geboten?

Neben möglichen Verwechslungen der virtuellen mit der realen Welt und überzogenen Erwartungen (wie bei jeder Form der Partnersuche), gibt es natürlich Betrug – unter Anbietern wie unter Nutzern. Beim Anbieter sollte man die Geschäftsbedingungen genau lesen und recherchieren, ob es Presseberichte oder Tests zu einem Portal gibt. Und unter den Mitgliedern sind natürlich auch immer welche, die ihr Profil schönen und unwahre Angaben machen.

Neigt man im „Supermarkt der Liebe“, wie ein französischer Soziologe das Online-Dating nennt, nicht schnell zu einer Haltung wie beim Shopping: Da gefällt mir eine Kleinigkeit nicht, also lege ich es zurück ins Regal?

Ja, es ist leicht, Ernsthaftigkeit mit Beliebigkeit und Spielerei zu verwechseln. Da muss man genau prüfen, welche Absicht hinter einer Aussage stehen könnte, und auch sich selbst fragen, was man wirklich sucht und was einem wichtig ist.

Viele Online-Partnervermittlungen arbeiten mit „Matching“-Punkten, empfehlen also Kontakte mit möglichst vielen persönlichen Übereinstimmungen. Wird eine überzogene Harmonie angestrebt?

Beziehungen sind auf Dauer weniger störanfällig, wenn sie auf ähnlichen Einstellungen, Verhaltensweisen und Eigenschaften basieren. Ob es vor lauter Harmonie langweilig wird, liegt am Paar selbst. Bisher scheint das Matching-Sys-tem am besten zu funktionieren.

„Gleichklang“ bietet ein Extra-Angebot für viele gesellschaftliche Gruppen, etwa Veganer oder Alleinerziehende. Warum?

Wir sehen das als ethisch gerechtfertigt an: Alleinerziehende, übergewichtige Menschen, S/M-Anhänger oder andere spezielle Gruppen stoßen in „normalen“ Portalen oft auf Unverständnis. Diese Menschen sollten nicht bei der Partnersuche Probleme haben, weil sie sind, wie sie sind. Und es ist für Gleichklang eine Herzensangelegenheit, eine vegane Lebensweise zu fördern.

Bücher und Links

Alwin, JudithAlwin, Judith:
Ins Netz gegangen. Mein Online-Tagebuch.
Schwarzkopf &Schwarzkopf, 2008, 347 Seiten, 12,90 Euro

Deißler, Nina

Deißler, Nina:
So verlieben Sie sich richtig.

Humboldt, 2010, 176 Seiten, 9,95 Euro

www.singleboersen-vergleich.de
Ob man nun einen Flirt, ein Blind Date, eine/-n gleichgeschlechtliche/-n Partner/-in, die große Liebe oder nur einen Seitensprung sucht: Auf dieser Seite bekommt man einen guten Überblick über das große Angebot für Online-Liebessuchende.

www.online-tarife.de
Unter dem Stichwort „Singlebörse“ findet sich eine Vielzahl von Informationen und Tipps rund um die Partnersuche via Internet. Schön übersichtlich ist der systematische Aufbau des Ratgebers.

www.palverlag.de/online-dating.html
Viele hilfreiche Tipps für Singles gibt die erfahrene Psychologin Doris Wolf auf der Internetseite ihres eigenen Ratgeber-Verlags: Von den 10 häufigsten Fehlern bei der Online-Partnersuche bis zur Hilfestellung nach einem verpatzten Date.

www.naturkost.de
Auch in den Grünen Seiten von Schrot&Korn und im Online-Angebot des bio verlags könnte der Mensch fürs Leben warten: Unter dem Stichwort „Kontaktbörse“ inserieren Hunderte Männer und Frauen. Wir freuen uns über einige glückliche Paare, die sich hier bereits gefunden haben!

www.lebensfreude50.de
Online-Portal für Menschen über 50, die neue Kontakte oder eine neue Liebe finden wollen.

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